Neues 693 - 2026-06-14

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Matthias
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Neues 693 - 2026-06-14

Beitragvon Matthias » Sa 13. Jun 2026, 09:10

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Harald
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Re: Neues 693 - 2026-06-14

Beitragvon Harald » So 5. Jul 2026, 15:25

Torfstecher_resize.jpg

Fast jedes deutsche KOHLEREVIER besitzt einen überlieferten, abenteuerlich spannenden „AUGENZEUGENBERICHT“, der von der ERSTENTDECKUNG einer KOHLE-LAGERSTÄTTE erzählt, wie z.B.: ein FUCHS in seiner Höhle KOHLESTÜCKE ausgräbt, ein TORFSTECHER bzw. BRUNNENBAUER auf ein FLÖZ stößt oder ein HIRTENJUNGE – oh schreck – BRENNBARE SCHWARZE STEINE entdeckt:

„Es muß wohl an einem Spätherbsttag gewesen sein, als sich ein HIRTENJUNGE aufwärmen wollte. Der Abend senkte sich herab, und er hatte sich ein FEUER angezündet. Aus dem nahen WALD trug er REISIG zusammen, das es nähren sollte. Der heftige ABENDWIND aber trieb das FEUER immer wieder auseinander. So begann er STEINE zu sammeln und baute sie zu einem WALL um die FEUERSTELLE auf. Als er so davorsaß & HOLZSCHEITE nachlegte, bemerkte er, wie die STEINE zu glühen anfingen und kurz darauf der ganze WALL in FLAMMEN stand…“

hirte_resize.jpg

HISTORIKER sehen solche GESCHICHTEN heute überwiegend als nachträglich entstandene, anschaulich erklärende >WANDERSAGEN<, deren ERZÄHLMUSTER jedoch keiner belegbaren HISTORIE angehören. SENFTENBERGS HEIMATFORSCHER würden da schon eher auf den ersten SATZ in den AKTEN jener zwischen 1845 & 1865 erfolgten >SEPARATION< (Flurbereinigung) vertrauen – bei welcher neue ENTWÄSSERUNGSGRÄBEN gezogen, hunderte GRENZGRÄBEN ausgehoben, zahlreiche BRUNNEN angelegt & WEGE gebaut wurden – wenn dort beispielsweise geschrieben stünde:
„Beim AUSHEBEN eines GRABENS wurde eine BRAUNE, BRENNBARE ERDSCHICHT angetroffen…“

Als um 1860 bei ersten SCHÜRFVERSUCHEN & PROBEBOHRUNGEN in der nördlich der Stadt gelegenen RAUNOER HOCHFLÄCHE bekannt wurde, dass in der SENFTENBERGER Gegend BRAUNKOHLE vorkommen müsste, begannen mehrere wohlhabende GRUNDBESITZER & KAUFLEUTE, gezielt nach BRAUNKOHLE zu bohren.
Als dann in den 1870/80er Jahren die LANDWIRTSCHAFT infolge einer sogenannten AGRARKRISE zunehmend unrentabel wurde, suchte speziell der „LANDADEL“ aus Brandenburg, Schlesien & Pommern nach zusätzlichen Einnahmequellen & rentableren Kapitalanlagen außerhalb ihrer „RITTERGÜTER“ – vorrangig in BERGWERKSGESELLSCHAFTEN.

Gutsbesitzer.jpg

Im weiteren Verlauf meiner Recherche stieß ich dann aber auf einige HINWEISE in polnischen Quellen, dass der Name SCHÖPPENTHAU aus dem hinterpommerschen, großgrundbesitzenden „LANDADEL“ stammt, der mehrfach im Raum CAMMIN (Kamień Pomorski) auftaucht.

