Neues 454 - 2021-01-17

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Matthias
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Neues 454 - 2021-01-17

Beitragvon Matthias » Sa 16. Jan 2021, 13:28

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Harald
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Re: Neues 454 - 2021-01-17

Beitragvon Harald » Mo 18. Jan 2021, 15:16

Tuerkei Bonbons_resize.jpg
Die GESCHICHTE DES BONBONS datiert über 1000 Jahre zurück.
Noch bevor die Zuckerherstellung bekannt wurde, gab es im antiken China, Griechenland, im römischen Reich und in anderen Regionen aus Honig gefertigte Süßwaren, die BONBONS entsprachen. Sie enthielten unter anderem beschichtete Früchte oder Blüten. Nachdem um 600 in Persien entdeckt wurde, wie aus Zuckerrohrsaft Zucker gewonnen werden kann, wurde um 700 in Arabien eine BONBONMASSE aus Zucker und Fruchtsaft hergestellt. Die Apotheker waren die ersten, die in Europa bittere Kräuterextrakte mit Zucker mischten, um diese schmackhafter zu machen.
Zucker war sehr teuer und demzufolge konnten sich nur die Fürsten~ & Königshöfe den Reichtum von Süßigkeiten leisten. Eine Anekdote berichtet von König Henri IV (1553–1610), der 1572, anlässlich seiner Hochzeit, diverse Zuckerwaren anbot. Die Kinder sollen daraufhin ausgerufen haben „BON!“ (französisch: gut) und als Steigerung „BON! BON!“, wodurch die Bezeichnung BONBON entstanden sein soll. Durch die Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben und die Industrialisierung der Produktion wurde Zucker immer preiswerter und somit zu einem Produkt des täglichen Bedarfs.
Die industrielle BONBONPRODUKTION in Deutschland geht auf den Conditor STOLLWERCK zurück, der um 1840 seine Konditorei um eine BONBONFABRIK erweiterte. Die von ihm produzierten „BRUSTBONBONS“ waren damals wegen der häufigen Hals~ & Lungenerkrankungen sehr gefragt, die er von Konditoren, Krämern, Apothekern, Delikatessenhändlern und Inhabern von Restaurants, sowie Theater~ & Bahnhofsgaststätten vertreiben ließ.

Mit leuchtenden Augen schaute ich als KIND bei gelegentlichen Einkäufen im >Kolonialwarengeschäft LAU< in Senftenberg-West oder während einer Einkaufstour mit Oma & Opa >ZUR SÜSSEN ECKE< in Senftenberg sehnsuchtsvoll auf die großen BONBONGLÄSER, aus denen uns der Verkäufer per kleiner Schaufel die gewünschten Süßigkeiten in eine Papiertüte beförderte. Dieses SÜSSE ERLEBNIS war mit Sicherheit bei meiner Nachkriegsgeneration überall identisch, ob nun >ZUR SÜSSEN ECKE< in Senftenberg, oder bei >MUTTER SCHULZEN< in DAHME, wie mein dort gebürtiger Hörlitzer Heimatfreund FRANK M. BURGHARDT berichtet:

„Als Kind haben mich die großen Bonbongläser stets magisch angezogen. Die dort aufbewahrten großen ‚Renner‘ waren FENCHEL~ & HIMBEERBONBONS – vor allem aber DIE BONBONS, die sich während der heißen Sommermonate im Glas erwärmten und zu größeren Brocken verklebten. Und nur DIE verlangten wir dann von ‚Mutter Schulzen‘ – gekostet hat es nix.
Eine weitere Anlaufadresse war die APOTHEKE. Hier gab es schwarze, rautenförmige LAKRITZE-Pastillen zu kaufen – von uns >Nonnefötzchen< genannt – und als ‚Aufputschmittel‘ an heißen Tagen besorgten wir uns hier auch noch das überaus beliebte BRAUSEPULVER…“


unsere S_resize.jpg

Ich habe ähnliche ERINNERUNGEN an die o.a. SÜSSIGKEITEN VON EINST:
Den eigentümlichen Geschmack der LAKRITZPASTILLEN (8) habe ich zeitlebens verschmäht, dafür liebte ich von Kindesbeinen an den PFEFFERMINZ-BRUCH (1) und bin bis heute FAN dieser Geschmacksrichtung. Die säuerlichen HIMBEERBONBONS (2) & MAIBLÄTTER (7) machten den Gaumen rauh, was oft auch schmerzte, und KARAMELL~, auch SAHNEBONBONS (6) genannt, klebten teuflisch an den Zähnen fest, weshalb sie umgangssprachlich PLOMBENZIEHER genannt wurden. Immer wieder klebrige Finger dagegen bescherten uns die in allerlei Geschmacksrichtungen vorrätigen DROPS-ROLLEN (9), während man sich durch DAUERLUTSCHER (4) die Gusche bis zu den Ohren klebrig machte.
Mit einer Hand voll BRAUSE(SCHLECK)PULVER (5) schockten wir gern unsere Lehrer mit dem sprichwörtlichen „Schaum vor‘m Mund“.
Mit LIEBESPERLEN (3) war man im KINDER-KAUFMANNSLADEN zugange. Was das Wort LIEBE im Namen sollte, habe ich bis heute nicht verstanden. Es könnte ev. damit zu tun haben, dass man es beim LOSE ZIEHEN auf dem Rummel oft als TROSTPREIS bekam und es dann weltmännisch gleich an seine „erste große Liebe“ weiterreichte…


