Senftenbergs Chronisten und Maler

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Christian neu in SFB
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Senftenbergs Chronisten und Maler

Beitragvon Christian neu in SFB » Do 13. Jul 2023, 10:56

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Senftenbergs Chronisten und Maler
Teil 1


Über unsere Altvordern die vor uns schon lehrten die Geschichte zu bewahren:

Chronisten erfüllen eine wichtige kulturell, dokumentarische und geschichtliche Aufgabe für das jeweilige Dorf bzw. für deren Gemeinde. Sie halten das Geschehen und besondere Ereignisse der Gegenwart auf Ort- und Gemeindeebene in Jahreschroniken in Wort und Bild für die Zukunft fest.


1. Johann Kittel(n), (Chronist)
Kittel Chronik 1681


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A1 Cover Kittel anales 1618.1.jpg

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A2 Cover Kittel anales 1720_ 2..jpg


Johann Kittel(n) verfasste die Annales Senftenbergenses, Manuscripti , kurz genannt; „Kittel-Chronik 1681“, darinnen der Stadt, Vestung und Ambtes Senfftenberg in Meissen denckwürdige Geschichte, sambt dero Geist- und weltliche Regenten etc. beschrieben - Mscr.Dresd.L.302: Aus allerhand Schrifften, auch alter beglaubter Leute Erzehlung, zumtheil auch eigner Erfahrung. Herausgegeben unter Mitwirkung von Johann Conrad Knauth.

In Ermangelung ausreichender Kenntnisse der deutschen Kurrentschrift ist es mir versagt das handschriftliche Dokument (Abb.2) zu entziffern.


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A3 Cover Kittel anales 1618.1.jpg


Sehr vieles was wir später in der Liebusch und der Paulitz Chronik zu Senftenberg und zur Niederlausitz lesen werden hat Johann Kitteln bereits in seiner „Annales Senftenbergenses 1681“ beschrieben. (allerdings nur 50 Seiten stark, daraus eine aussagefähigere Chronik zu erarbeiten bleibt insbesondere Paulitz vorbehalten)
[b]Eine hervorragende Quellensammlung zu unserer Stadt bis zum Ende des 17. Jahrhunderts.

Fündig wird auch insbesondere der Forscher der über altes Eigentum an Ländereien recherchieren will, oder welche Familien welche Ämter innehatte. [/b]

2. Georg Christoph Kreyßig, 1695 – 1758 (Chronist)(onleihe.de)



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A4 Cover Kreyssig Chronik 1732.jpg


Kreyßig wurde am 7. Oktober 1695 im erzgebirgisch- sächsischen Dörfel geboren und verstarb nach schaffensreichem Leben am 13. Januar 1758 in Dresden.
Als Regionalhistoriker und Buchhändler hat er sich einen Namen gemacht als er die Geschichte zur Regional- und Landesgeschichte in Obersachsen erforschte und niederschrieb („Annales von Senfftenberg 1761“, erschienen nach seinem Tod)

Mit namhaften Gelehrten und Freunden seiner Zeit (z.B. Knauth, Horn, Schöttgen) stellte er mehrere mehrbändige Quellensammlungen zur sächsischen Landesgeschichte (eines hat allein 695 Seiten) zusammen.

Er gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter einer wissenschaftlich fundierten Landesgeschichtsschreibung in Sachsen.

In o.g. Werk beschreibt er gleich auf der ersten Seite: „Geneigter Leser, ich liefere dir hiermit ein Buch in die Hände das aus etlichen tausend anderen in eines gebracht worden. Die Sache selbst hat es nicht anders erfordert und vermocht. Doch ich bin unter denen Ober-Sachsen nicht der erste, der sich solche Mühen gemacht, ausser, daß ein jeder nach seinem Endzweck es kurz, oder weitläufig eingerichtet hat……… zumal einige derer darüber gestorben sind “ (Dreßden den 23. April 1732)
P.S.: schön, daß ich diese Zeilen in seinem Werk lesen konnte, denn nun folgt extrem viel in lateinischer Sprache wobei zu erkennen ist, dass er ein Verzeichnis von geschichtlichen Quellen bis aus dem 15. Und 16. Jahrhundert auflistet.
z.B. : wer wußte, daß ein Jocob Welber von Weinbach eine Abhandlung über den Schmalkaldischen Krieg bis 1553 verfasst hat?
Etliche seiner noch zu Lebzeiten verfassten Forschungsergebnisse werden nach seinem Tod von anderen Forschern mit Bezug auf Kreyßig herausgegeben.




