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08.03.2026
1 Kommentar

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Die rechts abgebildete Ansichtskarte vor einigen Wochen käuflich zu erwerben, war eigentlich nicht mein Plan. Immerhin besitze ich dieses Motiv als eines meiner ersten Stücke mit Grube Marga - Bezug schon 15 Jahre. Doch der Verkäufer wollte sein "Koppelgeschäft" partout nicht aufgeben.
Also
Tatsächlich erst beim Einsortieren der Karte in eines meiner Ansichtskartenalben fiel mir auf, daß der Bildausschnitt dieser Produktion ein weitaus größerer ist als bei dem Stück, das sich seit besagten 15 Jahren in meinem Besitz befindet. Das nennt man wohl "Betriebsblindheit". Und das mir! Bei meinem Auge für selbst kleinsten Differenzen. Gut, es ist jetzt nicht mega-tragisch, daß mir das erst anno 2026 auffällt. Beide Versionen, die übrigens von verschiedenen Produzenten verlegt wurden, gibt es eigentlich ständig irgendwo zu kaufen. Womit dieses Motiv generell zu einem der weitverbreitetsten gehört, die Marga zeigen, als die Bauleute noch nicht vollends abgezogen waren. Die anderen Motive aus dieser Serie sind mittlerweile schon sehr viel schwerer zu finden.

Auf vorliegendem Motiv ist man offenbar gerade damit beschäftigt die Viktoriastraße in Form zu bringen. Man erkennt auf dem Foto auch noch die provisorisch verlegten Gleise, auf denen in kleinen Loren und mit Muskelkraft Material zu und von den Baustellen transportiert wurde.
Im direkten Vergleich mit "Version 1" sieht man, daß wir mit "Version 2" signifikant mehr von den Häusern links und rechts erhalten. Auf das "Mehr" an Straße hätte ich im Zweifel verzichten können aber dies bringt das Herauszoomen aus dem Originalfoto zwangsläufig mit sich.

Senftenberg
7639
Orig.-Aufn. v. P. Georg Schäfer, Dresden-A.
Aufnahme <= 1909
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Was lag also näher, als sich weitere Marga-Motive etwas genauer anzuschauen, um ggf. Differenzen zu entdecken?

In der Tat konnte ich so einiges identifizieren. Wobei mir persönlich das in den allermeisten Fällen nicht neu war. Da das aber für die meisten bestimmt nicht so spannend ist wie für mich, verzichte ich an dieser Stelle darauf, sämtliche Unterschiede penibel aufzulisten, sondern beschränke mich auf drei Motive. In der Regel treten die Differenzen nicht im Vergleich zweier Ansichtskarten zu Tage sondern vielmehr im Vergleich mit, in Büchern, Broschüren oder Zeitschriften verwendeten, Versionen des jeweiligen Ursprungsfotos.

Beispielsweise diese wohlbekannte Aufnahme, Die gleich der Ansichtskarte ganz oben auf der Kreuzung Viktoria-/Ringstraße entstand.
Dabei sind die zusätzlichen Bildinformation rechts und unten vernachlässigbar. Interessant ist, daß bei der Ansichtskartenversion der links unten ins Bild ragende Zaun wegretuschiert wurde. Und das, wie ich zugeben muß, durchaus zu Recht. Auch wenn es die Geschichte verfälscht, das Motiv "gewinnt" dadurch.

Beispiel Nr.2 zeigt, daß die Ansichtskarte links etwas weniger, dafür unten sehr viel mehr zeigt. Im Gegensatz zum Foto wurden aber auf der Ansichtskarte die Freileitungen eliminiert. Etwas, das wiederum dem Motiv zum Vorteil gereicht.

Neben dem gewöhnungsbedürftigen Grundton dieser Produktion fällt positiv auf, daß diese Version nicht nur bedeutend schärfer ausfällt, es gibt auch mehr Bildinformationen an allen vier Rändern! Außerdem wurde in Version 1 der auf dem Gehweg liegende Vierbeiner entfernt. Damit wird klar, in Grube Marga gab es Hunde!