Übrigens:
Wenn in der STADT SENFTENBERG Jahrmarkt war, blieb ich natürlich, wie viele andere Kinder auch, gern vor dem BONBONSTAND stehen, bestaunte den riesigen bunten ZUCKERBERG und träumte von einer eigenen BONBONFABRIK. Ich machte mir den Traum irgendwann auch wahr und stellte BONBONS selber her – aus Butter und Zucker, welcher karamellisiert und anschließend in kaltes Wasser geschüttet wurde. Nachdem ich das Wasser abgegossen hatte, stieß ich die Masse mit einem kleinen Hammer in Bonbon-große Stücke, die nach und nach in meinen Mund wanderten…
Ich produzierte „nach Gefühl“ – erst viel später las ich in einem >Bonbon-Rezeptbüchlein< die exakte Anweisung:

„Wer eine heftig blubbernde klare Flüssigkeit in bunte harte Süßigkeiten verwandeln kann, kann sich schon wie ein Zauberer fühlen… dabei ist die blubbernde heiße Masse nichts anderes als Zuckersirup, der gekocht wird, bis er karamellisiert. Die Zuckertemperatur entscheidet darüber, ob am Ende weiche TOFFEES oder harte BONBONS entstehen. 125 Grad = fest aber geschmeidige Masse für Kaubonbons / über 145 Grad = so hart, dass sie nicht mehr an den Zähnen klebt, lässt sich brechen zu KROKANT.“

Diese EIGENPRODUKTION haben Kinder heutzutage kaum mehr nötig, denn SÜSSIGKEITEN gibt es ja in Hülle & Fülle zu kaufen.
Eltern benutzen sie übrigens ziemlich häufig, um ihre kreischenden Kinder in Supermärkten ruhig zu stellen. Als man diese Marktlücke erkannte, stellte man im Kassenbereich sogleich VITRINEN mit diversen Süßigkeiten auf, durch die sich nunmehr Mutter & Kind kämpfen müssen, bevor es ans Bezahlen geht. Seither schwankt die Erziehungsarbeit der geplagten Eltern in der Kassenzone stetig zwischen Nachgeben & Ruhe haben oder Hartbleiben & lautstarkes Geplärre in Kauf nehmen.

Doch zurück >ZUR SÜSSEN ECKE<:

Die ENTWICKLUNG zu einem sehr beliebten SÜSSWARENGESCHÄFT habe ich recherchiert.
In diversen Einwohnerbüchern ergab dies folgende ZEITLICHE ABFOLGE DER GESCHÄFTSLEUTE in der…

KREUZSTRASSE 27:

1925 = Schokoladengeschäft OSKAR SCHAEFFER
1927 / 1929 = Schokoladengeschäft FRITZ BERG
(1930 bot FRITZ BERG nebenher auch in der KREUZSTRASSE 11 Süßwaren zum Verkauf an)
1934 = Konfitürengeschäft FRITZ BERG
1937 / 1941 = Tuch~ & Modewaren MAX GOLDMANN

KREUZSTRASSE 26:

1926 / 1929 = Putzgeschäft GOTTLIEB JURSCH
1933 = am 8. April d.J. wurde das Grundstück zwangsversteigert und FRITZ BERG bekam wohl den Zuschlag, woraufhin unmittelbar danach seine WERBEBOTSCHAFT: „Persipaneier jetzt jeden Tag frisch !!“ – unter beiden Hausnummern erschien:
KREUZSTRASSE 27 & 26 (erstmalig unter der Bezeichnung >Zur süßen Ecke<).
1937 / 1941 = Konfitürengeschäft FRITZ BERG;

Versteigerung_resize.jpg

KARAMELL, SCHOKOLADE und bunte BONBONS – Süßigkeiten gibt es in vielen Formen und Farben.
Einige sind traditionsbehaftet wie Schoko-Osterhasen und ~ Weihnachtsmänner - andere Leckereien wie Bonbons sollen einfach nur Spaß machen.
Auch das SÜSSWARENANGEBOT im Spezialgeschäft >ZUR SÜSSEN ECKE< spiegelt sich im >Senftenberger Anzeiger< überwiegend in diesem SAISONGESCHÄFT wider:

Inserate_resize.jpg

Zu DDR-Zeiten wurde ab Ende der 1960er Jahre das WARENSORTIMENT durch diverses KINDERSPIELZEUG und nachfolgend durch TÄSCHNERWAREN erweitert. Letztere haben sich bis heute gehalten. SÜSSES ist allerdings passé…SCHADE :?


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