3. Georg Liebusch, 1788 – 1867 (Chronist)
Liebusch Chronik 1827


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A5 Cover Georg Liebusch.jpg
(Foto nicht authentiscch)
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A6 Cover Georg Liebusch _Skythia.jpg


Georg Liebusch wurde geboren am * 21. März 1788 in Sohra bei Bautzen. Sein Leben beendet hat er am † 27. September 1867 in Senftenberg.
Er war Pfarrer und Historiker. Ab 1818 Oberpfarrer und Adjunct der Spremberger Superintendentur zu Senftenberg. Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften und Verfasser von Schriften zur lausitzischen Geschichte.
„Es ward ihm leicht, sich den Wortschatz und die Gesetze der alten Sprachen, besonders des Lateinischen anzueignen. Die hatte darin seinen Grund, daß er schon einmal einen ähnlichen geistigen Prozeß hatte durch machen müssen, als er sich von seiner Muttersprache, dem Wemdischen aus die deutsche aneignen mußte.“ (Nachruf von P. Liebusch aus Rietzdorf bei Dahme“): Als Pfarrer war er der letzte, oder einer der letzten Prediger in wendischer Sprache. Auch sorbische Druckwerke wurden verboten und es gab keine Genehmigungen mehr für das Drucken in sorbischer Sprache. Ende des 19. Jahrhunderts haben noch etwa 70 Prozent der Einwohner von Kleinkoschen wendisch gesprochen wie in den anderen Dörfern.
Liebusch hat im Laufe seines Lebens eine Unmenge an literarischem Werk hinterlassen, z.B. „Sagen aus Muskau und dem Park“, Die Römerschanzen und der Römerkeller bei Costebrau im Amtsbezirke Senftenberg“. Einige seiner theologischen und geschichtlichen Werke sind heute allerdings eher schwere Kost: „Girolamo Savonarola`s letzte Betrachtungen…“„Skythika, oder etymologische kritische Bemerkungen über alte Bergreligion und späteren Fetischismus. Mit besonderer Berücksichtigung der slavischen Völker- und Götter-Namen“, „Wodurch heilet Gott die Seelen Krankheiten der Sünder ?...“, „Wie wacht der Christ über seine sittliche Würde bei großen Zerrüttungen und Umwandelungen…“
Sein geschichtliches Hauptwerk für unsere Region war die 1827 veröffentlichte die Chronik der Stadt und des Amtes Senftenberg bis zum Jahre 1539.

Seine Chronik ist heute kaum mehr zu bekommen. Aber ein Essay seines Originaltextes (64 Seiten) können wir eben im Anhang von Johann Carl Büttners „Selbstbiografie“ lesen.
Und ebenso sind viele Passagen seiner Recherchen in der Chronik des Johann Gottlob Paulitz wortwörtlich wiedergegeben, die wiederum in einigem Maße von Johann Kittel stammen.




4. Johann Gottlob Paulitz, geb.1839, gest.1926 (Chronist)
Paulitz- Chronik 1892 - 1923



Johann Gottlob Paulitz, Hauptlehrer i.R. und als Kantor in Rauno tätig hat in seinen Heften 1 – 31 zwischen 1892 und 1923 (1925 gebundene Ausgabe) die Chronik der Stadt Senftenberg und der zum ehemaligen Amte Senftenberg gehörigen Ortschaften nach authentischen Quellen (so der Untertitel) bearbeitet. Sie stellt die Geschichte von Senftenberg und der Umgebung von 1.000 v.u.Z. bis circa 1920 dar. Die Chronik umfasst circa 1.000 Seiten. (als pdf heute hat sogar 1500 Seiten.
Verleger waren zu Großenhain Grubann, Starke & Sachse, Liepsch & Reichardt, Erscheinungsort Senftenberg, Großenhain, Dresden. (Digitalisat SLUB Dresden)

In der „Paulitz Chronik“ sind die Recherchen aus den drei Chroniken übernommen worden.
Allerdings ist hervorzuheben und zu betonen, dass es ihm zu verdanken ist, der er sehr viele eigene weiterführende Forschungen zur Chronik der Stadt Senftenberg durchgeführt hat.


Und seine Chronik ist deshalb zu aller Recht unser heutiges Standardwerk für die alte Geschichte unserer Heimatstadt Senftenberg.
Seine Chronik ist auch die populärste und am Besten lesbare Abhandlung!

