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01.03.2026
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Senftenberg
Kunstanstalt, Georg Zibell, Berlin 55, Woldenbergerstr. 19.
Aufnahme <= 1907
Sammlung Theodor Restel

Das sieht man auch nicht alle Tage! Gleich 3 Ortsbezeichnungen auf ein und derselben Ansichtskarte.

Brieske, Grube Marga und Senftenberg.

Das erinnert mich so ein bisschen an die Frage, die ich vor einiger Zeit in den Raum stellte und auf die ich noch keine Antwort bekommen bzw. gefunden habe: Wird denn die Geschichte der so nach und nach in Senftenberg eingemeindeten Orte in die umfassende Stadtchronik einfließen oder nicht?
Habe ich eine Antwort erwartet? Eigentlich nicht. Von wem soll die auch kommen? Ich habe keine Ahnung, ob der Auftraggeber (Stadt Senftenberg) an diesen Gesichtspunkt überhaupt einen Gedanken verschwendet hat. Die Aufgabenstellung an sich gibt dazu nichts bzw. nicht viel her. Maximal könnte man das Eine oder Andere hineininterpretieren. Und die designierte Auftragnehmerin, die mutmaßlich bis vor kurzem noch nicht einmal von der Existenz Senftenbergs (geschweige denn der Ortsteile) Kenntnis hatte? Sie wird möglicherweise alles, was nicht explizit im Vertrag steht, erst einmal von sich weisen. Nicht beauftragt. Kostet extra!
Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich davon aus, daß die Auftragnehmerin ausschliesslich monetäre Interessen verfolgt. Was vollkommen legitim und nachvollziehbar ist, besitzt sie doch sehr wahrscheinlich keinerlei emotionale Verbindung zum Thema.
Der Vertragsentwurf, der dem Vernehmen nach demnächst den Stadtverordneten zur Begutachtung vorgelegt werden soll, enthält unter Umständen irgendwelche engeren inhaltlichen Leitplanken. Kann ich mir aber schwer vorstellen, da der "Radochla-Vertrag" derartiges auch schon nicht fixierte. Insofern bleibt es wohl der Auftragnehmerin freigestellt, welche Breite sie für die Arbeit ansetzt. Wir werden es erfahren.

Doch zurück zur Ansichtskarte ganz oben, die das einzige Stücke für heute bleibt. Erstens weil das Exemplar wirklich sehr selten ist (ich kannte es bis vor einigen Wochen überhaupt nicht) und zweitens weil qualitativ hochwertiges Bildmaterial aus Brieske (Dorf) generell extreme Mangelware ist.
Die Postkarte wurde im Oktober 1907 versandt und 1907 dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach auch das Produktionsjahr gewesen sein. Ich leite das so ein wenig aus der Verwendung von (Grube Marga) ab, eine Bezeichnung, die vor jenem Jahr so gut wie nicht im Umlauf war.
Gleichzeitig handelt es sich hier um die bislang früheste kommerzielle Ansichtskarte mit Briesker Ansichten, die ich nachweisen kann. Möglicherweise ist sie sogar generell die früheste.

Bezüglich einer möglichen Integration Brieske-bezogener Geschichte in den größeren Kontext habe ich mir einmal die Mühe gemacht und - passend zur Ansichtskarte - den 1907er Jahrgang des Senftenberger Anzeiger nach relevanten Meldungen aus oder über das Dorf durchsucht. Um es vorweg zu nehmen: nicht sehr erfolgreich. Über lange Phasen entsteht der Eindruck, daß Brieske (Dorf) anno 1907 überhaupt nicht existierte. Nicht einmal ein Wirtshausschläger oder ein Hühnerdieb, der lokal Schlagzeilen machte.

Eine leidlich interessante Sache habe ich aber doch gefunden. Und zwar diese Öffentliche Bekanntmachung hier:

Senftenberger Anzeiger (30. April 1907)
Darin geht es um den Verkauf von ein paar Hektar Land in der Gemarkung Brieske an die Ilse-Bergbau AG.
Ausnahmslos handelte es sich dabei um Wege und Gräben, die die Ilse offenbar für den Aufbau und den Betrieb ihres Werkes "Marga" dringend benötigte. Wahrscheinlich weil andere Flächen, die sich schon in ihrem Besitz befanden, durch diese Wege und Gräben voneinander separiert waren.
So etwas ist natürlich Gift für einen flächenhungrigen Tagebaubetrieb.

Insofern passt die Meldung auch ein wenig zu unserer Ansichtskarte ganz oben auf der ja ebenfalls eine Allianz zwischen Brieske und Grube Marga manifestiert wird.

Ich selbst betrachte die Ansichtskarte als kleinen Fahrplan für mich.
Heute habe ich Brieske behandelt, beim nächsten Mal ist Marga dran und danach schlage ich mich bis Senftenberg durch. Damit ist die Richtung klar.