Neues 603 - 2024-04-28

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Matthias
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Neues 603 - 2024-04-28

Beitragvon Matthias » Sa 27. Apr 2024, 09:38

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Harald
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Re: Neues 603 - 2024-04-28

Beitragvon Harald » Fr 10. Mai 2024, 14:14

Logo 1. Mai_resize.jpg

Die ROTE NELKE wurde 1889 zur ARBEITERBLUME und ist bis heute das SYMBOL DER ARBEITERBEWEGUNG.
Der Internationale Sozialistenkongress forderte einstmals die Arbeiter aller Länder auf, am 1. Mai 1890 für ihre Rechte einzutreten. Obwohl an jenem Tag in Deutschland noch das "Sozialistengesetz" in Kraft war, wurde der TAG DER ARBEIT auch hier begangen. Da VERSAMMLUNGEN verboten waren, blieben nur gemeinsame AUSFLÜGE übrig, und weil das Mitführen von FAHNEN ebenfalls untersagt war, trugen die Arbeiter als ZEICHEN des politischen Protestes eine ROTE NELKE im Knopfloch.

Ab 1890 galt der 1. Mai jahrzehntelang als STREIKTAG DER ARBEITERKLASSE, den die großbürgerliche PRESSE scharf verurteilte:

„Die ARBEITER wünschen, daß den 1. Mai die ARBEIT ruhe und die MASCHINEN still stehen. Allerdings, würde wirklich allgemein GEFEIERT, würden die FEIERNDEN selbst nicht sehr erbaut sein. Sie wollen AUSFLÜGE machen, aber die EISENBAHNEN stehen still, denn SCHAFFNER & LOKFÜHRER streiken. Sie wollen ihrem VERGNÜGEN nachgehen, erhalten aber kein BIER, denn die KELLNER feiern auch. Sie wollen abends VERSAMMLUNGEN & VORTRÄGE halten, müssen aber unverrichteter Dinge heimgehen, denn es herrscht überall dunkle Nacht, weil die GASARBEITER streiken.
Kurzum: der >WELTFEIERTAG< ist eine Ausgeburt des Wahnwitzes.
Man will lediglich eine KRAFTPROBE machen, weshalb man die FEIER auch nicht auf einen TAG verlegte, der ohnehin RUHETAG ist. Wenn nun aber alle ARBEITGEBER übereinkämen, kraft ihrer Willkür ALLE an einem bestimmten TAG den Arbeitern den LOHN vorzuenthalten, ein SCHREI DER ENTRÜSTUNG ginge durch das PROLETARIAT. Den ARBEITERN aber soll es gestattet sein, trotz ARBEITSVERTRAG & GESETZ, nur weil es ihnen also gefällt, zu FEIERN und am nächsten Tage zu erscheinen, als hätten sie treu ihre PFLICHT erfüllt…“


Am 2. Mai 1890 resümierte der >Senftenberger Anzeiger<:

„Der BLAUE MAITAG ist vorüber, und nun kommen die FOLGEN, die vielleicht für manchen nicht so ganz heiter sein werden.
Die ARBEITER, so ‚viele‘ ihrer waren, haben demonstriert, aber was ist der praktische ERFOLG gewesen?
Der MANGEL DES LOHNES für längere oder kürzere Zeit ! DAS IST ALLES. Im gesamten Land ist überhaupt die ZAHL DER FEIERNDEN weit geringer gewesen, als man erwartet hatte, und wo gefeiert wurde, da waren die DEMONSTRANTEN meist jüngere Leute. In vielen STÄDTEN war von der FEIER am Tage selbst überhaupt nichts zu bemerken, die Teilnahme an der DEMONSTRATION war schwach und ursprünglich geplante AUSFLÜGE wurden abgesagt. Die große MEHRZAHL der Arbeiter ging erfreulicherweise regelgerecht zur ARBEIT, die wenigen FEIERNDEN verhielten sich ruhig, dagegen wurden ARBEITER, welche ihre Kameraden aufzuhetzen versuchten, festgenommen.
Es werden wohl nachträglich auch noch einzelne KRAWALLNACHRICHTEN kommen, aber im Großen & Ganzen läßt sich von dem so unendlich viel besprochenen >BLAUEN MONTAG< nur sagen, daß der GESUNDE SINN der Arbeiterbevölkerung diesmal das gerechtfertigt, was man von ihm vorausgesetzt hat.“


Für SENFTENBERG gab es im Lokalanzeiger am 24. April eine LESERZUSCHRIFT und am 2. Mai 1890 einen KURZBERICHT:

1. Mai 1890_resize.jpg

In der Folgezeit plätscherten die JAHRE so dahin, der 1. MAI wurde nur in kleinem Maßstab gefeiert, mancherorts nur noch als normales FRÜHLINGSFEST. Doch dann kam ein PAUKENSCHLAG:
Im Jahre 1919 wurde der 1. Mai in Deutschland erstmals als FEIERTAG begangen. Ein FEIERTAG FÜR DIE ARBEITER – diese Idee stieß in der Weimarer Nationalversammlung 1919 nicht bei allen Parteien auf Begeisterung. Man einigte sich schließlich darauf, den 1. Mai 1919 "dem Gedanken des Weltfriedens, des Völkerbundes und des internationalen Arbeiterschutzes" zu weihen und verabschiedete ein entsprechendes GESETZ, in welchem der 1. Mai des Jahres 1919 einmalig zum FEIERTAG erklärt wurde. Für den Vorschlag, den >TAG DER ARBEIT< als unbefristeten Feiertag einzuführen, fand sich keine Mehrheit.“

Im >Senftenberger Anzeiger< wurde die ARBEITERSCHAFT recht eindringlich ermahnt:

„ARBEIT HÖCHSTE PFLICHT, sonst drohender UNTERGANG.
In der Nationalversammlung kam es zu einer nochmaligen eindringlichen MAHNUNG an die deutsche ARBEITERSCHAFT, endlich auf die STIMME DER VERNUNFT zu hören und dem STREIKUNWESEN ein Ende zu machen, da wir unrettbar zugrunde gehen, wenn die ARBEITER sich nicht auf ihre PFLICHT besinnen. Die ZWANGSLAGE, in der unser Volk steht: >Arbeit oder sicherer Hungertod ?< wurde besonders hervorgehoben und der sichere STAATSBANKEROTT in Aussicht gestellt, wenn mit der bisherigen LAXEN AUFFASSUNG von der ARBEITSPFLICHT nicht gebrochen werde.“


1. Mai 1919_resize.jpg

Gemäß der VIELFALT der angekündigten MAIFEIER-VERANSTALTUNGEN hätte man im Lokalanzeiger wohl einen längeren BERICHT erwarten können -
geliefert wurden aber lediglich 3 SÄTZE:

Senftenberg, 2.Mai.
„Die MAIFEIER fand bei schönem, aber noch recht kühlem Wetter vollständig programmgemäß statt. Die vormittags veranstalteten UMZÜGE hatten äußerst starke BETEILIGUNG von Männern, Frauen & Kindern. Auch nachmittags und abends konnte man in den fast überfüllten TANZSÄLEN durchweg eine gute, frohe STIMMUNG beobachten, die durch KEINE STÖRUNG unterbrochen wurde.“


1.Mai 1920_resize.jpg


1.Mai 1930_resize.jpg

Ab 1933 wurde der 1. Mai durch die Nationalsozialisten zum gesetzlichen Feiertag. Das Reichsgesetz vom 10. April d.J. benannte ihn als >TAG DER NATIONALEN ARBEIT<.
Im Jahr 1934 wurde der 1. Mai durch eine Gesetzesnovelle zum >NATIONALEN FEIERTAG DES DEUTSCHEN VOLKES< erklärt.

1.Mai 1933_resize.jpg

Unter >NEUES 226< war ich bereits auf MAIFEIERLICHKEITEN in SENFTENBERG & UMGEBUNG während der NAZIZEIT eingegangen. Nachträglich heute zum 1. Mai 1933 nur ein BLICK in die Vielzahl von VERANSTALTUNGEN, unter denen der >GRANDIOSE UMZUG< wohl die meisten Zuschauer anzog:

Umzug 1933_resize.jpg

„In ganz Deutschland marschiert an diesem Tage die erwachte ARBEITERSCHAFT. Blutrote Hakenkreuzbanner wehen, die Straßen jeder Stadt, jedes Dorfes sind mit Blumen & Girlanden geschmückt…Durch ganz Deutschland klingen die Marschschritte ungezählter Arbeiterbataillone. Mit dem 1. Mai 1933 hat das deutsche ARBEITERTUM für immer vom internationalen MARXISMUS Abschied genommen…“
Nun ja, das ENDE haben MEINE ELTERN & GROSSELTERN am eigenen Leibe erfahren müssen. ICH lag während der FLUCHT in Richtung ELSTERWERDA-BIEHLA im Kinderwagen, und über uns kreisten TIEFFLIEGER...
Deshalb mein allergrößter WUNSCH:
Nie wieder Krieg_resize.jpg


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