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Die deutschen Behörden-Mühlen mahlen langsam aber sie mahlen... Und so flatterte dieser Tage eine Rechnung bei mir ein, die ich innerlich schon abgehakt hatte.
Ein volles halbes Jahr nachdem das Brandenburger Landeshauptarchiv (BLHA) mir einige Sachen gescannt hatte, erinnerte man sich doch noch meiner und forderte den
fälligen Betrag ein. Nun gut, es war letztlich keine nennenswerte Summe, die für die Leistung aufgerufen wurde. Gleichzeitig war die Rechnungslegung aber eine
kleine Erinnerung, daß ich ja doch noch etwas hier vorzustellen habe. Das war mir nämlich - wie dem BLHA die Rechnungslegung - aus dem Fokus geraten. Möglicherweise auch deshalb, weil "die Sache" etwas ungewöhnlich ist. Andererseits aber auch keine Premiere hier auf www.gruss-aus-senftenberg.de. Die zugehörigen Informationen waren und sind äußerst dürftig und in meinem Innersten hatte ich gehofft, daß sich die Archivare bei der Beschreibung geirrt hätten. Diese lautet: Modell von Wohnbauten einer Bergarbeitersiedlung aus verschiedenen Perspektiven (Fragment eines Fotoalbums - 20 Blatt) [evtl. Str. der Jugend in der Gartenstadt Marga in Senftenberg-Brieske] Da gleichzeitig die Rede vom Atelier Georg Schäfer ist und ein Marga-Fan wie ich diesen Namen mit einer Anzahl sehr schöner Ansichtskarten in Verbindung bringt, bestand die vage Hoffnung, daß da vielleicht etwas in dieser Richtung um die Ecke kommen könnte. Tat es dann letztlich aber doch nicht. Bevor ich aber zum eigentlichen Fund komme, bitte ich um Verzeihung, daß ich zunächst die ganz ollen Kamellen auspacke. Doch als Einleitung und Bekräftigung meiner oben getätigten Aussage, daß wir es nicht mit einer Premiere zu tun haben, eignen sich die beiden folgenden kommerziellen Ansichtskarten hervorragend...
So weit - so gut. Es gab in Grube Marga, nachdem die sogenannte "Kolonie" fertiggestellt worden war, eine zweite Bauphase. In dieser wurden die, zunächst
"Bergmannsheimstädten" genannten, Häuser entlang der heutigen Elsterstraße, Straße der Jugend und Kurzen Straße errichtet. Die Bauten unterscheiden sich erheblich
von der verspielten und abwechslungsreichen Architektur der 1. Bauphase, für die von Mayenburg verantwortlich war. In den 1920er Jahre, als die genannten "Bergmannsheimstädten"
errichtet wurde, war das Geld schon knapp und/oder der allgemeine Geschmack hatte sich erheblich gewandelt. Die Entwürfe für die außerhalb des ursprünglichen Rings errichteten
Wohnhäuser stammten vom ortsansässigen Ewald Kleffel, der die Siedlung(en) konzipierte und wahrscheinlich auch baubegleitend wirkte. Insgesamt schätze ich meinen Archivfund nicht als sensationell ein und doch halte ich ihn für einigermaßen wichtig. Ich gehe jede Wette ein, daß, hätten die Fotos vor 30 Jahren Wolfgang Joswig vorgelegen, hätte er mit Sicherheit einige davon in seinem "Marga"-Buch verwendet. Auch wenn sich dieses Buch im wesentlichen um die erste Bauphase dreht, so streift der Autor doch die eine oder andere Sache aus der zweiten. Dies hätte anhand der Gipsmodelle, die ich weiter unten und zukünftig vorstellen möchte, ggf. ausführlicher und anschaulicher erfolgen können.
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Genug der Vorrede, ich starte mal besser. Und das heute mit zwei Modellen, die irgendwie "für sich" stehen, da sich in dem Bestand davon keine Alternativblickwinkel befinden.
Kenner von Brieske haben kein Problem mit der Verortung des Modells.
Für alle anderen: wir schauen quasi aus nördlicher Richtung auf den
Rathenauplatz.
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Atelier Georg Schäfer Holbeinstr., Fotographie für Architektur, Kunst und Kunstgewerbe
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Man kann sich das auch heute noch live anschauen: 2 der 4 Häuser rings um den Platz besitzen Fensterläden, die anderen beiden nicht. Die
optische Wirkung ist gleich eine vollkommen andere. Schade eigentlich, daß man die Fensterläden im Zuge der Rekonstruktion in Marga nahezu
flächendeckend abschaffte.
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Die Fensterläden fehlen heutzutage auch an den Häusern der Kurzen Straße, die früher mal Schumann-Straße
hieß, was offenbar nach dem Krieg nicht mehr tragbar war. Nicht tragbar ist in meinen Augen eher das,
was man vor einigen Jahren den sieben Wohnhäusern fassadentechnisch antat.
"Hundertwasser für Arme" sage ich nur. Man kann sich mittels Google-Streetview
ein Bild davon machen. Wie harmonisch sieht das im Gegensatz auf dem Gipsmodell aus? Hätte man doch lieber die Rankspaliere wieder aufleben lassen, anstatt die Wände zu "fliesen". ![]()
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Atelier Georg Schäfer Holbeinstr., Fotographie für Architektur, Kunst und Kunstgewerbe
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Grundsätzlich muß ich sagen, daß ich den Aufwand, den man damals mit diesen
Gipsmodellen trieb, durchaus beachtlich finde. Die Detailtiefe ist schon beeindruckend
und dafür können die einzelnen Bestandteile eigentlich nicht sooo klein gewesen sein. Zu welchem Zweck das Ganze geschah, bleibt aktuell Spekulation. Auch die zeitliche Einordnung ist etwas schwierig. Ich gehe davon aus, daß die Modelle vor Baubeginn entwickelt und zusammengestellt wurden. Demnach stärker in Richtung erste Hälfte der 1920er als das von mir festgelegte und eher "konservative" <= 1928. |
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