Sachsen, komprim. Vortrag Teil 2 von 3

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Christian neu in SFB
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Sachsen, komprim. Vortrag Teil 2 von 3

Beitragvon Christian neu in SFB » So 12. Feb 2023, 14:10

Vortrag 2

Sachsen komprimierter Vortrag im Verein für Heimatpflege 1909 e.V.

2. Vortrag gehalten am 2.3.2023

Den zweiten Teil meines Vortrages zum Thema Sachsen will ich erstmal mit einer anderen Frage beginnen:
Warum hat eigentlich der „Zipfel Senftenberg“ jahrhunderte lang zu Sachsen gehört? Immerhin ziemlich nördlich, weit weg vom ehemaligen Stammgebiet der Wettiner ?

Die Antwort ist lange her und fand ich zum einen in der Paulitz Chronik und zum anderen in der Urkundensammlung der Universitätsbibliothek Paderborn:

Chronik 1.jpg


Chronik 2.jpg


Chronik 3.jpg


Kurfürst Friedrich von Sachsen kauft 1442 die Herrschaft Senftenberg.
Markgraf Friedrich v. Bdbg. und Herzog Friedrich v. Sachsen streiten
um die Lausitz.
1450 überließ Kur-Sachsen die Landvoigtei Lausitz an Kur-Brandenburg.

Der Markgraf von Brandenburg verzichtet aber auf die Herrschaften
Senftenberg und Hoyerswerda, (weil, so sagt Sachsen: „gehören nicht zur Lausitz“ )

Sie bleiben nach dem Zerbster Schied von 1450 also bei Kur-Sachsen.

Zu der Zeit ist Nickel von Polenz Landvoigt.


Paderborn 1.jpg




Nun also zur Zeit des dreizigjährigen Krieges in Sachsen:

Bild 14 einblenden (Sachsen zu Ende des 30 jähr. Krieges)

Bild 14 Kursachsen 1648 Ende 30j.Krieg mit Erwerbung Lausitz klein.jpg


Im Dreißigjährigen Krieg 1618 – 1648 war Sachsen auf Seite der katholischen Habsburger und zog gegen Böhmen. Kursachsen besetzte dabei die Lausitz und erhielt diese zur Deckung der eigenen Kriegskosten zunächst als Pfand.
Sachsen verhielt sich daraufhin neutral, wechselte aber später auf die protestantische Seite, als es seine Neutralität durch Plünderungen in der Lausitz missachtet sah.


Die Paulitzchronik führt dazu aus:
1629 große Überschwemmungen in der Lausitz, Hungersnöte überall.
Georg der I. (protest.) wird zum Feind des Kaisers Ferdinand II. Und verbündet sich nach langem Zögern mit Gustav Adolf v. Schweden
Von Schleinitz ist 1631 Amtshauptmann von Senftenberg

1631 Wallenstein schickt 10.000 Soldaten in die Lausitzen
Chronik 4.jpg




486 Menschen starben (Bestattung auf extra Pestfriedhöfen)


1632 Schlacht bei Lützen

Bild 15 einfügen Schlacht bei Lützen (Nähe Leipzig)

Bild 15 Schlacht_bei_Luetzen 1632 klein.jpg


Chronik 5.jpg


Politisch wesentliche Folge der Schlacht war der Tod Gustav Adolfs auf dem Schlachtfeld. Auch die Kaiserlichen verloren mit Gottfried Heinrich zu Pappenheim einen prominenten Heerführer. Rein militärisch gesehen war die Schlacht ohne entscheidende Bedeutung.

Kroat. Söldner zerstören 1633 auf dem Koschenberg den Warthturm (erb.1580, den Dillich noch zeigt),

Sorno wird abgebrannt

1634 werden die Schweden bei Nördlingen geschlagen


Bild 16 einfügen Schlacht bei Nördlingen (Bayern)

Bild 16 Schlacht bei Noerdlingen_in_1634_, Bayern.jpg



1635 Friedensvertrag von Prag zw. Österr. u. Sachsen, (sog. Sonderfrieden von Prag)


Chronik 6.jpg

Chronik 7.jpg


Kurfürst von Sachsen erhält als Entschädigung für d. Kriegskosten vom Kaiser
als Eigentum die Ober- und die Niederlausitz

Aber kein Frieden. Marodierende schwed. und kaiserliche (!) Truppen morden u. Plündern in Sachsen
Schweden verbündet sich mit Frankreich und Sachsen verbündet sich mit Österreich

Chronik 8.jpg


1637 kaiserliche Truppen (also die Katholischen !) brennen Jüttendorf und Tamm

Fürchterliche Greuelszenen werden beschrieben:

Chronik 10.jpg



1641 durch Unachtsamkeit einer Köchin brennt d. Stadt Senftenberg ab

Chronik 9.jpg


Festungskommandant von Güntheroth läßt aus strateg. Gründen Torturm und Teile der Stadtmauer abreißen.
Ständige schwed. Überfälle
Reppist und Sedlitz brennen.
1644 Brände in Senftenberg u. Buchwalde

1645 Friedensvertrag von Kötschenbroda zw. Sachsen u. Schweden

jeder 2. Einwohner von Sachsen starb während d. 30-jähr.Krieges

Westphäl. Frieden beendet den dreizigjährigen Krieg 1648

Zwischen allein 1631 u. 1632 sind in Sachsen durch das Schwert, Hunger und Pest allein 934.000 Menschen vernichtet worden.


