Neues 471 - 2021-05-30

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Matthias
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Neues 471 - 2021-05-30

Beitragvon Matthias » Sa 29. Mai 2021, 08:40

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Harald
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Re: Neues 471 - 2021-05-30

Beitragvon Harald » Mo 31. Mai 2021, 13:43

„Unsere engere HEIMAT hat gar viel in den letzten Jahrzehnten an landschaftlicher Schönheit eingebüßt. Wo sind sie geblieben die rebenumkränzten BERGHÜGEL, die sagenumwobenen, stillverträumten WEIDENBÜSCHE am GRÜNEN STRAND der einst so fischreichen ELSTER ? – Der BERGBAU, der jetzige Reichtum unserer Heimat, hat mit eisernen Krallen weite Landstriche durchwühlt und dem Erdboden gleichgemacht. Verschwunden sind die meisten Zeugen der ehemalig idyllischen Schönheit SENFTENBERGS und seiner Umgebung. Nur wenige können noch aus der alten Zeit davon Zeugnis ablegen und bilden heute den ANZIEHUNGSPUNKT ALLER NATURFREUNDE.
Ein solcher Ort, mit Naturschönheiten reich gesegnet, ist...

DAS DÖRFCHEN NIEMTSCH mit NIEMTSCHER PARK & NIEMTSCHER MÜHLE.

Bild 1_resize.jpg

Von SENFTENBERG und GRUBE MARGA im bequemen SPAZIERGANG durch Wiesen & Felder am Ufer der ELSTER zu erreichen, liegt dieses Ausflugsziel still und einsam, etwas abseits von dem unsteten Treiben und Hasten unserer Industriegegend, in beschaulicher Ruhe. Angenehm erquickend und zugleich voll andächtigen Schauens ist eine SPAZIERGANG durch den NIEMTSCHER PARK (im Besitz des Herrn Majors von GÖTZ) mit seinem alten Buchen~ & Eichenbeständen, durch die sich stille, verschwiegene WALDPFADE schlängeln. Namentlich in den Morgenstunden erfreut der lustige Gesang unserer munteren GEFIEDERTEN SÄNGER, die sich aus den angrenzenden belebten Gebieten in diese traute Einsamkeit hinüber geflüchtet haben, das Herz des andächtigen Besuchers dieses GRÜNEN DOMES.
Gewichtig klopft Meister SPECHT den Takt zu dem stimmungsvollen Morgenkonzert. EICHHÖRNCHEN hüpfen lustig von Baum zu Baum. Der grüne WALDBODEN ist reich an Pflanzen unserer heimischen Waldflora.
Hat man den PARK verlassen und geht am erlen~ & weidenbestandenen Ufer des MÜHLGRABENS in Richtung SENFTENBERG zurück, so ladet das idyllisch gelegene GASTHAUS >ZUR MÜHLE< zur Einkehr ein.
Die NIEMTSCHER MÜHLE war einstmals eine betriebsame WIND~ & WASSERMÜHLE mit einer jahrhundertealten Geschichte. Seit den letzten Jahrzehnten ruht der Betrieb. Der MÜHLE beigegeben wurde im Jahre 1902 eine GASTSTÄTTE, die heute noch besteht.
Der Ilse Bergbau-Aktiengesellschaft als Besitz gehörig, ist sie seit 1½ Jahren an Herrn P i n t s c h verpachtet, der dieses GASTHAUS zu dem gemacht hat, was es heute darstellt: ein herrlicher, angenehmer Aufenthalt, mit renovierten RÄUMEN allen Wünschen der Gäste entsprechend. Herrlich sitzt es sich im wohlgepflegten GARTEN für den Einzelbesuch wie für Vereins~ & Schulausflüge. Die Rückkehr läßt sich entweder an der ELSTER entlang oder durch die prächtige EICHENALLEE nach Marga und Senftenberg unternehmen.“ (>Senftenberger Anzeiger< 1931)

Inserat 1897_resize.jpg

Hierbei sei mir die ANMERKUNG gestattet, dass die MÜHLEN-GASTWIRTSCHAFT zumindest schon 1897 existierte, wie die o.a. ANZEIGE verrät.

