Erste Ringwallanlage Senftenberg vor 2.600 Jahren

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Christian neu in SFB
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Erste Ringwallanlage Senftenberg vor 2.600 Jahren

Beitragvon Christian neu in SFB » Fr 18. Aug 2023, 10:21

Auszug aus einer längeren Abhandlung

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Christian neu in SFB
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Re: Ringwallanlage Senftenberg

Beitragvon Christian neu in SFB » So 24. Sep 2023, 12:38

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Meinen vorangegangenen Beitrag möchte ich an dieser Stelle mal durch ein paar ergänzende
Hinweise zum Thema:

die drei befestigten Anlagen Senftenbergs

erweitern. Das dürfte nicht nur für mich, sondern für viele neu sein, denn da wird doch schon immer so einiges durcheinander geworfen.


.......Und, wenn man die Paulitzchronik, die in diesem Jahr immerhin 100 Jahre alt geworden ist, sich genauer ansieht,
dann muß einem eine Doppelung auffallen.

Und zwar: Es gab anscheinend drei Ringwallanlagen von Senftenberg.

Die Bezeichnungen „Altes Schoss, Alte Burg“ beziehen sich bei Paulitz auf gleich zwei Rundwallanlagen.
Der überlieferte Name „Altes Schloss“ wird immer wieder kolportiert von allen Chronisten und sogar den Archäologen. Der Name hat aber überhaupt nichts mit dem „Aussehen oder der Mächtigkeit“, oder dem „Glanz“ der Anlage zu tun.

Paulitzchronik: Zum ersten für den Burgwall der Früheisenzeit (um 620 v.d.Z.)(Koordinaten siehe Grafik) und zum zweiten für einen frühslawischen Rundwall, ebenfalls im Laugk(Koordinaten siehe Grafik).
der von Paulitz in die Zeit um 700 n.d.Z. datiert wird (was mit Sicherheit nicht stimmt, wenn man nach neuesten Forschungen die Einwanderung der Slawen in die Lausitz erst ins späte 7. Jahrhundert datiert (Vergl. Auch Knothe, in Rechtsgeschichte der Lausitz.). Die eingewanderten Slawen haben fast 200 Jahre auch ohne Burgen hier gelebt. Erst im späten 8. Jahrhundert fing der Burgenbau in der Niederlausitz wieder an, was mit den äußeren Umständen zu tun hatte. „Aus den verschiedensten Stammesfehden oder Angriffen durch die Deutschen mag sich wohl die Notwendigkeit der Errichtung von Erdschanzen ergeben haben. Eine solche Erdschanze ist auch der im Senftenberger Laugk hinter dem Wolfsgarten belegene Rundwall, welcher gemeinhin „Das alte Schloss“ heißt.“
PAULITZ schreibt dazu ebenfalls: „daher leben diese Hügel im Volksmunde als Hussitenschanzen und Schwedenschanzen fort. Andere heißen Schlossberg, Altes Schloss und dergleichen“.

Im Frühmittelalter gab es insgesamt ca. 40-60 ringförmige Wallanlagen in der Niederlausitz. Sie wurden z.B. vom slawischen Stamm der Lusitzi errichtet und waren meist nur „Fluchtburgen“.
D.h. die Bevölkerung wohnte in unmittelbarer Nähe und nutzte die Anlage nur zum eigenen Schutz während einer Bedrohung. Solche Rundstätten dienten früher als Gerichtsstätten ( vgl. Senftenberg, in slavisch Kommorow : Gericht), oder vorläufige Zufluchtsstätten in Fehdezeiten bei plötzlichen Überfällen.
Und so ist es nicht verwunderlich, das unter der slawischen Bevölkerung das spätere Senftenberg noch lange den Namen Kommorow führte.

