Neues 131 - 2014-05-25

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Matthias
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Neues 131 - 2014-05-25

Beitragvon Matthias » Sa 24. Mai 2014, 21:57

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Harald
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Re: Neues 131 - 2014-05-25

Beitragvon Harald » So 25. Mai 2014, 08:54

Gardeverein 1925_resize.jpg
Im Jahre 1609 wurde Senftenberg unter der Regentschaft von Kurfürst Christian II.
(1591-1611) zur kurfürstlichen GARNISON.
Das SCHLOSS erhielt den Rang einer FESTUNG und blieb es mit einigen Unterbrechungen als "das feste Hauß Senfftenberg" bis zum Siebenjährigen Krieg. Aus der Tatsache, dass die Festung Senftenberg unter dem Kommando hoher Offiziere stand, wird ihre Bedeutung im 17. Jahrhundert deutlich.
Unter der Überschrift
>SENFTENBERG ALS GARNISONSTADT UND FESTUNG<
wurde in der Beilage zum >Senftenberger Anzeiger< (1933) eine Fortsetzungsreihe mit vielen statistischen Details veröffentlicht, die einem aus der Geheimen Kriegskanzlei stammenden Aktenbündel aus der Zeit von 1636 - 1680 (aufbewahrt im Sächsischen Hauptstaatsarchiv zu Dresden) entnommen wurden.
Als sich nämlich auf kurfürstlichen Befehl am 13. April 1661 der größte Teil der Besatzung des festen Hauses Senftenberg verabschieden durfte, stellte man noch einmal sehr gewissenhaft bis aufs Kleinste ein Verzeichnis der Waffen, Ausrüstungsgegenstände u.v.a.m. zusammen, die danach auf andere kursächsische Festungen aufgeteilt wurden.
Da wir heute konkret das EINGANGSTOR im Blickfeld haben, ist sicherlich interessant zu wissen, was sich dort konkret auflisten ließ:

WAS IST AN DER VESTUNG EIN GANG
ZU BEFINDEN

- 1 GATTER auffm tamme (Damm), mit 2 flügeln undt 1 vorlege Schloße
undt Schlüßel,
- 1 SCHLAG mit Spitzen undt einer vorlege ketten,
- 1 SCHÜLLERHEUSELEIN (Schilderhaus), woran der ob gedachten
POSTKASTEN mit seinen leinen befestigt,
- 1 AUFZUGBRÜCKEN mit 2 vorlege ketten, 2 Schlößern, 2 Schlüßeln
undt eine aufzu Ketten, nebenst
1 grossen FALLBRÜCKEN, vorlege ketten, Schloß undt Schlüßel,
auch 3 uffzug arm,
- 1 THÜRE mit 1 Schloße undt Schlüßel, wodurch man zur rechten im
Zwinger zwischen dem Walle undt Pallisaten auch außwehrten
(auswärts) uff die parma (!) kommen kann,
- 2 THÜREN zur lincken, beyde mit vorlege ketten undt nicht
verschlossen,
- 1 GATTER mit 1 Kreutz baume, Schloß und Schlüßel, das bindtwerg
unter dem Thore zu beschließen, unter den Thore in gewelbe 1 groß
thor undt pforten, beydes mit Schloß undt Schlüßel,
daß thor gewelbe an sich selbst,
noch ein gewelbe zur rechten Handt unter den thore, darinne eine
SCHIEßSCHARTEN undt enthält dieses noch 1 klein gewelbe zur
linken Handt mit einer Schießscharten undt 3 kohlbren Oeffen,
von den Schisbehren (Schneebeeren) Holtze die Kohlen darinne zu
brennen,
- 1 GEWELBE zur lincken Handt, das gefängnis bedeütende,
das innere Thor mit 3 vorlege Ketten,
- 1 GEWELBE zur lincken handt, mit 2 starcken Thüren, wo von die alte
wohl verschoßen undt daß pulver verwahret wird,
- 1 GEWELBE zur lincken Handt, worinne die Schmide vor diesen
gestanden,
- 1 GEWELBE, worinne der Buchsenmeister Burckhardt Erhardt
gewohnet, mit Kacheloffen, mit eysern gattern undt Stubenthüren,
- 1 GEWELBE, worinne der Wallsetzer (der Wallmeister) gewohnet, mit
einen festen eysern gatter, Kachel offen undt Stuben thüre,
- 1 GEWELBE, worinnen ein kleiner Backoffen im Walle beschlossen
worden, enthält also daß thor gewelbe...

Recht überraschend war für mich, was damals so alles "rund um's Schlosstor" versteckt war und vor allem, welch großen Wert man einst auf die ausdrückliche Erwähnung von "Schloss und Schlüssel" legte.
Dafür schien aber aus heutiger Sicht ein Regelwerk für die "deutsche Rechtschreibung" noch in den Kinderschuhen zu stecken. Dies beflügelt allerdings die Arbeit der Historiker ungemein, da für das Textverständnis doch schon ein gerüttelt Maß an sprachlichem Spürsinn gefragt ist...

Übrigens sind anläßlich der Fahnenweihe im Jahre 1925, von der wir kürzlich berichteten, die Mitglieder des Senftenberger GARDEVEREINS auch am SCHLOSSTOR aufgezogen - fotografiert natürlich vom damaligen Senftenberger "Haus~ und Hoffotografen" WEISSGÄRBER. (s.o.)


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