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A7 Cover Paulitz Chronik 1892-1925.jpg

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A8 Cover 2 Paulitz Chronik 1892-1925.jpg


Auszug aus seiner Chronik: „Die Nachrichten über Stadt und Amt Senftenberg sind aus jener Zeit [13.Jh.] natürlich noch sehr spärlich. Urkundlich wird der Name SENFTENBERG zuerst 1290 erwähnt.“
und an anderer Stelle:
„Die Gründung KOMOROW’s, des späteren SENFTENBERG’s hat demnach höchst wahrscheinlich um das Jahr 600 n.Chr. stattgefunden.“


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A9 Gruendung um 600 n.Chr..jpg

Postkarte ungelaufen, Verlag Th. Wendisch, Berlin, um 1907 Im Titel ...Gründung um 600 n.Chr. ...





Mit einer Mär muss ich an dieser Stelle aber aufräumen. Es gibt keine „Büttner- Chronik“!

Carl Büttner 1754 – 1849, 1754 zu Lauta - Dorf geboren, Sohn des Pfarrers Johann Ehregott Büttner absolviert eine Ausbildung zum Chirurgen in Kamenz. Er bereist viele Länder Europas bis nach Belgrad. Und war ihm Europa zu klein, wanderte er nach Nordamerika aus. Dort will es das Schicksal aber nicht gut mit ihm meinen, denn er wird ein weißer Sklave und muß harte Arbeit verrichten. Kann später fliehen und nimmt als Aktiver (auf wechselnden Seiten) an den in den 1770ger Jahren beginnenden Bürgerkriegen teil. 1774 kehr er wieder nach Europa zurück in sein Heimatdorf Lauta.
Nun will er seine Lebensgeschichte als Selbstbiografie vermarkten und er wird „Johann Carl Büttner – der Amerikaner“ (1827, Teil 1 und 2, 1835)
Carl Büttner ist hauptberuflich jetzt Amtschirurg von Senftenberg doch sein Salär ist so gering, dass er Tabakbeutel nähen muß, um seine Einkünfte aufzubessern.


Büttner entblößte sich aber selbst der fremden Federn:

In einem Briefwechsel, den der Heimatforscher Harald Gleisner gefunden hat, zu seinem Buch schreibt Büttner wörtlich: „Ich hatte in meiner Selbstbiographie versprochen in dieselbe einige interessante Nachrichten aus der Chronik zu Senftenberg aufzunehmen.
Um dieses mein Versprechen erfüllen zu können, wandte ich mich an den hiesigen Herrn Oberpfarrer und Ephorie-Adjunct Liebusch, von welchem ich wußte , daß er sich für die Geschichte der Stadt und des Amts Senftenberg interessire, mit der Bitte: mich gefälligst und gütigst in den Stand zu setzen, mein gegebenes Wort lösen zu können.
Dieser erwiderte aber: daß, so gern er meinem Wunsche genügen wolle, er sich es nicht verhehlen könne, daß durch die Aufnahme mehrerer Nachrichten aus der Localgeschichte in meine Selbstbiographie der Charakter und die Gestalt selbiger sehr verwischt und entstellt werden würde. Da mir der Grund dieses Einwandes einleuchtete, so wagte ich…die Bitte an ihn: mir das Manuscript, so weit es fertig wäre, gütigst zu überlassen, damit ich es als Anhang zu meiner Selbstbiographie abdrucken lassen könnte. Mein dringendes Bitten war nicht vergeblich…“

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hier ist die Chronik noch Anhang seiner Selbstbiografie
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A11 Cover Buettner Chronik.jpg

hier ist die Chronik schon ein extra Buch von „ihm“

In seinem eigenen Vorwort schreibt Büttner sogar: „Ich hoffe, daß sowohl die jetzigen Bewohner des Senftenberger Amts-Bezirkes, als auch die künftigen Geschlechter mir einigen Dank für die Herausgabe dieses Auszuges wissen werden. Sehr danke ich dem hochverehrten Manne durch dessen Güte ich zweiundachtzigjähriger Greis in den Stand gesetzt worden bin, auch diesen Theil der Senftenberger Chronik ediren zu können, Senftenberg, im August 1835“.
Er unterlässt es auch hier den „hochverehrten Manne“ mit Namen zu nennen, dessen Werk er sich aneignete (Georg Liebusch)
Büttner also heute zum „Heimatforscher“ zu machen hieße ihn zu Karl- Mayisieren.





