Die Huldigung des
TURNVATER JAHN und der von ihm initiierten
TURNBEWEGUNG fußte eigentlich auf der frühen Nationalbewegung, die Jugend auf den Kampf gegen die napoleonische Besetzung und für die Rettung Preußens und Deutschlands vorzubereiten. Dabei schwebte dem "Nationalhelden" so ganz nebenbei auch ein "Großdeutschland" mit der Hauptstadt "Teutonia" vor.
Wir wenden uns aber lieber dem von ihm begründeten
TURNEN zu, aus dem die heutige Sportart
GERÄTETURNEN hervorging.
Das sogenannte
>TURNBUCH< von 1860, ein "unterhaltendes Bilderbuch für die deutsche Jugend" sollte eine "Anleitung und Ermunterung zum Turnen" sein.
Schon im Vorwort wurde mit
LOBESHYMNEN nicht gespart:
"Einer, der sich wohlverdient gemacht hat um des deutschen Volkes Wiedergeburt und Kräftigung, ist VATER JAHN, der Erfinder des Turnbrauches, geworden. Er sagte:
'Nur in einem kräftigen, von Sünde und Laster unentweihten Leibe wohne die kräftige Seele und darum müsse die Leibeskraft in all ihren Richtungen mit Ernst geübt werden.' Er erfand also das TURNEN."
"Jede TURNANSTALT ist darum ein Tummelplatz leiblicher Kraft, eine Erbschule männlicher Ringfertigkeit, ein Wettplan der Ritterlichkeit, Erziehungsnachhilfe, Gesundheitspflege und öffentliche Wohlthat, Lern~ und Lehranstalt zugleich."
"Früher glaubten manche TURNER, äußere Abzeichen, absonderliche Kleidung, bärtiges Gesicht, ein auffallendes Benehmen und eine ganz eigenthümliche Sprache seien nöthig, um den TURNER VON RECHTEM SCHROT & KORN zu kennzeichnen. Allein das ist alles Nebensache. Der TURNER übt seine Leibeskraft nach gewissen sehr nützlichen Regeln; er thut es, um gesund, stark und gewandt zu werden."
"Dahin soll es und muß es kommen, daß jeder deutsche Jüngling ohne Unterschied des Standes ein TURNER sei, nicht allein derjenige, welcher gelehrte oder künstlerische Bildung erhält - nein, auch der Handwerker, der Bauer, der Tagelöhner."
"Die SCHULE muß zugleich eine TURNANSTALT werden, damit im ganzen Volke, in allen Schichten desselben, eine turnerische Generation entstehe und aufblühe.
Auch die WEIBLICHE JUGEND sei nicht davon ausgeschlossen!"
In sehr ansprechenden, farbigen
ILLUSTRATIONEN wurden
die einzelnen
DISZIPLINEN & TURNGERÄTE vorgestellt:
(abwärts - von links nach rechts)Freiübungen - Gerwerfen - Schwingel & Sturmlauf;
Klettergerüste - Reck & Ringen - Springen & Barren;
Schwebebaum - Fechten - Dauerlauf;
Außerdem gehörten noch
"Ringkampf in Massen"
& Schwimmen dazu:
Ein
TURNGERÄT war für meine Generation prägend, nämlich das
KLETTERGERÜST.
In der
GRUNDSCHULE durften, sollten, mussten wir daran regelmäßig das Klettern lernen, den Kletterschluss und das Verharren in demselben mit Loslassen einer Hand, eines Beines, beider Hände oder beider Beine.
Das ging anfangs ziemlich schwer; manch einer plumpste herab, als er losließ und wurde ausgelacht. Dann aber, als der Griff zunehmend fester wurde, kam das Klettern mit Nach~ & Übergriff, mit Wechsel der Beine und Umkreisen der Stange daran und alle sich anschließenden Übungen, die mitunter so schwer waren, dass sie viel Anstrengung und Geschicklichkeit erforderten.
Später folgten Übungen an der Doppelstange, an schief gestellten Stangen, ferner Übungen an der Sprossenstange, dem Sprossen~ & Knotentau, dann an der Strickleiter und zuletzt die schwerste Übung:
das Aufklimmen am glatten Tau und am Mast.
Die Fotos zeigen das Training am
KLETTERGERÜST meiner ehemaligen
GRUNDSCHULE in HÖRLITZ, an der wir uns nicht nur das Rüstzeug für's Erklimmen der blank gebohnerten
KINDERFEST-STANGE holten, um an deren Spitze die ersehnten Bockwürste & Süßigkeiten zu erlangen. Auch bei "Mundraub-Streifzügen" rund um den Wasserturm durch die teils verwilderten Gärten am Paradiesberg war schnelles Rauf-und-runter-Klettern an diversen Obstbäumen überaus gefragt
- vor allem, wenn man "auf der Flucht" vor den vermeintlichen Gartenbesitzern war...