LAGE & FLURBEZEICHNUNG des LAUBWALDES
von G. Schmidt (1936)

„Unser >NIEMTSCHER WÄLDCHEN< hat auch einen wendischen Flurnamen: >ROSSACKEN< heißt „Busch im Sumpf“.
Das traf für frühere Zeiten vor der Entwässerung und Geradelegung der SCHWARZEN ELSTER vollkommen zu.
Auch das LAND zwischen dem ROSSACKEN und dem WEGE nach SENFTENBERG hat eine Flurbezeichnung, nämlich >SARREKA< = „Land zwischen dem Wasser“; gemeint ist damit die ALTE ELSTER und der Niemtscher MÜHLGRABEN, der ostwärts durch die NIEMTSCHER MÜHLE geht und nach Westen fließend, den ROSSACKEN nach Süden abschließt. Das alte ELSTERBETT bildet gerade hier die GRENZE zwischen BRANDENBURG und SCHLESIEN. Dort, wo die ALTE ELSTER mit dem „BUSCH“ den ELSTERDAMM bei Grube Marga berühren, läuft die GRENZE am südlichen Damm weiter bis kurz vor BIEHLEN.
Der >ROSSACKEN< ist eine besonders tief gelegene Stelle, die jedenfalls vor Jahren oft unter UEBERSCHWEMMUNGEN der ALTEN ELSTER zu leiden hatte. Zur Entwässerung hatte man vor der endgültigen Elsteregulierung GRÄBEN durch den WALD gezogen, wie das noch heut andeutungsweise zu beobachten ist.
An der letzten Uebergangsstelle des Niemtscher MÜHLGRABENS kurz vor dem WALDE dicht an der KOPPEL steht auf der Karte 1:100000 die Bezeichnung „Ft“, was „Furt“ heißt; das war also eine DURCHFAHRT. Das VIEH wird hier hindurch heut noch nach der KOPPEL getrieben,
denn gegenüber am ZAUN ist der EINGANG derselben.“


Rätselhaft erscheint mir allerdings der HINWEIS auf eine Befestigungsanlage,
die in einer Militärzeitschrift von 1868 erwähnte NIEMTSCHER HEIDESCHANZE.
Vielleicht wissen ja die NIEMTSCHER HEIMATFORSCHER mehr darüber zu berichten ?

