Neues 678 - 2026-02-15

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Matthias
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Neues 678 - 2026-02-15

Beitragvon Matthias » Sa 14. Feb 2026, 13:44

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Harald
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Re: Neues 678 - 2026-02-15

Beitragvon Harald » Di 17. Feb 2026, 12:29

In den 1950er JAHREN war das SAMMELN bei KINDERN & JUGENDLICHEN ein sehr beliebtes HOBBY – schon deswegen, weil es verhältnismäßig PREISGÜNSTIG war & man vieles gelegentlich auch "KAUPELN" sprich: TAUSCHEN konnte.
TYPISCHE SAMMELOBJEKTE UNSERER KINDHEIT waren beispielsweise:

(1) BRIEFMARKEN – das wohl klassischste Sammelgebiet, oft mit stolzgeschwellter Brust in ALBEN sortiert;
(2) MURMELN – ausschließlich GLAS~ oder TONKUGELN in verschiedenen Farben & Größen, die oft auch zum „ MURMELN“ (Spielen) verwendet wurden;
(3) GLANZBILDER (Oblaten) = bunte, geprägte BILDCHEN mit BLUMEN, ENGELN oder MÄRCHENMOTIVEN, die später in POESIEALBEN oder SAMMELHEFTEN auftauchten.
(4) STREICHHOLZSCHACHTEL- ETIKETTEN – wegen der vielen verschiedenen Motive & Länder;
(5) ABZEICHEN von Pionierorganisation & FDJ, die auch beim BRIEFWECHSEL mit sowjetischen „Lenin-Pionieren“ als TAUSCHOBJEKTE dienten;
(6) ZIGARETTENBILDER = einer größeren SERIE (z. B. zu Themen wie Olympiaden / Friedensfahrten / Geschichte der Arb.bewegung / Junge Pioniere u.a.m.) die man für eingesandte leere Zigarettenpackungen erhielt & in Alben eingeklebt werden konnten.
(7) AUTOGRAMMKARTEN – besonders von Filmstars, Sportlern oder Schlagersängern sowie…
(8) FARBIGE POSTKARTEN – vor allem mit Stadtansichten oder Urlaubsmotiven waren sie sehr beliebt.

sammelobjekte 1950_resize.jpg

Das SAMMELN war damals nicht nur ein ZEITVERTREIB, sondern auch eine Art, SICH MIT FREUNDEN AUSZUTAUSCHEN & KLEINE SCHÄTZE ZU BESITZEN – ganz OHNE DIGITALE MEDIEN.
Es gab durchaus UNTERSCHIEDE zwischen den SAMMELGEWOHNHEITEN von KINDERN in der BRD & der DDR,
auch wenn das GRUNDPRINZIP – Dinge zu TAUSCHEN, zu ORDNEN & stolz zu ZEIGEN – auf beiden Seiten GLEICH war.
In der BRD war das SAMMELN stärker von WERBUNG & KONSUM geprägt, später auch von westlicher POPKULTUR beeinflusst, während es in der DDR zumeist mit GEMEINSCHAFT & BILDUNG verbunden war – und da es bei uns weniger KONSUMARTIKEL als im „Goldenen Westen“ gab, war das SAMMELN oft KREATIVER & eben stärker auf ALLTAGSGEGENSTÄNDE ausgerichtet.

Kinder sammeln_resize.jpg

Unvergessen bleibt den NACHKRIEGSKINDERN jedoch das SAMMELN von HEIZMATERIAL, in BAUMBESTÄNDEN nach herumliegendem TOTHOLZ, in Ruinen nach KOHLESTÜCKCHEN & PAPIER, vor allem aber auf Bahnhöfen & Abstellgleisen nach BRIKETTBRUCH. Überaus lebenswichtig war natürlich das sogenannte „STOPPELN“, die mühevolle SUCHE nach liegengebliebenen KARTÖFFELCHEN auf umliegenden FELDERN – die wir übrigens in jener Zeit großer NAHRUNGSMITTELKNAPPHEIT noch öfters bei den groß angelegten KAMPAGNEN zur SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG ablaufen durften, um KARTOFFELKÄFER & deren LARVEN zu sammeln. Selbstredend gab es sogar WETTBEWERBE, wer die meisten KÄFER sammelte – ob’s auch PREISE für die „BESTEN“ gab, ist mir entfallen…

Nach diesem kurzen thematischen „AUSFLUG“ nun aber schnell wieder zurück zu den BRIEFMARKEN – und zwar zu zwei angeblichen >DDR-FEHLDRUCKEN<, die für Furore sorgten, und in SAMMLERKREISEN ob ihrer FARBGEBUNG sogar die arg übertriebenen „Spitznamen“ >ROTE & BLAUE MAURITIUS DER DDR< erhielten…

