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Älteres


Ich bewege mich in dieser Woche im Vergleich zur letzten noch etwas weiter in Richtung Gegenwart. Wobei die Aufnahmedaten der einzelnen (Teil-)motive aber auch schon mindestens 40 Jahre her sind...

Senftenberg
BILD UND HEIMAT - REICHENBACH (VOGTL)
III/26/13 - A1/605/84 - 300605 01 06 0141/11
Farbfotos: Bild und Heimat (Darr)
Aufnahme <= 1982
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
BILD UND HEIMAT - REICHENBACH (VOGTL)
III/26/13 A1/167/79-280167 01 06 0082
Farbfoto: Bild und Heimat (Darr)
Aufnahme <= 1978
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
BILD UND HEIMAT - REICHENBACH (VOGTL)
III/26/13 A1/319/81-300319 01 06 0094
Farbfoto: Bild und Heimat (Darr)
Aufnahme <= 1978
Sammlung Norbert Jurk
Senftenberg
BILD UND HEIMAT - REICHENBACH (VOGTL)
III/26/13 - A1/1290/86 - 301290 01 06 0213/11
Farbfotos: Bild und Heimat (Darr)
Aufnahme <= 1986
Sammlung Matthias Gleisner

Da die Ansichtskarten eigentlich jedem, der sich auch nur ansatzweise mit dem Thema beschäftigt hat, sattsam bekannt sein dürften, möchte ich auch gar nicht im Detail darauf eingehen. Fakt ist: wer gerne ein Original davon besitzen möchte... das Internet ist voll mit entsprechenden Angeboten. Auch wenn man dafür im Zweifel mehr berappen muss als seinerzeit ein Exemplar im Handel kostete. Ausgehend davon, daß man wenigstens 1 Euro für ein solches Stück bezahlen muß und dann das Ganze zurückrechnet .. 2 DM ... 8 Ostmark ... dann ist dies das 40-fache des damaligen EVP von 20 Ost-Pfennigen! Hätte man damals bloß jede Menge davon gehortet, wäre man heute Millionär! Aber auch nur theoretisch, denn man müsste genügend Interessenten für die Ware haben, was ich mir in vorliegendem Fall nicht vorstellen kann.

Wie gesagt, ich will überhaupt nicht weiter auf diese "Massenware" eingehen sondern nehme mir die beiden äußeren Stücke zum Anlaß, ein wenig in die Geschichte des Senftenberger Wappens zu schauen. Die Erstveröffentlichung der beiden Ansichtskarten fiel offenbar in eine Zeit in der es en-vogue war das jeweilige Stadtwappen auf der Bildseite zu verarbeiten. Das dürfte allgemein keine Anforderung der jeweiligen "staatlichen Organe" des abgebildeten Ortes gewesen sein, sondern wuchs auf dem Mist des zu diesem Zeitpunkt amtierenden Layouters bei Bild und Heimat. Ich habe mal kurz geschaut und ähnliche Produktionen aus dieser Zeit für eine Handvoll der Senftenberg nächstgelegenen Städte gefunden...

Diese "Phase" dauerte jedoch nicht lange an, zumindest was Ansichtskarten aus Senftenberg betrifft. Das fiel aber damals nicht weiter auf, denn diese Stücke wurden wie gewohnt über einen längeren Zeitraum immer wieder neu aufgelegt.
Die Verwendung des Senftenberger Stadtwappens kann ich für historische Ansichtskarten eigentlich nicht nachweisen. Erst 1979 mit der offiziellen Jubiläumspostkarte zum 700-jährigen Geburtstag unserer Stadt begann das Ganze und endete nach meinen Informationen (ich kümmere mich tatsächlich nicht um Nachwende-Produktionen) auf einer Produktion aus dem Jahr 1989.