Dann gab es noch eine dritte Wallanlage die nach dem Sieg über die Slawen, von deutschen Rittern auch in den Sumpf gebaut wurde. Um 1000 u.Z. [die "Sümpfenburg]
Und darauf bezieht sich die verklausulierte Beschreibung von Paulitz: „Das der zweite Rundwall , „altes Schloß“ genannt [der slawische Rundwall!], nicht die Stätte sein kann, wo die erste feste „Sümpfenburg“ gestanden hat [der dritte Rundwall]. Das geht schon daraus hervor, daß die Stadt wohl nie an einer anderen Stelle gestanden hat, und Burg und Stadt gehören, wie überall, so auch hier, unmittelbar zusammen.“ Er schreibt dazu: „ Bald nach der Besiegung der Wenden durch die Deutschen legten die Ritter im Auftrage des Landesherren mitten in die Sümpfe
der schwarzen Elster eine Burg an, die ist die „Sümpfenburg“, die Burg im Sumpf. „
Und weiter:
„Die vielfach verbreitete Meinung, dieser Rundwall [ hier bezieht sich Paulitz wieder auf den zweiten, den slawischen Rundwall !] sei die Stätte worauf zuerst die Burg Senftenberg gestanden hat, beruht aber auf einem großen Irrtum.
Es ist durch sachverständige Gelehrte, wie Friedel [Direktor des Provinzialmuseums] aufs klarste bewiesen worden, dass sie weiter nichts ist als ein vorslawischer Rundwall war, da sie darin keinerlei Mauerwerk, auch nicht einmal den für die Holzburg nötigen massiven Unterbau vorgefunden hatten" (Vergl. Auch Knothe, in Rechtsgeschichte der Lausitz).
Erste Vorläufer der Festung [damit ist die Sümpfenburg gemeint] gab es schon im 11. und 12. Jahrhundert. Darüber ist sehr wenig überliefert.
Reste der Vorgängerbauten wurden bei Ausgrabungen unter den Kellerböden des Westflügels in Form von Bodenverfärbungen festgestellt,
die von den Spitzen der hölzernen Palisaden stammen. Unter dem Nordflügel befindet sich das Fundament eines rechteckigen Turmes.
Im 13. Jahrhundert wurde eine Burg errichtet, deren Ziegelringmauer beim Bau des Schlosses zum großen Teil als Fundament weitergenutzt wurde.

Für meine Begriffe hat dies schon oft zu Irritationen und Verwechslungen geführt und zwar weil:

- auch der dritte Rundwall, "Sümpfenburg" anfangs eine Holz-, Erdekonstrution war ! Erst später ist diese deutsche Ritterburg nach und nach aus Stein gebaut und im Laufe der Jahrhunderte zu unserer jetzigen Festung Senftenberg geworden.
- auch die Verortung dieser dritten Wallanlage, "Sümpfenburg" immer mit dem Sumpf.... irgendwo da draußen... , wie Paulitz schreibt "mitten in die Sümpfe" assoziiert wird.
Dabei hat der Sumpf unmittelbar neben der späteren Stadt bereits angefangen Schauen wir uns heute nur mal die winzige Entfernung vom ehem. Schloßtor zur Festung an.

Nur die ersten beiden Wallanlagen waren in 1, bzw. 2 km Entfernung von der späteren Stadt im "tiefen" Sumpf.
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vorgermanischer und slawischer Rundwall im Laugk.jpg



Also halten wir fest es gab drei bekannte Wallanlagen im Senftenberger Laugk.

Zu unterschiedlichen Zeiten- und auch an drei verschiedenen Stellen, aber alle in der nahen sumpfigen Umgebung Senftenbergs !!



Ich fasse zusammen:

Erste Rundwallanlage mit Palisaden in der frühen Eisenzeit, etwa 620 v.d.Z., also vor 2.600 Jahren in der von den Kelten begründeten Hallstattkultur.
Welche gemeinhin auch „Das alte Schloss“ heißt.
Gebaut von vorgermanischen Stämmen im Laugkfeld. 51° 31,584 N, 14° 1,997 O, Höhe über NN 101,5 m

Zweite Rundwallanlage nach 850 u.Z.. Welche gemeinhin auch „Das alte Schloss“ heißt. Gebaut von dem slavischen Stamm der Lusitzi, gebaut im Laugkfeld.

