Neues 236 - 2016-07-10

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Matthias
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Neues 236 - 2016-07-10

Beitragvon Matthias » Sa 9. Jul 2016, 08:03

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Harald
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Re: Neues 236 - 2016-07-10

Beitragvon Harald » Sa 9. Jul 2016, 16:35

Wir haben uns bislang in unserer Lokalhistorie, bezogen auf die vorgestellten POSTKARTEN, überwiegend im Zeitraum 19./20. Jahrhundert bewegt. Es gab aber auch in den Jahrhunderten davor schon herausragende Ereignisse, die unsere Region maßgeblich geprägt haben.
Und so beschäftige ich mich heute mit den

LEIDEN DER DÖRFER IM 30-JÄHRIGEN KRIEG
bei dem auch das aktuelle Thema >SAUO< eine Rolle spielen soll.

30j Krieg 2_resize.jpg

Der unter dem Namen DREISSIGJÄHRIGER KRIEG bekannte Konflikt dauerte von 1618 bis 1648 und wurde größtenteils auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation ausgetragen. Seine Brutalität, die lange Dauer, das unsägliche Leid der Zivilbevölkerung und die mit dem Krieg einhergehenden Hungersnöte und Seuchen stellte alles bis zu diesem Zeitpunkt Dagewesene in den Schatten und entvölkerte manche Landstriche zu über 66 %.
Von 1632 an wurde auch unsere Gegend Kriegsgebiet; Sachsen hatte sich an Schweden angeschlossen und wurde nun das Opfer plündernder, sengender und brennender Kriegshaufen.
In Senftenberg lagen Besatzungstruppen des Kurfürsten zum Schutz, die aus dem Amtsgebiet mit Löhnung und Verpflegung versorgt werden mussten. Die Eintreibungen nahmen bald die Formen der Gewalt an und unterschieden sich nicht mehr von feindlichem Einbruch.

30j. Krieg_resize.jpg

Feind und Freund, auch die eigenen Truppen plünderten.
Was man brauchte, nahm man sich einfach, der Rest wurde zerstört. Die Verluste an Menschenleben durch Krieg und Pest, an Hab und Gut, besonders an Anspann und Saatgetreide, die drückenden Kontributionen, die Furcht vor den ständigen Wiederholungen der feindlichen Übergriffe bewirkten, dass schon in wenigen Jahren die Felder verödeten, die Häuser verfielen und die Höfe wüst wurden. Selbst die von der Mauer geschützte Stadt Senftenberg, in unmittelbarer Nähe des Festungshauses, blieb nicht verschont. Pest, Brände und Plünderungen brachten die Bürger an den Bettelstab.
Von den Leiden des offenen Landes mit seinen ungeschützten Dörfern erzählt keine Chronik.
Nur wenige Nachrichten erfahren wir von unserem Chronisten PAULITZ, z.B.
dass 1633 ein Bauer Georg Lehmann in Skado von Kroaten erschossen, dass in Sorno 9 Höfe im gleichen Jahr in Brand gesteckt und die Frau des Krügers erstochen wurde, dass 1641 die Schweden in Brieske und Lauta hausten und in Sedlitz 2 Bauernsöhne erschossen, 1643 Reppist und Sedlitz in Asche gelegt wurden.
Über das Dorf SAUO wird aus dieser Zeit folgendes berichtet:

Pest_resize.jpg

„An der PEST sterben Kaspar Korbin, seine Frau und Kinder 1630. In der Schuldenaufzählung heißt es: 12 Taler Dorotheen, des itzigen Schäfers zu Drocho Schwester, die sich in der Gefahr der PESTILENZ in Korpins Gut begeben, neben einem Bett und Leichentuch; 16 Taler, eine Kuh, ein Scheffel Korn, ein Bette, ein Leichentuch Marien, Hans Regens Tochter aus Finsterwalde, welche auf Frau Margareten Peschens Anordnung sich gleichfalls ins Gut pestis tempore gewendet (die von Peschen waren Besitzer von Drocho!); 20 Taler an Simon Richter vor geschaffte Sterbekittel, ein~ und zugeführtes Futter, dass Vieh und Schafe haben erhalten werden können, eben damals, da sich kein Mensch ins Gut hat gebrauchen lassen wollen.
Ferner werden von der Seuche dahingerafft Galle Lehmann, Gregor Bilagk mit Weib und Kindern 1633. Wüst geworden ist Georg Bogs Bauerngut, Jakob Richter erwirbt es für seinen gleichnamigen Sohn. Hans Bilagk kann das wüste, verschuldete Gut nicht halten und gibt es 1656 an seinen Sohn Matthes ab. Seit 1642 ist das Gut des Hans Hannusch wüst und unbestellt, 1658 versucht der Erbe Georg, der es in der VERSTEIGERUNG für 40 Taler und drei steuerfreie Jahre erwirbt, es wieder anzubauen. Unter den Folgen des Krieges gerät auch Georg Noacks Gut in Verschuldung und Verwahrlosung.“

Auch nach Kriegsende hielt die Not noch jahrzehntelang an.
Hofbesitzer oder deren Erben konnten bei Kreditnot, steigenden Abgaben und Mangel an Arbeitskräften ihren Besitz nicht halten. Von Amts wegen wurden die Höfe durch die Dorfgerichte taxiert und dreimal zu diesem Taxpreis öffentlich ausgeboten. Bezeichnend für den Zustand der Bauerngüter und die Geldknappheit war, dass Hufengüter, bei denen zwar kein Stein mehr auf dem andern lag und Feld und Wiese völlig verwahrlost waren, für wenige Taler dem Meistbietenden zugesprochen wurden.
So geschehen auch in SAUO, wie oben zu lesen war…


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