Neues 303 - 2017-12-03

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Matthias
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Neues 303 - 2017-12-03

Beitragvon Matthias » Sa 2. Dez 2017, 09:35

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Harald
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Re: Neues 303 - 2017-12-03

Beitragvon Harald » So 3. Dez 2017, 18:38

Kuhhirte_resize.jpg
VOM KUHHIRTEN ZUM BESTSELLER-AUTOR


Der gelehrte Landmann FRIEDRICH ECKARDT zeigte, wie weit man es ohne fremden Unterricht in Kenntnissen bringen konnte.
Sein Vater war Gärtner und Leinweber, bei dem er die Kühe hüten, dreschen und andere grobe Arbeiten verrichten musste. Nachdem er von ihm und in der Dorfschule das Lesen und Schreiben erlernt hatte, entwickelte er ein waches Interesse für historische und theologische Schriften und erlangte schon in seiner Jugend eine große Belesenheit. So trieb er die Kühe niemals aus, ohne dass er mit einem Buche hinterdrein spazierte.
Vorübergehende sahen ihn zu ihrer Verwunderung oft hinter den Kühen mit einem historischen Buch in der Hand stehen und lesen. Auf diese Art las er viele hundert Bücher, machte zu Hause Niederschriften und erlangte somit viele Erkenntnisse, die ihm den Stoff zu seinen späteren Schriften lieferten.
Seine besondere Aufmerksamkeit galt der Heimatgeschichte, zu der er in den Jahren zahlreiche Abhandlungen verfasste. Als sein Hauptwerk gilt hierbei das
>ECKHARDTISCHE TAGEBUCH<, auch
>ZITTAUISCHES TAGEBUCH<,
eine 16-seitige Monatsschrift, die von 1731 bis 1895 unter mehrfach wechselnden Namen erschien, die von den nachfolgenden Herausgebern Neumann, Flaschner, Grohmann sen. und Grohmann jun. vergeben wurden.

Tagebuch cover_resize.jpg

Bevor sich aber diese noch verhältnismäßig kurzen TITEL einbürgerten,
gab es nach damaliger Sitte erst einmal einen überaus langen NAMEN, der nebenbei auch den PLAN dieser ZEITSCHRIFT offenbarte und dadurch viele Leser anlocken sollte. Dieser wohlüberlegte Plan wurde seit Bestehen des Blattes „auf eine lobenswerthe und glückliche Art verfolgt“. Man lobte den Herausgeber dafür, dass er „die nöthigen Nachrichten so fleißig und umsichtig sammelte und diese so allgemein verständlich und unterhaltend aufschrieb“. Somit leuchtete ein, dass es ihm wohl an einer wachsenden Leserschaft nicht fehlen dürfte.

Zeitungstitel_resize.jpg

Doch macht LOB sich breit, ist die KRITIK nicht weit !
Ein vernichtendes URTEIL verfasste z.B. die
>BERLINISCHE MONATSSCHRIFT< im Juli des Jahres 1806:

Zittauisches Tagebuch_resize.jpg

Die geharnischte GEGENREAKTION ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Einen Monat später konnte man ebenda lesen:

„Treibt der Stoß eines Zufalls ein BLATT solcher SCHRIFTEN in jemands Hände, so wird diese ekzentrische Erscheinung angestaunt und belächelt, und oft ziemlich hart bespöttelt, ohne zu erwägen, daß sie eventuell wirklich Verdienste besitzen mag…
Das TAGEBUCH war anfangs bloß auf den LANDMANN berechnet; darauf erhielt es nach und nach Zusätze, die es auch den BÜRGERN kleiner Städte in die Hände brachten. Auf diese Weise ist es eine gedrängte Übersicht der politischen Begebenheiten, welche der Verfasser so deutlich und zusammenhängend zu geben sich bemüht als es ihm möglich ist. Es will ja nun einmal auch der geringste Straatsunterthan von Staats~ und Welthändeln etwas erfahren; und warum nicht ? Wird doch um seine Haut gewürfelt !
Die eigentlichen ZEITUNGEN sind ihm meist unverständlich, auch der verworrenden Dinge zu viel; besser daß er nur alle Monat einen kurzen Bericht der Hauptsachen erhält. Dabei liest er hier dann auch sonst allerhand Historisches, und außerdem manches nicht Uninteressante.
In der That, dies Tagebuch ist eine der gelesensten deutschen Schriften!
Dabei bedenke man, daß es nicht durch den Buchhandel geht, und dann noch weniger durch die Posten in entfernte Länder; es wird im buchstäblichen Sinne herumgetragen. Man bedenke ebenso seinen kleinen KREIS, der sich bloß auf Sachsen, Thüringen und die Brandenburgischen Gränzen beschränkt. Äußerst wenig mag davon sich noch in Böhmen und Schlesien einschleichen; denn warum sollte das Volk nicht eben so gut für GEISTESUNTERHALTUNG Schmuggel betreiben, als für Genußwaaren und Kleidungsstücke ?
Der starke Absatz entspringt hauptsächlich wohl aus dem niedrigen PREISE. Der Verfasser überläßt das Stück von 2 Quartbogen auf sehr gutem Druckpapier, mit einem davor geklebten KUPFER, seinen Lesern für 6 Pfennige…!“


Zeitungsleser_resize.jpg

Recht hatte er, denn liest man den sehr ausführlichen TEXT über SENFTENBERG,
dann sind sich wohl alle einheimischen Heimatforscher einig:

Noch heute verdienen FRIEDRICH ECKARTH und dessen Nachfolger, sowohl wegen der Herausgabe dieses Tagebuchs,
das für den Freund der vaterländischen Geschichte manche schätzbare Nachricht enthält,
als auch wegen seiner literarischen Leistungen EIN DANKBARES ANDENKEN !


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