5. Friedrich Wilhelm Ziethe (Chronist)
* 11. November 1824 in Senftenberg; † 1901 in Berlin), Theologe und Verfasser von Jugendbüchern.


Beitrag folgt noch...........
Prediger Ziethe als Heimatschilderer, in: Bibliothek des Brandenburgischen Landeshauptarchivs Aus der Heimat. Für die Heimat (erst ab 1924 online verfügbar) . Beilage des "Senftenberger Anzeigers" 2 (1928), Nr. 25, S. 1 f.




6. Carl Georg Grubann, 1848 – 1921 (Chronist)

Dem Grubann-Verlag und Buchdruckerei – gebührt Dank und Anerkennung !

In die Liste der Chronisten gehören nach meiner Auffassung nicht nur die verdienten Autoren einer als Buch gefassten Chronik, sondern z.B. auch Journalisten und Autoren, die sich um die Heimatgeschichte durch immer wiederkehrende Artikel einen Namen gemacht haben und uns damit viel Archivmaterial hinterließen.
Carl Georg Grubann (1848 – 1921) kam 1873 von Uhyst nach Ruhland, um hier eine Buchdruckerei zu eröffnen. 1875 begründete er eine regionale Zeitung, „Schlesisch-Sächsischer Anzeiger, Blatt für Unterhaltung und Geschäftsverkehr“ Der Name wurde bereits im Oktober des Gründungsjahres auf die prägnante Bezeichnung Elster-Chronik geändert. Der industrielle Aufschwung ermöglichte ihm die Expansion des Betriebes nach Senftenberg .
Carl Georg Grubann war ab 1892 auch Verleger des „Senftenberger Anzeiger“s (1875–1924 Markt 11, Senftenberg, danach Laugkstraße 19). Der Senftenberger Anzeiger hatte sechs Lokalausgaben: Elster-Chronik, Ortrander Stadtbote, Wochenblatt für Altdöbern, Grossräschener Anzeiger, Lautawerks-Anzeiger, Annahütter Werksbote.


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A12 Cover Elster-Chronik,_Oktober_1875.jpg

erste Oktober-Ausgabe 1875


1919 hat Grubann die Geschäfte seinen beiden Söhnen Georg (gest. 1945) und Edmund übergeben. In lokalen Archiven findet sich nach Dezember 1933 die „Elster-Chronik“ nicht mehr.
1947 wurden der Verlag und alle Betriebsteile enteignet. Die Druckerei in Ruhland wurde VEB Lausitzdruck Ruhland. Ab August 1952 wurde die „Lausitzer Rundschau“ als Organ der SED- Bezirksleitung Cottbus gegründet. Der Senftenberger Anzeiger wurde Lokalteil. Die Lausitzer Rundschau erscheint immer noch täglich mit Regionalausgaben in Senftenberg.



7. Dr. Rudolph Lehmann, 1891 – 1984 (Chronist)

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A13 Dr. Rudolf Lehmann.jpg

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Friedrich Adolf Rudolf Lehmann wurde am 16. September 1891 geboren in Staßfurt und verstarb am 14. Januar 1984 in Marburg. Er war ein deutscher Historiker und Archivar.
Geboren als Sohn des Volksschullehrers und Kantors Rudolf Lehmann, siedelte er im Juli 1900 mit seinen Eltern nach Senftenberg über. 1949 wurde er Archivleiter in Lübben. Er betrieb den Ausbau des alten Niederlausitzer Ständearchivs zu einem Landesarchiv .
Aus: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte, 71(2020 S. 295) rezensiert von Vinzenz Czech: „Rudolf Lehmann war ein Historiker und Archivar am Rande der DDR“ Die Edition der Tagebücher Lehmanns, gibt einen umfassenden Einblick in Bedingungen und Voraussetzungen geschichtswissenschaftlicher Betätigung in der Frühzeit der DDR. Lehmann macht in seinen Bemerkungen keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber den herrschenden Zuständen („Jämmerlichkeit und Schwäche der sog. Regierung“ Eintrag am 17. Juni 1953). Spätestens mit der Veröffentlichung zweier seiner Werke in Westdeutschland wurde er von der Obrigkeit mit Misstrauen beäugt und als politisch unzuverlässig eingestuft. Zu seinem zwangsläufigen Ausscheiden aus dem Archivdienst 1958 schreibt er „wieder ist ein Lebensabschnitt beendet, wann wird’s der letzte sein?“
Der gesamte historische Bestand des von ihm aufgebauten Lübbener Landesarchiv wurden ans Brandenburgische Landeshauptarchiv Potsdam überführt. Nach dem Mauerbau 1961 wurden wissenschaftliche Kontakte über die innerdeutsche Grenze immer schwerer, und als 1962 auch die Archivbibliothek Lübben nach Potsdam verbracht wurde, war an eine Weiterarbeit nicht mehr zu denken.
Dies mündet schließlich 1964 in seine Übersiedlung nach Marburg im Alter von 73 Jahren.
Einige seiner Werke sind „Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz“ 1916, „Aus der Vergangenheit der Niederlausitz“. Vorträge und Aufsätze. A. Heine, Cottbus 1925, „Geschichte des Wendentums in der Niederlausitz“ 1930, „Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz“ um nur ganz wenige zu nennen.
Geschichte des Markgrafentums Niederlausitz (1937)
„Für unsere Betrachtung bleiben hauptsächlich noch die ebenfalls an einer alten Straße von der Elbe und Elster her nach Schlesien liegenden Städte Finsterwalde und Spremberg, ferner die ähnlich wie Calau etwas abseits liegende Stadt Senftenberg übrig. Alle drei sind grundherrliche Gründungen; ihr Ausgangspunkt ist die Burg, unter deren Schutze sich eine Siedlung entwickelte“.
Senftenberg wurde nach ‘Lehmann als „civitas erstmalig 1279 erwähnt.“




