Fast jedes deutsche KOHLEREVIER besitzt einen überlieferten, abenteuerlich spannenden „AUGENZEUGENBERICHT“, der von der ERSTENTDECKUNG einer KOHLE-LAGERSTÄTTE erzählt,
wie z.B.: ein FUCHS in seiner Höhle KOHLESTÜCKE ausgräbt, ein TORFSTECHER bzw. BRUNNENBAUER auf ein FLÖZ stößt oder ein HIRTENJUNGE – oh schreck – BRENNBARE SCHWARZE STEINE entdeckt: „Es muß wohl an einem Spätherbsttag gewesen sein, als sich ein HIRTENJUNGE aufwärmen wollte. Der Abend senkte sich herab, und er hatte sich ein FEUER angezündet. Aus dem nahen WALD trug er REISIG zusammen, das es nähren sollte. Der heftige ABENDWIND aber trieb das FEUER immer wieder auseinander. So begann er STEINE zu sammeln und baute sie zu einem WALL um die FEUERSTELLE auf. Als er so davorsaß & HOLZSCHEITE nachlegte, bemerkte er, wie die STEINE zu glühen anfingen und kurz darauf der ganze WALL in FLAMMEN stand…“
HISTORIKER sehen solche GESCHICHTEN heute überwiegend als nachträglich entstandene, anschaulich erklärende >WANDERSAGEN<, deren ERZÄHLMUSTER jedoch keiner belegbaren HISTORIE angehören. SENFTENBERGS HEIMATFORSCHER würden da schon eher auf den ersten SATZ in den AKTEN jener zwischen 1845 & 1865 erfolgten >SEPARATION< (Flurbereinigung) vertrauen – bei welcher neue ENTWÄSSERUNGSGRÄBEN gezogen, hunderte GRENZGRÄBEN ausgehoben, zahlreiche BRUNNEN angelegt & WEGE gebaut wurden – wenn dort beispielsweise geschrieben stünde:
„Beim AUSHEBEN eines GRABENS wurde eine BRAUNE, BRENNBARE ERDSCHICHT angetroffen…“
Als um 1860 bei ersten SCHÜRFVERSUCHEN & PROBEBOHRUNGEN in der nördlich der Stadt gelegenen RAUNOER HOCHFLÄCHE bekannt wurde, dass in der SENFTENBERGER Gegend BRAUNKOHLE vorkommen müsste, begannen mehrere wohlhabende GRUNDBESITZER & KAUFLEUTE, gezielt nach BRAUNKOHLE zu bohren.
Als dann in den 1870/80er Jahren die LANDWIRTSCHAFT infolge einer sogenannten AGRARKRISE zunehmend unrentabel wurde, suchte speziell der „LANDADEL“ aus Brandenburg, Schlesien & Pommern nach zusätzlichen Einnahmequellen & rentableren Kapitalanlagen außerhalb ihrer „RITTERGÜTER“ – vorrangig in BERGWERKSGESELLSCHAFTEN.
Im weiteren Verlauf meiner Recherche stieß ich dann aber auf einige HINWEISE in polnischen Quellen, dass der Name SCHÖPPENTHAU aus dem hinterpommerschen, großgrundbesitzenden „LANDADEL“ stammt, der mehrfach im Raum CAMMIN (Kamień Pomorski) auftaucht.
In TRIBSOW, einem 5 km von CAMMIN entfernten, großen DORF mit typisch landwirtschaftlichem Charakter, befand sich nachweislich der HERRSCHAFTSKOMPLEX der FAMILIE >von SCHÖPPENTHAU<, welcher aus einem nicht gerade „mondänen“ GUTSHAUS auf geräumigem GUTSHOF mit landwirtschaftlichen GEBÄUDEN & sogar einem kleinen LANDSCHAFTSPARK bestand. Im Jahre 1788 hatte der Bürgermeister des Dorfes CARL GOTTFRIED SCHÖPPENTHAU dieses RITTERGUT zum Preis von 11.000 Talern erworben, es aber schon 1828 weiter veräußert. Im MITTELALTER gehörte es den Familien „von Witten“ & „von Brüsewitz“ – nach ihnen kam es in der Folgezeit zu recht häufigen Eigentümerwechseln…
RITTERGUT – LEICHT VERSTÄNDLICH ERKLÄRT
„Ein RITTERGUT war früher ein großer BAUERNHOF, der einem RITTER oder einem anderen ADELIGEN gehörte. Dort stand zumeist ein großes GUTSHAUS, in dem der jeweilige GUTSBESITZER mit seiner FAMILIE wohnte. Rundherum gab es STÄLLE, SCHEUNEN, FELDER, manchmal auch einen kleinen PARK oder WALD.
Auf dem GUT lebten & arbeiteten – freiwillig oder aus Pflicht – viele MENSCHEN zusammen, damit alle versorgt waren:
Der GUTSHERR sorgte für SCHUTZ & bestimmte, was angebaut wurde,
BAUERN & KNECHTE bestellten die FELDER & versorgten die TIERE,
MÄGDE halfen im Haus, kochten, wuschen & nähten,
HANDWERKER (Schmiede, Stellmacher, Müller etc.) erledigten wichtige Arbeiten,
sogenannte „SCHARWERKER“, das waren zumeist BAUERN aus den umliegenden DÖRFERN, mussten an bestimmten Tagen im Jahr auf dem RITTERGUT pflichtgemäß ihre >Arbeitssteuer< z.B. beim Pflügen, Ernten oder Holzholen abarbeiten."
Die großen GÜTER Hinterpommerns waren zwar häufig hoch verschuldet, aber dennoch werthaltige VERMÖGENSKOMPLEXE, dank derer ADLIGE Familien nicht nur ZUGANG zu BANKEN hatten, sondern selbstredend stets GUTE BEZIEHUNGEN zu staatlichen Stellen, sowie gesellschaftliche NETZWERKE bis hin zu Ministerien & Aufsichtsräten pflegten. Viele LAUSITZER BERGBAUUNTERNEHMEN entstanden nicht als „isolierte EINZELGRÜNDUNGEN“, sondern als familiäre NETZWERKE, wie das Beispiel der DYNASTIE „derer von SCHÖPPENTHAU“ zeigt: irgendeinen ABKÖMMLING zog es vom Stammsitz in TRIBSOW weiter gen SÜDEN an die ODER, wo er das RITTERGUT DÜRRENSELCHOW, nur einen „Katzensprung“ von der Reichshauptstadt BERLIN entfernt, erwarb…
Da der POMMERSCHE ADEL zumeist stark „versippt & verschwägert“ war, konnte ein erfolgreicher GUTSHERR seine VERWANDTEN, aber auch schon mal wohlgesonnene NACHBARN, in die neue GESELLSCHAFT hineinziehen, sodass im Nachhinein oft der EINDRUCK entstand, als seien plötzlich „ALLE HINTERPOMMERSCHEN GUTSBESITZER im NIEDERLAUSITZER BRAUNKOHLENGESCHÄFT tätig gewesen“…
Dabei waren sie KEINE BERGMÄNNER – sondern nur sehr reiche INVESTOREN, die ihr VERMÖGEN gewinnbringend in den expandierenden BRAUNKOHLENBERGBAU – allerdings dank eines umgangssprachlich >guten Riechers< ausschließlich in der NIEDERLAUSITZ versenkten, da sich UNSERE HEIMAT just zu dieser Zeit zu einer der aussichtsreichsten preußischen INDUSTRIEREGIONEN entwickelte, da (1) die BRAUNKOHLE zum wichtigsten BRENNSTOFF für Industrie & Eisenbahn avancierte, (2) die BRIKETTIERUNG den überregionalen HANDEL förderte, vor allem aber (3) die RENDITEN deutlich über denen landwirtschaftlicher GUTSHÖFE in Hinterpommern lagen.
Dieses AUTOGRAMM auf einem offiziellen SCHRIFTSTÜCK (Antrag der Bergbau-AG zur Genehmigung der Fabrikordnung der Briquettesfabrik zu Reppist) war bei meinen RECHERCHEN über die Person SCHÖPPENTHAU der einzige „LICHTBLICK“ – darüber hinaus fand sich weder ein x-beliebiges FOTO von ihm oder gar seine BIOGRAPHIE, noch in bergbaugeschichtlichen Nachschlagewerken irgendein ARTIKEL über ihn, was offensichtlich dafür spricht, dass MAX SCHÖPPENTHAU zwar wirtschaftlich bedeutend war, persönlich aber nie eine öffentliche Rolle spielte.
