04.01.2026

Jahresanfang - traditioneller Kassensturz bei www.gruss-aus-senftenberg.de für die vergangene Periode. Nur um zu rekapitulieren, was an dieser Stelle über das gesamte 2025 verteilt geleistet wurde...

Auf der Haben-Seite stehen 42 Neues-Seiten. Bei potentiellen 52 Wochen im Jahr kein schlechter Schnitt! Die Differenz ist durch Urlaube, Krankheiten oder langwierige Recherchen/Vorbereitungen erklärbar. Zudem wollte ich ja eigentlich ruhiger treten. Beim "wollen" ist es aber auch geblieben.

Für diese 42 Neues-Seiten wurden insgesamt 139 historische Ansichtskarten/Fotos/Dias digital restauriert, zum Teil sogar erst im Laufe des Jahres heran besorgt. Das was ich in nicht gezählten Arbeitsstunden an visuellem Content aufbereitete, wurde daraufhin inhaltlich untersetzt und teilweise mit weiterem grafischen Material vermengt um in eine der besagten 42 Seiten gegossen zu werden. Dies gestaltet sich nach 14 Jahren Projektarbeit - vor allem bei wiederkehrenden Motiven - zunehmend schwierig. Dennoch glaube ich, daß es mir wieder gelungen ist, ein buntes Potpourri zusammenzustellen, das sich zeitlich über einen Zeitraum von etwa 80 Jahren und geografisch von Kernstadt bis Umland erstreckt. Ich hoffe, daß ich mich dabei nicht übermäßig wiederholt habe und stattdessen dem Leser (m/w/d) auch Neues und bisher Unbekanntes vermitteln konnte.
Für den Besucher von gruss-aus-senftenberg.de kostenlos, war das für mich persönlich - neben dem erheblichen Zeitaufwand - natürlich wieder mit finanziellen Ausgaben verbunden. Dabei reißt 2025 im Vergleich zu anderen Jahren weder nach oben noch nach unten aus. Das geringer werdende Angebot wird durch höhere Preise nivelliert. Also eher guter Durchschnitt.
Während in vergangenen Jahren hin und wieder eine finanzielle Zuwendung durch die Stadt Senftenberg erfolgte, wurden die 2025er Betriebskosten (Hosting etc.) wieder einmal komplett aus eigener Tasche bezahlt.
Was die Zugriffszahlen der Internetseite betrifft, so sind diese im Vergleich zu 2024 fast verdoppelt worden. Das schreibe ich jedoch fast ausschließlich irgendwelchen (Ro)Bots zu, die im Auftrag der Künstlichen Intelligenz das Internet durchforsten. Zugriffe aus Senftenberg bzw. näherer Umgebung liegen weiterhin auf einem enttäuschend niedrigen Niveau. Ein Abbild des lokalen (Des-)Interesses an unserer Heimatgeschichte.

Apropos Interesse: Nach einer in 2024 kurz aufflackernden städtischen Wahrnehmung meiner Arbeit, herrschte in 2025 ziemliche Funkstille. Zumindest in meine Richtung. Ich hingegen erlaubte mir, zwei, drei Aktivitäten der Stadt Senftenberg als Stichwort bzw. Steilvorlage zu nutzen, um die eine oder andere - möglicherweise unerwünschte - Meinungsäußerung zu tätigen. Erinnert sei an die über mindestens 4 Wochen gezogene Abrechnung mit dem Rundgang Gartenstadt Marga im Frühjahr. Und natürlich - manch einer kann es schon nicht mehr hören - meine Gedanken zu den Ent- und Verwicklungen rund um die berühmt-berüchtigte Senftenberg-Chronik.
Das Thema wird mich auch in diesem Jahr begleiten. So viel kann ich versprechen und gewissermaßen fange ich heute weiter unten auch gleich wieder damit an. Doch bevor es dazu kommt muß ich noch den "Jahresabschluß 2025" finalisieren. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, da wäre noch die Soll-Seite...

Obwohl einige wenige Stücke von meiner Suchliste getilgt werden konnten, dümpeln da immer noch um die 50 Ansichtskarten herum, die ich im Original suche. Teilweise schon von Anbeginn. Es ist ja nicht so, daß ich nicht auf allen möglichen Wegen versuchen würde, dieser Stücke habhaft zu werden aber manchmal bremst vielleicht auch einfach nur die fehlende Bereitschaft der jeweiligen Besitzer. Letzteres ein Problem, mit dem ich im vergangenen Jahr auch wieder zu kämpfen hatte. Hier und da wurde wieder mit diversen historischen Fotos/Dias vor meiner Nase herumgewedelt doch die Akquise scheitert bislang noch am fehlenden Gestaltungswillen der Gegenseite(n). Naja, vielleicht in diesem Jahr?
Nichtsdestotrotz gelang es mir in 2025 ein paar neue Quellen zu erschließen, sowohl an reinen Fotos als auch an Begleitmaterial. Darüber hinaus konnte ich auch meinem Zweitprojekt ein paar Facetten hinzufügen.

