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Nach einwöchiger urlaubsbedingter Pause geht es mit dem Thema weiter, das ich
beim letzten Mal angerissen habe. Und zwar in Form der zweiten Vorproduktionsstufe.
Diesmal jedoch aus Brieske, das - anders als Sedlitz - über diese Produktion hinaus
persönliche Anknüpfungspunkte bietet. Dazu jedoch später mehr und zurück zu diesem "Muster".
Es ist dasjenige, welches mich notgedrungen dazu veranlasst, meine initale Datierung
der vier Motive zu revidieren. Aufgrund meiner eher konservativen Zeitbestimmung passiert
mir das äußerst selten, doch diesmal komme ich nicht umhin das 1986 für bare
Münze zu nehmen und mich von meinem ursprünglichen 1980 zu verabschieden.
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Produktionsvorstufe Bild und Heimat Aufnahme <= 1986 Sammlung Matthias Gleisner
Im Großen und Ganzen gibt es kaum Unterschiede zwischen dieser Vorstufe und der
später unters Volk gebrachten "echten" Ansichtskarte. Abgesehen von der bereits erwähnten
höheren Bildschärfe und den marginal größeren Bildauschnitten an den jeweiligen Rändern.
Diese sind obendrein auch weniger verschwommen als auf der kommerziellen Produktion.
Was ich jedoch nicht verstehe... das Teilmotiv unten rechts
enthält nicht nur rechts sondern auch links mehr Bildinformation. Hier ist nun der linke
Scheinwerfer des Skoda vollständig erkennbar. Daraus schließe ich, daß dieses Muster
nicht die Vorlage für die spätere Ansichtskarte gewesen sein kann.
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Weiter in Richtung 1980 zeigen die drei nachfolgenden Fotografien, die laut der besitzenden Stelle - der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek - von einem
gewissen Hans Reinecke im Jahr 1981 angefertigt wurden.
Fotograf: Hans Reinecke Aufnahme = 1981 SLUB Dresden / Deutsche Fotothek
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Fotograf: Hans Reinecke Aufnahme = 1981 SLUB Dresden / Deutsche Fotothek
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Ich gehe davon aus, daß diese Jahresangabe korrekt ist und habe
aufgrund der in Stellung gebrachten Fahrzeuge auch nicht den
geringsten Zweifel, daß beide Aufnahmen kurz hintereinander
entstanden.
1981. Das fiel in meine Zeit in Brieske: 8. Klasse,
Jugendweihe im "Klubhaus" und auch die mehr oder weniger provisorische
Obst-und-Gemüse-Verkaufsbude, die man auf den beiden Fotos sieht, ist
mir noch erinnerlich. Daß selbige 1986 schon wieder abgebaut war, hatte
ich hingegen nicht mehr auf dem Schirm. Welches Naturereignis dazu führte,
daß das Absperrgeländer auf dem Foto rechts derart zerwirkt wurde, kann
auch keiner mehr sagen.
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Übrigens, die Fahrradständer rings um den Gemüsekiosk hatten für einige Briesker Schüler im Laufe der Zeit eine besondere
Bedeutung. Man wird es nicht glauben, aber irgendwann wurde einem Teil der Schüler untersagt, ihren
Schulweg mittels Drahtesel zu absolvieren. Kein Flachs! Dazu muß man erwähnen, daß mindestens in meiner
Schulzeit die Briesker Schule zweizügig war. 10 Klassen jeweils in A und B separiert.
Das Ganze mit durchschnittlich 20 bis 25 Schülern pro Klasse, bedeutete irgendwas zwischen 400 und 500 Schülern,
die gleichzeitig unterrichtet wurden. Wie das bei nur 11 (!!!) Klassenräumen bewerkstelligt wurde, ist mir
heute noch ein Rätsel. Sportstunden im Stadion oder dem "Blauen Affen", Werkuntericht im Keller, Schulgarten
an der frischen Luft sowie ganztägige Abwesenheiten wegen "UTP" entspannten die Situation zwar aber dennoch
halte ich das für eine Glanzleistung an Organisation, die heutzutage unmöglich erscheint wenn man sich einmal
den Platzbedarf für die paar Hanseln der heutigen "Georg Heinsius von Mayenburg"-Privatschule vor Augen führt.
Genauso "märchenhaft" erscheint heutzutage der Umstand, daß diese 400-500 Schüler weder mit einem Schulbus noch
von einem Elternteil chauffiert pünktlich zur ersten (manche auch zur "nullten") Stunde in der Schule aufliefen.
Und das bevorzugt mit Hilfe des eigenen Fahrrades. Dieser Umstand - und jetzt komme ich mal langsam zum Ausgangspunkt
zurück - führte dazu, daß der zur Verfügung stehende Fahrradschuppen an der östlichen Seite des Schulhofs an seine
Grenzen stieß.
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Aber vielleicht waren es auch versicherungstechnische Gründe, die zu jenem "Fahrradverbot" führten,
jedenfalls war es Schülern, die in einem bestimmten Umring der Schule wohnten irgendwann nicht mehr erlaubt,
mit ihrem Rad anzureisen. Ich glaube, es gab sogar Kontrollen am Tor zum Schulhof, wo Lehrer oder Schüler
der oberen Klassenstufen Blockwart spielen durften und diejenigen Stellplatz-suchenden Schüler abwiesen, die
zu nahe an der Schule wohnten.