In TRIBSOW, einem 5 km von CAMMIN entfernten, großen DORF mit typisch landwirtschaftlichem Charakter, befand sich nachweislich der HERRSCHAFTSKOMPLEX der FAMILIE >von SCHÖPPENTHAU<, welcher aus einem nicht gerade „mondänen“ GUTSHAUS auf geräumigem GUTSHOF mit landwirtschaftlichen GEBÄUDEN & sogar einem kleinen LANDSCHAFTSPARK bestand. Im Jahre 1788 hatte der Bürgermeister des Dorfes CARL GOTTFRIED SCHÖPPENTHAU dieses RITTERGUT zum Preis von 11.000 Talern erworben, es aber schon 1828 weiter veräußert. Im MITTELALTER gehörte es den Familien „von Witten“ & „von Brüsewitz“ – nach ihnen kam es in der Folgezeit zu recht häufigen Eigentümerwechseln…

RITTERGUT – LEICHT VERSTÄNDLICH ERKLÄRT

„Ein RITTERGUT war früher ein großer BAUERNHOF, der einem RITTER oder einem anderen ADELIGEN gehörte. Dort stand zumeist ein großes GUTSHAUS, in dem der jeweilige GUTSBESITZER mit seiner FAMILIE wohnte. Rundherum gab es STÄLLE, SCHEUNEN, FELDER, manchmal auch einen kleinen PARK oder WALD.

FINAL Altes Rittergut_resize.jpg

Auf dem GUT lebten & arbeiteten – freiwillig oder aus Pflicht – viele MENSCHEN zusammen, damit alle versorgt waren:
Der GUTSHERR sorgte für SCHUTZ & bestimmte, was angebaut wurde,
BAUERN & KNECHTE bestellten die FELDER & versorgten die TIERE,
MÄGDE halfen im Haus, kochten, wuschen & nähten,
HANDWERKER (Schmiede, Stellmacher, Müller etc.) erledigten wichtige Arbeiten,
sogenannte „SCHARWERKER“, das waren zumeist BAUERN aus den umliegenden DÖRFERN, mussten an bestimmten Tagen im Jahr auf dem RITTERGUT pflichtgemäß ihre >Arbeitssteuer< z.B. beim Pflügen, Ernten oder Holzholen abarbeiten."

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Die großen GÜTER Hinterpommerns waren zwar häufig hoch verschuldet, aber dennoch werthaltige VERMÖGENSKOMPLEXE, dank derer ADLIGE Familien nicht nur ZUGANG zu BANKEN hatten, sondern selbstredend stets GUTE BEZIEHUNGEN zu staatlichen Stellen, sowie gesellschaftliche NETZWERKE bis hin zu Ministerien & Aufsichtsräten pflegten. Viele LAUSITZER BERGBAUUNTERNEHMEN entstanden nicht als „isolierte EINZELGRÜNDUNGEN“, sondern als familiäre NETZWERKE, wie das Beispiel der DYNASTIE „derer von SCHÖPPENTHAU“ zeigt: irgendeinen ABKÖMMLING zog es vom Stammsitz in TRIBSOW weiter gen SÜDEN an die ODER, wo er das RITTERGUT DÜRRENSELCHOW, nur einen „Katzensprung“ von der Reichshauptstadt BERLIN entfernt, erwarb…

Dominium.jpg

Da der POMMERSCHE ADEL zumeist stark „versippt & verschwägert“ war, konnte ein erfolgreicher GUTSHERR seine VERWANDTEN, aber auch schon mal wohlgesonnene NACHBARN, in die neue GESELLSCHAFT hineinziehen, sodass im Nachhinein oft der EINDRUCK entstand, als seien plötzlich „ALLE HINTERPOMMERSCHEN GUTSBESITZER im NIEDERLAUSITZER BRAUNKOHLENGESCHÄFT tätig gewesen“…
Dabei waren sie KEINE BERGMÄNNER – sondern nur sehr reiche INVESTOREN, die ihr VERMÖGEN gewinnbringend in den expandierenden BRAUNKOHLENBERGBAU – allerdings dank eines umgangssprachlich >guten Riechers< ausschließlich in der NIEDERLAUSITZ versenkten, da sich UNSERE HEIMAT just zu dieser Zeit zu einer der aussichtsreichsten preußischen INDUSTRIEREGIONEN entwickelte, da (1) die BRAUNKOHLE zum wichtigsten BRENNSTOFF für Industrie & Eisenbahn avancierte, (2) die BRIKETTIERUNG den überregionalen HANDEL förderte, vor allem aber (3) die RENDITEN deutlich über denen landwirtschaftlicher GUTSHÖFE in Hinterpommern lagen.

