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30.11.2025
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Nach meiner ganzen Laberei in der Vorwoche wird es Zeit, wieder ein wenig Fahrt aufzunehmen. Doch das Thema "Chronik(en)" lässt mich noch nicht ganz los. Dazu aber am Ende der Seite mehr. Bis dahin steht auf meiner Liste noch ein Vermerk "Trinks & Co.". Hier will/muß ich noch ein paar Glasplatten-Scans abarbeiten, die ich schon vor einigen Monaten erworben hatte und die seitdem auf ihre Aufbereitung warteten. Generell nichts Sensationelles denn alle Motive sind sattsam bekannt. Klarer Vorteil ist jedoch, daß uns hier eine signifikant bessere Qualität geboten wird als wir sie von den Ansichtskarten-Pendants kennen.

Senftenberg
Trinks und Co. GmbH Leipzig
Aufnahme <= 1927
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Senftenberg Senftenberg
Ein weiterer Vorteil - in der Regel mehr Bildinformationen - wird in vorliegenden Fällen nur teilweise ausgespielt. Tatsächlich ist der Bildausschnitt für das rechte Stück merklich kleiner als auf den Ansichtskarten. Eigentlich hätte ich das Gegenteil erwartet. Warum jedoch auf der Glasplatte im direkten Vergleich rechts und links etwas fehlt, kann ich nicht erklären.

Die beiden Ansichten, wie auch die dritte weiter unten, gehören zu jenen Motiven die sowohl circa Aufnahmejahr als Ansichtskarte verlegt wurden, wie auch 20+ Jahre später ihren Weg auf Nachkriegsproduktionen fanden. Die Abbildung des Bergbauhauses dabei aber bekanntermaßen mit einer Manipulation (Kreishaus statt Bergbauhaus).

Senftenberg
Trinks und Co. GmbH Leipzig
Aufnahme <= 1935
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Senftenberg Senftenberg
Bei Foto Nr.3 ist alles wieder wie erwartet: An allen 4 Seiten mehr Bildinformation. Wobei das alles nicht so wirklichg relevant ist. Drei, vier zusätzliche Zaunlatten sind nicht die Welt.

Die Aufnahme vom einstigen Haupteingang des Senftenberger Krankenhauses bringt mich nunmehr zu oben angedeutetem Rückgriff auf das Thema "Chronik(en)". Vielleicht haben es einige mitbekommen, unser Krankenhaus feierte dieser Tage seinen 135. Geburtstag. Okay, 135 Jahre ist jetzt nicht der Klassiker hinsichtlich größerer Festivitäten oder gar einer Chronik, aber das Jubiläum fand dennoch ein wenig medialen Widerhall.
Während der prestigeträchtige 125. Geburtstag vor zehn Jahren in meiner Erinnerung völlig unterging, fabrizierte man anläßlich "100 Jahre Krankenhaus" immerhin eine Chronik. Das A4-formatige Heft mit knapp 100 Seiten ist heutzutage nur noch sehr selten zu finden. Die Publikation enthält eine ganze Reihe historischer Fotos, selten in bestmöglicher Qualität, aber immerhin.

Einige davon schafften es in den statischen Inhalt des folgenden Chronik-Films, der mich ehrlich gesagt jetzt nicht vom Hocker haut. Für die Länge des Streifens werden relativ wenig Informationen transportiert und vieles davon habe ich schon gehört oder gelesen. Insgesamt nicht sehr ambitioniert.

Senftenberg
Trinks und Co. GmbH Leipzig
Aufnahme <= 1928
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Senftenberg Senftenberg
Vermutlich blieb der Aufruf (siehe nachfolgend), der Anfang April diesen Jahres veröffentlicht wurde, ohne große Resonanz und deshalb steckte man letztlich ein wenig in der Material-Bredouille.

Lausitzer Rundschau (2. April 2025)
Ich selbst habe die Aufforderung zwar zur Kenntnis genommen aber sie löste keine große Betriebsamkeit bei mir aus. Ohnehin hätte ich nur wenig beitragen können. Möglicherweise ein Foto hier oder da. Vielleicht hätte man sich durch mein Zutun sparen können, in dem Moment, wo die "Höhe 304" zur Sprache kommt, kurz das Cover und Seite 100 von Norbert Jurks erstem Buch einzublenden (bei 8:30). Vielleicht auch nicht.
Sicherlich hätte ich die Produzenten des Streifens auf Filmaufnahmen (siehe nachfolgende Standbilder) aufmerksam gemacht, die Ende der 1980er im Krankenhaus-Umfeld angefertigt wurden.
Hab ich aber nicht! Hätten doch auch mal fragen können.