Wie das insgesamt in 2026 weitergeht wird sich zeigen. Aktuell bin ich relativ pessimistisch denn der Markt ist derzeit vollkommen leer gefegt. Aber das leiere ich schon seit Jahren und dann kommt es erfreulicherweise doch anders.

Na gut, dann starten wir mal.

Hab ich das nur geträumt oder enthielt die Aufgabenstellung zur Erstellung der neuen Stadtchronik tatsächlich zu irgendeinem Zeitpunkt den Passus und der Ortsteile? Ich kann das gerade in dieser Form nicht mehr finden.
Stattdessen ist von "heutigem Stadtgebiet" die Rede. Wie muß man das verstehen? Ist damit nur die Kernstadt Senftenberg gemeint? Oder schließt das auch die über die Jahre eingemeindeten Ortsteile ein? Konkret: Brieske-Ost (Marga), Brieske-Dorf, Niemtsch, Sedlitz, Groß- und Kleinkoschen, ja sogar Peickwitz und Hosena!
Und weil ich gerade die rechts abgebildete Ansichtskarte betrachte... wie verhält es sich mit dem ursprünglich zugehörigen Senftenberg II, das heute Hörlitz heißt?
Welche Auffassung vertritt der Auftraggeber dazu? Wie interpretiert das der designierte Auftragnehmer? Fließt die Historie der angeschlossenen Gemeinden - wenn überhaupt! - erst ab dem Zeitpunkt der "Annexion" ein oder beginnt deren Geschichte ebenfalls anno dunnemals? Da es in der Aufgabenstellung inhaltliche Leitplanken gibt, die u.a. auf den Braunkohlenbergbau und die Glasindustrie abstellen, wird man wohl den Umring etwas weiter gedacht haben. Die eine Brikettfabrik mit angeschlossener Glashütte auf Senftenberger Flur macht ja allein den Kohl nicht fett.
Senftenberg
Verlag: Max Artlich,
Phot., Senftenberg
Aufnahme <= 1911
Sammlung Detlef Krumm
Dafür ist Senftenberg II, Meurostolln, Senftenberg-West, wie immer man das Gebiet auch nennen möchte, weitaus besser geeignet. Durch die Glashütte der Firma Seidensticker oder durch diverse Braunkohlegruben mit angeschlossener Verarbeitung. Die rechts oben abgebildete Brikettfabrik, die über die Jahre unterschiedliche Namen trug und letztlich als "Meurostolln" am 31. Mai 1995 die Produktion einstellte, war ja nur eine von mehreren Fabriken in diesem örtlichen Kontext.
In dem Zusammenhang dürfte die Industriehistorie von größeren Interesse sein als die Geschichten, die sich um das Gasthaus "Zur Deutschen Eiche" ranken. Dieses sehen wir auf der rechts abgebildeten Ansichtskarte, die sich hinsichtlich des damaligen Wirtes unschlüssig ist. Während die Aufschrift von "Ernst Bauer" spricht, zeigt die Abbildung selbst einen ... ja wa steht da eigentlich? H. Meyer? M. Heyer?
Ich halte diesen Meyer oder Heyer für eine Erfindung des Ansichtskartenproduzenten denn was die "Eiche" betrifft listen sämtliche Einwohnerbücher der Stadt ab 1914 immer nur Ernst Bauer als Besitzer und Wirt des Lokals.
Die nicht wirklich gut zu datierende Ansichtskarte - das <= 1925 ist eine Schätzung von mir - wurde definitiv zeichnerisch nachbearbeitet. Möglicherweise war das Basisfoto derart schlecht, daß eine Manipulation notwendig wurde. Das würde auch die Linien erklären, die quasi diagonal über die ganze Abbildung laufen. Vielleicht war der Schriftzug nur schwer lesbar und ein Retuscheur, der sich lokal nicht auskannte, machte aus dem E.Bauer ein H.Meyer?
Am Ende des Tages nicht mehr so wichtig und allemal weniger gravierend als jene Nachbearbeitung, die aus der deutschen Eiche eine deutsche Taube machte.
Guckst du hier...
    Senftenberg
Senftenberg
Verlag: Rob. Lehmann, Thamm-Senftenberg
Aufnahme <= 1925
Sammlung Matthias Gleisner
Waren die beiden obigen Ansichtskarten schon ziemlich selten so gilt das um so mehr für das dritte und letzte heutige Exemplar. Territorial gehören die drei Teilmotive auch so ein wenig nach Senftenberg II. Während aber die Ansicht vom Hörlitzer Werk ziemlich "Jottwehdeh" zu verorten ist und darüber hinaus keinem heute Lebenden noch etwas sagt, existierte der links oben abgebildete Gasthof noch in Zeiten, an die sich der eine oder andere (ich nicht!) noch erinnern kann. Dann aber bereits im umgebauten Zustand und unter der Bezeichnung "Wilop's". Einen Ausflug in die Geschichte dieses Gasthauses unternahmen wir schon unter Neues 541. Heute können wir der Betreiberabfolge einen weiteren Namen hinzufügen: Reinhold Staude. Selbiger bewirtschaftete den Gasthof aber nur in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum.
Sein Name tauchte erstmals Ende Juli 1901 in Inseraten innerhalb des Senftenberger Anzeiger auf. Bis Ende Mai des Jahres stand an dieser Stelle der Name Noack. Anfang 1902 sandte Staude via Lokalblatt noch Neujahrsgrüße ...