Autogramm Sch._resize.jpg

Dieses AUTOGRAMM auf einem offiziellen SCHRIFTSTÜCK (Antrag der Bergbau-AG zur Genehmigung der Fabrikordnung der Briquettesfabrik zu Reppist) war bei meinen RECHERCHEN über die Person SCHÖPPENTHAU der einzige „LICHTBLICK“ – darüber hinaus fand sich weder ein x-beliebiges FOTO von ihm oder gar seine BIOGRAPHIE, noch in bergbaugeschichtlichen Nachschlagewerken irgendein ARTIKEL über ihn, was offensichtlich dafür spricht, dass MAX SCHÖPPENTHAU zwar wirtschaftlich bedeutend war, persönlich aber nie eine öffentliche Rolle spielte.
Er erscheint bis heute fast ausschließlich als FIRMENINHABER, nicht aber als eigenständige HISTORISCHE PERSÖNLICHKEIT.
Spätestens in den 1880 Jahren trat er in SENFTENBERG als MITINHABER der Handelsgesellschaft SCHÖPPENTHAU & WOLFF auf, die zu den größten PRIVATUNTERNEHMEN des Senftenberger Reviers gehörte, und die GRUBEN >Friedrich Ernst< (1889) & >Anna Mathilde< (1899/1901), die dazugehörigen BRIKETTFABRIKEN sowie eine GLASHÜTTE besaß.
1906 wurde der GESAMTE BESITZ von der Konsolidierten Halleschen PFÄNNERSCHAFT übernommen – ein Vorgang, der damals als bedeutendes wirtschaftliches Ereignis galt.

Bahnhof final.jpg

Mit dem Ausbau des EISENBAHNNETZES schrumpften die wirtschaftlichen Entfernungen, sodass sich ein GUTSBESITZER problemlos an UNTERNEHMEN beteiligen konnte, die hunderte Kilometer weit entfernt lagen. ER musste ja nicht selbst vor Ort arbeiten, denn die LEITUNG übernahmen DIREKTOREN & die technische Führung lag in den Händen von INGENIEUREN & BERGFACHLEUTEN.
Ergo wurde MAX SCHÖPPENTHAU zwar als MITBESITZER von Gruben & Brikettfabriken geführt, war aber faktisch nur KAPITALGEBER & AUFSICHTSRAT.
Seine „DIENSTFAHRTEN“ begannen daher ganz gemütlich mit PLATZKARTE in TRIBSOW bzw. CAMMIN & endeten in BERLIN auf dem >STETTINER BAHNHOF<, der speziell für den FERNVERKEHR von und nach Stettin, Stargard & Danzig im Jahre 1843, nach Fertigstellung der Gesamtstrecke eingeweiht wurde & sich um die Jahrhundertwende zum beliebten „FERIENBAHNHOF“ mauserte.
…und ganz sicher sorgte damals auch SCHÖPPENTHAU’S >STELLVERTRETERPOSTEN< bei der Eisenbahn-Direktion für reichlich „SCHLAFWAGENPLÄTZE“…

Ferienbahnhof.jpg

MAX von SCHÖPPENTHAU war kein GEOLOGE & auch kein ENTDECKER von Braunkohle-LAGERSTÄTTEN. Er gehörte zur zweiten Generation von BRAUNKOHLEUNTERNEHMERN, deren eigentliche LEISTUNG Ende der 1880er Jahre darin bestand, das KAPITAL, welches offenbar aus landwirtschaftlichem GROSSGRUNDBESITZ in HINTERPOMMERN stammte, für die technische ERSCHLIESSUNG von GRUBENFELDERN bereitzustellen bzw. schon bestehende große, zusammenhängende aufzukaufen, moderne BRIKETTFABRIKEN zur Veredelung der geförderten Kohle zu errichten & deren WERT durch steigende PRODUKTIVITÄT zu erhöhen.