Wenn man schon einmal auf das Medium "Film" bei der Vermittlung von lokaler Historie setzt, wären solche Sequenzen durchaus ein Beitrag, das Ganze abwechslungsreicher, anschaulicher und authentischer zu gestalten.
Die Bewegtbilder liegen mir derzeit nur in stark fragmentierter Form vor. Seit dieser Woche weiss ich aber, woher sie ursprünglich stammen:
Sie sind Bestandteil eines insgesamt knapp 14-minütigen Reports über die "Schnelle Medizinische Hilfe in der DDR" der seinerseits in einem DDR-TV-Journal (Exportfassung) eingesetzt wurde. Laut der Inhaltsbeschreibung bestehen die gesamten 14 Minuten fast ausschließlich aus Aufnahmen, die in und um Senftenberg (z.B. Großräschen) gemacht wurden. Statements des damaligen Leiters der SMH Senftenberg, Dr. Hartmut Handschak, sowie eines Dispatchers sind auch enthalten. Allein wegen der Außenaufnahmen, die Senftenberger Infrastruktur zeigen, vermutlich sehr interessant! Es besteht die berechtigte Hoffnung, daß ich in Kürze über den kompletten Filmbeitrag verfügen werde.

Nicht Trinks & Co. sondern die Hansa Luftbild zeichnet für das 4 und letzte Stück verantwortlich. Im Vergleich mit der kommerziellen Ansichtskarte wird uns auf dem Ursprungsfoto sehr viel mehr an allen vier Seiten geboten. Wir erhalten einen Eindruck von den baulichen Gegebenheiten im Hinterland des Senftenberger Krankenhauses wie diese sich vor 100 Jahren darstellten. Das ist sicher nicht nur für mich reichlich verwirrend, denn das Areal erlebte in der Zwischenzeit große Veränderungen. Nur wenige Häuser haben heute noch wenigstens eine annähernde Gestalt wie früher. Während viele der damals freien Flächen mittlerweile bebaut sind, existieren andere Gebäude in der hier sichtbaren Form nicht mehr. Andere - speziell im oberen Bildbereich - sind komplett vom Erdboden verschwunden, ihr einstiger Standort mit Wald bedeckt.
In diesen besonderen Fällen ist die heute vorgestellte Variante bislang der erste fotografische Nachweis einer Bebauung dieser Bereiche. Die Ansichtskartenversion blendet dieses Areal ja vollkommen aus.

Und dann war da ja noch was...

Wie ich in der Vorwoche prophezeite, wurde die Beauftragung von Frau Dr. Dreesbach in der SVV am Mittwoch durchgewunken. Ohne Diskussion. Einzig der Busfahrer von der AfD-Fraktion versuchte mal wieder etwas Geistreiches abzusondern. Irgendwas mit "KI", was die AfD nicht möchte, oder so. Ich hab's nicht begriffen.

26 mal "ja" und eine Enthaltung legitimiert die Stadtverwaltung nunmehr einen entsprechenden Vertrag mit den Münchnern zu schliessen. Kurz nach Ende des öffentlichen Teils der SVV wurde die Meldung (neben anderen) schon in die Welt posaunt:

Senftenberg
34614
Aufnahme = 1931
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
Senftenberg

Das in obiger Grafik eingesetzte Foto einer "Gemeinde-Chronik", das wir auch schon in anderen Verlautbarungen der Stadtverwaltung zu diesem Thema gesehen haben, ist sehr wahrscheinlich nicht irgendeine dieser lizensierbaren oder auch gemeinfreien "Beispielfotos", die ganz gerne in Präsentationen oder auf Webseiten verwendet werden (www.senftenberg.de ist voll davon).
Stattdessen würde ich fast Wetten darauf abschliessen, daß dies der Einband einer von zwei Mappen ist, die sich im Senftenberger Stadtarchiv befinden. Und das schon seit den 1990ern, als windige Vertreter aus dem Westen den unbedarften Ossis solche Dinger andrehten.
Darin befinden sich vorgedruckte Seiten, die zum Teil schon mit thematischen Vorgaben aufwarten. Alles ein wenig "auf alt" gemacht, was man bereits an der Fraktur-Schrift auf dem Kunstledereinband erkennt. In solch einer Kladde sollte dann wohl jemand handschriftlich die wichtigsten Ereignisse der Stadt oder Gemeinde protokollieren. Ein besseres "Brigadetagebuch" also.
Jedenfalls habe ich vor vielen Jahren zwei dieser Dinger im Stadtarchiv gesehen. Wenn ich mich nicht irre, stand auf der ersten Seite sogar etwas mit "Bürgermeister Grasshoff". Schön mit Feder und Tinte ausgeführt. Das gab es wahrscheinlich gratis dazu, wenn man die Mappen gekauft hatte. Allerdings stellt dies auch schon den gesamten Inhalt der beiden Kladden dar. Der Rest ist noch jungfräulich und blütenweiß. Was man aber auch niemandem verübeln kann, denn zeitgleich kam die Digitalisierung auch in Senftenberg in Gang und kein vernünftiger Mensch führt seitdem noch handschriftliche Annalen.
Die Frage, ob eine solche digitale Erfassung hier sukzessive und kontinuierlich erfolgte, kann ich nicht beantworten. Vermutlich nicht. Man beschäftigte lieber ABM-Kräfte mit dem Aufkleben historischer Fotos und Ansichtskarten auf Papier.

Fazit: Vor dreißig Jahren wurde der Senftenberger Stadtverwaltung etwas aufgeschwatzt, das am Ende des Tages keiner brauchte.

Heute wieder?