Dritte befestigte Anlage ist die erste feste „Sümpfenburg“, erbaut von deutschen Rittern ab/ um etwa 1.000 n.d.Z, gebaut im Laugkfeld.
Ebenfalls noch als Palisadenanlage errichtet. In unterschiedlichen Zuständen, aber immer an derselben Stelle, die heutige Festung mit dem Schloß Senftenberg,
gebaut direkt neben der Stadt Senftenberg im Sumpf. Ab dem 12. Jahrhundert über viele Jahrhunderte hinweg. Dann ab dem 16. Jahrhundert als Festungsbau.

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Christian neu in SFB
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Re: Erste Ringwallanlage Senftenberg vor 2.600 Jahren

Beitragvon Christian neu in SFB » Fr 24. Nov 2023, 19:55

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Das Modell des Ringwalles ist fassst fertig, Heute aber schon mal ein
sogenanntes Lebensbild des Ringwalles von Senftenberg von vor 2.600 Jahren (ein gängiger Begriff bei Archäologen) ,
das ist die Implimentierung eines Gegenstandes in seine ursprüngliche Umgebung.


Ich habe dieses Bild nach unserem Originalmodell gemalt und zwar mit Blick aus Nordnordost, so das im Vordergrund das Zangentor zu sehen ist
Am Horizont der damals fast undurchdringliche Wald und rings um die Ringwallanlage Wasser und das Moor des Laugk

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Ringwallanlage Senftenberg vor 2600, Gemaelde im Laugk.jpg


Als Vergleich das Originalfoto unseres Modells des Ringwalles (natürlich auch aus NNO)
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IMG_20231030_133920.jpg

Christian neu in SFB
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Re: Erste Ringwallanlage Senftenberg vor 2.600 Jahren

Beitragvon Christian neu in SFB » Di 12. Dez 2023, 11:35

Meine Recherchen zur Ringwallanlage im Senftenberger Laugk sind endlich beendet.
Auch das Modell der Ringwallanlage ist jetzt fertig und hält einer wiss. Prüfung stand.

Mir ist es jetzt nach fast 6 Monaten endlich gelungen den kompletten Grabungsbefund zu erhalten.
Aus Warschau/ sollte man nicht meinen. Aber so ist es !
Meine Bemühungen im Goetze Archiv Weimar und Jena, oder im Museum Görlitz, in Thüringen, oder etliche andere Versuche in Universitäten
scheiterten bereits schon daran, daß angeschriebene Adressaten es nicht mal für nötig erachteten zu antworten.

Bloß mal als Tipp, wer über die Niederlausitz forscht: die Unis in Paderborn, Heidelberg, München, oder San Francisco haben die besten Digitalisate und nicht Potsdam, oder Görlitz.
So, wie mir es früher bei meinen Forschungen zu Preussen erging, als ich das beste Material in Dresden fand und nicht in Berlin.

Online ist darüber hinaus äußerst wenig KOMPLETT zu finden, weil auch Digitalisate noch immer Mangelware sind.

Einen regelrechten eigenen Grabungsbefund hat Dr. A. Goetze nach meinem jetzigen Ergebnis auch gar nicht erstellt.
Erst Dr. Joachim Herrmann, neben Prof. Unverzagt, einer unserer Prähistoriker in der DDR, hat sich 1969 die Arbeit gemacht
aus sieben von A. Goetze hinterlassenen Oktavheften (!) einen Grabungsbericht zu erstellen.

Bestätigt in meinen Forschungen (vom Museum für Ur- und Frühgeschichte in Berlin) wurde allerdings, daß tatsächlich 1941 bei einem Brand
im dortigen Burgwallsaal sämtliche Kisten mit enorm viel Fundmaterial aus der Grabung 1931/32 aus Senftenberg Opfer der Flammen wurden.
(Mitteilung von W. Unverzagt am 4.5.1941 an A. Goetze „die Kisten aus Senftenberg zugrunde gegangen beim Brand des Burgwallsaales“)

Lediglich 6 Stücke sind im Stadtmuseum in Senftenberg erhalten geblieben, darunter eine Bronzenadel.