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Die allseits bekannte >VILLA SCHÖPPENTHAU< am Steindamm in Senftenberg verwies augenscheinlich darauf, dass der NAMENSGEBER auch sehr publikumswirksam als INVESTOR auftrat & sich zeitweise für wohnliche Zwecke sogar in SENFTENBERG einen repräsentativen Besitz leisten konnte, weil dies schon in seinem FAMILIENNAMEN steckt:
Solche NAMEN entstanden häufig aus der FUNKTION oder dem BERUF eines VORFAHREN und wurden über GENERATIONEN weitergegeben. Der Name SCHÖPPENTHAU bezeichnete ursprünglich eine PERSON, die in größeren HAUSHALTEN oder etwa in KLÖSTERN oder SCHLÖSSERN für die VERWALTUNG von Vorräten, Konten oder Haushaltsangelegenheiten verantwortlich war, ähnlich einem vertrauenswürdigen, aber überwiegend geringverdienenden HAUSDIENER oder KÄMMERER…
Denen war MAX SCHÖPPENTHAU als hochdotierter AUFSEHER bei der BERGBAU AG. selbstredend finanziell weit überlegen…

VILLA.jpg


SCHLUSS FOLGT !

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Harald
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Re: Neues 693 - 2026-06-14

Beitragvon Harald » Di 21. Jul 2026, 16:47

Collage.jpg

„KRAUTJUNKER & KARTOFFELBARON“ waren die im 19. Jh. populärsten SPOTTNAMEN für einen „landadligen“ GUTSBESITZER mit einem, nur auf seine GUTSWIRTSCHAFT beschränkten HORIZONT, der damals in materiellem WOHLSTAND & dem schlichten GLAUBEN, dass die ganze WELT nur seinetwegen erschaffen wurde, gedankenlos & glücklich dahinlebte, seine GÜTER zumeist fleißig & ordentlich bewirtschaftete, MUSTERRINDVIEH & ~SCHAFE ob einer landwirtschaftlichen PRÄMIE aufzog, KÄLBER, OCHSEN & SCHWEINE mästete, saisonal in hoch emporgezogenen WASSERSTIEFELN zwischen RUNKELRÜBEN & KOHLKÖPFEN umherstapfte & dabei gern seine angeblich „KRÄFTIGE GESUNDHEIT“ demonstrierte:
breit & massig gebaut, wuchtig auftretend, dass die DIELEN krachten, mit LÖWENSTIMME alles überschreiend, mit Vorliebe von DUNG, KARTOFFELN & dem eigenen ICH redend. Gutmütig blieb er aber nur, so lange seine eigene „WEISHEIT“ nicht angezweifelt wurde, ansonsten half er sich anfangs mit derben SCHIMPFWORTEN, letztlich mit tüchtigem „DRAUFHAUEN“…

Witze.jpg

Seine größte FREUDE waren neben FELD, FAMILIE & VIEH, allenfalls noch KARTENSPIEL & eine tüchtige SAUFEREI, die er bei sommerlichen WALDFESTEN, PICKNICKS & FUCHSHETZEN, als auch winterlichen SCHLITTENPARTHIEN, BÄLLEN & TREIBJAGDEN arrangierte – dabei aber wohlweislich großen Wert auf die GÄSTEAUSWAHL legte:
Seine GERINGSCHÄTZUNG genossen in vollem Maße alle FEDERFUCHSER, also Schriftsteller, Gelehrte & BEAMTE – erstere jedoch noch mehr als Letztere, denn wenn beide auf so niedriger Stufe stehen, dass sie nicht einmal einen OCHSEN anschirren können, sind BEAMTE wenigstens dazu nütze, einen SCHULDSCHEIN aufzusetzen.
KRAUTJUNKER lasen keine BÜCHER & stellten deshalb im SALON auch keinen BÜCHERSCHRANK mit hübsch gebundenen, wenn auch nicht gelesenen, daher nutzlosen BÜCHERN auf…
Jene sprichwörtliche DUMMHEIT wurde ihnen von den BERLINERN per Zeitungsmeldung quittiert:

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Offensichtlich machten sich gerade die LANDWIRTE, wie kein anderer Stand, durch UNBILDUNG einen Namen. Früher gab es zwar einzelne HOCHGEBILDETE LANDWIRTE – die MASSE brauchte & hatte KEINE BILDUNG, denn die LANDWIRTSCHAFT bewegte sich seit jeher in ausgefahrenen Geleisen; sie war ein HANDWERK, welches in der 3-Felder-Wirtschaft ohne Nachdenken ablief.
ORDNUNGSLIEBE, ENERGIE & SPARSAMKEIT reichten auch bei ungebildet gebliebenen LANDWIRTEN vollständig aus, um mit mehr oder weniger GLÜCK, ein VERMÖGEN zu erwerben. Er musste nur PRAKTISCH TÜCHTIG sein. Es war demzufolge ganz richtig, dass die ELTERN einen JUNGEN, der gar nichts lernen wollte oder konnte, LANDWIRT werden ließen. Als dann aber die LANDWIRTSCHAFT industriell & wissenschaftlich wurde, brauchte selbstredend auch ein LANDWIRT für seinen BERUF vor allem WISSEN UND KÖNNEN, wofür stets ein hochberühmter STAATSMANN, der vom PFLUG in die diplomatischen SALONS wechselte, um Großes zu leisten – der Gutsbesitzer OTTO FÜRST von BISMARCK – als leuchtendes Beispiel herhalten musste…

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Er führte aus: „Die MASSE DER LANDWIRTE wird niemals nur aus GELEHRTEN bestehen, ebenso wenig werden diejenigen LANDWIRTE, welche mit ganz geringer SCHULBILDUNG durch ererbtes oder erheiratetes VERMÖGEN einen größeren GRUNDBESITZ erwerben, wie auch der KRAUTJUNKER, welcher sein Leben lang GEISTIG & SITTLICH roh bleibt, jemals aussterben.
Wenn wir nun fragen, WELCHE BILDUNG sich der LANDWIRT aneignen soll, so ist zu fordern:
Diejenige SCHULBILDUNG, welche alle anderen GEBILDETEN STÄNDE voraussetzen, und zwar bis zu der von ihnen geforderten VOLLEN REIFE. Mag der LANDWIRT auch das Latein & Griechisch vergessen oder im 30. Jahre den Pythagoräischen Lehrsatz nicht mehr im Kopfe haben – der GEWINN dieser SCHULBILDUNG besteht in der Kräftigung des DENKVERMÖGENS, der Schulung & Entwicklung der GEISTESKRÄFTE, welche ihn befähigen, sich klar & tief jedes WISSENSGEBIET, welches er gebraucht, anzueignen.
DIESER GEWINN BLEIBT IHM FÜR DAS GANZE LEBEN!"


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In der genealogischen Monatsschrift des >ARCHIV für STAMM~ & WAPPENKUNDE< (1903/04) entdeckte ich eine ANFRAGE, in der Dr. jur. Otto Schöppenthau aus Senftenberg nach älteren FAMILIENWURZELN fahndet, wobei er um 1900/1910 versuchte, eine AHNENREIHE zu rekonstruieren. Da OTTO selbst noch nach Ursprüngen seiner Familie sucht, weist darauf hin, dass die GENEALOGISCHE VERBINDUNG zwischen den Senftenberger BERGWERKBESITZERN & den alten pommerschen KRAUTJUNKERN offenbar schon um 1900 nicht mehr vollständig bekannt waren und zwischen dem 1812 verstorbenen CARL GOTTFRIED & den Senftenberger SCHLOTBARONEN mindestens 2, eher 3 bis dato nicht rekonstruierte GENERATIONEN liegen.
So kann z.B. der „VATER“, von dem im von Administrator MATTHIAS vorgestellten ARTIKEL aus der Zeitung >Die Presse< vom 28.03.1912 Jg. 30, Nr. 74 die Rede ist, unmöglich dieser 1812 verstorbene CARL GOTTFRIED sein, denn zwischen 1812 und den „Senftenberger Gründungen um 1889“ liegen fast 80 Jahre.

