Neues 456 - 2021-01-31

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Matthias
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Neues 456 - 2021-01-31

Beitragvon Matthias » Sa 30. Jan 2021, 09:40

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Harald
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Re: Neues 456 - 2021-01-31

Beitragvon Harald » So 31. Jan 2021, 20:25

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Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen WINTER OHNE SCHNEE erlebt zu haben – der allerdings, zu unser aller Leidwesen, bald darauf mit einer schwarzen Kruste KOHLENSTAUB bedeckt wurde, den uns die BRIKETTBUDE >MEUROSTOLLN< kostenlos aus ihren Schloten schenkte.
Jedenfalls kam DER ERSTE SCHNEE spätestens Anfang Dezember, blieb lange liegen und taute erst, wenn „im Märzen der Bauer“…
Nach der Schule warfen wir die SCHULRANZEN in die Ecke, schulterten SKI oder RODELSCHLITTEN, und trollten uns in die

HÖRLITZER ALPEN

– bis diese leider für immer im TAGEBAU MEURO verschwanden…

Die im Volksmund titulierten HÖRLITZER ALPEN waren Teil eines lang gestreckten Höhenzuges,
des sogenannten LAUSITZER GRENZWALLS, zu dem die HÖRLITZER, MEUROER, SENFTENBERGER & RAUNOER FLUR sowie REPPIST gehörten. Die bewaldeten "Alpen" befanden sich zwischen der Schipkauer und Klettwitzer Straße, etwa 30 bis 40 Meter über der Ortslage (110 Meter über Normalnull). Sie erstreckten sich vom ehemaligen WASSERTURM auf dem PARADIESBERG bis kurz vor KLETTWITZ & SCHIPKAU. An den Waldrändern hatten früher die Bauern große BIENENHÄUSER aufgebaut und weil der Waldboden mit Heidekraut und Beerensträuchern bewachsen war, fiel der HONIGERTRAG auch reichlich aus. Darüber hinaus gingen viele Familien an den Wochenenden auf PILZWANDERUNG in die "Alpen", sammelten nebenher auch Blau- und Walderdbeeren. Jedes Jahr am 21. Juni trafen sich Jung und Alt zur SONNENWENDFEIER bei Gesang und Spiel auf dem sogenannten >TOURISTENPLATZ<. Ganz mutige Liebespärchen sprangen zum Abschluss des Festes gemeinsam über das niedergebrannte Feuer. Die NATUR~ & HEIMATFREUNDE HÖRLITZ organisierten auch ZELTLAGER auf dieser romantischen Waldlichtung, von der man die wunderschöne Aussicht nach Klettwitz, oft sogar bis Freienhufen genießen konnte. Viele WANDERWEGE verliefen durch dieses weiträumige Areal. Man musste sich allerdings schon recht gut auskennen, um sich nicht zu verirren.
Angesichts der aktuellen weißen Pracht werden sich vor allem die älteren Hörlitzer und Senftenberg-West‘ler gern an ihre einstigen >ALPEN< zurückerinnern, die sich vor allem im Winter einer großen Beliebtheit erfreuten, da sich die Landschaft dann in ein traumhaftes
SKI~ & RODELPARADIES verwandelte. Die SCHULE HÖRLITZ führte dort auch ihre alljährliche "WINTEROLYMPIADE" durch, bei der traditionell auch an MEDAILLEN & ABZEICHEN kein Mangel herrschte. Hier eine kleine Auswahl aus den 1950/60er Jahren.
Den abgebildeten SCHNEEMANN gab es in Gold, Silber & Bronze.

Abzeichen Pioniere_resize.jpg

Es gab herrliche WEGE, an ABHÄNGEN & GRUBEN entlang, leichte ABFAHRTEN & BIEGUNGEN, die jeder Einheimische, zwar nicht im Schlaf, aber aus dem Effeff kannte. Wir waren oft stundenlang mit ein paar Schulfreunden auf diversen PISTEN & RODELBAHNEN unterwegs, und erst bei Einbruch der Dunkelheit, trotteten wir abgekämpft, in durchnässten Schuhen und leicht vereister Bekleidung nach Hause, um am nächsten Tag erneut vor Ort zu sein.

Alpen_resize.jpg

Die HÄNGE & ABFAHRTEN erhielten ganz spezielle Namen, wie z.B.: in den >ALPEN< die "Lange Bahn", die man minutenlang im Ein~ oder Doppelsitzer, oder gar als Karawane von mehreren Schlitten, gemächlich abwärts fuhr. „Schwergewichte“ schafften es bei guten Schneeverhältnissen auf blank geschliffenen Kufen bis zu „Albin’s Gärtnerei“. Rasanter ging es dagegen auf der "Steilen Bahn" und der gefürchteten "Sprungschanze-Nebenbahn" zu. In der SCHIPKAUER STRASSE lag am ehemaligen WEINBERG "Schramm's Bahn", und in der KLETTWITZER STRASSE gegenüber CAFÉ NEUMANN die kreuzgefährliche „TODESBAHN“ – eine sehr steile und enge Abfahrt mit einer kleinen SCHANZE am Ende, auf der jedes Jahr einige SCHLITTEN ihr Leben aushauchten, nachdem man in kurzem Flug durch die Luft gesegelt und anschließend krachend auf vereistem Untergrund gelandet war.
Noch gefährlicher war allerdings der zerklüftete ABHANG AM WASSERTURM, der den „Profis“ vorbehalten war, während im PARADIESGRUND die „Anfänger“ umherpurzelten – ständig damit rechnend, vom Privatbesitzer des Areals in die Flucht gejagt zu werden.