Wer sich in der Vergangenheit mit der Senftenberger Geschichte auseinander gesetzt hat, der weiß, daß es sich bei dem hier verwendeten Stadtwappen um eine Neu-Kreation aus der Nachkriegszeit, genauer aus 1946/47 handelt.
Der Senftenberger Anzeiger, der zu diesem Zeitpunkt ein etwa A3-großes Aushangsblatt war, informierte in seiner Ausgabe vom 22. August 1947 folgendermaßen:

Senftenbergs neues Stadtwappen

Aus Kreisen der Einwohnerschaft sowie antifaschistischer Organisationen wurde nach dem Zusammenbruch angeregt, das Senftenberger Stadtwappen neuzugestalten bzw. das alte so abzuändern, daß es dem Charakter der Industriestadt Senftenberg Rechnung trägt.
Der Magistrat der Stadt Senftenberg hat sich deshalb mit dieser Sache befaßt und nach gründlicher Durcharbeitung, unter Hinzuziehung von Fachkräften, der Stadtverordnetenversammlung am 9. November 1946 zwei neue Entwürfe zur Beratung und Entscheidung vorgelegt. Die Stadtverordneten entschlossen sich für das Wappen, das nun bereits seit einigen Monaten für verschiedene Vorlagen, Dienstsiegel usw. zur Verwendung kam.

Da nun in allen Kreisen Senftenbergs seit jeher Unstimmigkeiten über die Wappenfrage herrschten ist es wichtig, aus Senftenbergs Wappengeschichte näheres zu beleuchten: Das älteste Stadtsiegel von Senftenberg befindet sich auf einer von Bürgermeister und Ratsleuten ausgestellten Urkunde vom 9. November 1423. Es ist ein sogenanntes redendes Wappen und zeigt zwei aus einem Berge wachsende einander zugeneigte Senfstauden

Daher auch die vielfach irrige Ansicht, daß der Name "Senftenberg" aus dem Worte "Senf" oder "Sumpf" abgeleitet sei. Die Historik weist aber eindeutig auf, daß der Name "Senftenberg" nach den Begründern "derer von Senftenberg", die aus Mitteldeutschland eingewandert sind, herrührt und erstmalig im zwölften Jahrhundert erwähnt wurde. Nach dem Übergang Senftenbergs an die Wettinen im Jahre 1448 kam die Fahne mit den beiden Kurschwertern ins Wappen.
Aus dem Jahre 1563 ist folgende Beschreibung des Senftenberger Wappens bekannt:
Ein roter Turm mit offenem Tor, dessen Fallgitter herabgelassen ist. Über letzterem ist ein offenes Fenster in dem ein Löwe sitzt. Auf der Turmspitze eine Windfahne mit gekreuzten Kurschwertern.
Über diese Art des Wappens existiert eine zweite Beschreibung: Ein roter Turm auf goldenem Schild; auf der Turmspitze ein rote Fahne mit gekreuzten, silbernen Schwertern; im offenen Fenster ein blauer Löwe, sitzend mit roter Zunge, roter Krone und rot bewehrt; Hintergrund des Fensters gold; Mauerwerksfugen des Turmes schwarz

.
Eine dritte Beschreibung lautet folgendermaßen:
Roter Turm, auf dessen Spitze schwarz-silberne Fahne mit gekreuzten roten Schwertern; im offenen Fenster stehender Löwe in Gold und nicht gezungt; Hintergrund des offenen Fensters rot; Fallgitter gold; Mauerwerksfugen weiß.
Nach "Dillich" stammt aus dem Jahre 1628 folgende Beschreibung:
Roter Turm mit goldenem Feld; Schutzgitter weiß; im offenen Fenster blauer Löwe stehend; Fahne auf der Turmspitze rot mit weißen Schwertern.
Diese vielen Änderungen des Senftenberger Stadtwappens haben in erster Linie ihren Grund darin, daß Senftenberg seit seinem Bestehen einmal Böhmen, einmal Sachsen und einmal Brandenburg gehörig und die Farben den jeweiligen Landesfarben und die sonstigen Ausschmückungen des Wappens den jeweiligen Geschnmäckern und Stilen der Zeit angepaßt waren. Auch aus allen Anlagen, die im Archiv des Stadtbauamtes von Senftenberg aufzufinden waren, geht hervor, daß über die Wappenfrage immer Unstimmigkeit und Ungewißheit geherrscht hat. Es mußte also ein salomonisches Urteil bei der Festlegung eines neuen Wappens gefällt werden und der Magistrat ging davon aus, daß Senftenberg zu allen Zeiten zur Lausitz bzw. Niederlausitz gehörte; und so wurden für den neuen Entwurf als Grundlage der Farbenfrage die Farben der Niederlausitz - rot-silber - gewählt.

