Neues 468 - 2021-05-09

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Matthias
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Neues 468 - 2021-05-09

Beitragvon Matthias » Sa 8. Mai 2021, 08:47

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Harald
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Re: Neues 468 - 2021-05-09

Beitragvon Harald » Mo 10. Mai 2021, 16:44

anno 1599_resize.jpg

Äußerst wichtig für das Wesen der MITTELALTERLICHEN STADT war deren Eigenschaft als MARKTORT – mit einem geräumigen MARKTPLATZ in dessen MITTELPUNKT, auf dem Hauptleben & ~verkehr pulsieren. Dort standen zahlreiche Bänke, Tische & Buden, in denen die Kaufleute, Handwerker und Landleute ihre Waren feilhielten.
Die ältesten Vertreter des MARKTLEBENS waren

DIE JAHRMÄRKTE


An den TAGEN, die dem GEDÄCHTNIS EINES HEILIGEN geweiht waren, strömte das VOLK zum Anhören der MESSE in großen Massen zusammen. Dies bot den gewerbetreibenden BÜRGERN und den HÄNDLERN eine gute Gelegenheit, ihre WAREN, die auf freien PLÄTZEN um die KIRCHE herum oder mitten in der Stadt in MARKT~ & KRAMBUDEN ausgestellt waren, schnell zu verkaufen.

Birkhuehner_resize.jpg

Die wichtigsten Senftenberger HEILIGENTAGE, an denen JAHRMÄRKTE stattfanden, waren laut PAULITZ-CHRONIK:

1. …das Fest MARIÄ VERKÜNDIGUNG mit dem damit verbundenen OSTERMARKT, der alljährlich am 25. März stattfand, im 1746 veröffentlichten LEXIKON in der Aufzählung allerdings noch nicht verzeichnet ist. Dafür wird an erster Stelle ein JAHRMARKT zu JUBILATE am 3. Sonntag nach OSTERN vermeldet, welches jedoch keinem Heiligen, sondern gemäß Psalm „Jubilate Deo, omnis terra! = Jauchzet Gott, alle Lande“ dem Schöpfer selbst zugeordnet wurde.

2. …die am 29. Juni anberaumte GEDÄCHTNISFEIER für die beiden Schutzpatrone der Stadtkirche St. PETER & PAUL, dessen mit ihnen verbundene MARKT auch „MÄGDLEIN-MARKT” hieß, weil an diesem Tage die Dienstmädchen für das kommende Jahr verpflichtet wurden.

3. Anlässlich des LAURENTIUS-FESTES am 10. August zogen auf einer WALLFAHRT ungezählte Scharen von PILGERN auf die Höhe des KOSCHENBERGES zum Bilde des Hlg. LAURENTIUS, welches sich in einer ihm zu Ehren errichteten KAPELLE befand.
Der hier gleichzeitig abgehaltene LAURENTIUSMARKT wurde später unter Kurfürst Moritz nach der Stadt SENFTENBERG verlegt.

4. Dem Hlg. DIONYSIUS, seines Zeichens der SCHUTZPATRON des WEINBAUES, zu Ehren wurde am bzw. nach dem 9. Oktober ein sogenannter MOSTMARKT veranstaltet, der eigentlich durch Kurfürst Friedrich den Sanftmütigen im Jahre 1461 für den Sonntag vor St. GALLIUS am 16. Oktober festgelegt worden war. In den alten Privilegien von Senftenberg aber ist bemerkt, dass er Freitag, Sonnabend, Sonntag oder Montag nach St. Dionysius stattzufinden hat, wahrscheinlich auf ausdrücklichen Wunsch der Kirche.

5. Mit dem im Lexikon angegeben fünften JAHRMARKT am SONNTAG NACH MARTINI (11. November) könnte entweder eine große KIRMES, oder das von Paulitz erwähnte KIRCHWEIHFEST gemeint sein, bei dem auch an den MARTINSTAG erinnert wurde.

Da von den in grauer Vorzeit abgehaltenen 5 JAHRMÄRKTEN in unserer Stadt lediglich der „PETER & PAUL MARKT“ überlebt hat, lassen wir uns vom >Senftenberger Anzeiger< dessen MARKTLEBEN von 1929 schildern:

1929 PundP_resize.jpg

„Gegen 11 Uhr begann ein recht lebhaftes MARKTLEBEN. Die Beschickung hat sich im Vergleich zu den gleichen Markttagen der vergangenen Jahre nur wenig verändert. Allgemein haben alle Artikel eine Verstärkung erfahren. So Schuh~ & Textilwaren in der SCHLOSSSTRASSE, wo die sehr reichliche Beschickung eine Inanspruchnahme des Anfanges der DRESDNER STRASSE verursachte, Haushaltungsartikel in langen Reihen, Bude an Bude, Spielwaren, Herren~ & Damenkonfektion, Wäsche und Leinwaren aller Art auf dem MARKTPLATZ, das große Heer der Töpfe, Teller, Tassen & Krüge auf dem Platz rings um die DEUTSCHE KIRCHE, Lebensmittel & Zuckerwaren in der KREUZSTRASSE und auf dem NEUMARKT die Leute, die mit lauter Stimme, komischen Gesten und gepfefferten Witzen ihre Waren losschlagen: die AUSSCHREIER. Auf dem NEUMARKT ist auch der RUMMELPLATZ, auf dem die Kinderherzen Triumphe feiern, und auf dem auch die Erwachsenen in vorgerückter Stunde einen Ausflug in das Kinderland mit seinen Gondeln, Luftschaukeln, Karussells & Glückshallen unternehmen…“