Mich betraf das nicht, hatte ich doch einen der längsten Wege zu bestreiten: Ab 1980 von der Straße des Bergmanns
in Senftenberg bis auf den Briesker Schulhof und ohne Schleichwege zu benutzen: 2,3 Kilometer.
Laut GoogleMaps hätte ich bei Kilometer 2 die Ecke erreicht gehabt, die auf dem Foto rechts, das ebenfalls
in 1981 aufgenommen wurde, zu sehen ist. Einmal rechts in die Schulstraße abbiegen und schon war ich auf der
Zielgeraden, die aber eine Kurve darstellte. Wie gesagt, ich wurde mit meinem Diamant-Rad am Schultor
nicht abgewiesen. Vielen meiner Kameraden blieb hingegen nichts weiter übrig, als ihren Drahtesel vorzugsweise
in den Fahrradständern auf dem "Platz des Friedens" (warum hieß/heißt die Bushaltestelle eigentlich "Markt"?)
zu deponieren.
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Fotograf: Hans Reinecke Aufnahme = 1981 SLUB Dresden / Deutsche Fotothek
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Aufnahme <= 1986 Sammlung Matthias Gleisner
Besagten Glaskasten erkennt man auch auf dem Foto oben. Dieses wurde
meiner Meinung nach 1986 geschossen. Es gibt nämlich deutliche Parallelen
(Wuchshöhe und -form der Bäume) zum Teilmotiv unten links auf unserer Mehrbildkarte
vom Beginn.
Das bedeutet gleichzeitig, daß die nachfolgende Aufnahme (wahrscheinlich einiges) vor 1981
entstand.
Aufnahme <= 1980 Sammlung Matthias Gleisner
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1981... wie geschrieben: meine Jugendweihe im Klubhaus. Prozeduren wie Einmarsch in den Saal, Bühne hoch, Bühne runter
in Vierergruppen sowie das möglichst synchrone "Ja, das geloben wir" wurden im Vorfeld so lange geprobt, bis alles
unfallfrei vonstatten gehen konnte. Mir persönlich wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, im Programmpunkt "Dank der Jugendlichen"
nochmals die Bühne zu erklimmen, hinter einem mit Hammer-Zirkel-Ährenkranz dekorierten Rednerpult in Stellung zu gehen und einen
vorbereiteten Text vom Blatt abzulesen. Wahrscheinlich war ich der einzige des Jahrgangs, der fehlerfrei und mit Betonung (!)
vortragen konnte. Keine Ahnung! Ich bilde mir ein, daß es von meinem "Auftritt" sogar ein Foto gibt. Wenn ja, dann finde ich es
aber gerade nicht.

Dafür existiert natürlich das obligatorische Gruppenfoto, das meine Klasse zeigt, die zu diesem Zeitpunkt schon arg geschrumpft
war. Dieses Foto ist (für mich) der Beweis, daß im April 1981 schon das historische Seitenportal der "Kaiserkrone" abgerissen und durch
diesen "Glaskasten" ersetzt worden war.

Man kann darauf auch erkennen, daß der Frevel hinsichtlich des Portals schon früger startete... mittels Betonfertigteilen hatte man
zu irgendeinem Zeitpunkt die Front einfach verschlossen. Ähnliche Elemente kamen auch als hüfthohe Mauer in Richtung Marktplatz zum
Einsatz. Was jedoch keinen Dauerzustand darstellte wie die Aufnahme aus 1986 beweist. Hier wurde mit Hilfe anderer Formelemente
der seitliche Zugang gleich ganz verschlossen. Ja, die Bauabteilung des Werkes hatte echt was drauf!
Zum Abschluß noch eine Aufnahme für die ebenfalls das Jahr 1986 kolportiert wurde. Wir sehen darauf das Areal vor dem Ortseingang
als dieses noch nicht durch den Flachbau der BHG, der heute eine Kinderarztklinik beherbergt, in Anspruch genommen worden war.
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Obwohl die Qualität des Fotos nicht sonderlich gut ist, finde ich, daß man die
Aufnahme doch zeigen sollte. Einfach aus dem Grunde, weil man den Blick in dieser
Form nicht mehr realisieren kann.
Der Bildvordergrund deutet darauf hin, daß man zu diesem Zeitpunkt bereits Vorabeiten
zur Errichtung jener Baustoffversorgungseinrichtung getroffen hatte. Bei genauerer
Betrachtung des Fotos kommt auch wieder die Erinnerung an diese Konstruktion zu Beginn
des kombinierten Fuß-/Radweges in Richtung Senftenberg.
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Ein Tor mit oben zwei montierten Hinweisschildern: eins für den Fußweg, eins für den
Radweg. Das war halt damals so.
Und damit endet erst einmal mein Ausflug in die letzten Jahre der DDR. Demnächst geht es hier wieder um einiges historischer zu. Dann aber
auch ohne persönliche Anekdoten.
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Aufnahme = 1986 Sammlung Uwe Jähnert
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