Neues 179 - 2015-05-17

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Matthias
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Neues 179 - 2015-05-17

Beitragvon Matthias » So 17. Mai 2015, 09:54

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Harald
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Re: Neues 179 - 2015-05-17

Beitragvon Harald » So 17. Mai 2015, 16:37

Beim Stichwort
>TIERPARK<
fiel bei unseren Altvorderen mit Sicherheit sofort der Name
HAGENBECK.

Hagenbeck_resize.jpg
Am 7. Mai 1907 eröffnete nämlich CARL HAGENBECK in HAMBURG den weltweit ersten TIERPARK OHNE GITTER . Er geht auf eine im Jahre 1863 gegründete Handels-Menagerie (Tierhandlung) seines Vaters zurück, der eigene Agenten nach Afrika sandte, um dort vor Ort Tiere "sammeln" zu lassen.
Allein im Jahre 1873 brachten vier verschiedene TRANSPORTE mit je 7 Eisenbahnwagen insgesamt 33 Giraffen, 10 Elefanten, 13 Antilopen,
4 Löwen, 5 Leoparden, 7 Hyänen, 10 Affen, 5 Strauße, 4 Adler und Geier im Gesamtwert von 51,680 Talern nach Deutschland.
Durch seine geschäftlichen Verbindungen erfuhr Hagenbeck fast jedes Mal sofort, wann ein Schiff mit einer Ladung exotischer Tiere im Hafen ankam und kaufte gewöhnlich gleich alles auf.
Schaubudenbesitzer waren die hauptsächlichsten Abnehmer und zugleich Vertreiber einiger, bereits in der Gunst der Liebhaber eingebürgerten Vogelarten - in erster Linie Großpapageien.
Der durch Tiergärten gesteigerte Bedarf machte Hagenbeck mit der Zeit zum Großhändler. Allein sein eigener Tierpark hatte zu jener Zeit einen Bestand von 303 Säugetieren in 144 Arten, sowie 1030 Vögeln in 271 Arten.

Damit konnte sich der SENFTENBERGER TIERPARK natürlich bei weitem nicht messen. Dennoch war er schon immer, obwohl noch nie mit "großen Wildtieren" ausgestattet, bei unseren Bürgern sehr beliebt.
Die "riesengroßen" exotischen Tiere, wie Boas oder ein Krokodil konnte man dafür ab und an bei den Schaustellern auf dem JAHRMARKT bewundern:

Riesenkrokodil_resize.jpg
Dass die Senftenberger insgesamt sehr tierlieb waren, zeigte sich auch in den gelegentlichen "Sensationsmeldungen" des >Senftenberger Anzeiger<.
Kein irgendwo überraschenderweise gesichtetes bzw. aufgestöbertes WILDTIER entging den Lokalredakteuren, denn damit ließ sich gelegentlich eine Lücke in der Zeitungsspalte füllen.
Hier eine kleine Auswahl aus dem 1. Halbjahr 1930:

FUCHSFANG MITTEN IN DER STADT

"Von Bewohnern der Wehrstraße und der näheren Nachbarschaft war seit dem Sommer in gewissen Abständen wiederkehrende Verringerung des Hühnerbestandes wahrgenommen worden, ohne daß es bisher gelungen war, die Ursachen dieses unfreiwilligen Abganges einwandfrei festzustellen. Der Neujahrsmorgen brachte nun überraschende Aufklärung. Landwirt Schnitter, durch Lärm aufgeregter Hühner aufmerksam gemacht , beobachtete, wie ein FUCHS mit einer Henne im Rachen auf dem Grundstück seines Nachbarn Lehrack verschwand.
Die nähere Untersuchung ergab, daß der Fuchs einen Haufen Altholz sich zu seinem Versteck gewählt hatte. Federn, Knochen und Kadaver aller Art lagen umher, so daß man auf der richtigen Spur war, dem Hühnerräuber das Handwerk zu legen. Der Fuchs hatte sich in einer blinden Röhre selbst gefangen. Er wurde schließlich vom Landwirt Lehrack erschlagen. Die Hühnerhöfe sind nun von dem alten Schlauberger befreit worden.
Der Frau des Landwirts hat wohl die originellste Ueberraschung am Neujahrsmorgen erlebt: Ihr winkt ein schöner Pelz für den kommenden Winter."

