|
Druckversion |
|||
|
Dieser Tage ist es ziemlich genau 2 Monate her, daß mit kleiner Fanfare die Nachricht von der bevorstehenden Beauftragung der Senftenberg-Chronik-Erstellung
durch die Münchnerin Dr. Anne Dreesbach in die Welt posaunt wurde. Doch hätte ich nicht den "Verstärker" gespielt, hätten sehr wahrscheinlich noch weniger Leute
als ohnehin Kenntnis davon bekommen. Zukünftig werde ich das auch weiter betreiben. Auch wenn mich keiner darum gebeten hat. Und auch, wenn es manch einem ein Dorn im Auge ist,
daß ich mich immer wieder an der "Konkurrenz" abarbeite. Warum ich das mache? Weil ich's kann! ![]() Zudem gehe ich davon aus, daß die wenigen, die sich mehr oder weniger regelmäßig hierher verirren und damit nicht zur großen Masse des Senftenberger Ignorantenstadls gehören, wenigstens ein rudimentäres Interesse an einer/der Senftenberg-Chronik haben. Und die möchte ich natürlich auf dem Laufenden halten. Mein eigenes Interesse an diesem Projekt wird zu einem Gutteil aus der Hoffnung genährt, daß ich irgendwie an dem partizipieren kann, das im Laufe der Erstellung vielleicht nach oben gespült wird. Ja ich weiß, das war eigentlich auch der Plan bei diesem Rundgang Gartenstadt Marga, der bekanntermaßen nicht so recht aufging. Bei vergleichbarer Ausgangslage - Ausführender hat wenig bis keine Ahnung von hiesigen Gegebenheiten - steht zwar zu befürchten, daß sich das Ganze so oder so ähnlich wiederholt, aber diesmal bin ich besser vorbereitet. Wie gesagt, es ist jetzt zwei Monate her und seitdem verlautbarte offiziell absolut nichts aus den Stuben der Senftenberger Stadtverwaltung. Das kann vieles bedeuten. Entweder möchte man die Geschichte so lange wie möglich geheim halten um ein peinliches Hin-und-Her wie bei Anlauf Nummer 1 so gut es geht aus der Öffentlichkeit zu halten oder man trödelt tatsächlich schon wieder herum. Schließlich war ja Weihnachten und Jahreswechsel, traditionell die "stille Zeit". Auch - und vor allem - in den Amtszimmern. Ich hingegen habe diese stille Zeit genutzt, um ein paar Erkundigungen einzuholen, die mir beim Verständnis des Auswahlverfahrens und der Entscheidung pro Dreesbach behilflich sind. Zwischenzeitlich weiß ich, wer die beiden anderen Bewerber waren und womit diese ins Rennen gingen. Zumindest in groben Zügen. Die beiden unterlegenen Mitbewerber boten lediglich eine schriftliche Ausarbeitung an. Kein Layout, keine Bilder. Für Frau Dr. Dreesbach sprach, daß sie eine druckreife Vorlage mit Bildern und allem Pipapo in Aussicht stellte. Außerdem glaubt man Senftenberg-seits, daß der angedachte Buchdruck vielleicht preiswert(er) durch die bayerische Agentur organisiert werden könnte, da die sich mit sowas ja auskennt. Dieser Punkt war jedoch kein Bestandteil des Angebots und wird in jedem Fall zusätzliche Kosten hervorrufen. Außerdem warf Frau Dr. Dreesbach ihre Erfahrungen in der Akquise von Fördermitteln in die Waagschale. Ob das tatsächlich zum Tragen kommt und sich nennenswert kostenmindernd für den Auftraggeber auswirkt, sei mal dahin gestellt. Ich persönlich halte das im Gegensatz zur Jury für wenig wahrscheinlich. Deshalb wird man wohl oder übel die 155.000 Euro komplett verausgaben müssen. Mindestens! Einen weiteren Pluspunkt konnte Frau Dr. Dreesbach landen, indem sie im Rahmen der Arbeiten ein Destillat, sozusagen eine "Chronik light", erzeugen könnte. Für Leute mit kleinem Geldbeutel und/oder Urlauber. In meinen Augen hat eine solche Veröffentlichung kein großes Potential (Ich überlege gerade wann ich das letzte Mal eine Chronik meines Urlaubsortes gekauft habe? Ach ja... nie!). Im schlimmsten Fall torpediert man damit aber die Vermarktung der "großen" Chronik. Womit ich auch bei einem meiner größeren Kritikpunkte angelangt bin, denn von groß kann in meinen Augen nicht die Rede sein.
Zweit- und Erstplatzierte(r) boten lediglich das absolute Seitenminimum (Die Ausschreibung lautete auf 200-400 DIN A4-Seiten.) an. Frau Dr. Dreesbach schraubte die Seitenanzahl
auf insgesamt 300 Seiten hoch, da sie im Gegensatz zu den Mitbewerbern verspricht, hochwertig reproduziertes Bildmaterial, teils ganz- oder doppelseitig einzubauen. Bei einem geforderten
Verhältnis 60% Text zu 40% Illustration tendiert das Ganze dann in Richtung 200 reine Text-Seiten.