Er erscheint bis heute fast ausschließlich als FIRMENINHABER, nicht aber als eigenständige HISTORISCHE PERSÖNLICHKEIT.
Spätestens in den 1880 Jahren trat er in SENFTENBERG als MITINHABER der Handelsgesellschaft SCHÖPPENTHAU & WOLFF auf, die zu den größten PRIVATUNTERNEHMEN des Senftenberger Reviers gehörte, und die GRUBEN >Friedrich Ernst< (1889) & >Anna Mathilde< (1899/1901), die dazugehörigen BRIKETTFABRIKEN sowie eine GLASHÜTTE besaß.
1906 wurde der GESAMTE BESITZ von der Konsolidierten Halleschen PFÄNNERSCHAFT übernommen – ein Vorgang, der damals als bedeutendes wirtschaftliches Ereignis galt.
Mit dem Ausbau des EISENBAHNNETZES schrumpften die wirtschaftlichen Entfernungen, sodass sich ein GUTSBESITZER problemlos an UNTERNEHMEN beteiligen konnte, die hunderte Kilometer weit entfernt lagen. ER musste ja nicht selbst vor Ort arbeiten, denn die LEITUNG übernahmen DIREKTOREN & die technische Führung lag in den Händen von INGENIEUREN & BERGFACHLEUTEN.
Ergo wurde MAX SCHÖPPENTHAU zwar als MITBESITZER von Gruben & Brikettfabriken geführt, war aber faktisch nur KAPITALGEBER & AUFSICHTSRAT.
Seine „DIENSTFAHRTEN“ begannen daher ganz gemütlich mit PLATZKARTE in TRIBSOW bzw. CAMMIN & endeten in BERLIN auf dem >STETTINER BAHNHOF<, der speziell für den FERNVERKEHR von und nach Stettin, Stargard & Danzig im Jahre 1843, nach Fertigstellung der Gesamtstrecke eingeweiht wurde & sich um die Jahrhundertwende zum beliebten „FERIENBAHNHOF“ mauserte.
…und ganz sicher sorgte damals auch SCHÖPPENTHAU’S >STELLVERTRETERPOSTEN< bei der Eisenbahn-Direktion für reichlich „SCHLAFWAGENPLÄTZE“…
MAX von SCHÖPPENTHAU war kein GEOLOGE & auch kein ENTDECKER von Braunkohle-LAGERSTÄTTEN. Er gehörte zur zweiten Generation von BRAUNKOHLEUNTERNEHMERN, deren eigentliche LEISTUNG Ende der 1880er Jahre darin bestand, das KAPITAL, welches offenbar aus landwirtschaftlichem GROSSGRUNDBESITZ in HINTERPOMMERN stammte, für die technische ERSCHLIESSUNG von GRUBENFELDERN bereitzustellen bzw. schon bestehende große, zusammenhängende aufzukaufen, moderne BRIKETTFABRIKEN zur Veredelung der geförderten Kohle zu errichten & deren WERT durch steigende PRODUKTIVITÄT zu erhöhen.
Die allseits bekannte >VILLA SCHÖPPENTHAU< am Steindamm in Senftenberg verwies augenscheinlich darauf, dass der NAMENSGEBER auch sehr publikumswirksam als INVESTOR auftrat & sich zeitweise für wohnliche Zwecke sogar in SENFTENBERG einen repräsentativen Besitz leisten konnte, weil dies schon in seinem FAMILIENNAMEN steckt:
Solche NAMEN entstanden häufig aus der FUNKTION oder dem BERUF eines VORFAHREN und wurden über GENERATIONEN weitergegeben. Der Name SCHÖPPENTHAU bezeichnete ursprünglich eine PERSON, die in größeren HAUSHALTEN oder etwa in KLÖSTERN oder SCHLÖSSERN für die VERWALTUNG von Vorräten, Konten oder Haushaltsangelegenheiten verantwortlich war, ähnlich einem vertrauenswürdigen, aber überwiegend geringverdienenden HAUSDIENER oder KÄMMERER…
Denen war MAX SCHÖPPENTHAU als hochdotierter AUFSEHER bei der BERGBAU AG. selbstredend finanziell weit überlegen…
SCHLUSS FOLGT !