Neues 473 - 2021-06-13

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Matthias
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Neues 473 - 2021-06-13

Beitragvon Matthias » Sa 12. Jun 2021, 08:36

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Harald
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Re: Neues 473 - 2021-06-13

Beitragvon Harald » Sa 12. Jun 2021, 15:03

„WENN WIR ES NICHT AUFSCHREIBEN, WENN WIR NICHT DAVON ERZÄHLEN,
MACHT ES KEINER – ES GERÄT IN VERGESSENHEIT & GEHT IRGENDWANN VERLOREN !“


Trachten_resize.jpg

Die kleinen WENDISCHEN DÖRFER waren RUNDLINGE, d. h. die HÖFE lagen fächerförmig, in Hufeisenform um einen runden PLATZ. In der Mitte desselben befand sich der DORFTEICH, an dessen Ufern WEIDEN gepflanzt waren, oder aber die HÄUSER waren, wie in SEDLITZ erkennbar, dicht nebeneinander gesetzt, eine lange, breite STRASSE bildend. In jener Form haben sich die echten WENDENDÖRFER fast bis auf den heutigen Tag unverändert erhalten. Zu beiden Seiten der DORFSTRASSE liegen die GEHÖFTE aneinander gereiht; ein TORWEG mit einer kleinen PFORTE führt in den HOFRAUM. Die Häuser waren aus LEHM oder HOLZ gefertigt und standen mit dem GIEBEL nach vorn. An den WÄNDEN hingen SPEERE (die Lieblingswaffen) und FISCHERNETZE. Über die Bretterumzäunung oder eines kleinen Grasgartens ragt der Hebebaum des ZIEHBRUNNENS wie der Schlagbaum eines Zollhauses empor. Zuweilen befindet sich ein solcher BRUNNEN auch auf der DORFSTRASSE, die in den späteren Abendstunden, wenn die Fütterung der Haustiere besorgt ist, mehr Leben als am Tage zeigt. Der DORFBRUNNEN war gewiss oft, wie das noch an vielen Orten heutzutage der Fall ist, in stiller Abendstunde der SAMMELPLATZ der Dorfjugend und an seinem Rande wurde manches trauliche, wohl aber auch manches Lästergespräch geführt.

GEOGRAPHISCHE FAKTEN zum DORF SEDLITZ entnehmen wir den EINTRAGUNGEN plus Ergänzungen aus einem LEXIKON:

sedlitz lexikon_resize.jpg

Die nachfolgenden LANDKARTEN zeigen SEDLITZ und seine Nachbardörfer SORNO, REPPIST, RAUNO & SAUO im Laufe der Jahrhunderte.

karten_resize.jpg

"Ein Gefühl bitterer WEHMUT beschleicht uns, wenn wir der FINSTERNIS unsrer eigenen HEIMATLICHEN VERGANGENHEIT gedenken. Ein paar hundert Jahre kaum vermögen wir mit einiger Klarheit zurückzublicken, und schon umfängt uns dichter Nebel, aus dem nur noch wenige LICHTFÜNKCHEN aus einer gänzlich unbekannten Vorzeit herüberschimmern, so z.B. in den FLURNAMEN, aus denen sich noch mancher wertvolle Schluß ziehen lassen kann. Für unsere GEGEND ist aber Eile geboten, denn mit dem jetzt noch lebenden GESCHLECHT erlischt die KENNTNIS DER FLURNAMEN, da zugleich mit diesem Geschlecht auch die Fluren verschwinden werden, an die sich diese NAMEN knüpfen, die sich größtenteils aus der EIGENSCHAFT des betreffenden GELÄNDETEILS ergeben, somit allerdings nur SCHLÜSSE auf Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeits~, Wachstums~ & Lageverhältnisse zulassen:
Bezüglich der DUBITZA und der JASKOSSCHNA ist anzunehmen, daß die Anpflanzung der EICHEN & ESCHEN von Gesetzes wegen geschah, um Hartholz für den Waffen~ & Gerätebedarf zu haben, da diese NAMEN auch in Nachbargemeinden vorkommen. Heimisch sind beide BAUMARTEN hier jedenfalls nicht gewesen. WÄLDER führen im Allgemeinen keinen NAMEN, bis auf die TYMJANKA, den „TOTEN MANN“ und die SWITKONJA. Auffallend ist auch, daß die inzwischen aufgefundenen URNENFRIEDHÖFE nicht die geringste Andeutung in den FLURNAMEN erkennen lassen. Sogar der BEGRÄBNISPLATZ, jetzt inmitten des Dorfes schon längst überbaut (bei den Fundament~ & Kellerausschachtungen fand man zahlreiche Gebeine von Toten), ist vollständig ohne BEZEICHNUNG geblieben."