Hinter dem WASSERTURM gab es wohl auch noch einen, mir unbekannten STEILEN ABHANG,
den MANFRED KUHNKE in seinem Buch >Unter den Linden der Wünnenbergstraße< wie folgt beschrieb:

„Er ist an die 15 bis 20 Meter hoch und wirklich ganz steil gewesen. Ein etwas schräger Weg führte wie eine Serpentine nach unten. Oben stand ein JÄGERHOCHSTAND und weil dessen Kanzel einen drehbaren Eisensitz hatte, hieß die ganze Gegend dort „Am Drehstuhl“. Und wer von dort nicht runterkam auf Skiern, eigentlich mehr im Sturzflug, der war eben nichts. Unten ging es nämlich nicht in einem sanften Auslauf über, sondern nach einem scharfen Knick musste man über einen kleinen Huckel, und bei dem Zaster, den man drauf hatte, war das nicht einfach. Aber die meisten Jungs waren da heil runtergekommen und warteten nun gespannt auf die anderen…“

Wasserturm_resize.jpg

So rodelten wir ohne Unterlass in den Wintermonaten der 1950er Jahre. 10 Jahre später nahm der „angeborene Rodeltrieb“ merklich ab, was uns nicht so hart traf, da SCHNEE sowieso schon zusehends Mangelware wurde…“

Übrigens stiegen an den Wochenenden auch viele SENFTENBERGER mit ihren WINTERSPORTGERÄTEN im Stundentakt an der einstigen Endhaltestelle & Wendeschleife bei "Reiers" aus dem „STADTBUS“ und strömten den HÖRLITZER ALPEN zu.
Ab 1958 fielen ein großer Teil von HÖRLITZ und die gesamten HÖRLITZER ALPEN dem TAGEBAU MEURO zum Opfer. Dieser Verlust war sehr schmerzlich. Immer dann, wenn es, was sehr selten geworden ist, wieder mal kräftig schneit, schauen natürlich vor allem die alten HÖRLITZER mit großer Wehmut den verbliebenen kurzen "Stummel" der GRENZSTRASSE entlang, an deren Ende sich einst das Eingangstor zu den HÖRLITZER ALPEN, dem schönsten ABENTEUER – SPIELPLATZunserer Kindheit befand.

Apropos ABENTEUER:
Jeder ehemalige DDR-SCHÜLER wird sich im Nachhinein sicherlich schmunzelnd an das alljährlich, sowohl im schneereichen, ~armen als auch gänzlich ~losen WINTER anberaumte ABENTEUERSPIEL erinnern, welches Ende der 1960er Jahre alle JUNGPIONIERE zu absolvieren hatten – nämlich das ominöse…

MANÖVER SCHNEEFLOCKE

Es wurde zumeist von der GST, NVA oder den „patenbetrieblichen“ KAMPFGRUPPEN organisiert und mit deren Unterstützung durchgezogen. Die UNTERSTUFENLEHRER (Klassen 1 – 4) durften als „Kommandeur/in“ ihre kleine Truppe in dieses, mit vormilitärischen Übungen angereicherte GELÄNDESPIEL führen und sie damit selbstredend auf die militanten >Hans-Beimler-Wettkämpfe< der Oberstufe vorbereiten.
Bei diesem „MANÖVER“ wurden Neugier und Abenteuerlust der Kinder – denen die abwechslungsreichen Disziplinen oft Spaß machten – ausgenutzt, um sie spielerisch für Militärisches zu begeistern, was sich speziell in solchen Begriffen wie „Kommandeur“ „Aufklären“ „Meldung machen“ sowie in paramilitärischen ÜBUNGSSPIELEN wie Kegelwerfen, Hangeln, Keulenweitwurf & Luftballonschießen widerspiegelte.
Die nachfolgende >PARTEI-RICHTLINIE< sprach für sich:

„Das sozialistische Wehrmotiv ist bei allen Schülern so einzuprägen, dass sie bewusst und bereitwillig ihren persönlichen Beitrag zum sicheren Schutz des Friedens und des Sozialismus leisten und bereit sind, das Leben für die Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes einzusetzen“.
Im >KALENDER für Jungpioniere< 1972 fand ich den folgenden ARTIKEL, der den MANÖVERALLTAG sehr gut reflektiert.
Die ROT eingerahmte MEDAILLE erhielt jeder Teilnehmer, je nach "EINSATZBEREITSCHAFT" in den STUFEN I bis IV :roll:

manoever schneeflocke_resize.jpg

...........und jetzt mit einem kämpferischen >SKI & RODEL GUT !< ...vorwärts zur SCHNEEBALLSCHLACHT. :lol:


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