Heideschanze_resize.jpg

HERRN SCHMIDT'S SPAZIERGANG sollte ein BEOBACHTUNGSGANG zur Feststellung der VOGEL~ & PFLANZENWELT werden.
Da sich das Leben und Musizieren der Vögel am besten um SONNENAUFGANG beobachten lässt, startete der NATURFREUND seine FRÜHWANDERUNG am 3. Mai 1936 um ¼ 4 Uhr, denn der >Kreiskalender< kündigte den Sonnenaufgang erst für 4.26 Uhr an.
Und tatsächlich zeigten sich bald die ersten Vorboten des anbrechenden Tages, das erste schwache HELL am östlichen Himmel und die ersten Stimmen der VÖGEL, die bekanntlich mit der Sonne schlafen gehen und mit ihr aufstehen. Einige GARTEN~ & HAUSROTSCHWÄNZCHEN zwitscherten von den Häuserreihen herüber. Hinter der Kamenzer Eisenbahn zu beiden Seiten des NIEMTSCHER WEGES stiegen schon die ersten LERCHEN trillernd in den schummrigen Morgen. Er ging nun den MÜHLENGRABEN entlang und näherte sich dem WALDEINGANG, wo gegen ¾ 4 Uhr das VOGELKONZERT schon in vollem Gange war.
Als er an der KAHNANLEGESTELLE vorbeiging, tönte ihm aus dem Gebüsch eine GOLDAMMER entgegen und von der ersten Eiche pfiff Freund STARMATZ recht laut und unbekümmert, dass es weithin in den Morgen schallte. Und aus einer jungen Buche war der BUCHFINK zu hören, der nach seinem Lockruf „pink, pink“ so genannt wurde. Hinter dem Walde rief der KUCKUCK, links vom Kiefernwalde schallte das Gurren der TURTELTAUBE und von der Wiese am Südrande des Laubwaldes schlug kreischend ein WILDFASAN in den anbrechenden Tag. Es war kurz vor ½ 5 Uhr schon taghell und das Sonnenlicht ergoss sich über Wiese, Feld und Wand. Überall öffneten sich die weißen BUSCHWINDRÖSCHEN. Manche hatten schon ihre Blütenblättchen verloren und ließen ihre kleinen Früchtchen heranreifen.
Dann bemerkte er plötzlich einen starken, betäubenden Geruch, der von den weißen Blütentrauben stammte, die am FAULBAUM herabhingen…
An der Eiche klopfte quietschend ein EICHHÖRNCHEN, wodurch die NEBELKRÄHE erwachte und mit einem lauten „kra-kra“ aufflog. Drüben im Dorf die erste Menschenstimme – es war ¼ 5 – und da schackerte eine ELSTER durchs Gesträuch. Nach Hohenbocka zu puffte die EISENBAHN, um 5 Uhr rauschte dann auch der Ruhlander Personenzug nach Senftenberg. Der Tagverkehr hatte begonnen…
Auf dem Hauptweg gelangte er schließlich zur VIEHKOPPEL, wo an den Birken ganze Rasen von VOGELMIERE zu sehen waren, die sich sonst nur um Senftenberg auf trockenen Stellen massenhaft finden ließen. Dann ging es durchs Birkenwäldchen dicht an der ALTEN ELSTER entlang, wo nur wilde HECKENROSENBÜSCHE zu sehen waren. Immer weiter schreitend erreichte er die Felder bei MARGA, wo abgeholzte Bäume und Zweige lagen. Ein Mann mit einem Reisigbündel meinte zu ihm, dass es nicht viele PILZE gäbe. Dass UNSER NATURFREUND aber nur zu NATURBEOBACHTUNG & ~GENUSS umherwanderte, konnte jener nicht verstehen und als Herr S c h m i d t ihm noch erzählte, dass er deswegen schon um ¾ 3 Uhr aufgestanden war, schüttelte der Brennholzsammler nur sprachlos den Kopf…

Wenn jemand in stockfinsterer Nacht um ¾ 3 Uhr aufsteht, um einen GANG durch den NIEMTSCHER LAUBWALD zu unternehmen, so ist das bestimmt eine außergewöhnliche Angelegenheit und erscheint für den eben „normalen“ Menschen als eine ausgefallene Sache.
G. SCHMIDT schrieb abschließend, „daß dieser MORGENGANG für mich ein seltener Genuß war, wie ich ihn mir nicht schöner denken kann.
Aus dem WALDE kommend, empfängt mich ein grau verhangener Himmel. Die Sonne ist weg und kühl weht’s über die FLUREN. Der leuchtende MORGEN ist dahin. Bekannte auf dem Rückwege pilgern jetzt erst nach NIEMTSCH. – Als Gegenbeispiel erfolgt später ein ABENDSPAZIERGANG, der natürlich ganz anders ausfällt…“


Sollte man jedoch in der NIEMTSCHER MÜHLE vorbeischauen, fällt er möglicherweise tatsächlich ganz anders aus !
Dagegen ist man nur gefeit, wenn man es ZU ZWEIT bei einem NIEMTSCHER PARK – SPAZIERGANG belässt, den wir zum Schluss in einem GEDICHT unseres regionalen Heimatdichters PAUL WILKE miterleben dürfen – was allerdings nicht ganz einfach ist, da er sein Reimwerk im >SENFTENBERGER DIALEKT< verfasste, den wir in seinen Grundzügen eigentlich immer noch sprechen, ohne es zu wissen.
Aber GESCHRIEBEN sieht’s doch ganz anders aus… NIEMTSCHA PUSCH = NIEMTSCHER BUSCH !
Also frisch ans Werk – WIR SCHAFFEN DAS !

N.Pusch.jpg


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