Druckversion |
|||
Die Partie am Hauptgraben. Wer kennt sie nicht? ![]() Aber mal im Ernst. Die Ansicht ist nicht völlig unbekannt. Sie fand Verwendung in zwei Büchern: Isolde Rösler (1992) und Norbert Jurk (2017). Dabei jeweils in unterschiedlichem Maße beschnitten und für meine Begriffe immer von einer abfotografierten Ansichtskarte abgenommen. Der dabei verlustig gegangene Anteil ist, wie man sehen kann, nicht der Rede wert denn er besteht nur aus "Fläche" um das Foto irgendwie auf das damals übliche 9 x 13 cm - Format zu trimmen. Heute also erstmals als direkte Reproduktion einer historischen Ansichtskarte. Vermutlich wird vielen die Verortung der Szenerie schwer fallen, denn mit innerstädtischen Wasserläufen haben wir es ja heutzutage nicht mehr so. Vom ehemaligen Hauptgraben zeugt im Jahre 2022 nichts mehr. Die letzten Reste seines trockengefallenen Bettes sind längst zugeschüttet worden. Entweder überbaut durch ein Kombination aus Parkplatz und Fußweg oder durch Bepflanzung verschönert. Okay. "Ich kaufe eine A und möchte lösen!" Annastraße ist das Stichwort. Seit vielen Jahren als "Reyersbach-Straße" bekannt. Wir wissen natürlich alle, daß mit Reyersbach kein, und schon gar nicht das abgebildete, Fließgewässer gemeint ist. Aber das ist eine völlig andere Geschichte. Von der auf dem Foto erkennbaren Infrastruktur ist in dieser Form nur noch das Haus im Hintergrund erhalten. Der rechts angeschnittene Teil der Caplick'schen Werkstatt ist schon lange einem privaten Parkplatz gewichen. |
Postkartenverlag Otto Lieske,
|
||
Im Hintergrund links erkennbar, führte damals eine kleine Brücke über den Graben und hinein in die Paulinenstraße.
An deren Ende (oder Anfang, wenn man es aus der Gegenrichtung betrachtet) befindet sich das rechts abgebildete
Haus. Die meisten Senftenberger werden es aufgrund des signifikanten Erkers wiedererkennen. Die Tage dieses Erkers
sind aktuell jedoch gezählt. Die Holzkonstruktion ist mittlerweise so marode, daß ein Erhalt dieses Kleinods nicht
mehr möglich ist. Derzeit sind die Bauarbeiter an dem Haus zugange und dabei wird auch Hand an den Erker gelegt, der
einer Neukonstruktion weichen wird. Leider ist das Privatfoto an mehreren Stellen überbelichtet, so daß uns Teile des Hauses und des davor befindlichen Baumes vorenthalten werden. Aber ich denke, wenn man sich in Senftenberg ein wenig auskennt, dann hat man ein Bild vor Augen. Die Datierung der Aufnahme gestaltete sich schwierig. Das Foto selbst enthält keinerlei Zeitangabe. Meine gefühlte Taxierung auf 1920 ± 2 wurde gleich zu Beginn durch eine Information torpediert, die ich von den Eigentümern des Hauses bzgl. dessen Baujahr erhielt. Demnach soll das Haus erst 1926 errichtet worden sein. |
Aufnahme <= 1930
|
||
Hmmmmm. Schwierig! Baute man 1926 tatsächlich noch in diesem Stil? Zur Wahrheitsfindung flöhte ich sämtliche verfügbaren Einwohnerbücher Senftenbergs durch. Und trotz eines Druckfehlers in der Ausgabe von 1914 konnte ich ermitteln, daß die Hausnummer 3 zu diesem Zeitpunkt schon existierte. Eigentümerin: eine gewisse Witwe Emma Babick. Die fortfolgend an dieser Adresse aufgeführte Bewohnerschaft weist eine gewisse Konsistenz auf, so daß ich davon ausgehe, daß wir gedanklich immer das gleiche Haus vor uns haben.
|
|||