8. Heimatforscher (Chronisten)


Es ist zwar nicht immer gleich eine komplette Chronik geworden, aber viele unsere Vorfahren haben sich seit eh und je mit unserer Geschichte beschäftigt. Dieses niedergeschriebene Wissen diente den Chronisten auch als Basismaterial.
In der Beilage des Senftenberger Anzeigers erschien ab 1926/28 (Jhrg. 1-2) “Aus der Heimat für die Heimat“ als Organ der Heimatvereine von Senftenberg und Ruhland. Auch wieder in Regie des Grubann-Verlags.
Man könnte sagen das war der Vorläufer des von Rolf Radochla und dem Heimatverein Senftenberg heute herausgegebenen Heimatkalenders „Kippensand“. Viele Heimatforscher für Senftenberg und die Niederlausitz haben damals in “Aus der Heimat für die Heimat“ publiziert. Darunter auch so renomierte wie Dr. Rudolph Lehmann und Friedrich Wilhelm Ziethe.

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A15 Aus der Heimat f.d.Heimat, Senft. Anzeiger 1926, 1. Jahrg., 2..jpg

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A18 Aus der Heimat f. die Heimat 1. Jhrg. 1926,1.jpg


Hier nur mal ein paaaaar Namen von Heimatforschern:

F. von Artus, Adolf Behr, Kurt Bergau, Fritz Bode, Georg Bogatt, Otto Damerau, Mattias Eder, Albert Espen, Oskar Foerster, H. Glienke, Goldacker, Hans Goldemann, Fritz Hartmann, E. Henze, O. Kluge, H. Krüger, Rudolf Lehmann, August Lukas, Otto Lukas, Paul H. Bogoldt Mattischek, E. Mierow, P. Mandrick, Paul Ruß, Siegfried Ochs, Walter Prinzler, Paul Richter, Friedrich Roch, F. Rosemann, Willy Schützler, Berhardt Schwitteck, Karl Sonnenschein, Otto Strack, Robert Albath, F.v. Artus, Curt Vergau, Oswald Bergener, Siegfried Boelcke, A. Strukat, Hans Telle, W. Walder, Georg Werchau, H. Werda usw. usw. usw.
Wir sehen viele viele Heimatfreunde haben sich schon immer mit unserer Geschichte beschäftigt, recherchiert, aufgeschrieben und diesen Schatz uns, der Nachwelt erhalten.


So wollen wir es auch tun !