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"Zu unseren jüngsten FLURNAMEN gehören zweifellos die SCHWEDENWIESE und „DER TOTE MANN“, da diese Bezeichnungen nur in deutscher Sprache existieren. Höchstwahrscheinlich stammt letzterer auch aus dem 30jährigen Kriege und mag wohl mit einer Stelle in der PAULITZ-CHRONIK identisch sein („Bei dem Überfall von Senftenberg 1644 wurden durch schwedische Soldaten zwei Bauernsöhne aus Sedlitz bei Bahnsdorf erschossen.“), obwohl die örtliche SAGE nur von einem Getöteten zu berichten weiß.
Von TSCHIZKA, dem "Kreuzchen", an dem sich bis vor wenigen Jahren am Wege von SENFTENBERG nach SEDLITZ zwei alte KIEFERN, die >RIESENBÄUME< genannt, befanden, erzählte man auch, daß sich zwei RIESEN dort im Kampf erschlagen hätten. Man weiß aber nicht, ob sie die Stelle markieren, wo die RIESEN begraben liegen, oder ob sie die verwandelten RIESEN selbst sind. Dieser markante Punkt hängt zweifellos mit den Germanisierungskämpfen und der Einführung des Christentums zusammen und bildet gleichsam den GRENZSTEIN zwischen Altertum & Neuzeit. Hier rangen die WENDISCHEN GÖTTER ihren verzweifelten Kampf mit dem Neuen; und nur die SWITKONJA mit ihrer zauberhaften GEWALT führt uns zurück in das Dunkel der VERGANGENHEIT…"
(von August L u k a s in >Aus der Heimat - für die Heimat< / 5.April 1928)

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Dass die SEDLITZER WENDEN noch lange an ihren TRADITIONEN & VOLKSBRÄUCHEN festhielten, beweisen recht anschaulich die BERICHTE aus dem >Senftenberger Anzeiger<, sowie dem Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde >BRANDENBURGIA< aus dem Jahre 1905:

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WAS WILL HEIMATFORSCHUNG ?
Wer hat sich nicht schon gefragt: "Woher stammen meine Vorfahren und ich? Weshalb ist die Gegend, in der ich lebe, so geworden, wie sie ist? Und wie sah es früher hier aus?" ANTWORTEN findet man oft zunächst im Kreise der Familie: die GROSSELTERN erzählen gern von früher, von vergangenen Zeiten, wenn man sie darum bittet. und zeigen vielleicht ein paar historische FOTOS, auf denen sie als KINDER oder JUNGE ERWACHSENE zu sehen sind, und im Hintergrund HAUS & HOF, in denen die FAMILIE einst lebte bzw. heute noch lebt. Dabei verbinden sich persönliche Geschichte und Gegenwart mit der Vergangenheit der Altvorderen und des Heimatortes.
Aber braucht man denn die „alten Kamellen“ von früher? Wir leben in der GEGENWART und die GESCHICHTE kann uns doch herzlich egal sein. Wahrscheinlich kann man so denken, und auch die Welt würde dabei nicht gleich untergehen, aber wie können wir die REGION, in der wir leben, auch als HEIMAT fühlen? Dafür brauchen wir eben den Blick in unsere GESCHICHTE und damit in die HEIMATFORSCHUNG.
Obwohl HEIMATFORSCHER meist aus eigenem Interesse handeln, ihre FORSCHUNG somit zuallererst für sich selbst erledigen, ist es für meinen Sohn MATTHIAS & mich vom ersten Webseiten -Tag wichtig gewesen, die gewonnenen ERKENNTNISSE ZU TEILEN. Es erfüllt uns mit Genugtuung, wenn wir anderen HEIMATFORSCHERN & ORTSCHRONISTEN mit historischen FAKTEN behilflich sein können – wie beispielsweise heute den SEDLITZERN !


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