Mein Bericht wird im "Kippensand 2025" erscheinen.
Deshalb hier an dieser Stelle nur nochmal ein paar Ergänzungen die zu meinem obigen Bericht noch hinzugekommen sind:

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Ergaenzung1.jpg

Im Senftenberger Burgwall vor 2.600 Jahren gab es den Vorwall und das Schleppdach (wie hier in Biehla) hinter der Wallanlage nicht.
Auch die aus Biskupien bezeugten Annäherungshindernisse (im nächsten Bild) sind hier nicht gefunden worden
Ansonsten kommen die Schemata aber hin.

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Ergaenzung4.jpg

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Der maßstabgetreue Nachbau des ersten Burgwalles von Senftenberg hat alle Befunde in Bezug auf den Abstand der Häuser zueinander,
der Größe der Häuser, der Breite der Gassen, der Freifläche hinter dem Tor, der kleinteiligeren Bebauung zur Ringstraße hin- maßstäblich bestätigt.
Ebenso maßstabgetreu nachgebaut haben wir die Häuser von 6 mal 8 m, bzw. der größeren 8 –mal 10 m. So kommen wir auf eine abgebildete Anzahl von 26 Häusern
die sich auch aus der Pfostenlochdatei ergeben. Es würden sogar maximal 28 Häuser ins Modell passen.

Dies läßt aber eine völlig neue Schlußfolgerung zu:
Wenn die Überlegungen von A. Goetze und J. Herrmann zutreffen und ca. 650 Menschen hier gewohnt haben, dann kommen wir bei 26 Häusern
auf eine Gesamtbruttowohnfläche von ca. 1.664 qm. Geteilt durch die vermuteten 650 Bewohner insgesamt, ergibt das einen überdachten Lebensraum von nur 2 bis 3 qm pro Person.
Und, bei angedachten 26 bis 28 Häusern, kämen wir im Schnitt auf 17 bis 32 Bewohner für ein brutto 50 bis 80 qm großes Haus. Zumal man die vielen Einrichtungsgegenstände noch hinzurechnen muß, die benfalls den Platz für die Bewohner reduzieren

Das erscheint mir als völlig unrealistisch. Deshalb zweifle ich die Gesamtanzahl der Bewohner von 650 an und würde sie eher auf maximal 350 bis 400 nach unten korrigieren.

Das Nutzvieh ebenfalls in den Häusern unterbracht war ist nicht durch Funde belegt worden und auch in Anbetracht der obigen Statistik völlig unmöglich.
Zumal die Wegung zwischen den Häusern mit nur 2,5 bis 3 m breiten Gassen weder für Vieh noch für Gespanne nutzbar gewesen sein dürften
und die gesamte Innenfläche des Burgwalles gerademal 8.500 qm betragen hat.

Meinen Zweifel könnte ich noch damit ergänzen, dass 650 Menschen nur für den LEBENSUNTERHALT am Tag einen Trinkbedarf von fast 2000 Litern hätten,
das ist, nur mal als Hausnummer, das Fassungsvermögen von 11 Badewannen pro Tag.......... und das bei nur einem gefundenen Brunnen ????
Da will ich noch nicht einmal weiteren Wasserbedarf für Handwerk oder ähnliches hinzurechnen, oder mir den Winter mit Frost ausmalen.
Zuletzt geändert von Christian neu in SFB am Fr 26. Jan 2024, 15:43, insgesamt 1-mal geändert.

Christian neu in SFB
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Statistik der Ersten Ringwallanlage vor 2.600 Jahren im Laugk

Beitragvon Christian neu in SFB » Mi 24. Jan 2024, 14:34

Statistik Wallanlage.jpg


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