Den Jahreswechsel 1902/03 hingegen erlebte Staude nicht mehr am Zapfhahn des Lokals. Sein Name taucht noch bis Ende September 1902 auf und nach einem Monat "Funkstille" übernahm wiederum Gotth. Noack, der bereits bis Mai 1901 die Geschicke seines Hauses in den eigenen Händen hielt, den Ausschank. Beide Aktionen - die Übernahme von Staude und die Rückübertragung an Noack - verliefen still und ohne Bekanntmachung der Geschäftsübergabe in der Lokalpresse. Wie bereits herausgearbeitet, verkaufte Noack im folgenden Juli den Gasthof an Oskar Zahn.

Senftenberg
43526
Verlag L. Witte, Photogr., Liebenwerda
Aufnahme <= 1901<
Sammlung Matthias Gleisner
Ob es sich bei der dritten Abbildung - betitelt mit Villa Noak - um das Wohnhaus des besagten Gasthof-Besitzers handelte? Möglich. Wir können vermutlich von einem weiteren Schreibfehler ausgehen. Es sollte bestimmt Noack heißen. Es ist auch erstaunlich, was man damals so alles als "Villa" bezeichnete.

Übrigens: die Brikettfabrik auf der Ansichtskarte - das Hörlitzer Werk - war eine kleinere, fast schon obskure Produktionsstätte und ist heute weitestgehend unbekannt. Um so erstaunlicher, daß seit kurzem eine Ansicht davon im Senftenberger REWE hängt.

   Senftenberg
Das Foto ist dabei nur ein Bestandteil von einer ganzen Reihe großformatiger Abbildungen, die an den Seitenwänden knapp unter der Decke aufgehangen sind. Mit ihnen soll der Slogan "Vom Bergmann zum Seemann", den man für die Region Senftenberg versucht zu etablieren, visuell untersetzt werden. Der Seemann wird dabei durch historische Fotos vom Senftenberger See, mit denen die meisten etwas anzufangen wissen, symbolisiert. Der Bergmann hingegen erfährt seine bildliche Entsprechung durch Fotos aus dem Bergbauumfeld: Bagger, Förderbrücke, Kraftzentrale oder eben eine Brikettfabrik. Diese Grafiken wiederum werden dem gemeinen REWE-Shopper nicht viel sagen. Zumindest wird er sie in aller Regel nicht örtlich zuordnen können. Ungeachtet dessen: alles in allem eine schöne Idee, die sich auch noch durch andere Elemente im frisch renovierten Supermarkt zieht.

Ist das nun die Zukunft? Heimatgeschichte im Einkaufsladen? Demnächst auch im ALDI, NORMA, PENNY? Was rede ich denn da? Die ganze Bahnhofstraße! Oder doch gleich die halbe Innenstadt?

Kein so abwegiges Szenario wie das staunende Publikum aus der Lausitzer Rundschau am Ende des Jahres erfuhr...

Gut, ich hatte schon vorher Kenntnis von den Plänen des neuen Senftenberger Wirtschaftsförderers. Unser Bürgermeister "verplapperte" sich ein wenig in einer SVV und da ich 1 und 1 zusammenzählen kann, fiel ich auch nicht gleich aus allen Wolken als besagter Mitarbeiter der Stadtverwaltung einige Tage später bei mir anrief.

Worum geht es? In einem Satz: Der Leerstand von Ladengeschäften soll durch Bilder und Geschichte(n) aus vermeintlich oder tatsächlich besseren Tagen, die man an den Scheiben der leeren Schaufenster anbringt, kaschiert werden. Deshalb den Kontakt zu mir zu suchen, lag nahe.

Ich muß gestehen, daß ich eigentlich nicht damit gerechnet habe, daß man mit dieser Idee an die Öffentlichkeit tritt. Persönlich ist mir das alles zu halbgar und mehr so ein Schuß ins Blaue. Ich bin mir auch absolut nicht sicher, ob und wenn ja, in welchem Umfang, ich mich beteiligen sollte. Meine erste Reaktion war jetzt nicht strikt kontra, fiel aber hoffentlich auch nicht so aus, daß man glaubt, meine Mitarbeit schon in der Tasche zu haben.
Ich möchte aber hier und heute nicht über das Für und Wider philosophieren. Die Gelegenheit dazu ergibt sich in dem Moment, in dem ich eine offizielle Anfrage erhalte. Um die ich mich, ehrlich gesagt, aber überhaupt nicht reiße.