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Jahresanfang - traditioneller Kassensturz bei www.gruss-aus-senftenberg.de für die vergangene Periode. Nur um zu rekapitulieren, was
an dieser Stelle über das gesamte 2025 verteilt geleistet wurde...
Auf der Haben-Seite stehen 42 Neues-Seiten. Bei potentiellen 52 Wochen im Jahr kein schlechter Schnitt! Die Differenz ist durch Urlaube,
Krankheiten oder langwierige Recherchen/Vorbereitungen erklärbar. Zudem wollte ich ja eigentlich ruhiger treten. Beim "wollen"
ist es aber auch geblieben.
Obwohl einige wenige Stücke von meiner Suchliste getilgt werden konnten, dümpeln da immer noch um die 50 Ansichtskarten herum,
die ich im Original suche. Teilweise schon von Anbeginn. Es ist ja nicht so, daß ich nicht auf allen möglichen Wegen versuchen würde, dieser Stücke habhaft zu
werden aber manchmal bremst vielleicht auch einfach nur die fehlende Bereitschaft der jeweiligen Besitzer. Letzteres ein Problem, mit dem ich im vergangenen Jahr
auch wieder zu kämpfen hatte. Hier und da wurde wieder mit diversen historischen Fotos/Dias vor meiner Nase herumgewedelt doch die Akquise scheitert bislang noch am fehlenden
Gestaltungswillen der Gegenseite(n). Naja, vielleicht in diesem Jahr? Wie das insgesamt in 2026 weitergeht wird sich zeigen. Aktuell bin ich relativ pessimistisch denn der Markt ist derzeit vollkommen leer gefegt. Aber das leiere ich schon seit Jahren und dann kommt es erfreulicherweise doch anders. Na gut, dann starten wir mal. |
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Hab ich das nur geträumt oder enthielt die Aufgabenstellung zur Erstellung der
neuen Stadtchronik tatsächlich zu irgendeinem Zeitpunkt den Passus und der Ortsteile?
Ich kann das gerade in dieser Form nicht mehr finden. Stattdessen ist von "heutigem Stadtgebiet" die Rede. Wie muß man das verstehen?
Ist damit nur die Kernstadt Senftenberg gemeint? Oder schließt das auch die über die Jahre
eingemeindeten Ortsteile ein? Konkret: Brieske-Ost (Marga), Brieske-Dorf, Niemtsch, Sedlitz, Groß- und
Kleinkoschen, ja sogar Peickwitz und Hosena!Und weil ich gerade die rechts abgebildete Ansichtskarte betrachte... wie verhält es sich mit dem ursprünglich zugehörigen Senftenberg II, das heute Hörlitz heißt? Welche Auffassung vertritt der Auftraggeber dazu? Wie interpretiert das der designierte Auftragnehmer? Fließt die Historie der angeschlossenen Gemeinden - wenn überhaupt! - erst ab dem Zeitpunkt der "Annexion" ein oder beginnt deren Geschichte ebenfalls anno dunnemals? Da es in der Aufgabenstellung inhaltliche Leitplanken gibt, die u.a. auf den Braunkohlenbergbau und die Glasindustrie abstellen, wird man wohl den Umring etwas weiter gedacht haben. Die eine Brikettfabrik mit angeschlossener Glashütte auf Senftenberger Flur macht ja allein den Kohl nicht fett. |
Verlag: Max Artlich,
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| Dafür ist Senftenberg II, Meurostolln, Senftenberg-West, wie immer man das Gebiet auch nennen möchte, weitaus besser geeignet. Durch die Glashütte der Firma Seidensticker oder durch diverse Braunkohlegruben mit angeschlossener Verarbeitung. Die rechts oben abgebildete Brikettfabrik, die über die Jahre unterschiedliche Namen trug und letztlich als "Meurostolln" am 31. Mai 1995 die Produktion einstellte, war ja nur eine von mehreren Fabriken in diesem örtlichen Kontext. | |
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In dem Zusammenhang dürfte die Industriehistorie von größeren Interesse sein als die Geschichten,
die sich um das Gasthaus "Zur Deutschen Eiche" ranken. Dieses sehen wir auf der rechts abgebildeten Ansichtskarte,
die sich hinsichtlich des damaligen Wirtes unschlüssig ist. Während die Aufschrift von "Ernst Bauer" spricht, zeigt die
Abbildung selbst einen ... ja wa steht da eigentlich? H. Meyer? M. Heyer? Ich halte diesen Meyer oder Heyer für eine Erfindung des Ansichtskartenproduzenten denn was die "Eiche" betrifft listen sämtliche Einwohnerbücher der Stadt ab 1914 immer nur Ernst Bauer als Besitzer und Wirt des Lokals. Die nicht wirklich gut zu datierende Ansichtskarte - das <= 1925 ist eine Schätzung von mir - wurde definitiv zeichnerisch nachbearbeitet. Möglicherweise war das Basisfoto derart schlecht, daß eine Manipulation notwendig wurde. Das würde auch die Linien erklären, die quasi diagonal über die ganze Abbildung laufen. Vielleicht war der Schriftzug nur schwer lesbar und ein Retuscheur, der sich lokal nicht auskannte, machte aus dem E.Bauer ein H.Meyer? Am Ende des Tages nicht mehr so wichtig und allemal weniger gravierend als jene Nachbearbeitung, die aus der deutschen Eiche eine deutsche Taube machte. Guckst du hier...