Zudem wurde in Anlehnung an das alte Stadtwappen die in den früheren Wappen schon vorhandene Sturmfahne, aber unter Herauslassung der Schwerter gewählt. Es sollte damit ein Stück Tradition in das neue Wappen übernommen, vor allen Dingen aber sollte dem Bergwerkscharakter der Stadt Senftenberg in einem neuen Wappen Rechnung getragen werden. Deshalb wurden de gekreuzten Bergwerkshämmer eingesetzt. Die aufgesetzte fünfzackige Mauerkrone besagt, daß es sich hierbei um ein Städtewappen handelt.
Das neue Wappen der Stadt Senftenberg wird also wie folgt beschrieben:
- Ein in Silber und rot gevierterter Schild (Farben der Niederlausitz).
- Auf dem ersten Platz (Ehrenplatz" gekreuzte Schlägel in schwarz (Symbol des Bergbaues).
- zweites und drittes Feld rot;
- viertes Feld zeigt in Silber die rote Sturmfahne als Tradition des alten Stadtwappens;
- das Schild wird durch eine fünfzackige Mauerkrone abgeschlossen.

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In diesem Zusammenhang gibt der Rat der Stadt Senftenberg bekannt, daß alle bisherigen Stempel mit dem alten Stadtwappen aus dem Verkehr gezogen wurden und für alle neuausgestellten Urkunden, Schreiben usw. nach dieser Bekanntmachung nicht mehr verwendet werden dürfen.

Am 26. März 1947 wurde durch den damaligen Landrat des Kreises Calau der Entwurf, der entweder vom Senftenberger Künstler Günther Wendt oder aber vom damaligen 2. Bürgermeister und Kulturstadtrat Senftenbergs, Hans Weiß, stammen soll, als neues Senftenberger Stadtwappen bestätigt. Man muß davon ausgehen, daß die Abkehr vom alten Wappen so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem nicht geringen Teil ideologische Hintergründe hatte: man wurde so die gekreuzten Schwerter los, die angeblich eine Verherrlichung des Militarismus bedeuten. Kurze Zeit nach der politischen Wende in der DDR flammte die Diskussion um das Wappen wieder auf. Die Stadtverordneten beschäftigen sich 1991 und 1992 gründlich mit dem Für und Wider einer Rückbesinnung auf die historische Darstellung und beschlossen am 12. August 1992 mehrheitlich ... das große Siegel und Wappen von 1448 als Wappen der Stadt Senftenberg wieder einzuführen. Die Abbildung zeigt einen Turm mit Fallgitter und einen Löwen in einer Bogenöffnung sowie auf der Turmspitze ein Fähnchen mit den Kurschwertern. Die Stadtverordnetenversammlung beschließt weiterhin, das kleine Siegel und Wappen, die Fahne mit den Kurschwertern als Siegel der Stadt Senftenberg wieder einzuführen.

Dieser Beschluß wurde letztlich nicht realisiert, so daß wir heutzutage sowohl im Wappen, wie auch im Dienstsiegel der Stadt immer noch die 1947er-Gestaltung finden. Mit einer Änderung. Die Zinnen sind verschwunden.

Und wenn wir mal ehrlich sind... die bergmännischen Insignien haben mittlerweile auch ausgedient. In Senftenberg und der näheren Umgebung gibt es eigentlich nur noch einen geringen Bezug zum Bergbau. Die paar Senftenberger, die noch bei der LEAG arbeiten kann man mit der Lupe suchen. Insofern sollte man vielleicht mal über eine teilweise Neugestaltung aufgrund "veränderter Rahmenbedingungen" nachdenken. Ich hätte da eine Idee...