jahrm._resize.jpg

Einer fehlte in der AUFZÄHLUNG: der MARKTSÄNGER, im Mittelalter meist als BÄNKELSÄNGER auftretend, so genannt,
weil er bei seinen Auftritten auf eine kleine BANK (dem Bänkel) stieg, um von allen besser gesehen und vernommen zu werden.
Alt und Jung lauschte mit offenen Ohren & Mündern seinen in Knittelversen gereimten, wundersamen, zumeist traurigen & wehmutsvollen vielstrophigen MORITATEN (Wunder~, Liebes~, Mord~ & Schauergeschichten), die durch aufgerollte BILDER recht anschaulich illustriert wurden.
Besonders das weibliche Publikum war diesen LIEDERN sehr zugetan und stimmte bald darauf mit ein.

Diese aus mittelalterlicher Zeit bekannten FAHRENDEN SÄNGER, welche auf MÄRKTEN und bei anderen Anlässen, wo sich „viel Volk“ versammelte, mit einem großen & vielfältigen LIEDER-REPERTOIRE auftraten, nahmen sich SIEBEN SANGESFREUDIGE LEUTE zum Vorbild,
als sie am 21. März 1992 >DIE BIRKHÜHNER< aus der Taufe hoben und sich dann allwöchentlich zu Proben im Gebäude der damaligen Kunstschule des >BIRKCHEN e.V.< in BRIESKE einfanden, woher auch der Gruppenname rührt. Das Wort BRIESKE leitet sich ab vom sorbischen Wort Prieska oder auch Brazk, darin steckt das Wort BIRKE. Deshalb nannte sich auch die Kunstschule >BIRKCHEN< und wir als deren Mitbewohner >BIRKHÜHNER<.

LR und TRacht_resize.jpg

Unseren ersten großen AUFTRITT hatten wir gleich im Gründungsjahr beim PETER & PAUL MARKT 1992. Auf dem FOTO ganz oben sind wir in historischen KOSTÜMEN zu sehen, die uns das Theater SFB aus ihrem Fundus kostenlos zur Verfügung stellte,
von links: Andreas Federl, Angelika Sommer, Ute Blümel, Gerd Bieneck, Monika Rößler, Harald Gleisner, Monika Auer.
In der Folgezeit ließen wir uns TRACHTEN anfertigen, passend zum jeweiligen Programm trugen die BIRKHÜHNER die SENFTENBERGER TANZTRACHT um 1850 oder die KLEIDUNG der MÄGDE & FAHRENDEN SÄNGER des 19. Jahrhunderts (oben zu sehen)
In dieser KOSTÜMIERUNG feierten wir zunehmend Erfolge, wo immer wir unsere Heimat~, Jahreszeiten~, Liebes~, Tanz~, Wander~, Handwerks~ , Burschen~, Küchenlieder auf HEIMATFESTEN sangen: ob auswärts in UNSEREN PARTNERSTÄDTEN & ~GEMEINDEN, dem polnischen Nova Sol, in Senftenberg /NÖ, dem saarländischen Püttlingen oder alljährlich zum ERNTEDANKFEST auf dem Höllberghof bei Luckau. Gern gesehen waren wir vor allem daheim in Schulen, Altenheimen, beim Seniorenverein oder immer wieder gern auch in KIRCHEN, wo die Gemeinde nach unserem GOSPEL-Programm, natürlich in "BLACK & WHITE" gekleidet, zur Überraschung manches Seelsorgers, Beifall klatschte und jemand sagte, dass er Atheist sei, aber wenn wir auftreten, auch in dieses ehrwürdige Haus hineingeht.
Unvergesslich auch der Auftritt bei einem PETER & PAUL MARKT, wo wir am Stand einer Gärtnersfrau sangen „Warum weinst du, holde Gärtnersfrau“ und bei ihr vor Rührung die Tränen kullerten… Größere KOMPLIMENTE kann man eigentlich nicht bekommen ! HERZ, WAS WILLST DU MEHR ?
Neben dem HERUMZIEHEN bei überaus zahlreichen OPEN AIR - AUFTRITTEN führten wir in geschlossenen Räumen vor allem LITERARISCH-MUSIKALISCHE PROGRAMME auf und obwohl es während unserer Wirkungszeit auch hin & wieder Personalwechsel gab, hielten >DIE BIRKHÜHNER< das Niveau. Wir waren zwar kein CHOR mit mehrstimmigem Satzgesang, dafür eine tolle gemischte VOKAL & INSTRUMENTAL~, und nach Meinung des von uns sehr verehrten Altbürgermeisters Klaus-Jürgen Graßhoff sogar „GESANGS~ & TRACHTENGRUPPE“...

ALLES HAT SEINE ZEIT !
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir bei den SENFTENBERGER BÜRGERN kleine SPUREN hinterlassen haben… :!:

Ein Bänkelsänger zog herum mit Liedern und Gedichten
Es lauschen die Leute still und stumm den wunderbaren Geschichten.
Und wo die Freude soll bleiben im Trab, geht’s ohne Bänkelsänger nicht ab
.


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