„Als
SIR ROWLAND HILL im Jahre 1840 die
BRIEFMARKE erfand, hätte er es sich nicht träumen lassen, dass sich seine, aus praktischen Gründen in die Welt gesetzten POSTWERTZEICHEN einst zu den begehrtesten SAMMELOBJEKTEN „mausern“ würden. Auch den wegen ihrer LEIDENSCHAFT verspotteten ersten BRIEFMARKENSAMMLERN wäre es niemals in den Sinn gekommen, dass dem GEGENSTAND ihrer heißen LIEBE irgendwann einmal ein besonderer FESTTAG gewidmet werden würde. Heutzutage ist das einst mitleidig über die Schulter angesehene >BRIEFMARKENSAMMELN<, wie manche behaupten, längst WISSENSCHAFT geworden, da jede BRIEFMARKE ein GRAPHISCHES KUNSTWERK darstellt, welches nicht allein der SAMMLER mit Vergnügen betrachtet.
Das BRIEFMARKENSAMMELN wurde in der
KAISERZEIT nach der
REICHSGRÜNDUNG 1871 & nachfolgender Einführung EINHEITLICHER Briefmarken, als bürgerliches, gebildetes HOBBY populär & besonders von Schülern, Beamten und Kaufleuten gepflegt.
„KAISERTREUE“ beherrschte selbstredend die MARKENMOTIVE – allen voran als emotionales SYMBOL für‘s „VATERLAND“ die Figur der >GERMANIA<, gefolgt von Ernst-Moritz Arndt‘s nationale Einheit & Zusammenhalt forderndem APPELL >Seid einig, einig, einig!<, der häufig auf DENKMÄLERN, SCHULBÜCHERN, POSTKARTEN & BRIEFMARKEN zitiert wurde, während die FORMEL >Ein Reich – Ein Volk – Ein Gott< überwiegend auf GEDENKTAFELN in KIRCHEN & in patriotischen LIEDERN Verwendung fand, um die EINHEIT von NATION, MONARCHIE & RELIGION zu betonen. Die etwas abgewandelte, zeitgenössische PAROLE >Ein Volk, ein Reich, ein Kaiser< setzte zu guter Letzt auch noch den IMPERATOR auf GOTTES Thron…
Über die
PHILATELIE in SENFTENBERG & UMGEBUNG lässt sich ein recht typisches, mit einigen regionalen Besonderheiten behaftetes BILD mitteldeutscher KLEINSTÄDTE zeichnen.
Auch in unserer
REGION existierten während des
KAISERREICHS & der WEIMARER REPUBLIK kleinere PHILATELISTENZIRKEL oder ~VEREINE, die sich meist lose organisierten.
In den 1920er & 1930er Jahren wurde das BRIEFMARKENSAMMELN zu einem weitverbreiteten FREIZEITVERGNÜGEN. Einige ZEITUNGSANZEIGEN & VEREINSNOTIZEN aus jener Zeit, speziell rund um den alljährlichen >TAG DER BRIEFMARKE<, belegen beispielsweise, dass es auch in SENFTENBERG regelmäßige TAUSCHTREFFEN gab, oft in GASTSTÄTTEN oder VEREINSHEIMEN.
Die VORTEILE einer solchen MITGLIEDSCHAFT lagen auf der Hand: die ZUSAMMENKÜNFTE waren informativ, vergrößerten das Wissen & man hatte die Möglichkeit, mit VEREINSKAMERADEN zu tauschen und persönliche KONTAKTE zu pflegen. Bei den „besonders feinen Vereinen“ gab es sogar PRÄSIDENT & KASSIERER, ein VEREINSLOKAL & bestimmte TAGE für die SITZUNGSABENDE, woran sich bis heute nicht viel geändert hat…
Während der
NAZIZEIT nahm die VORLIEBE für das SAMMELN der bunten BILDERCHEN stark zu, was nicht zuletzt den SAMMLERGRUPPEN der NS-Gemeinschaft >Kraft durch Freude< zu verdanken war, die das BRIEFMARKENSAMMELN volkstümlich machten, indem man das „KOMPLETTE SAMMELN NACH LÄNDERN“ durch „AUFTEILUNG NACH THEMEN“ vielfältiger & abwechslungsreicher gestaltete…“
Die wirtschaftlich schwierigen Jahre der
WELTWIRTSCHAFTSKRISE und später der
KRIEGSZEIT führten jedoch zwangsläufig zu einem deutlichen RÜCKGANG der organisierten SAMMLERTÄTIGKEIT. Viele VEREINE ruhten während des 2. WELTKRIEGES bzw. lösten sich sogar gänzlich auf.
Dafür regte sich jedoch in den letzten Kriegsjahren 1943/45 der
ANTIFASCHISTISCHE WIDERSTAND in Form von philatelistischen
>POPAGANDAFÄLSCHUNGEN<, die überwiegend von Deutschen in England produziert wurden. So entstand u.a. aus dem >DEUTSCHEN< ein >FUTSCHES REICH< und die vom britischen Geheimdienst zum Einsatz in Deutschland hergestellte seltene BRIEFMARKE zum Gedenken an den Generalfeldmarschall Erwin v. W i t z l e b e n, der zum Zentrum des Widerstandes gehörte und nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Gefälscht wurde hierbei eine GEDENKMARKE für die „HITLERPUTSCHISTEN“ vom 9.11.1923, wobei der prophetische AUSRUF „UND IHR HABT DOCH GESIEGT“ wohl eher deren WIDERSACHER ehrte…
Im Juni 1945 wurden in Mühlhausen/Elbe mit Zustimmung der sowj. Kommandantur HITLER-MARKEN mit
AUFDRUCKEN versehen, z.B. „Deutschlands Verderber“ oder „Blut & Tränen seine Saat, sein Wirken war nur Missetat“, mit denen die PHILATELIE in eindrucksvoller Weise eines der traurigsten Kapitel deutscher Geschichte dokumentierte.
Ab August 1945 waren „überdruckte Hitlerköpfe“ im POSTVERKEHR nicht mehr zugelassen!
Nach
KRIEGSENDE begann sich das VEREINSLEBEN in Senftenberg wieder langsam zu beleben. In der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR wurde die PHILATELIE bald wieder gefördert.
In den späten 1940er Jahren entstanden neue SAMMLERGRUPPEN, die sich zunächst informell trafen. Mit der GRÜNDUNG des Verbandes der Philatelisten der DDR (VDPh) im Jahr 1949 wurden diese GRUPPEN offiziell organisiert.
In
SENFTENBERG bildete sich in den 1950er Jahren eine ORTSGRUPPE des VDPh, die sich regelmäßig zu TAUSCHBÖRSEN im Domizil des KULTURBUNDES, dem sogenannten „KLUB DER INTELLIGENZ“ in der Puschkinstraße trafen & sogar AUSSTELLUNGEN organisierten. Besonders aktiv waren auch die AG‘s „Junge Philatelisten“, die vor allem an SCHULEN viele KINDER & JUGENDLICHE – wie z.B. meine spätere Gattin an der BRIESKER bzw. mich an der HÖRLITZER SCHULE – für das SAMMELN begeisterten.
In den 1960er bis 1980er Jahren nahm SENFTENBERG mehrfach an BEZIRKSAUSSTELLUNGEN teil, etwa im Rahmen der Bezirksorganisation Cottbus. LOKALE AUSSTELLUNGEN in KULTURHÄUSERN oder im KREISMUSEUM waren gut besucht und wurden oft mit Themen zur REGIONALEN GESCHICHTE verbunden.