STRASSENNAMEN dienen von alters her als
ORIENTIERUNGSHILFEN & begegnen uns im Alltag auf all unseren Wegen an diversen freistehenden Pfählen bzw. an Hauswänden angebrachten
STRASSENSCHILDERN, die es – für
HEIMATFORSCHER gut zu wissen – im
MITTELALTER noch
NICHT gab, da sowieso kaum jemand lesen oder schreiben konnte. Größtenteils kannte aber fast
JEDER JEDEN, da die zahlreichen
GASSEN nach markanten
HANDWERKERN benannt wurden – in unserer Heimatstadt waren dies u.a. die
BADER, BIERBRAUER, SCHMIEDE & TÖPFER – die dort arbeiteten;
ORTSFREMDE mussten sich halt durchfragen…
Auf dem Lande war dagegen die
DORFSTRASSE so etwas wie eine „Magistrale“, von der mehrere
ZWECKBESTIMMTE WEGE abgingen, die dafür sorgten, dass die
BAUERSLEUTE den Weg zu
GARTEN, FELD, SCHULE, POST, BAHNHOF, KIRCHE & FRIEDHOF nicht verfehlten…Das
GASTHAUS fanden alle
MÄNNER mit Sicherheit auch
OHNE STRASSENSCHILD. Nach irgendwelchen
PERSONEN benannte
STRASSEN kamen nur selten bis gar nicht vor.
ZEITBEDINGTE BENENNUNGEN VON STRASSEN gab es in unserer HISTORIE erst sehr viel später, dafür aber in Hülle & Fülle – hochgradig in den Nachkriegsjahren, in denen die SED-Führung, getreu ihrem
SOWJETISCHEN VORBILD einen penetranten
PERSONENKULT betrieben & ihre toten, oft auch noch lebenden
„HELDEN“ auf Straßen & Plätzen flächendeckend verewigten. Im Laufe von vier Jahrzehnten wurde die DDR, dank der Plattenbau-Großsiedlungen plus Strassennetz, die in großem Stil ab den 60er Jahren aus dem Boden gestampft wurden, regelrecht zugepflastert mit den
>SÄULENHEILIGEN DES SOZIALISMUS<. In fast allen größeren Städten erfolgten nach 1945 zahllose
UMBENENNUNGEN von STRASSEN, indem man anfangs selbstredend erst einmal alle auf STRASSENSCHILDERN sichtbaren faschistischen PERSONENNAMEN tilgte bzw. ersetzte durch wahrlich inflationär neue
STRASSENNAMEN nach sowjetischem Muster >STRASSE (mit Genitiv)< konstruiert, beispielsweise
„Straße DES Aufbaus, Friedens, Sports, Bergmanns / „Straße DER deutsch-sowjetischen Freundschaft (DSF), Jugend, Energie, EINHEIT“.
Auch zentral gelegenen
MARKTPLÄTZEN verpasste man „heroische Bezeichnungen“ – in SENFTENBERG hieß er
„PLATZ DER FREUNDSCHAFT“, in BRIESKE-OST
„PLATZ DES FRIEDENS“.
Anfang der 1990er Jahre gab es wiederum postWENDEnd
UM~ & RÜCKBENENNUNGEN en gros, wobei die
NAMEN der sozialistischen
THEORETIKER (Marx, Engels, Luxemburg, Liebknecht), die teils auch in westdeutschen Städten gebräuchlich waren, vielerorts
„BESTANDSSCHUTZ“ genossen.
Dass auch die
„STRASSE DER EINHEIT“ darunter fiel, stieß vereinzelt auf
KRITIK, da sich die
EINHEIT ursprünglich nicht auf die Sehnsucht der Menschen nach der
>EINHEIT DEUTSCHLANDS< bezog, sondern angeblich nur auf die vollzogene
„VEREINIGUNG von KPD & SPD zur staatstragenden SED".Wer heutzutage in
„OSTDEUTSCHLAND“, also der ehemaligen
DDR, eine ausgedehnte
>LANDPARTIE< macht, könnte bisweilen durchaus den Eindruck gewinnen, dass hierzulande scheinbar die
SED noch immer das Sagen hat, denn zumindest in fast jedem
DORF heißen die wichtigsten
STRASSEN oftmals noch immer:
Ernst-Thälmann-Straße, Rosa-Luxemburg-Straße, Straße der Einheit, Straße der Freundschaft. Sie haben offensichtlich die FRIEDLICHE REVOLUTION im Herbst 1989, die WIEDERVEREINIGUNG & inzwischen fast 4 Jahrzehnte BUNDESDEUTSCHE Demokratie überdauert.
