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12.03.2023
2 Kommentare

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Es ist zum verzweifeln! Dieser Tage wurde in der "Lausitzer Rundschau" erneut die Legende aufgewärmt, daß die Senftenberger Aktivist-Sporthalle, mittlerweile als Niederlausitzhalle bekannt, aus einem ehemaligen Kohlenschuppen hervorging. Wie oft will man diesen Nonsens eigentlich noch wiederholen? Diese Geschichte ist durch nichts, aber auch gar nichts belegbar! Der einzige Funken Wahrheit ist, daß die ursprüngliche Dachkonstruktion zuvor einen Verladeschuppen überspannte. Zu welcher Brikettfabrik besagter Schuppen gehörte, darüber streiten die Gelehrten noch.

Was das mit dem heutigen Thema zu tun hat? Dazu komme ich gleich...

Ich möchte mich heute bildlich an einem Gebäude abarbeiten zu dem ich persönlich keine Beziehung hatte und habe. Zwischen 1952 und 1954 wurde an der Rudolf-Breitscheid-Straße das sogenannte Haus der Jungen Pioniere errichtet. Und dies unter massiver Einbindung freiwilliger Helfer. Erwachsener wie auch Jugendlicher. Ziel war es, eine zentrale Stätte zu schaffen, in der sich die Kinder und Jugendlichen der Stadt nachmittags treffen und gemeinsamer Beschäftigung in Arbeitsgemeinschaften aller coleur nachgehen konnten. Die feierliche Einweihung fand am 12. Dezember 1954 statt. Von dieser Einweihung existieren natürlich Fotos, die ich jedoch hier und heute nicht zeigen möchte. Vielmehr helfen die Aufnahmen von der Einweihung dabei, die beiden folgenden Aufnahmen sicher als <= 1954 zu datieren...

Senftenberg
Aufnahme <= 1954
Archiv der Stadt Senftenberg
Senftenberg
Aufnahme <= 1954
Archiv der Stadt Senftenberg
Beide Fotos gehören nachweislich zusammen und man kann auf der linken Vorderansicht deutlich erkennen, daß der Zugang zum Haus noch nicht angerampt ist. Etwas, das spätestens zur Einweihungsfeier im Dezember 1954 geschehen war. Beweis hierfür ist die Aufnahme rechts, die während der Feierlichkeiten gemacht wurde. Neben der Rampe ist noch etwas "mysteriöses" erkennbar, womit ich dann endlich zu meiner Ankündigung kommen möchte.
Ich habe die betreffende Stelle rot eingefärbt. Ob die Stoffbespannung mit der Losung "VORWÄRTS IM NAMEN ERNST THÄLMANNS!" damals rot oder vielleicht doch "Jungpionier-blau" war, ist sekundär. Interessant ist die Form! Denn die erinnert nicht von ungefähr an einen Hausgiebel.
Hinter dem Vorhang versteckte man nämlich verschämt eine unverputzte Stelle der Wand, die Rätsel aufgibt.

Für mich stellt sich das wie der Rest eines vormaligen Gebäudes dar, der in das Pionierhaus integriert wurde.. Ich will damit jetzt aber nicht sagen, dass das Pionierhaus "drumherum" gebaut wurde. Nicht daß irgendwelche Leute öffentlich anfangen zu behaupten, daß das Gebäude aus einem Schuppen hervorging.

Merkwürdig ist das Ganze zweifellos und ich kann mir noch keinen Reim darauf machen. Vor allem frage ich mich, warum die Stelle initial nicht verputzt wurde. War etwa geplant, an dieser Stelle noch anzubauen?
Vielleicht weiss ja einer der Leser mehr?

Irgendwann wurde dann doch noch Putz angebracht und die Front des Hauses optisch aufgebessert. Durch die fehlenden Fenster in diesem Bereich gerät die gesamte Ansicht etwas aus der Ballance. Der große Freiraum hätte sich natürlich hervorragend für das Anbringen großformatiger Parolen geeignet. Dann hätte man jedoch die sich davor entstehende Vegetation klein halten müssen.

Aber man hatte ja noch die restliche Fassade zur Verfügung, die man in der gesamten Breite auch weidlich ausnutzte wie einige der nachfolgenden Fotos beweisen.
Die Aufnahme sind chronologisch von links nach rechts aufsteigend sortiert. Gut erkennbar ist die zeitliche Abfolge am Entstehen der Straßenlaterne auf der Ecke. Ist diese ganz links noch nicht existent, steht mittig schon einmal der Mast. Rechts letztlich dann auch elektrisch fertiggestellt.

Senftenberg
Aufnahme <= 1967
Archiv der Stadt Senftenberg
Senftenberg
Aufnahme <= 1967
Archiv der Stadt Senftenberg
Senftenberg
Aufnahme <= 1970
Sammlung Matthias Gleisner
Ich schrieb eingangs, daß ich mit dem "Pionierhaus" nie viel am Hut hatte. Eigentlich kann ich mich nicht erinnern, bis zur Wende jemals im Innern gewesen zu sein.

Was wohl damit zu hatte, daß die Briesker Schüler Arbeitsgemeinschafts-technisch im Kulturhaus "Franz Mehring" betreut wurden. Obwohl in Senftenberg wohnend hatte ich also wenig Veranlassung diese Einrichtung aufzusuchen. Habe ich etwas verpasst?

Zum Ende nochmals zurück in das Jahr 1954. Wir bleiben aber in enger Nachbarschaft des Pionierhauses. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das rechts abgebildete Wohnhaus. Dieses muß Anfang der 1950er Jahre auf dem vormals unbebauten Platz errichtet worden sein. In einem ähnlichen Baustil wie das zeitlich etwas später entstandene Pionierhaus, der einen optischen Bruch mit den rechts anschließenden historischen Bauten darstellt.

Senftenberg
Aufnahme <= 1954
Archiv der Stadt Senftenberg