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19.06.2022
2 Kommentare

Wenn ich in der Vorwoche schrieb, daß in der Vergangenheit viel Mist erzählt wurde, dann kann man das in Bezug auf historisches Bildmaterial aus Senftenberg und nächster Umgebung durchaus so stehen lassen. Es gibt eigentlich kaum Ausnahmen unter den Senftenberger Heimatforschern, die sich im Laufe der letzten Jahre auf diesem Feld geschlagen haben. Auch ich bin nicht fehlerfrei und produzierte schon ein, zwei "Korken". Glücklicherweise konnte ich diese Fehler nach Bemerken relativ leicht korrigieren. In dieser Hinsicht ist das Internet eben doch die bessere Wahl. Ist eine falsche örtliche oder zeitliche Zuschreibung erst einmal in einem Buch oder generell einem Druckerzeugnis erschienen, dann ist es schwer, diese wieder aus der Welt zu bekommen. Manches hält sich hartnäckig und wird von Generation zu Generation auch gerne einmal abgeschrieben.
Ich bin vor mehr als 10 Jahren angetreten, alte Fehler zu korrigieren und dabei möglichst keine neuen zu machen. Aus diesem Grund verfiel ich gleich von Beginn an auf mein <= (kleiner/gleich) wenn es nicht absolut sicher ist, daß man ein Bild auf ein Jahr, einen Monat oder gar einen ganz speziellen Tag fixieren kann.
Mit dieser Art der Datierung wird es schwer, mir irgendwelche Fehler nachzuweisen.
Und ich bin dabei immer noch so genau wie möglich.

Eine Gefahr für falsche Datierungen habe ich in der Vergangenheit schon mehrmals erwähnt... die "Zombies", die "Wiedergänger" unter den Ansichtskartenmotiven. Einige von denen waren offensichtlich nicht tot zu kriegen. Drei davon, die ich auch schon ewig vor mir herschiebe, präsentiere ich heute. Allesamt im Jahr 1951 von Trinks & Co. veröffentlicht, zeigen sie Senftenberger Ansichten, die in einem Fall ihren Ursprung im Jahr 1915 hat. 36 Jahre!!! Das ist bisheriger Rekord dieser "Untoten".

Senftenberg
Echte Photographie
Trinks & Co. Leipzig O27
III / 18 / 20 / Za 1008 1 851
Bestell-Nr.4
Teco
Aufnahme <= 1915
Sammlung Eberhard Wolf
Senftenberg Senftenberg Senftenberg
Senftenberg Senftenberg Senftenberg
Die Motive links und rechts sind unspektakulär und durch andere Versionen, auch solche, die näher am Ursprungsdatum veröffentlicht wurden, hinreichend dokumentiert.
Warum der Leipziger Verlag auf derart alte Vorlagen zurückgriff, wird wohl bis ins Detail nicht ermittelbar sein. Sicher gab es Anfang der 50er Jahre einen Bedarf an Ansichtskarten. Gleichzeitig hatte man wahrscheinlich keine oder zumindest nicht genügend Fotografen, die man durch das Land schicken konnte, um zeitgemäße Aufnahmen anzufertigen. Die Spuren des 2. Weltkrieges waren zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht getilgt. Was hätte man also auf Film bannen sollen? Man weiß auch nicht, inwieweit die Zensur in der SBZ der freien Entfaltung in diesem Geschäftszweig im Wege stand.
Also griff man kurzerhand auf das zurück was noch im eigenen Archiv lagerte und produzierte davon eine ganze Serie. Aufgrund der fortlaufenden "Bestell-Nr.", die wir auf der bildabgewandten Seite finden, ist das keine Vermutung sondern Fakt. Übrigens habe ich bis heute noch nicht alle Bestell-Nummern zusammen. Ich habe eine grobe Ahnung was da noch fehlt. Alles keine Sensationen!
Senftenberg
Echte Photographie
Trinks & Co. Leipzig O27
III / 18 / 20 / Za 1008 1 851
Bestell-Nr.1
Teco
Aufnahme <= 1928
Sammlung Wolfgang Hoffmann
Senftenberg Senftenberg Senftenberg
Senftenberg
Vielmehr alle von dem Kaliber wie die beiden oben dargestellten Motive. Also Stadtpark & Co..
Eine der seltenen Ausnahmen von diesem Sujet kann ich mit dem rechts abgebildeten Exemplar anbieten. Die Aufnahme ist bekannt und stammt spätestens aus 1927. In der Ursprungsvariante trug sie die Aufschrift Senftenberg N.-L. Bergbauhaus. 25 Jahre später wurde (wie im wahren Leben) aus dem Bergbauhaus ein Kreishaus.

Der damalige Mitarbeiter bei Trinks & Co. machte seine Hausaufgaben und veränderte nachträglich die Aufschrift an der Giebelseite des abgebildeten Hauses. In der Vergrößerung erkennt man, daß dies nicht sehr filigran erfolgte. Zwar stimmt das Aussehen der Lettern, wie man sie zu diesem Zeitpunkt in der Realität vorfinden konnte, einigermaßen überein, horizontal driftet der Schriftzug aber zu weit nach links. Ich habe keine Ahnung, ob dies damals jemand bemerkte. In Postkartengröße fällt dies jedenfalls weniger stark auf.
Im direkten Vergleich mit der Produktion vom Ende der 1920er Jahre liefert uns die DDR-Produktion links und oben minimal mehr Bildinformation, ist dafür aber unten und rechts beschnitten. Generell wirkt die spätere Fassung eher unscharf. Etwas, das möglicherweise mit der nachträglichen Retusche zu tun hat. Ich habe keine Ahnung wie die das damals gemacht haben. Vielleicht wurde die Manipulation an einem Fotoabzug vorgenommen, der dann nochmals abfotografiert wurde. Diese 2. Generation diente danach als Druckvorlage.

Senftenberg
Echte Photographie
Trinks & Co. Leipzig O27
III / 18 / 20 / Za 1008 1 851
Bestell-Nr.18
Teco
Aufnahme <= 1927
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg