Senftenberger Siegel von 1423
Verfasst: Sa 4. Apr 2026, 11:57
Senftenberg = Sennftenberc = Senfftenberg, aber mal langsam.
In Neues 166 – 2015-02-01 geht es um selbsterklärende/einleuchtende, also redende Wappen/Siegel von SFB um das Jahr 1423.
Wie Harald dort zeigt und schreibt, hielt er dieses Siegel (Zeichnung/Grafik) von Senftenberg beim ersten Anblick für den Gräsergeschmückten Hut eines Kuhhirten.
Mir als Gesteinesammler ging es ähnlich, ich dachte zuerst: Was für einen großen Findling hat man den da in einer sumpfigen, blühenden, Lausitzer Wiese versenkt?!
Also „beackere“ ich mal das Feld der Semiotik und nehme die Zeichen auseinander! Auf das große Stadtsiegel von 1450 und das/die Wappen gehe ich nicht ein.
Umrandung: (Siegel der Bürger von Senftenberg) civium=Bürger, S= Sigiliu=Siegel, Dc=von der Stadt, Senftenberg.
Am alten „Senftenberg-Wappenstein“ ein Findling aus feinkörnigem Granit am Ortsausgang von Senftenberg, an der Straße nach Hörlitz, ist auf einer Seite das alte Stadtwappen und auf der Anderen das Siegel von Senftenberg vom 09.11.1423 dargestellt.
Siegel ersetzen die eigenhändige Unterschrift und sollen einleuchtend und selbsterklärend sein. Die Bedeutung des Siegels und die dargestellte Abbildung prägen also stets eine nachvollziehbare Einheit!
Hier noch mal das VS=Wappen und RS=Siegel des Senftenberger Wappensteins. Der müsste auch mal gereinigt werden und dann weg von Bäumen!
Was sagt MIR also die nachvollziehbare Einheit des Siegels: Sumpf, Sanft und Senf!
1. Die sumpfige Mulde, ist der langgestreckte Fluss - Schwarze Elster.
Sie fließt unterhalb Senftenbergs im Lausitzer Urstromtal zwischen dem nördlichen Raunoer Weinbergen und dem weiter südlichen Koschenberg.
- Die Mulde, eine damals sumpfige Landschaft, ist bis auf den Fluss Schwarze Elster und die umliegenden Seen (ehem. Tagebaue) heute trocken gelegt. Sie ist einer der meist begradigten Flüsse Deutschlands.
2. Der Berg direkt links neben der Stadt ist eindeutig der sanft ansteigende Raunoer Weinberg/e (159,1 mNHN) nordwestlich von SFB. Siehe Landkarte von 1574! Man beachte die Ortsbezeichnungen!
In „Sanft am Berg“= Senftenberg (101 mNHN) steckt also auch ein Körnchen Wahrheit, dafür fehlt nur der urkundliche Nachweis/Beleg. Also eher ein volkstümlicher Sprachgebrauch.
- Der Berg (Raunoer Weinberge) wurde 1983/84 durch den Tagebau Meuro abgebaggert. Heute liegen dort der aufgeschüttete „Feldherrnhügel“ Reppister Höhe (129 mNHN) und der Großräschener See fast 30m tiefer.
Auf der Straße von SFB zum Weinberg hoch, ging es in den 1950er und -60er Jahren mit dem Fahrrad sanft ansteigend nach oben. Aber von dort ging es steil bergab nach Großräschen, also eine „Schussfahrt nach San Remo“ auf Kopfsteinpflaster und sandigen Radwegen. Hier liegt also auch ein sanftes Körnchen Wahrheit drin!
Der Koschenberg (176,4 mNHN) ist dagegen viel zu weit weg und auf der Räuberstraße bis Großkoschen ist auf dem Knüppeldamm kein nennenswerter Höhenunterschied zu verzeichnen! Großkoschen liegt auch nur auf 106 mNHN. Erst in Großkoschen selbst, also ca. 5 km entfernt, ging es hinauf zum Vermessungspunkt auf den Berg. Heute ist dieser Steinbruch aber ein ca. 35 m tiefes Loch! Abbau von Grauwacke und Diabas.
3. Die zwei Senfpflanzen:
Senftenberg doch nach Senf benannt, was sagt das Netz und Wikipedia:
In Bautzen wird seit 1866 Senf im großen Stil angebaut und verarbeitet. Aber schon viel früher wurde Dill, Zwiebeln, Buchweizen und Senf (teure Gewürze) in den Lausitzer Dörfern selber angebaut.
Eine Lausitz ohne Gewürzgurken, Plinse und Grützwurst ist schon immer undenkbar! Genau so wie es damals nachweislich hier Bienengärten und viele Fischteiche gab!