Aus Platzgründen >>>>>> SIEHE BITTE WEITER TEIL 2 <<<<<<
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Christian neu in SFB
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Senftenbergs Chronisten und Maler Teil 2

Beitragvon Christian neu in SFB » Fr 14. Jul 2023, 10:39

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Teil 2
"Senftenbergs Chronisten und Maler"




I. Urkundliche Ersterwähnung Senftenbergs am 6. Oktober 1279


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A19 Cover erste urkundl. Erwaehnung SFB 1279.jpg

(aus senftenberg.de)

„Am 6. Oktober des Jahres 1279 bekundet Markgraf Heinrich (Der Erlauchte) meißnischer und östlicher (Lausitzer) Markgraf, dem Kloster Dobrilugk (jetzt Doberlug-Kirchhain), dass von Otto von Schlieben (Zliwin) und seinen Brüdern für 58 Mark brandenburgischen Silbers, das Dorf Dobristroh (heute Freienhufen, d.A.) zwischen Calau und Senftenberg gelegen, dem Abt Gunzelin und seinem Convent in Dobrilugk verkauft und es ihm zum immerwährenden eigentümlichen Besitz, mit der Gerichtsbarkeit überwiesen wurde.“ Zu dieser Zeit hatte Senftenberg 320 bis 400 Bürger. 1290 ist der „Besitzer“ der Stadt Johann von Senftenberg urkundlich erwähnt.

Über das Leben und Wirken von Liebusch und Paulitz ist nicht sehr viel zu erfahren, es existieren nicht einmal in der Wikipedia Artikel.

Die vier bekanntesten Senftenberger Heimatforscher Georg Christoph Kreyßig, Georg Liebusch, Johann Gottlob Paulitz und Dr. Rudolph Lehmann kamen bei ihrem Quellenstudium, wie wir gesehen haben, dennoch zu unterschiedlichen Ergebnissen, wann Senftenberg erstmalig erwähnt wurde.



II. Senftenberg / Komorow: Namensherleitung


Auch bezüglich des wendischen Namens gibt es in den „Beiträgen zur Geschichts~ & Alterthumskunde der NL von 1838“: zwei Auslegungen:
Die ursprüngliche Siedlung der Wenden hier hieß Komorow. In einer Chronik wird das Wort von „Kammer“ abgeleitet, dessen Ableitung sich mir aber nicht erschließt. Viel eher tendiere ich zu der Ableitung aus dem Wort „Komar/ Komor“, was im Wendischen Mücke bedeutet. Sumpfiges nasses Auengebiet überall.. Sicher gab es hier in der Gegend schon immer viele dieser Plagegeister. Zumal auch in unserer Nähe der Ort Mückenberg liegt.

Commerau (Großdubrau) im Landkreis Bautzen, obersorbisch ebenfalls Komorow leitet auch seinen Namen von dem altsorbischen Wort „komor“ für „Mücke“ ab und bezieht sich auf die Lage der Siedlung in einer feuchten, sumpfigen Umgebung.
Bei so einer Ableitung muß man auch immer bedenken, dass sich der Name im Laufe der Jahrhunderte -zigmal geändert haben wird.
Das wird am Beispiel von Commerau besonders deutlich: 1399 Komeraw, 1419 Comeraw, 1445 Kummeraw und im selben Jahrhundert 1479 bereits Comerow
Viele Bewohner konnte damals nicht lesen und schreiben und ein neuer Pfarrer z.B. wird nach der Phonetik des Dorfeinwohners seine Niederschrift angefertigt haben. Beispiele zuhauf gibt es da auch bei den Familiennamen.

Über die Frage der Namensentstehung gibt es nur Theorien: Name wurde von „Sumpfenburg“ abgeleitet. Aus „Sumpf“ könnte schon „Senf“ werden, aber aus „burg“- „berg“?
Eine weitere Theorie besagt, dass der Name von „Sanft am Berge“ herrührt. Die eigentlich einzige Erhebung, die man früher mal als Berg bezeichnen konnte, war der Koschenberg und der lag etliche Kilometer vor der Stadt, also die Stadt lag nicht „sanft“ an ihm.
Ich halte es da mit einigen anderen Heimatforschern dessen Vermutung ist, der Name kann nicht hier entstanden sein, sondern wurde von den deutschen Neusiedlern mitgebracht.
1279 wird Senftenberg erstmals urkundlich erwähnt. Das edle Geschlecht der Grafen von Ihleburg bestätigt 1290 die „Rechtspflege in Senftenberg schon von Alters her gehabt zu haben“ (amtl. Mitteilungen Berlin und Mark Brandenburg, 1861)
Erste Besitzer der Feste und des Ortes Senftenberg (in Urk. Semphtenbergk) sind 1290 Johann und Conrad von Senftenberg (eingewandert aus Mitteldeutschland). Das Wappen der Senftenberger zeigt ein Schild mit drei Rosen.