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Verlag: Rob. Lehmann, Thamm-Senftenberg
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| Waren die beiden obigen Ansichtskarten schon ziemlich selten so gilt das um so mehr für das dritte und letzte heutige Exemplar. Territorial gehören die drei Teilmotive auch so ein wenig nach Senftenberg II. Während aber die Ansicht vom Hörlitzer Werk ziemlich "Jottwehdeh" zu verorten ist und darüber hinaus keinem heute Lebenden noch etwas sagt, existierte der links oben abgebildete Gasthof noch in Zeiten, an die sich der eine oder andere (ich nicht!) noch erinnern kann. Dann aber bereits im umgebauten Zustand und unter der Bezeichnung "Wilop's". Einen Ausflug in die Geschichte dieses Gasthauses unternahmen wir schon unter Neues 541. Heute können wir der Betreiberabfolge einen weiteren Namen hinzufügen: Reinhold Staude. Selbiger bewirtschaftete den Gasthof aber nur in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum. | |
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Sein Name tauchte erstmals Ende Juli 1901 in Inseraten innerhalb des Senftenberger Anzeiger auf. Bis Ende Mai des Jahres
stand an dieser Stelle der Name Noack. Anfang 1902 sandte Staude via Lokalblatt noch Neujahrsgrüße ...
Den Jahreswechsel 1902/03 hingegen erlebte Staude nicht mehr am Zapfhahn des Lokals. Sein Name taucht noch bis Ende September 1902 auf und nach einem Monat "Funkstille" übernahm wiederum Gotth. Noack, der bereits bis Mai 1901 die Geschicke seines Hauses in den eigenen Händen hielt, den Ausschank. Beide Aktionen - die Übernahme von Staude und die Rückübertragung an Noack - verliefen still und ohne Bekanntmachung der Geschäftsübergabe in der Lokalpresse. Wie bereits herausgearbeitet, verkaufte Noack im folgenden Juli den Gasthof an Oskar Zahn. |
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Ob es sich bei der dritten Abbildung - betitelt mit Villa Noak - um das Wohnhaus des besagten Gasthof-Besitzers handelte? Möglich.
Wir können vermutlich von einem weiteren Schreibfehler ausgehen. Es sollte bestimmt Noack heißen. Es ist auch erstaunlich, was man damals so
alles als "Villa" bezeichnete.![]() Übrigens: die Brikettfabrik auf der Ansichtskarte - das Hörlitzer Werk - war eine kleinere, fast schon obskure Produktionsstätte und ist heute weitestgehend unbekannt. Um so erstaunlicher, daß seit kurzem eine Ansicht davon im Senftenberger REWE hängt. |
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Das Foto ist dabei nur ein Bestandteil von einer ganzen Reihe großformatiger Abbildungen, die an den Seitenwänden knapp unter der Decke aufgehangen sind.
Mit ihnen soll der Slogan "Vom Bergmann zum Seemann", den man für die Region Senftenberg versucht zu etablieren, visuell untersetzt werden.
Der Seemann wird dabei durch historische Fotos vom Senftenberger See, mit denen die meisten etwas anzufangen wissen, symbolisiert. Der
Bergmann hingegen erfährt seine bildliche Entsprechung durch Fotos aus dem Bergbauumfeld: Bagger, Förderbrücke, Kraftzentrale oder eben eine
Brikettfabrik. Diese Grafiken wiederum werden dem gemeinen REWE-Shopper nicht viel sagen. Zumindest wird er sie in aller Regel nicht örtlich zuordnen
können. Ungeachtet dessen: alles in allem eine schöne Idee, die sich auch noch durch andere Elemente im frisch renovierten Supermarkt zieht.![]() Ist das nun die Zukunft? Heimatgeschichte im Einkaufsladen? Demnächst auch im ALDI, NORMA, PENNY? Was rede ich denn da? Die ganze Bahnhofstraße! Oder doch gleich die halbe Innenstadt? Kein so abwegiges Szenario wie das staunende Publikum aus der Lausitzer Rundschau am Ende des Jahres erfuhr... Gut, ich hatte schon vorher Kenntnis von den Plänen des neuen Senftenberger Wirtschaftsförderers. Unser Bürgermeister "verplapperte" sich ein wenig in einer SVV und da ich 1 und 1 zusammenzählen kann, fiel ich auch nicht gleich aus allen Wolken als besagter Mitarbeiter der Stadtverwaltung einige Tage später bei mir anrief. Worum geht es? In einem Satz: Der Leerstand von Ladengeschäften soll durch Bilder und Geschichte(n) aus vermeintlich oder tatsächlich besseren Tagen, die man an den Scheiben der leeren Schaufenster anbringt, kaschiert werden. Deshalb den Kontakt zu mir zu suchen, lag nahe.
Ich muß gestehen, daß ich eigentlich nicht damit gerechnet habe, daß man mit dieser Idee an die Öffentlichkeit tritt. Persönlich ist mir das alles zu halbgar und mehr so ein
Schuß ins Blaue. Ich bin mir auch absolut nicht sicher, ob und wenn ja, in welchem Umfang, ich mich beteiligen sollte. Meine erste Reaktion war jetzt nicht strikt
kontra, fiel aber hoffentlich auch nicht so aus, daß man glaubt, meine Mitarbeit schon in der Tasche zu haben. |
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