Neues 460 - 2021-03-07

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Matthias
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Neues 460 - 2021-03-07

Beitragvon Matthias » Sa 6. Mär 2021, 10:30

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Harald
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Re: Neues 460 - 2021-03-07

Beitragvon Harald » Mo 8. Mär 2021, 10:30

Reisender_resize.jpg

Ermüdet von der langen Reise, sehnt sich der Mensch nach Trank & Speise
und einer kurzen Rast.
Ein HAUS steht uns nun gastlich offen, wo beides wir zu finden hoffen,
nach langer Fahrt und wilder Hast.


Wer heute ein HOTEL aufsucht, stellt eigentlich nur zwei BEDINGUNGEN: ein bequemes BETT und leckeres ESSEN. Das war vor 700 Jahren schon so, obwohl im MITTELALTER die meisten REISENDEN, die in GASTHÄUSERN einkehrten, nicht zum Spaß unterwegs waren. Sie sorgten sich entweder als HÄNDLER um das irdische Leben bzw. als PILGER um das anschließende im Himmel. Daher standen die ältesten deutschen HOTELS, vormals GASTHÄUSER, geradewegs an wichtigen HANDELSWEGEN & populären PILGERPFADEN.
Waren es anfangs noch einfache HERBERGEN, in denen die ÜBERNACHTUNGSGÄSTE ihre Verpflegung selbst mitbringen mussten, so boten die nachfolgenden, durch Namen und Schild eindeutig kenntlich gemachten GASTHÖFE gegen Entgelt sowohl UNTERKUNFT als auch VERPFLEGUNG an. Zu finden waren sie in größeren Ortschaften, Marktflecken oder Städten, wo sie auch auf ortsansässige Kundschaft angewiesen waren, da sie von Durchreisenden allein nicht leben konnten. Dies war nur den Gastwirten in den großen Handelszentren möglich. Übrigens wurde es den WIRTEN im 15. Jh. zur Pflicht gemacht, die OBRIGKEIT über Zahl, Namen und Herkunft der GÄSTE, sowie über Vergehen und verdächtige Reden zu informieren… Dies schien damals schon deshalb wichtig gewesen zu sein, weil
„SEHR VIELE RELATIV WENIG REISTEN“, z.B.:
Herrscher, Adelige, Bischöfe, Fernkaufleute, Ordensritter, Söldner, Studenten, Gelehrte, Gesellen, Pilger, Kleriker, Kuriere, Fuhrleute, Viehtreiber, Spielleute und Handwerker (darunter viele Spezialisten wie Bergleute oder Baumeister).

MA Gasthaus_resize.jpg

Zur GRUNDAUSSTATTUNG eines mittelalterlichen GASTHOFES gehörten KÜCHE, SPEISE~ & SCHLAFRAUM – auf ABORT & WASCHRAUM wurde bis zum Ende des Mittelalters verzichtet. Man verrichtete seine Notdurft im STALL oder am MISTHAUFEN, noble Reisende benutzten hierfür einen „KAMMERTOPF“. Wer sich waschen wollte, ging an den HOFBRUNNEN. Nicht jedes Gasthaus bot fertige SPEISEN, der Gast tat gut daran, LEBENSMITTEL mit sich zu führen, die er in der KÜCHE selbst zubereiten konnte. Der hygienische Standard der SCHLAFSTÄTTEN war eher bescheiden: in den SCHLAFSÄLEN warfen die Leute einfach ihre Sachen auf einen Haufen, was manche Gäste abschreckte, weil sie Angst hatten, dass der Dreck von anderer Kleidung auf ihre gelangen könnte. Man schlief in BETTEN, die – ungeachtet des Standes und Geschlechts – mit zwei oder mehreren Personen belegt waren und zu mehreren in einer KAMMER standen. Das BETTZEUG bestand aus Matratze, Laken, Kopfkissen und, je nach Jahreszeit, leichten Decken oder Fellen. Man schlief meist nackt und erfreute sich der Körperwärme seines Bettgenossen.
In den großen GASTHÖFEN gab es allerdings schon sowohl nach Geschlechtern getrennte SCHLAFSÄLE, als auch FEUERSTELLEN zum Aufwärmen.
Die DEUTSCHEN GASTHÄUSER wurden nicht gerade himmelhochjauchzend gelobt:
„Ihre Reinlichkeit ist nicht übermäßig, eher zu wenig, auch fehlt herzliche Freundlichkeit von Seite der Wirthe; der Fremde scheint als Waare zu gelten. Speise und Trank sind sehr schlecht…“

Man versprach selbstredend umgehend BESSERUNG und bereits 300 Jahre später, im Jahre 1882, wies schon ein >Illustrirtes Bau-Lexikon< darauf hin, „bei der Einrichtung eines HOTELS besonders Folgendes zu berücksichtigen“:

Bequeme EINFAHRT / leicht zu findende TREPPE / leichte KONTROLLIERUNG des Eingangs von der Portierloge aus / von Küche und Keller aus leicht zugängliche, freundliche, große GASTSTUBE bzw. SPEISESAAL / sämtliche FREMDENZIMMER gereiht an einen leicht zu überblickenden, hellen, nicht zugigen VORSAAL / guter Zusammenhang zwischen den WIRTSCHAFTSRÄUMEN unter sich / möglichste ISOLIERUNG der Wohnung des Wirths, doch so, daß er leicht zu Küche & Speisesaal gelangen kann.

„Nächstdem muß dafür gesorgt werden, daß…“

…kein GERUCH aus der Küche in den Speisesaal dringe / zu Bereitung warmer Getränke eine besondere Küche vorhanden sei / mehrere FREMDENZIMMER zu einem Appartement vereinigt werden können / zweckmäßige Klingelzüge, Speiseaufzüge angebracht werden können / der ABTRITT leicht zu finden sei und dennoch keinen Geruch gebe, auch seine Lage den Anstand nicht verletze / und die Fremden in ihren Zimmern durch das Geräusch Ankommender oder Abreisender möglichst wenig belästigt werden.


Hotels Gasthoefe_resize.jpg

GASTHÄUSER, ~HÖFE & HOTELS, wie auch APOTHEKEN & BÜRGERHÄUSER wurden seit jeher durch NAMEN kenntlich gemacht, die interessanterweise bis heute erhalten geblieben sind.
Auch in unserer Heimatstadt konnte man derartiges beobachten. Von der einstigen Fülle an GASTHÄUSERN & HOTELS ist leider nach 1945 nicht mehr viel übrig geblieben. Nach der Wiedervereinigung ging dann das „Kneipensterben“ weiter…
Ein Blick in die alten >EINWOHNERBÜCHER< ruft sicherlich bei vielen Senftenbergern große Wehmut hervor. Im Jahre 1929 besaß die STADT SENFTENBERG insgesamt 9 HOTELS & 10 GASTHÄUSER (davon 2 mit Fremdenzimmern). Und nun dürfen Sie in Ruhe durchzählen, wie viele davon bis heute überlebt haben…

Überhaupt sind die o.a. EINWOHNERBÜCHER eine sehr nützliche QUELLE, mit deren Hilfe wir schon verschiedene Probleme lösen konnten. Neben dem STRASSEN~ & EINWOHNERVERZEICHNIS geben uns auch die darin befindlichen ANZEIGEN von Geschäftsleuten & Gewerbetreibenden ab & an wichtige Informationen, wie nachfolgend beim HOTEL „GOLDENE SONNE“, dem späteren HOTEL „GLÜCK AUF“, abzulesen ist. Mir fiel dabei auf, dass bei weitem nicht alle HOTELS für sich Reklame machten – durchgehend eigentlich nur die HOTELS „KRONPRINZ“ und „GOLDENE SONNE“ – während das HOTEL „ZUM SCHWARZEN BÄR“ lediglich 1914 in Erscheinung trat. Offensichtlich lief der Hotelbetrieb in den anderen HOTELS, wie z.B. im renommierten „BARANIUS“ oder im „REICHSHOTEL“ so gut, dass sie auf ANZEIGEN zu diversen, in ihren Räumen stattfindenden Veranstaltungen im >Senftenberger Anzeiger< setzen, und damit auf zusätzliche Werbekosten in den Einwohnerbüchern verzichten konnten.

Sonne_resize.jpg

Abschließend noch GRÜSSE von zwei ANSICHTSKARTENSAMMLERN, die es sich anlässlich ihrer Senftenberger Hotel-Aufenthalte in den Jahren 1898 bzw. 1915 – also fast haargenau im „Goldenen Zeitalter der Ansichtskarte 1897-1918“ – nicht nehmen ließen, auf ihr Hobby aufmerksam zu machen.
Auf der linken Postkarte steht geschrieben:
„3.11.98 – Zur Vervollständigung Deiner Sammlung, Oscar Winkler“.

Recht herzlichen Dank für diese MOTIVATION !
Pk mit Text_resize.jpg


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