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A20 Aeltestes_Senftenberger_Siegel 626 pxl..jpg


Das älteste Siegel von „Senfftenberg“ befindet sich auf einer von Bürgermeister und Ratsleuten ausgestellten Urkunde vom 9. November 1423. Es ist ein sogenanntes redendes Wappen, ein sprechendes Siegel und zeigt einen Berg (/Stein) von zwei Pflanzen gesäumt. Mit gutem Willen „Senfstauden“.



Johann Kittel: „Es wird aber Senftenberg in seiner Slavischen Nationalsprache genennet Comora, so auff deutsch eine Cammer heist, dahero vermutlich, daß die Wenden allhier, als in einem wohlverwahrten Passe, weiland ihre Schatzkammer und Kriegskasse gehabt“.
Erschreibt an selber Stelle weiter: “Wohin zugleich E.E. Raths und gemeiner Stadt grössetes Insiegel, darinnen eine Cammer zu sehen“ .
Schreibt er, daß auf dem alten Siegel (siehe Abbildung) eine Kammer zu sehen ist, kein Berg? Oder, zwar ein Berg zu sehen ist, aber das Gebilde davor (was Ähnlichkeit auch mit einem Wasser haben könnte) eine Kammer, womöglich eine unterirdische darstellen soll ? Wir werden es nie erfahren und wie alle vor uns nur spekulieren können.

Georg Liebusch schreibt in seiner Chronik: „Da es nicht genau bekannt ist, zu welcher Zeit die SENFTENBERGER WENDEN von den Deutschen unterjocht worden sind, so habe ich das Jahr 1000 nach Christi Geburt als den Zeitpunkt angenommen, wo sich die erste Periode der Geschichte der Stadt und des Amtes Senftenberg schließt und diese ‚Periode der serbischen Unabhängigkeit genannt habe.“



9. Wilhelm Dilich, 1571 – 1650 (Maler)


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Wilhelm Dilich (Porträt von S.Fürck - 1637)


Wilhelm Dilich, eigentlich Wilhelm Scheffer wurde 1571 in Wabern geboren und ist am 4. April 1650 in Dresden verstorben. Die Wikipedia schreibt: “er war ein Baumeister, Ingenieur, Holzschneider, Kupferstecher, Zeichner und Topograph. Er selbst bezeichnete sich als „Geographus und Historicus“.
Er war ein hervorragender Vedutenzeichner, das sind Maler, die die wirklichkeitsgetreue Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbildes anstreben. Nach dem Erhalt des am 28. Juni 1627 ausgestellten Reisebriefes durch Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen reiste er durch Kursachsen, um insgesamt 17 Stadtansichten für die Dekoration des Riesensaales im Dresdner Schloss anzufertigen. Dieser Saal wurde 1627 bis 1630 von Dilich erhöht und eingewölbt. 1633 wurde das Gewölbe von Kilian Fabritius nach Dilichs Vorlagen mit sächsischen Stadtansichten ausgemalt und fertiggestellt. Dieser große Saal des Dresdner Schlosses ist 1701 bei einem Brand zerstört worde. Es liegen keine Unterlagen vor, ob die Dilich Vedute von Senftenberg jemals ein Teil dieser Fresken war.


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A22 Dilich Vedute 1628.jpg


Gleichzeitig markiert das Panorama auch die erste bildliche Darstellung unserer Stadt. Zumindest eine von der wir Kenntnis haben. Und sie blieb auch die einzige für gut 250 Jahre. Aus der Zwischenzeit sind keine weiteren Zeichnungen oder Gemälde unserer Stadt überliefert. Erst um 1890 können wir die nächsten Ansichten Senftenbergs nachweisen.
Die Vedute enthält viele interessante Details, so die Darstellung des Schlosses mit Türmchen und Schaufassaden und den Turm auf dem Koschenberg, der nur durch Dilich nachgewiesen ist. Diesen Turm, ein Wartturm, der im wesentlichen militärischen Zwecken diente, ließ der sächsische Kurfürst Christian I. im 16. Jahrhundert errichten, vermutlich 1633 von den Kroaten gänzlich zerstört. Somit zeigt Dilichs Senftenberger Zeichnung eine Stadtsilhouette, die so bereits kurze Zeit später nicht mehr vorzufinden war. (Falk Peschel)

10. Unbekannter Künstler (Maler)

Erst um 1837 wird es wieder ein Stadtpanorama von Senftenberg geben. Es wurde von damaligen Zeitzeugen als authentisch bezeichnet.