![]() ... ließe sich aus meiner Erfahrung locker auf 50 Seiten ausbauen. Mit wichtigen, interessanten, kurzweiligen, wenig bekannten, kuriosen oder bedrückenden Geschichten. Garniert mit hochwertigem Bildmaterial denn hinsichtlich jenes Jahrzehnts sind wir vergleichsweise gut damit ausgestattet. Stattdessen ganze 300 Seiten für die Zeit von anno Tobak bis in die Gegenwart. Ehrlich? Ich halte das für sehr unterambitioniert. Und so kann ich nach aktueller Sachlage noch nicht sehen, daß das Endprodukt meinen Ansprüchen gerecht werden wird. Naja, lassen wir uns mal überraschen, wann und wie es demnächst weitergeht. Man muß ja langsam auch mal in die Gänge kommen, um die 2200 bis 2600 Arbeitsstunden, die Frau Dr. Dreesbach veranschlagt, noch in der verbleibenden Zeit unterbringen zu können. Am 30. September 2028 möchte die Chronistin in spe die druckfertige Vorlage abgeben. Der Countdown läuft. |
|||
|
Doch genug des Vorgeplänkels, die Arbeit ruft. Das Stichwort "Senftenberg in den 30ern" ist bereits gefallen und das
möchte ich nachfolgend visuell unterfüttern. Den Anfang machen zwei Luftbilder aus dem Bestand des Landesarchivs
Nordrhein-Westfalen. Beide Aufnahmen sind bekannt. Der ersten wurde die zweifelhafte Ehre zuteil auch in einer spiegelverkehrten Variante auf den Ansichtskartenmarkt geworfen worden zu sein. Davon abgesehen, bietet die "richtige" Ansichtskartenversion so ziemlich den gleichen Bildinhalt wie der Scan rechts. Das ist etwas enttäuschend für mich, waren doch die Scans aus dem Landesarchiv bislang immer breiter und höher. Vermutlich stand in diesem Fall kein Negativ Pate sondern es wurde ein Papierabzug für mich gescannt. Auf der Plus-Seite stehen die etwas höhere Schärfe (marginal!) bei geringerem Kontrast sowie der Wegfall des Schriftzuges unten. Laut Provenienz stammt die Aufnahme aus dem Jahre 1930, woran ich keinen Zweifel habe. Es spricht einiges für dieses Jahr. Ohnehin ist der potentielle Zeitrahmen äußerst eng. Von Mitte 1929 bis Mitte 1932. Ableitbar am Haus Markt 16 und dem nicht vorhandenen "langen Herrmann". |
Aufnahme = 1930
|
||
|
Letzterer ist auch auf dem zweiten Luftbild noch nicht zu erkennen. Für diese Aufnahme wurde mir ein 1931 geliefert. Und
daran habe ich erneut wenig Zweifel. Die Aufnahme ist bereits von einer Ansichtskarte bekannt, wobei der heutige Scan deutlich
mehr Bildinformation aufweist. Leider ist die Qualität der Aufnahme selbst eher so la-la. Sie erscheint insgesamt etwas unscharf, was mir bereits in der Ansichtskartenversion auffiel. Schade eigentlich, denn wann bekommt man schon einmal die Möglichkeit, seine Heimatstadt aus der Vogelperspektive zu sehen? Zugegeben, das ist heute schon leichter möglich. Durch buchbare Überflüge mit einem Kleinflugzeug oder einer Fahrt mit einem Heißluftballon. So der Wind gut steht. In den 1930ern wären das für die allermeisten Senftenberger keine Optionen gewesen. Das höchste der Gefühle, legal einen sogar fast Rundumblick von weiter oben zu erhaschen, bot sich den Bewohnern der Stadt ab dem Herbst 1930 hier:
|
34618
|
||
Gemeint ist der sogenannte "Dachgarten" des Kaufhauses Waldschmidt, der im Zuge eines größeren Erweiterungsbaus in besagtem 1930 entstand.
|
|||
|
|
|||
Verlag Kaufhaus Waldschmidt,
|
Die Ansichtskarte, deren Erscheinungsjahr
vermutlich um einiges vor dem gesicherten 1939 -
aber eben auch erst nach 1930 - lag, zeigt uns leider
nicht, wie diese "Sodafontäne" aussah, die in
der links abgebildete Ankündigung beworben
wird. Die Abbildung an sich wirkt sehr verschwommen, wurde aber tatsächlich so gedruckt. Ich kann mir nur vorstellen, daß man aus "Datenschutzgründen" irgendeine frühe Methode zur Verfremdung anwandte. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glatt ein Gemälde als Basis vermuten. In der Tat erinnert mich die Darstellung an Werke des von mir geschätzten amerikanischen Malers Edward Hopper.
Ich habe das Bild mal durch einen KI-Colorizer gejagd,
um ihm ein wenig mehr Hopper-Style zu verpassen
|
||


