Neues 124 - 2014-04-08

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Matthias
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Neues 124 - 2014-04-08

Beitragvon Matthias » Di 8. Apr 2014, 16:06

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Harald
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Re: Neues 124 - 2014-04-08

Beitragvon Harald » Mi 9. Apr 2014, 16:35

Der 1. Mai ist in Deutschland heute ein Feiertag. Das war nicht immer so. Schon seit 1890 galt er zwar als „Tag der Arbeit“, an welchem die Arbeiter meist für den 8-Stundentag demonstrierten und ihre Forderungen mit Streikaktionen untermauerten, doch arbeitsfrei war dieser Feiertag der Arbeiterschaft in Deutschland keineswegs. So mussten z.B. die Teilnehmer an den traditionellen Maiumzügen in den Jahren der Weimarer Republik auf eigenes Risiko mitgehen, mindestens aber auf eigene Kosten, indem sie nämlich – je nach Position – frei nahmen oder aber auf ihren Lohn für diesen Tag verzichteten. Doch für viele gewerkschaftlich organisierte Arbeiter war das ein verschmerzbarer Preis, denn die Feiern hatten längst den Charakter von Volksfesten angenommen, waren zu einem der Höhepunkte im harten Leben der Arbeiterschaft geworden.
Was wenige wissen:
Es waren die Nazis, die den 1. Mai offiziell zum Feiertag machten.

1. Mai.jpg


Am 30. April 1933 schrieb Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels in sein Tagebuch:
„Wenn es klappt, haben wir einen Sieg ohnegleichen errungen.“
Mit „es“ meinte Goebbels den folgenden Plan der Nazis:
Nachdem sie den 1. Mai zu einem Nazi-Feiertag gemacht hatten, sollten am 2. Mai die Gewerkschaftshäuser besetzt und die freien Gewerkschaften zerschlagen werden.
Am Morgen des 1. Mai 1933 trafen sich im Lustgarten in Berlin Mitte die Massen der Hitlerjugend. Für den Abend hatte Hitlers Chefarchitekt Albert Speer auf dem Tempelhofer Feld im NS-Stil eine Riesenbühne mit Fahnen errichtet. Hunderttausende Bürger strömten zusammen. Hitler bestieg das Podium und hielt eine Rede, die deutschlandweit übertragen wurde. Auch in Senftenberg wurden die Bürger der Stadt, allen voran die „Gefolgschaften“, zum Gemeinschaftsempfang angehalten.
Tags darauf um 10 Uhr stürmten dann die Nazi-Schlägertruppen der SA die Gewerkschaftshäuser. Das Ziel: Gleichschaltung. Goebbels hatte dazu in seinem Tagebuch notiert:
„Den 1. Mai werden wir zu einer grandiosen Demonstration deutschen Volkswillens gestalten. Am 2. Mai werden dann die Gewerkschaftshäuser besetzt. Gleichschaltung auch auf diesem Gebiet (...). Es wird vielleicht ein paar Tage Krach geben, aber dann gehören sie uns..“
Die Spitzenfunktionäre der Gewerkschaften wurden in „Schutzhaft“ genommen, die Konten beschlagnahmt.
Anstatt der freien Gewerkschaften wurde die totalitäre Einheitsgewerkschaft
„Deutsche Arbeitsfront“ gegründet.
Wir haben keinen Einblick in den >Senftenberger Anzeiger< der Monate Januar bis Juni 1933 nehmen können, weil dieser Zeitungsband nicht zur Verfügung steht. Dafür fanden wir aber im Monat Juli hierzu die folgende Nachricht:

„Die letzte und größte organisatorische Tat dürfte dann die restlose Erfassung aller (auch zur Zeit arbeitslosen) Werktätigen, also bisher Unorganisierten sein. Auch sie gehören in die DEUTSCHE ARBEITSFRONT, denn künftig gilt nur der etwas im neuen Deutschland, der im Besitz des STAATSBÜRGERRECHTES ist. Die Verleihung dieses Staatsbürgerrechtes, welches regelrecht verdient werden muß, ist aber abhängig von der Zugehörigkeit zu einer Organisiation der DAF.
Mir der Erfassung des letzten deutschen Werktätigen krönen wir die große organisatorische Arbeit…Es besteht wohl kein Zweifel, daß später nur der Arbeit erhalten kann, der Mitglied der DAF ist.“


Das war deutlich genug.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass sogar die KIRCHE über diese Gleichschaltung frohlockte, ja sogar von „göttlicher Fügung“ sprach, wie wir dem >Senftenberger Anzeiger< von 1934 entnehmen:

„Zum Tag der nationalen Arbeit hat Probst Otto Eckert als Leiter der brandenburgischen Provinzialkirche und Stellvertreter des Bischofs von Berlin folgenden Aufruf an die Gemeinden der Mark Brandenburg gerichtet:
‚Zum Tage der nationalen Arbeit stehen alle Gemeinden der Mark Brandenburg mit ihren Geistlichkeiten in einer Gemeinschaft.
Es ist die von Gott angeordnete Gemeinschaft der Arbeit…Der Führer des deutschen Volkes, Adolf Hitler, hat in deutschen Landen die göttliche Ordnung, durch Arbeit zu leben, wiederhergestellt.
Die brandenburgische Kirche sieht voll Dank und Hoffnung auf den Führer, der dem Prinzip des Ewigen in unserer Zeit so gewaltig Bahn bricht, und bringt dem Kanzler das Gelöbnis dar, mit ihm unverzagt und gottesfürchtig die Schlacht der Arbeit zu schlagen.“


Etwas ketzerisch sei angemerkt, dass wohl die Kirchenfürsten seit jeher weitgeschnittene, luftige Kirchengewänder tragen, damit sie diese recht schnell in den jeweilig wehenden (politischen) Wind drehen können…

Abschließend noch der Beweis für die Abschaffung der vordem angesprochenen
ARBEITER-SAMARITER-KOLONNEN.
In den „Richtlinien“ zur Durchführung der Mai-Feierlichkeiten von 1934 wird deutlich, wer ab sofort für den Sanitätsdienst verantwortlich zeichnet:

„Den SANITÄTSDIENST am Tage der Arbeit übernimmt im Einvernehmen mit der Kolonnenleitung die SANITÄTSKOLONNE vom Roten Kreuz, Senftenberg. Sanitätsdienst am Tage der Arbeit ist Sicherheitsdienst ! Die Kolonnenmitglieder treten am Sanitätsdepot an.
Auf dem Festplatze ist ein SANITÄTSZELT errichtet.
Das SANITÄTSAUTO ist unter Fernruf 516 und 517 (Knappschaftskrankenhaus) erreichbar.“


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