Zur weiteren Geschichte Sachsens des 17. Und 18. Jahrhunderts:


Das am 8. Oktober 1656 eröffnete Testament Johann Georgs I. sah vor, Teile Kursachsens seinen drei Söhnen August, Christian und Moritz zu vermachen und sie in einer kursächsischen Sekundogenitur als eigenständige Herzogtümer einzurichten.
Es entstanden die Herzogtümer Sachsen-Weißenfels, Sachsen-Merseburg und Sachsen-Zeitz. In den folgenden Jahrzehnten ging Sachsen vergleichsweise stark aus dem Krieg hervor und gehörte zu den Fürstentümern, die sich am schnellsten erholen konnten.
Sachsen verhielt sich dabei kaisertreu und stellte zum Beispiel 1683 Truppen für die siegreiche Schlacht am Kahlenberg gegen die Türken.

Bild 17 einfügen Schlacht bei Kahlenberg (bei Wien)
Bild 17 Schlacht von Kahenberg bei Wien klein.jpg


Die Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 beendete die Zweite Wiener Türkenbelagerung. Ein deutsch-polnisches Entsatzheer unter der Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski schlug die osmanische Armee. Die Niederlage bedeutete den Anfang vom Ende der türkischen Hegemonialpolitik. Auf christlicher Seite kämpften die vereinigte Infanterie und Artillerie der Allianz aus Österreich, Sachsen, Bayern, Baden und des Kirchenstaats sowie das polnische Reiterheer. Ihr gegenüber stand das Wien belagernde osmanische Heer.


Bild 18 einfügen Friedrich August der I./ der II.

Bild 18 Friedrich August I.der II..jpg


Unter Friedrich August I. (genannt August der Starke) versuchte Kursachsen seine Herrschaft und Stellung im Heiligen Römischen Reich auszubauen.
August der Starke (* 12. Mai 1670 in Dresden; † 1. Februar 1733 in Warschau) aus der albertinischen Linie des Hauses Wettin war vom 27. April 1694 bis 1. Februar 1733 als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen sowie vom 15. September 1697 bis 1706 und neuerlich von 1709 bis 1. Februar 1733 in Personalunion als August II. König von Polen und Großfürst von Litauen.
Zu seinen Motiven für den polnischen Kronerwerb

Am 17. Juni 1696 war mit Johann III. Sobieski der König von Polen und Großfürst von Litauen gestorben. In der polnischen Wahlmonarchie durften sich auch Ausländer um die Krone Polens bewerben.[11] Mit dem Erwerb der polnischen Königswürde wollte August eine Rangerhöhung erreichen, die ihm eine größere politische Souveränität sichern sollte. Vor allem bei den Friedensverträgen nahm ein gekröntes Haupt einen Vorrang gegenüber Fürsten eines niedrigeren Ranges ein.[12] Daher war die polnische Krone für den sächsischen Kurfürsten kein reines Prestigeobjekt, sondern politisch überaus wertvoll. Eine Rangerhöhung war im Heiligen Römischen Reich Ende des 17. Jahrhunderts ein zeittypisches Phänomen.

Das Land durchlebte eine „goldene Ära“ die zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte führte und als Augusteisches Zeitalter bezeichnet wird.
Bild 19 einfügen Dresden zur Zeit August des Starken


Bild 19 _Dresden zur Zeit August d. Starken klein.jpg



Die wettinischen Kurfürsten Friedrich August I. und sein Sohn Friedrich August II. regierten zeitweise Polen als König und Sachsen als Kurfürst in der Personalunion Sachsen-Polen.
Eine Voraussetzung für die polnische Königswürde war die Konversion Augusts von der evangelisch-lutherischen Konfession zum Katholizismus.
Das Kurfürstentum Sachsen galt jedoch als „Mutterland der Reformation“.[15] Im 16. Jahrhundert hatten die sächsischen Kurfürsten den Reformator Martin Luther unter ihren landesherrlichen Schutz gestellt und den Schmalkaldischen Bund, ein Verteidigungsbündnis der protestantischen Fürsten und Städte, angeführt.


Da Kurfürst und sächsische Untertanen unterschiedlichen Konfessionen angehören würden, hätten die sächsischen Landstände beim Bekanntwerden der Königspläne Augusts eine Rekatholisierung des Kurfürstentums auf Basis des Augsburger Religionsfriedens von 1555 befürchtet.
Allerdings hatte bereits der Westfälische Frieden von 1648 den cuius regio, eius religio („wessen Land, dessen Religion“), nach dem der Landesherr die Konfession der Untertanen hatte bestimmen können, durch ein Normaljahr ersetzt:
die territoriale Konfessionszugehörigkeit des Jahres 1624 sollte im Heiligen Römischen Reich unverändert bleiben. Reichsrechtlich gesehen hätte August das Kurfürstentum Sachsen nicht rekatholisieren können.[16] Diese wichtige Rahmenbedingung berücksichtigte er in dem sogenannten Religionsversicherungsdekret vom 29. September 1697, das den Untertanen in Sachsen zugestand, ihren evangelischen Glauben behalten zu dürfen.
Sein Glaubenswechsel, so erklärt das Dekret, sei lediglich ein „Personalwerk“.[17]


Die Konkurrenz der Konfessionen manifestierte sich auch architektonisch in der Residenzstadt Dresden mit dem Bau zweier Kirchenbauten, die fast zeitgleich errichtet wurden; einerseits die lutherische und vom Stadtrat in Auftrag gegebene Frauenkirche (Bauzeit: 1726–1743) und andererseits die von August III., dem Sohn Augusts des Starken, in Auftrag gegebene Katholische Hofkirche (Bauzeit: 1739–1755).[18]
Im Großen Nordischen Krieg wurde die Personalunion Sachsen-Polen verheert. Territorialgewinne blieben dem Kurfürstentum verwehrt, während sein nördlicher Nachbar und Konkurrent Preußen gestärkt wurde.

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