Im Jahre 2004 ergab eine Untersuchung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, dass die DDR im Straßenbild Hunderter ORTSCHAFTEN weiterbesteht – und es gibt wenig Grund zur Annahme, dass sich seitdem viel daran geändert hat.Allein KARL MARX war 550-mal verewigt, ein kleiner Teil davon auch im Westen Deutschlands. Sein Mitstreiter FRIEDRICH ENGELS kam mit 243 Straßen bzw. Plätzen nur auf knapp halb so viel. Die KPD-Gründer ROSA LUXEMBURG & KARL LIEBKNECHT erreichten zusammen 596 Straßen. Absoluter SPITZENREITER war jedoch ERNST THÄLMANN – an ihn erinnerten auch nach der WENDE ganze 613 Straßen & Plätze. Er war von 1925 bis zu seiner Verhaftung 1933 Vorsitzender der KPD und vertrat diese im REICHSTAG, wurde 1944 von den Nationalsozialisten ermordet & später in der DDR vielfach geehrt & zur sozialistischen IKONE stilisiert: viele Denkmäler, Straßen & Plätze, Arbeitskollektive, Betriebe & Bildungseinrichtungen trugen seinen Namen –
so auch die:
Das Beibehalten der
„THÄLMANNSTRASSE“ wurde von westdeutscher Seite arg kritisiert. Man verwies darauf, dass THÄLMANN die SPD vehement bekämpfte & als „Sozialfaschisten“ bezeichnete, was in der Weimarer REPUBLIK ein mögliches antifaschistisches Bündnis der demokratischen Kräfte gegen die NSDAP verhinderte. THÄLMANN galt als „knallharter Stalinist“ & setzte die KPD strikt nach Moskauer Vorgaben um – seine Nachfolger Pieck, Ulbricht & Grotewohl hielten per SED an diesem Kurs fest.
In der DDR blieb der liebevoll „Teddy“ genannte Arbeitersohn & OdF eines der wenigen SYMBOLE, das von der DEMONTAGE verschont blieb – sicherlich auch, weil
WIR JUNGEN PIONIERE bei offiziellen Anlässen per
>THÄLMANNLIED< die abschließende Refrain-Zeile
„WIE ERNST THÄLMANN TREU & KÜHN“ lauthals schmetterten – und dafür, wie auch für „Thälmann-Ecken & ~Kabinette“ oder „Traditionszimmer“ in der Folgezeit zu
>THÄLMANNPIONIEREN< befördert wurden.
(„Thälmanns Namen tragen wir – sei seiner würdig, Pionier!“)FAKT ist, dass
STRASSENNAMEN nicht ein gleichsam übergreifendes & zeitloses
GEDÄCHTNIS irgendeiner
STADT abbilden. Sie geben zunächst lediglich die
ERINNERUNG der zum
ZEITPUNKT der
NAMENSGEBUNG herrschenden Gruppen, Parteien, Institutionen & Einrichtungen wieder – von den Kaisern Friedrich & Wilhelm, über Hindenburg, Bismarck & Hitler bis zu Wilhelm Pieck & Konrad Adenauer.
Deutschlandweit wurden nach
PERSONEN benannte
STRASSEN, GEDENKTAFELN & DENKMALE stets als
EHRUNG verstanden, wobei deren
NAMEN zwar im öffentlichen Bewusstsein, zumindest im
ALLTAG, präsent bleiben – aber für sich genommen nur sehr wenig erklären -
und ob tatsächlich jeder BEWOHNER Auskunft darüber geben könnte, welche, wofür auch immer verdienstvolle PERSÖNLICHKEIT in seiner STRASSE geehrt wird, lassen wir mal offen…Ich versuchte dies z.B. im konkreten Fall der Senftenberger
RADOJEWSKISTRASSE – fand aber keine Anhaltspunkte, bis mir mein SOHN mit nachfolgender MELDUNG aus der >Kölnischen Zeitung< vom 25.08.1934 auf die Sprünge half – der ich dann ein DOKUMENT aus dem Archiv der DDB zuordnen konnte, in dem neben EDMUND RADOJEWSKI noch weitere ARBEITERVETERANEN (VVN) wie z.B. Kurt U h l i c h aus SFB & Ewald B e l o w aus Hörlitz verzeichnet sind, die zu DDR-Zeiten in den regionalen POLYTECHNISCHEN OBERSCHULEN in Vorbereitung auf die JUGENDWEIHE & bei anderen Anlässen propagandistisch vor der SCHULJUGEND auftraten.
Übrigens trugen die WEGE der heutigen sogenannten
„BLUMEN~“ bzw. „VOGELSIEDLUNG“ in Senftenberg vor 1945 neben den Namen deutsch-kolonialer AFRIKA-FORSCHER überwiegend STÄDTENAMEN aus den besetzten „Ostgebieten“ (Schlesien & Sudentenland)
Diese & weitere ehemalige, nach Kriegsende umbenannten Senftenberger STRASSENNAMEN findet man im Internet unter:
Liste der Straßen in Senftenberg – Wikipedia