TAUBENHABICHT GEFANGEN

"Gestern nachmittag gelang es Herrn Gonschorowski, Sternstraße 7,
einen schönen TAUBEN-HABICHT zu fangen, und zwar in dem Augenblick, als der hungrige Räuber einen Versuch machte, auf die Hühner zu stoßen. Augenblicklich scheint ihm die Gefangenschaft nicht sehr zu gefallen. Interessenten können ihn jederzeit besichtigen."

EINE KREUZOTTER

"...wurde uns heute vom Landwirt P. Peschke aus Hosena überbracht.
Landwirt Peschke hat die KREUZOTTER beim Mähen mit der Sense getroffen. Die Kreuzotter, die wir in unsrer Geschäftsstelle am Markt ausgestellt haben, läßt erkennen, daß Kreuzottern auch Mäusevertilger sind. Ueber 100 Kreuzottern hat Landwirt Peschke bereits vernichtet."

GEFÄHRLICHER BESUCH

"Einen empfindlichen Verlust erlitt die Familie des Zimmermanns Lehmann von hier. Anscheinend ein MARDER verschaffte sich Zugang zum Hühnerstall und richtete dort ein Blutbad an. Sämtliche 20 Hühner mußten ihr Leben lassen. Leider gelang es nicht, den Räuber zur Strecke zu bringen."

Während man die folgende Meldung noch für bare Münze nahm:

EIN ENTCHEN MIT VIER BEINEN

"...wurde heute in unsre Geschäftsstelle am Markt gebracht. Das Tierchen ist 2 Tage alt und gehört Herrn Hans Ott, Rauno.
Wir haben diesen 'Witz der Natur' bis zum Geschäftsschluß des heutigen Tages in Pflege genommen. Er kann von Interessenten besichtigt werden. Eigenartigerweise bringt die Natur in diesem Jahr viele Kuriosa hervor."

...wurde diese hier allerdings sofort als "Aprilscherz" entlarvt
- wohl auch deshalb, weil sie exakt am 1. April in der Zeitung zu lesen war:

BELEBUNG DES BESTANDES DER HEIMISCHEN VOGELWELT

"Der milde Winter hat den Bestand der Vogelwelt unsrer Heimat recht nett belebt. Es hat sich jetzt eine Gästeschar eingestellt, die die Gewässer bevölkert. Es handelt sich um siamesische PERRÜCKEN-PRACHTENTEN. Zu dieser ohnehin sehr seltenen Erscheinung ist eine zweite, ebenfalls höchst originelle, hinzugekommen.
Die siamesischen Enten haben gebrütet. Wer beschreibt das Erstaunen der Beschauer, als heute vormittag auf dem Hauptgraben im Schwarm eines Entenvölkchens ein ENTENKÜKEN mit 2 Köpfen, 4 Beinen und 2 Schwänzchens munter und lebendig einher schwammen.
Unsere siamesischen Gäste sind der Tradition ihres Heimatlandes treu geblieben. Es gibt fortan nicht nur siamesische Zwillinge, sondern auch siamesische Enten."

Allerdings sorgte man sich aber auch um den Singvogelbestand und machte sehr energisch mobil gegen...

HAUSKATZEN IM STADTPARK

"Von Freunden unsres Stadtparks und Vogelliebhabern wird seit Wochen verstärktes Auftreten von stromernden HAUSKATZEN in unserm Stadtpark beobachtet. Das verstärkte Auftreten birgt gerade um diese Zeit für die Vogelwelt in unserm Stadtpark sehr ernste Gefahren.
Halbflügge, aus dem Neste gefallene Junge werden ganz bestimmt Opfer der stromernden Hauskatzen; weiterhin wird auch hier und da ein futterschleppendes Altes von den Katzen zerrissen, sodaß die Aufzucht der Jungen vielfach in Frage gestellt wird. Die Katze läßt nicht nur das Mausen, sondern auch das Vogelfangen nicht, wenn sie erst einmal auf den Geschmack gekommen ist. Um zu verhüten, daß der Vogelbestand im Stadtpark nicht in ernste Gefahr gerät, vernichtet zu werden, sei empfohlen, stadtseitig Kastenfallen anzuschaffen und die stromernden Katzen wegzufangen."

Jagdglück_resize.jpg
Die Senftenberger TIERFREUNDE hätten es sicher ganz gern gesehen, wenn einige der
"bei einer TREIBJAGD am 14.01.1930 auf den hiesigen Fluren zur Strecke gebrachten
26 Hasen, 14 Fasanen und 2 Kaninchen"
nicht im Braten-Tiegel, sondern "überlebend" im TIERPARK gelandet wären... ;-)


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