Schlimme Finger_resize.jpg

Die 1. MARKE wurde 1958 zum 40-jährigen Jubiläum der Novemberrevolution gedruckt & erlangte über Nacht BERÜHMTHEIT, weil der darauf abgebildete NVA-Soldat TOTENKOPFÄHNLICHE, zumindest aber eindeutig ASIATISCHE GESICHTSZÜGE trug, weshalb man die MARKE einfach >PAPPCHINESE< taufte. Aufgrund der MISSRATENEN DARSTELLUNG oder weil es so aussah, als ob der MANN im Hintergrund dem SOLDATEN mit dem GEWEHR in den HINTERKOPF ballert, ist die MARKE nur wenige Stunden nach ihrer Herausgabe am 7. November 1958 um 10 Uhr zurückgezogen – jedoch 4 Tage später nochmals zugelassen worden. POSTFRISCH besaß sie fast jeder, wogegen ein am ERSTAUSGABETAG GESTEMPELTES EXEMPLAR äußerst selten – keineswegs aber die „WERTVOLLSTE DDR-MARKE ist…

Die 2. MARKE, auf welcher der sowjetische Kosmonaut German TITOW mit Walter ULBRICHT 1961 auf einer JUBELTOUR durch BERLIN zu sehen ist, bekam den Beinamen >SCHLIMME FINGER<, weil die Darstellung von TITOW’s INNENHANDLINIEN als eine Art VEXIERBILD gedeutet wurde, in dem man – allerdings nur mit sehr viel Fantasie – die UMRISSE eines HAKENKREUZES erkennen wollte. Angeblich habe ein „KONSPIRATEUR“ kurz vor der DRUCKLEGUNG dieses „kleine, faschistische SYMBOL“ hineingeritzt, das wohl den AUGEN der PRÜFER entging, und danach in den WESTEN geflüchtet. Die >SCHLIMMEN FINGER< wurden nach der ENTDECKUNG (angeblich) verboten, aus dem Verkehr gezogen, & eingestampft, doch einige wenige hatten „überlebt“ – und deren variantenreiche GESCHICHTE wird seitdem wohl noch in diversen philatelistischen Publikationen hochgespielt, obwohl der ERSTTAGSBRIEF im Internet schon für 1 Euro plus Versandkosten angeboten wird – also im Prinzip gar nix wert ist…

Ersttagsbrief_resize.jpg

NACHBETRACHTUNG:
Als meine FRAU als KIND in den 1950ern das BRIEFMARKENSAMMELN für sich entdeckte, fiel ihre WAHL spontan auf das große Thema >GESAMTDEUTSCHLAND<, was zumindest für den Bereich DDR-MARKEN optimistisch stimmte, da diese ab 1960 ob ihrer VIELZAHL als „MASSENWARE“ daherkamen. Sehr viel schwieriger gestaltete sich allerdings die MARKENBESCHAFFUNG der Sammelgebiete >DEUTSCHES REICH< / BRD & SAARLAND.
Die ungefähre ANZAHL der ausgegebenen BRIEFMARKEN in DEUTSCHLAND lässt sich aktuell wie folgt zusammenfassen:

(1) DEUTSCHES REICH (1870–1945)
Norddeutscher Bund (1868 - 1871) & Deutsches Reich (1872–1945)
= ca. 3.000 – 3.500 MARKEN
(einschließlich Inflationsausgaben, Dienstmarken, Besetzungsgebiete & Feldpostausgaben kann die Zahl deutlich höher liegen – bis etwa 5.000)

(2) BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND (1949–2025)
= ca. 3.800 – 4.200 MARKEN
(je nach Zählweise, ob Zuschlagsmarken, Automatenmarken & Blockausgaben einzeln gezählt werden)

(3) DEUTSCHE DEMOKRATISCHE REPUBLIK (1949–1990)
= ca. 3.300 – 3.500 MARKEN (einschließlich Blocks & Zuschlagsmarken)

GESAMTSUMME der deutschen Ausgaben = ca. 10.000 – 11.000 MARKEN…

ACHTUNG: Das LANGE WARTEN hat sehr bald ein ENDE.
Im abschließenden TEIL 6 kommen wir dann auf die einst sehr begehrten SPERRWERTE & die mit ihnen eng verbundenen KRIMINELLEN MACHENSCHAFTEN zu sprechen. Bis dann also…!


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