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A23 Stadtansicht  Senftenberg 1837.jpg

Quelle: gruss-aus-senftenberg.de

Der Senftenberger Heimatforscher Matthias Gleisner schreibt dazu:
„Immerhin sehen wir auf dem Panorama aus südöstlicher Richtung ein Senftenberg wie es sich zum Anfang des 19. Jahrhunderts darstellte. Da das Kreuztor (Abriß 1848) erkennbar ist und sich sogar der östliche Flügel des Schlosses noch zweistöckig darstellt, kann damit der späteste Zeitpunkt der Situation auf 1837 fixiert werden. Natürlich nur sofern die Zeichnung in sich konsistent ist. Leider fehlen bezüglich des Kunstwerkes sämtliche Hintergrundinformationen […]“




11. Camillo Ehregott Zschille 1847 - 1910 (Zeichner)
(* 1847 in Großenhain; † 1910 in Großenhain)[1] war ein deutscher Zeichner.
Zschille schuf während seiner Schaffensperiode eine Reihe von über 50 Stadtansichten sächsischer und preußischer Städte. Diese wiesen in der Mehrzahl historische als auch zeitgenössische Ansichten auf nebst Wappen und Siegeln. Zschille trat dabei als Zeichner und Herausgeber auf und veröffentlichte die Zeichnungen von 1884 bis 1896.

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A26 Zeichnung 1890,Sammlung Zschille.jpg
Deutsche Fotothek


12. Günther Wendt 1908 - 1971 (Maler)

Am 20.Januar 1908 in Senftenberg geboren, am 13. März 1971 in Senftenberg gestorben. Deutscher Maler, Chronist und Museumsdirektor in Senftenberg


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A24 Goldenes Bild SFB, Guenter Wendt 1937.jpg

Das „Goldene Bild“ von Günther Wendt, 1931. Foto Steffen Rasche

Das prominenteste Beispiel dürfte jedoch „Das goldene Bild“ der Stadt Senftenberg aus dem Jahre 1939 sein, gemalt auf einer Blattgoldunterlage.
Der Senftenberger Heimatforscher Falk Peschel schreibt dazu: „Nach den Motiven der Dilich-Zeichnung begibt sich der Künstler hier in die Vogelperspektive und zeigt die Stadt Senftenberg mit der Stadtmauer, den beiden Stadttoren und dem Schloss mit den Türmen. Das Bild war ein Auftragswerk der Geburtsstadt des Künstlers vermutlich anlässlich des 660. Jubiläums der urkundlichen Ersterwähnung Senftenbergs. Dabei konnte Wendt nach umfangreichen Recherchen im sächsischen Staatsarchiv und in der Landesbibliothek Dresden als einzig verwertbare Vorlage auf die Zeichnung Wilhelm Dilichs aus dem Jahre 1628 zurückgreifen…. Betrachtet man die langen Zeitabschnitte bis zum Entstehen weiterer Senftenberger Stadtansichten und deren Detailtreue bzw. Aussagekraft, so glaube ich, dass Wilhelm Dilich uns hier einen besonderen „Schatz“ für unsere Stadtgeschichte hinterlassen hat.

Was mich ein wenig irritiert ist, daß Ich in den Chroniken keinen Hinweis auf (Wehr)Türme in der alten Stadtmauer gefunden habe, aber im Goldenen Bild vier Stück zu sehen sind (zzgl. zu Kreuz- und Schloßtor)




13. Kurt Hübner 1925 - 2010 (Maler)

Der Senftenberger Künstler Kurt Hübner (6.11.1925 bis 15.7.2010). K. Hübner fertigte diese Kopie 1991 und nutze das Goldene Bild von Günter Wendt als Vorlage.

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A25 Kopie Goldenes Bild von Kurt Huebner.jpg


Nach 1990 musste das Senftenberger Museum, G. Wendt´s Bild an die Stadt Senftenberg zurückgeben. Vorher schuf Kurt Hübner diese, auf dem Foto zu sehende "Kopie", für das Senftenberger Museum. Er hatte zuvor schon 1988 das Wandbild mit der Ansicht von Senftenberg im Erdgeschoss des Museums geschaffen. Ein solches Wandbild soll bereits vorher G. Wendt an anderer Stelle im Schloss gemalt haben (nicht mehr vorhanden). Die erste uns bekannte Darstellung Senftenbergs stammt vom Wilhelm Dilich (1571 bis 1650). Diese 1628 gezeichnete Stadtvedute des sächsischen Baumeister, Ingenieur und Topographen W. Dilich, diente Günter Wendt mit Sicherheit als Grundlage für das „Goldene Bild“ und das Wandbild.
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