Große Verluste an Bildinformationen kommen im dritten Beispiel zum Vorschein. Auf der Ansichtskarte wurde sehr viel stärker hineingezoomt. Darunter leidet so ein wenig der Eindruck der Gartenanlage im Bildvordergund. Erst durch die Fotoversion, von der wir aber auch nicht wissen, ob sie vollständig reproduziert wurde, erhalten wir eine Vorstellung von der recht schönen und offenbar geradlinig angelegten Rasenfläche im Rücken des Hauses Parkstraße 16.

Es ließen sich ohne Zweifel weitere Differenzen aufzeigen doch ich höre für heute damit auf und richte mein Augenmerk lieber wieder auf Neuvorstellungen. Wobei diese aber doch in dieser Thematik gut aufgehoben sind. Die zwei folgenden Stücke sind nämlich ebenfalls nicht unbekannt.
Beide Motive wurden schon vor vielen Jahren in das digitale Archiv integriert. Heute folgen Varianten davon, die ich unbewußt "rote und blaue Mauritius" getauft habe. Wahrscheinlich weil es in den letzten Kommentaren verstärkt um Briefmarken ging.

Dabei stelle ich weniger auf den Wert der Ansichtskarten ab, der Welten von denen der Briefmarken entfernt ist, sondern vielmehr auf die ungewöhnliche Färbung der beiden Stücke...

Beginnen möchte ich mit der roten...

Senftenberg
8646
Verlag der Ilse Wohlfahrtsgesellschaft m.b.H.,
Grube Ilse, N.-L.
Aufnahme <= 1910
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Die "blaue Mauritius" kann ihre Verwandtschaft zur roten genauso wenig leugnen, wie die, doch nun schon sehr ungewöhnlich blau eingefärbte Ansichtskarte zu der gerade vorgestellten im roten Grundton. Leider kann sie mit der Qualität ihrer Schwester nicht mithalten und sogar die Bildinformationen sind im Vergleich zur ersten archivierten Variante etwas geringer.
Dabei dachte ich am Anfang, daß mein Original irgendwie beschnitten worden wäre. So etwas kommt zuweilen vor, weil der Vorbesitzer meinte, die Ansichtskarte für irgendein Aufbewahrungssystem (Album o.ä.) "passend" machen zu müssen. Da mir jedoch ein zweites Exemplar davon vorliegt, das die gleichen Abmessungen (3mm schmaler als normal) aufweist, gehe ich davon aus, daß alles seine Ordnung hat. Warum diese Einsparmaßnahme erfolgte, entzieht sich meiner Fantasie.

Weil wir gerade bei "Marga" sind. Der Eine oder Andere erinnert sich vielleicht noch an das digitale Leitsystem, welches vor einem knappen Jahr in Brieske-Ost an den Start ging. Ich selbst beschäftigte mich ja über mehrere Wochen ausgiebig damit und stellte gleichzeitig die Erfolgsaussichten des Ganzen in Frage. Ich bin heute immer noch nicht überzeugt, daß das System auch nur annähernd wirtschaftlich ist und auch die Akzeptanz bzw. der Grad der Nutzung ist für mich mit einem Fragezeichen verbunden. Ich gehe davon aus, daß Informationen über das Nutzungsverhalten nicht erhoben werden und somit kann niemand sagen, ob das jetzt ein Erfolgsmodell ist oder nicht.
Aber das hält die Senftenberger Stadtverwaltung nicht davon ab, den nächsten Knaller zu starten und sich dabei auf das Marga-Vorbild zu berufen. Zumindest technisch möchte man bei der zu etablierenden "Digitalen Stadtführung" von der Briesker Lösung abkupfern. Ab der Urlaubssaison 2027 soll ein Angebot auf Basis von QR-Codes, die via Smartphone gelesen werden können, stehen. Von den Stationen, die natürlich mit irgendwelchem digitalen Content bestückt werden sollen, stehen laut "LR" angeblich schon vier fest: das Rathaus, die Festung samt Schloss, der Tierpark und der Stadthafen.

Ich komme vor Aufregung schon nicht mehr in den Schlaf!

Senftenberg
Verlag d.Ilse-Wohlfahrtsgesellschaft m.b.H.,
Grube Ilse, N.L.
No. 8637
Aufnahme <= 1910
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg