Neues 571 - 2023-07-02

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Matthias
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Neues 571 - 2023-07-02

Beitragvon Matthias » Sa 1. Jul 2023, 08:46

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Harald
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Re: Neues 571 - 2023-07-02

Beitragvon Harald » So 2. Jul 2023, 10:27

lOGO Lehmann_resize.jpg

Vor 13 Jahren, exakt am 26.06.2010, schrieb ich per E-mail an unsere Heimatzeitung >Lausitzer Rundschau<:
„DANKE...sagen möchte ich auf diesem Wege den Zeitungsschreibern der Lokalredaktion, allen voran dem Initiator Torsten Richter dafür, dass im Zeitraum von 5 Jahren (2005 bis 2010) laut LR-Archiv 172 Textbeiträge von mir zur FOTORÄTSEL-Serie abgedruckt worden sind, für die ich stets sehr gern und oft auch recht zeitaufwändig recherchiert & sprachlich fabuliert habe. Von heute auf morgen und ohne Vorankündigung wurde diese interessante Leserbriefseite vor ca. 1 Monat aufgekündigt und damit die Lokalseite der LR einer heimatprägenden "Institution" beraubt.
Ich bedaure dies sehr, denn gerade durch (nicht nur meine) Leserbeiträge, die oft von persönlichen Erlebnissen geprägt waren, konnten viele Laien-Historiker ihr regionales Wissen bereichern.“

(Bekanntlich übernahm kurz darauf der >Märkische Bote< diese beliebte Rubrik und führt sie in dankenswerter Weise bis heute fort.)

HB Archiv_resize.jpg

Wenig später erreichten mich aufmunternde Dankesworte vom „Blattmacher“ Bernd Töpfer im Auftrage des „Leiters“ Herrn Schirmer, die mich zur Fortsetzung meiner Heimatforscher-Aktivitäten ermutigten, die ich bereits vor meiner Pensionierung 2006 mit „regelmäßigem Aufsuchen“ des KREISARCHIVS SFB (1), sowie der STADTARCHIVE SFB (2) & RUHLAND (3) begonnen hatte. Mein Augenmerk galt insbesondere den, leider durch zahlreiche Recherchen schon arg in Mitleidenschaft gezogenen, Sammelbänden der einstmalig „geschwisterlichen“ LOKALBLÄTTER >Senftenberger Anzeiger< & >(Ruhländer) Elsterchronik<. Gottlob begann man vor einiger Zeit mit deren DIGITALISIERUNG, die allerdings dadurch erschwert wird, dass die JAHRESBÄNDE irgendwann von irgendjemandem aus irgendwelchen Gründen auf die ARCHIVE 1 & 3 verteilt wurden.
Dagegen wird ein kompletter SAMMELBAND DER BEILAGE aus dem >Senftenberger Anzeiger< namens „Aus der Heimat – für die Heimat“
im „ARCHIV des Senftenberger MUSEUMS" (4) verwahrt, in welchem einstmals schon unser überaus populärer heimischer ARCHIVAR RUDOLF LEHMANN,
akribisch den ehernen ARCHIVGESETZEN folgend, seinem nicht ganz einfachen ARCHIVDIENST, zwischen BERLIN, LUCKAU, LÜBBEN & SENFTENBERG seit 1949 hin und her pendelnd, nachging:

Archive.jpg

Die EINTRAGUNGEN in seinen persönlichen TAGEBÜCHERN geben uns einen kleinen EINBLICK in die
ARCHIVARISCHE PROBLEMWELT der Jahre 1945 – 1964:

TB_resize.jpg

Der Senftenberger Stadtrat Uhlich hatte RUDOLF LEHMANN Anfang 1948 damit beauftragt, die Bestände des SENFTENBERGER STADTARCHIVS zusammenzubringen, zu ordnen und zu verzeichnen, eine Aufgabe, für die er monatlich etwa 100 Mark erhielt. Mit der Herstellung eines FINDBUCHES und der Neuaufstellung der Bestände im SENFTENBERGER SCHLOSS hat Lehmann die übernommene Aufgabe pflichtgemäß zum Abschluss gebracht.

8. April 1950:
Vormittags im ARCHIV, wo sich Vertreter der Stadt angemeldet hatten, denen ich mit einigen Erläuterungen das Archiv vorführte.

1.bis 3. April 1950:
Daheim. Etwas im STADTARCHIV SFB gearbeitet. Geschwelgt in einem Band von Lübbenau. Alte PLÄNE von Schlössern und Städten aus der Niederlausitz und einigen Nachbargebieten Anfang des 18. Jahrhunderts (höchstwahrscheinlich 1714/15). Verzeichnis und Register dazu gemacht. Sie geben manchen willkommenen topographischen AUFSCHLUSS, bringen sicherlich für manchen Ort den ältesten Plan und Angaben über alte Parkanlagen.

10. Juni 1950:
mit Stadtrat Fiedler betr. Unterbringung des STADTARCHIV SFB im SCHLOSS und beim Bürgermeister gewesen.

28. Juni bis 2. Juli 1950:
Daheim. Transport des STADTARCHIVS nach dem SCHLOSS. Es wird Arbeit kosten, es wieder in Ordnung zu bringen. Und wie lange wird es hier Ruhe haben?

20. Juli 1950:
Nach Hause – Im Garten Himbeeren und Äpfel geholt. Arbeit am Vortrag für das Lübbener Jubiläum. Nach der Neuaufstellung im Senftenberger Schloss angefangen, das STADTARCHIV wieder in Ordnung zu bringen.

22.–24. August 1950:
Letzte Urlaubstage daheim. Arbeit im STADTARCHIV. Wiedereinordnung.

11.–14. September 1950:
Letzte Vorbereitungen der AUSSTELLUNG und Ausschmückung des Gebäudes und immer in der Ausstellung. Alle möglichen Unterstützungen soll ich leisten. Da kommt gestern ein
dicker Herr zu mir, er sei von der Stadt bestimmt, die FESTREDE zu halten, möchte doch am GESCHICHTLICHEN nicht vorbeigehen und bittet um meine HILFE! Eigentlich hätte ich ihn kurz abfertigen müssen; denn wie komme ich dazu, den Leuten zu helfen, sich mit fremden Federn zu schmücken, nachdem sie noch dazu auf meine REDE verzichtet hatten, obwohl ich ursprünglich beauftragt war ?

16. Januar 1952:
[Lehrgang der Stadtarchivare des Landes Brandenburg in Potsdam] Mittag Begrüßung der Teilnehmer durch Frl. Dr. Knabe im westlichen Eckgebäude der Orangerie. Erschienen waren die Vertreter von etwa 35 Städten, darunter aus der NIEDERLAUSITZ: Luckau, Finsterwalde, Kirchhain-Doberlug, Cottbus, Guben, Forst.
Nur wenige natürlich im Hauptamt ARCHIVARE, die Stellen verbunden mit anderen: Standesamt, Post, Wohnungsamt, Wahlamt und drgl.
Sehr interessant, wie sich die einzelnen Vertreter über ihre ARCHIVVERHÄLTNISSE äußerten. Verschiedentlich wurde darauf hingewiesen, daß Gehalt oder Stelle im Etat zusammengestrichen wurden. In manchen Städten noch nichts geschehen, in anderen BESTÄNDE teilweise noch ungeordnet auf BÖDEN und in WINKELN. Nur in wenigen Städten INTERESSE für die ARCHIVE. In Bezug auf AKTEN seit 1945 noch nirgends etwas geschehen. Am Nachmittag spät sprach Dr. Strutz über das ARCHIVWESEN in der DDR, Frl. Schmidt hielt ein gesellschaftswissenschaftliches Referat über Stadtarchive und ihre Aufgaben im Fünfjahrplan. Es war ein Feld~, Wald~ & Wiesenreferat. Auf das eigentliche THEMA ging sie wenig ein, im Übrigen plünderte sie vielfach wörtlich die in den Archivmitteilungen
stehenden Artikel, ohne sie zu zitieren. Das ganze also recht mäßig.

21.–24. April 1952:
[Zweiter Lehrgang der Stadtarchivare in Cottbus]
Beteiligt mit eigenem Vortrag „HEIMATGESCHICHTE & ARCHIVE“ und einem Referat über „ORTSCHRONIKEN“ sowie durch Übungen im Lesen älterer Schriften (hauptsächlich 16. Jh.).
Beteiligung schwach, auf einige 60 Einladungen noch nicht 20 Besucher. Ich berichtete von unserem ARCHIV und der Arbeit dort, von einigen Plänen und erlaubte mir auch einige ANREGUNGEN: 1. dahin zu wirken, daß die Stadtverwaltungen mehr Ernst mit Einrichtung der Archive machten, 2. daß die Archive Zugang zu den Gerichtsakten bekämen.
Toll war es, als Frl. Schmidt vom Hauptarchiv ihr REFERAT über das ARCHIVWESEN in der Sowjetunion seitenweise wörtlich aus dem einschlägigen Heft nahm! Noch komischer wurde die Situation, als Stadtarchivar Müller – Beeskow ihr am Donnerstag für ihre tiefgreifende, fleißige Arbeit dankte, und am komischsten, als der Spremberger Vertreter die Forderung erhob, dieses Referat müsse gedruckt werden! Da konnte sich Frl. Dr. Knabe doch nicht enthalten, zu sagen, daß die Ausführungen ja „im wesentlichen“ bereits im Druck erschienen seien.

Anfang Oktober 1952:
Ärger wegen des STADTARCHIVS in SFB. Herr W e n d t, der neue Kreismuseumsleiter, hatte mich gefragt, ob ich mit einer räumlichen VERLAGERUNG DES ARCHIVS im selben Gang einverstanden wäre, damit das Museum zusammenhängende Räume erhielte. Als er mir die etwa gleichwertigen RÄUME 19 und 20 zeigte, erklärte ich mich einverstanden und gab Weisungen, wie Herr P r e u ß, der Museumsdiener, die REGALE aufstellen sollte. Ich mußte dann feststellen, daß das ARCHIV nur in e i n e m Raum untergebracht war, der andere war von der Berufsschule belegt worden. Wendt hatte mich und damit die Stadt also betrogen und hintergangen. Ich schrieb ihm entsprechend und verlangte Wiedergutmachung, teilte auch das Schreiben der Stadt und dem Archiv mit.

10./11. Oktober 1953:
Daheim. – An der Schreibmaschine. Im STADTARCHIV Kassen~ & Rechnungsbände in die neuen Regale eingeordnet.

25. Mai 1954:
[Arbeitstagung der Archivare in Dresden]
Nach Dresden zu der von der Staatlichen ARCHIVVERWALTUNG einberufenen Arbeitstagung der ARCHIVARE. Sie fand im Konferenzsaal des Neustädter Bahnhofs statt. Sehr würdig war dieser Raum nicht. Hinter dem Tisch, an dem die Angestellten der Archivverwaltung und je ein Vertreter der staatlichen Archive, der Stadtarchive, der Verwaltungs~ und der Betriebsarchive saßen, ein rotes Tuch mit der Schrift: „Im Kampf um die deutsche Einheit und den Frieden verteidigen die Archivare das unteilbare humanistische Kulturgut der Nation“, ein Spruch, mit dem man einverstanden sein konnte.

20./21. September 1956:
AKTENTRANSPORTE vom Amtsgericht Senftenberg. Unser ARCHIV dient nur als Ablagerungs~ & Aufbewahrungsstätte dafür, da man in Potsdam keinen Platz mehr hat. Letzte Hand an die Archivausstellung gelegt und etwas am Historischen Ortslexikon gearbeitet.

22.–27. Juli 1958:
Von der Stadt ein Schreiben, daß Museumsleiter W e n d t dem STADTARCHIV die Räume gekündigt hat. Ich schickte daraufhin das von mir 1949 gefertigte Findbuch, Schlüssel und Stempel an die Stadt mit dem Bemerken, daß es mir nicht mehr möglich sei, mich um das Archiv zu bekümmern. Welchen LEIDENSWEG ist das ARCHIV gegangen: erst im SCHLOSS, dann im SCHLOSS OBEN, nachdem ich weitere Akten aus dem Rathaus dorthin gebracht, dann an der PROMENADE, dann in der OBERSCHULE, dann wieder im SCHLOSS oben in mittleren Räumen, dann zuletzt in zwei hinteren Räumen. Nun soll’s wohl wieder in eine SCHULE. Ich lege jedenfalls nicht mehr Hand an. Lasset die Toten die Toten begraben…

...und damit soll auch die ETWAS GETRÜBTE LIAISON zwischen den "RITTERN" GÜNTHER WENDT & RUDOLF LEHMANN ihr Ende finden ! :roll:

ritter_resize.jpg


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