FAZIT:
In puncto HISTORIE der klassischen FAMILIENFIRMA SCHÖPPENTHAU vermute ich:
1. Der alte pommersche RITTERGUTSBESITZ (Tribsow/Camin) begründete deren SOZIALEN STATUS.
2. Im 19. Jahrhundert wanderte ein Zweig nach POSEN aus.
3. Dort entstand oder vergrößerte sich das VERMÖGEN.
4. Der VATER von Max & Otto investierte in den frühen LAUSITZER BRAUNKOHLENBERGBAU.
5. Die SÖHNE bauten die UNTERNEHMEN weiter aus und verkauften sie schließlich an GROSSGESELLSCHAFTEN wie die Hallesche Pfännerschaft und die Ilse Bergbau AG.


Zeitungen.jpg

Sowohl der STAMMVATER, als auch männliche Abkömmlinge der SCHÖPPENTHAUER hatten allem Anschein nach auf diversen RITTERGÜTERN ihren „Lebensabend“ abgesichert.
Meine RECHERCHEN in diversen pommerschen LOKALBLÄTTERN ergaben aber beim Stichwort >SCHÖPPENTHAU< ein ziemlich konfus anmutendes BILD – besonders auffällig war lediglich, dass die nachfolgenden GENERATIONEN fast ausnahmslos auf maximale SCHUL~ & daran anschließende HOCHSCHULBILDUNG setzten, um renommierte BERUFE ausüben zu können:

KARL SCHÖPPENTHAU besuchte z.B. im Schuljahr 1914/15 die Klasse VI B der >STÄDTISCHEN OBERREALSCHULE zu GRAUDENZ<. Seinen ELTERN gingen folgende Empfehlungen zu:
„KNABEN bis zu 10 Jahren haben täglich 10 Std. SCHLAF nötig & sollten deshalb Abends nicht zu lange aufbleiben, dafür aber täglich bis 2 Std. für die häuslichen Arbeiten zur Verfügung haben. Wenn sie längere Zeit gebrauchen, so haben sie noch nicht gelernt zu arbeiten: sie träumen vor offenen Büchern. Es ist zu verhindern, dass die Schüler zu SCHWERE BÜCHER, sondern nur das Nötige – nicht Überflüssiges – im TORNISTER zur Schule schleppen.“
Über HÖHERE BILDUNGSWEGE war außerdem zu lesen:

Kreuzschule_resize.jpg

1846 besuchte F.O. SCHÖPPENTHAU das Gymnasium der KREUZSCHULE zu DRESDEN, danach 1850 G.S. SCHÖPPENTHAU, der 1855 von dort direkt zur medic.- chir. AKADEMIE wechselte.
1891 promovierte OTTO LUDWIG SCHÖPPENTHAU aus Wilce (Posen) an der Heidelberger UNIVERSITÄT.

In folgenden BERUFEN fand ich SCHÖPPENTHAUER in LOKALANZEIGEN wieder:
1853 einen FÖRSTER in Stolberg;
1862 GLASFABRIKBESITZER Gustav Sch. in Wilce;
1865 den PÄCHTER des Ritterguts in Selchow;
1867 einen FABRIKBESITZER in Züllichau;
1869 den WIRTSCHAFTSINSPEKTOR Emil Sch. in Neudorf;
1887 einen REGIERUNGS-SEKRETÄR in Berlin;
1912 einen POLIZEIWACHTMEISTER in Stolpmünde;
1913 ZUGFÜHRER Karl Sch. in Graudenz
1942 den ARCHITEKTEN Gert Sch. in Berlin-Grunewald
& den KUPFERSCHMIED Kurt Sch. in Danzig;
1951 den FORSTRENTMEISTER Otto Sch. in Hardehausen;


Falls gewünscht – warten auch noch diverse ANZEIGEN von FREUDVOLLEN & TRAURIGEN FAMILIÄREN EREIGNISSEN auf ihren Einsatz…

Ich bitte um ENTSCHULDIGUNG – wenn ich meine LESER mit den sehr ausführlichen TEXTEN über KRAUTJUNKER & Co. gelangweilt habe – aber ich fand das RITTERGUT-THEMA überaus interessant…
und würde das MATERIAL ggf. nutzen & ergänzen,
sofern wir irgendwann mal auf den Amtshauptmann
>FRIEDRICH VON GÖTZ AUF HOHENBOCKA & NIEMTSCH< zu sprechen kommen… :)

Gutsherr KostUEm_resize.jpg


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