Humose Böden mit gleichmäßige Wasserversorgung für hohe Erträge waren hier ja reichlich vorhanden! Auch hier liegt ein Senf-Körnchen Wahrheit drin!
- Die Senfpflanzen um Senftenberg sind heute auch verschwunden. Senfanbau gibt es nur noch um Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz, also Regionen in denen noch Senfmühlen betrieben werden.
Senftenberg = Mostrichhügel: Ein Synonym für Senftenberg als Gag gedacht. Wenn du das als Antwort auf deinen Wohnort nennst, geht ein Grinsen über das Gesicht des Fragestellers! Und Senfftenberg mit ff (1574) das ist der „Extra scharfe!“
Im alemannischen, im weit entfernten Baden-Württemberg, schrieb man früher auch für Senf=Sämpf (Sämpfpflanze)
Sempf und Sümpf:
Auf der ältesten Urkunde vom 06.10.1279 zur Festung Senftenberg, des Markgrafen und Erlauchten von Meißen, wird Sennftenberc zwar mit zwei n und am Ende mit c geschrieben und auf der sächsischen Landkarte von 1574 Senfftenberg mit ff.
Verschiedene Jahrhunderte und Länderzugehörigkeiten zu Böhmen, Sachsen oder Preußen führten eben auch zu unterschiedlichen Schreibweisen! Hier ein Auszug der Urkunde von 1279: Brandenburgische Landeshauptarchiv Potsdam (BLAH):
Sümpfenburg, Sümpftenburg, Sempfenbergk, Sämpftenburg, Semptinberg, haben mit unserer heutigen Burg Senftenberg (Festes Haus) nichts zu tun. Hierbei handelte es sich vermutlich um „das alte Schloss“. Eine von Palisaden umgebene hölzerne Rundburg mit Knüppeldämmen, 2 km vor der Stadt! Siehe Link Administrator:
https://digital.staatsbibliothek-berlin ... erview-toc
Sollte Senftenberg doch um einige Jahre älter sein als die erste bekannte Urkunde, so um 800 bis 1079, wird man die Geschichte umschreiben müssen. Dann feiern wir am 06.10.2029 eben 950 Jahre Senftenberg! Und das mit einer neuen, überarbeiteten Chronik.
Geschichte und Siegel sind eben ein bisschen wie Stille Post!
Das war Ehrfried's Semiotik
Bergmann und „Steinfried“ aus SFB
In Neues 166 – 2015-02-01 geht es um selbsterklärende/einleuchtende, also redende Wappen/Siegel von SFB um das Jahr 1423.
Wie Harald dort zeigt und schreibt, hielt er dieses Siegel (Zeichnung/Grafik) von Senftenberg beim ersten Anblick für den Gräsergeschmückten Hut eines Kuhhirten.
Mir als Gesteinesammler ging es ähnlich, ich dachte zuerst: Was für einen großen Findling hat man den da in einer sumpfigen, blühenden, Lausitzer Wiese versenkt?!
Also „beackere“ ich mal das Feld der Semiotik und nehme die Zeichen auseinander! Auf das große Stadtsiegel von 1450 und das/die Wappen gehe ich nicht ein.
Umrandung: (Siegel der Bürger von Senftenberg) civium=Bürger, S= Sigiliu=Siegel, Dc=von der Stadt, Senftenberg.
Am alten „Senftenberg-Wappenstein“ ein Findling aus feinkörnigem Granit am Ortsausgang von Senftenberg, an der Straße nach Hörlitz, ist auf einer Seite das alte Stadtwappen und auf der Anderen das Siegel von Senftenberg vom 09.11.1423 dargestellt.
Siegel ersetzen die eigenhändige Unterschrift und sollen einleuchtend und selbsterklärend sein. Die Bedeutung des Siegels und die dargestellte Abbildung prägen also stets eine nachvollziehbare Einheit!
Hier noch mal das VS=Wappen und RS=Siegel des Senftenberger Wappensteins. Der müsste auch mal gereinigt werden und dann weg von Bäumen!
Was sagt MIR also die nachvollziehbare Einheit des Siegels: Sumpf, Sanft und Senf!
1. Die sumpfige Mulde, ist der langgestreckte Fluss - Schwarze Elster.
Sie fließt unterhalb Senftenbergs im Lausitzer Urstromtal zwischen dem nördlichen Raunoer Weinbergen und dem weiter südlichen Koschenberg.
- Die Mulde, eine damals sumpfige Landschaft, ist bis auf den Fluss Schwarze Elster und die umliegenden Seen (ehem. Tagebaue) heute trocken gelegt. Sie ist einer der meist begradigten Flüsse Deutschlands.
2. Der Berg direkt links neben der Stadt ist eindeutig der sanft ansteigende Raunoer Weinberg/e (159,1 mNHN) nordwestlich von SFB. Siehe Landkarte von 1574! Man beachte die Ortsbezeichnungen!
In „Sanft am Berg“= Senftenberg (101 mNHN) steckt also auch ein Körnchen Wahrheit, dafür fehlt nur der urkundliche Nachweis/Beleg. Also eher ein volkstümlicher Sprachgebrauch.
- Der Berg (Raunoer Weinberge) wurde 1983/84 durch den Tagebau Meuro abgebaggert. Heute liegen dort der aufgeschüttete „Feldherrnhügel“ Reppister Höhe (129 mNHN) und der Großräschener See fast 30m tiefer.
Auf der Straße von SFB zum Weinberg hoch, ging es in den 1950er und -60er Jahren mit dem Fahrrad sanft ansteigend nach oben. Aber von dort ging es steil bergab nach Großräschen, also eine „Schussfahrt nach San Remo“ auf Kopfsteinpflaster und sandigen Radwegen. Hier liegt also auch ein sanftes Körnchen Wahrheit drin!
Der Koschenberg (176,4 mNHN) ist dagegen viel zu weit weg und auf der Räuberstraße bis Großkoschen ist auf dem Knüppeldamm kein nennenswerter Höhenunterschied zu verzeichnen! Großkoschen liegt auch nur auf 106 mNHN. Erst in Großkoschen selbst, also ca. 5 km entfernt, ging es hinauf zum Vermessungspunkt auf den Berg. Heute ist dieser Steinbruch aber ein ca. 35 m tiefes Loch! Abbau von Grauwacke und Diabas.
3. Die zwei Senfpflanzen:
Senftenberg doch nach Senf benannt, was sagt das Netz und Wikipedia:
In Bautzen wird seit 1866 Senf im großen Stil angebaut und verarbeitet. Aber schon viel früher wurde Dill, Zwiebeln, Buchweizen und Senf (teure Gewürze) in den Lausitzer Dörfern selber angebaut.
Eine Lausitz ohne Gewürzgurken, Plinse und Grützwurst ist schon immer undenkbar! Genau so wie es damals nachweislich hier Bienengärten und viele Fischteiche gab!
Humose Böden mit gleichmäßige Wasserversorgung für hohe Erträge waren hier ja reichlich vorhanden! Auch hier liegt ein Senf-Körnchen Wahrheit drin!
- Die Senfpflanzen um Senftenberg sind heute auch verschwunden. Senfanbau gibt es nur noch um Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz, also Regionen in denen noch Senfmühlen betrieben werden.
Senftenberg = Mostrichhügel: Ein Synonym für Senftenberg als Gag gedacht. Wenn du das als Antwort auf deinen Wohnort nennst, geht ein Grinsen über das Gesicht des Fragestellers! Und Senfftenberg mit ff (1574) das ist der „Extra scharfe!“
Im alemannischen, im weit entfernten Baden-Württemberg, schrieb man früher auch für Senf=Sämpf (Sämpfpflanze)
Sempf und Sümpf:
Auf der ältesten Urkunde vom 06.10.1279 zur Festung Senftenberg, des Markgrafen und Erlauchten von Meißen, wird Sennftenberc zwar mit zwei n und am Ende mit c geschrieben und auf der sächsischen Landkarte von 1574 Senfftenberg mit ff.
Verschiedene Jahrhunderte und Länderzugehörigkeiten zu Böhmen, Sachsen oder Preußen führten eben auch zu unterschiedlichen Schreibweisen! Hier ein Auszug der Urkunde von 1279: Brandenburgische Landeshauptarchiv Potsdam (BLAH):
Sümpfenburg, Sümpftenburg, Sempfenbergk, Sämpftenburg, Semptinberg, haben mit unserer heutigen Burg Senftenberg (Festes Haus) nichts zu tun. Hierbei handelte es sich vermutlich um „das alte Schloss“. Eine von Palisaden umgebene hölzerne Rundburg mit Knüppeldämmen, 2 km vor der Stadt! Siehe Link Administrator:
https://digital.staatsbibliothek-berlin ... erview-toc
Sollte Senftenberg doch um einige Jahre älter sein als die erste bekannte Urkunde, so um 800 bis 1079, wird man die Geschichte umschreiben müssen. Dann feiern wir am 06.10.2029 eben 950 Jahre Senftenberg! Und das mit einer neuen, überarbeiteten Chronik.
Geschichte und Siegel sind eben ein bisschen wie Stille Post!
Das war Ehrfried's Semiotik
Bergmann und „Steinfried“ aus SFB