Neues 451 - 2020-12-27

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Matthias
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Neues 451 - 2020-12-27

Beitragvon Matthias » Sa 26. Dez 2020, 13:57

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Harald
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Re: Neues 451 - 2020-12-27

Beitragvon Harald » So 27. Dez 2020, 14:05

Stille Nacht_resize.jpg

Früher gab es auch nicht mehr Schnee als heute, obwohl 78% der Deutschen felsenfest behaupten, dass es FRÜHER HÄUFIGER „WEISSE WEIHNACHTEN“gegeben habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, zähle ich mich auch zu ihnen, obwohl offensichtlich zum Fest meist, wenn überhaupt, nur das sogenannte „WEIHNACHTSTAUWETTER“ angesagt war.
Dass wir uns also Jahr für Jahr selbst betrügen, hängt damit zusammen, dass das menschliche Gehirn alle Informationen stets verzerrt wahrnimmt. Dieses erinnert positive Momente, wie die Schneeballschlacht mit Freunden, in der Regel besser als negative. In den meisten Regionen unseres Landes liegt nämlich die WEIHNACHTLICHE SCHNEEWAHRSCHEINLICHKEIT zwischen 10 und 20 Prozent, ergo kann man mit „WEISSE WEIHNACHTEN“ nur alle 5 bis 10 Jahre rechnen. Lediglich auf der ZUGSPITZE, dem höchsten Bergerlebnis Deutschlands, lag seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahre 1893 alljährlich SCHNEE.
SCHNEELANDSCHAFTEN auf weihnachtlichen POSTKARTEN sind eine Erfindung der bürgerlichen Familie des 19. Jahrhunderts, die WEIHNACHTEN zum >FEST DER FAMILIE< erklärte. Da aber im Weihnachtslied-Klassiker „Stille Nacht, heilige Nacht“ kein SCHNEE vorkommt, wurde eben „Leise rieselt der Schnee“ aus der Taufe gehoben. Dank der (fast) krisensicheren WEIHNACHTSINDUSTRIE ist nun, angefangen bei Adventskalendern, über die Schaufensterdekoration bis hin zu „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, alles schön weiß gezuckert...

Auch bei meinen ALTVORDEREN gab es diese >SCHNEE – VERKLÄRUNG< Vom Tag meiner GEBURT erzählten sie alle nur, „dass sich mein Großvater am späten Abend des 1. Januar bei starkem SCHNEEFALL per Fahrrad von Senftenberg-West über die Kippen ins benachbarte Dörfchen Sauo aufmachen musste, um von dort die zuständige HEBAMME abzuholen. Beide kämpften sich bei (angeblich) UNHEIMLICH HOHEM SCHNEE in die Wredestraße zurück, wo ich dann 10 min nach Mitternacht, also am 2. Januar 1944, als „Sonntagskind“ das Licht der Welt erblickte.“

So weit so gut.
Aus aktuellem Anlass suchte ich nunmehr in diversen MELDUNGEN des >Senftenberger Anzeiger< nach BEWEISEN für dieses angebliche SCHNEECHAOS. Das LOGO des >Senftenberger Anzeiger< im Dezember 1943 war schon mal nicht SCHNEEBEDECKT, wie auf dem vergleichsweise gezeigten von 1940, wo tatsächlich mal SCHNEE & KÄLTE unsere Stadt besuchten.
Im Dezember 1943 gab es zwei getrennte Lager bei den RODELSCHLITTEN – INSERATEN:
die Optimisten suchten dringend einen, die Pessimisten wollten ihren unbedingt loswerden…

schlitten_resize.jpg

…obwohl die MELDUNGEN des Lokalanzeigers eher letzteren Recht gaben:

ES WANDERTE EIN WALD IN DIE STADT
„Nun sind auch in Senftenberg DIE ERSTEN TANNENBÄUME eingetroffen. Bereits gestern sah man viele Mütter, die schon einen nach Waldeserde und Waldesfrische duftenden TANNENBAUM nach Hause trugen, wo er nun in einer Woche als lichterstrahelnder WEIHNACHTSBAUM Glück und Freude vor allem in die Herzen der Kinder schenken wird. Für diejenigen aber, die aus kriegsbedingten Gründen – denn der WEIHNACHTSBAUM gehört zunächst und in allererster Linie den Kindern – auf diesen traulichen WEIHNACHTSGLANZ im eigenen Heim oder im eigenen einsamen Zimmer verzichten müssen, erstrahlt auf dem MARKTPLATZ in den abendlichen Dämmerstunden der >WEIHNACHTSBAUM FÜR ALLE<. Gestern nachmittag breitete er zum ersten Male seinen sanften KERZENSCHIMMER aus und machte den ganzen weiten MARKTPLATZ zu einer einzigen großen WEIHNACHTSSTUBE. In stiller und besinnlicher Schau verweilten viele einige Minuten im Anschauen dieses LICHTERBAUMES, der für die Kinder eine helle Freude und für die Erwachsenen Künderin seliger Erinnerungen ist, wenn vielleicht durch seine ZWEIGE auch eine leise Wehmut mitweht. Dennoch Kopf hoch ! WEIHNACHTEN soll Licht und Freude sein – trotzdem.“


WEIHNACHTSMÄRKTE finden statt in:
Senftenberg am 19.12. um 10 Uhr auf dem Altmarkt,
Senftenberg 2 am 18.12. um 17 Uhr im Gasthaus zur Eiche,

Den RODEL–OPTIMISTEN sprach man Mut mittels trostreicher VERSPRECHUNGEN zu:

„Auf unseren Kalendern steht am 22. Dezember: WINTERSANFANG. Wenn wir zur gleichen Zeit von der WINTERSONNENWENDE sprechen, so mag das manchem zunächst etwas seltsam dünken. WINTERANFANG besagt ja, daß nun der WINTER erst wahrhaft beginnt, und wir wissen auch alle, daß die Monate JANUAR und FEBRUAR durchweg die härtesten WINTERMONATE sind.“

Daraus wurde gleich eine >DEUTSCHE KRIEGSWEIHNACHT 1943< propagiert, weil IM GRIMMIGEN WINTER, in der dunkelsten Nacht Sieg und Wiedergeburt des Lichtes feiern, das können nur WIR DEUTSCHEN.“

Damit meinte man aber wohl eher den damals mit bis zu 35 Grad KÄLTE und ausgedehnten SCHNEEVERWEHUNGEN & GLATTEIS an der Ostfront herrschenden SIBIRISCHEN WINTER, woraufhin die Senftenberger Stadtverwaltung aus heiterem Winterhimmel sofort mahnte, „die STREUPFLICHT bei eintretender GLÄTTE nicht zu vernachlässigen, da man leider hin und wieder doch noch feststellen muß, daß dieser Pflicht nur in geringem Maße nachgekommen wird, ja daß sie teils arg vernachlässigt wird…“

Winter - Kaelte.jpg

Letztlich überwog jedoch die Sehnsucht nach WÄRME & GEBORGENHEIT:
„Wenn es stürmt und schneit, wenn die Quecksilbersäule des Thermometers immer tiefer sinkt und HARTE KÄLTE den Menschen befällt, dann ist jeder heilfroh, wenn er den warmen Arbeitsraum betreten kann und daheim ein wohlig ERWÄRMTES ZIMMER vorfindet. Wie geborgen sind wir doch in der Heimat gegen die Unbilden des Winters!“

Im >Senftenberger Anzeiger< wurden bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch immer PRAKTISCHE HAUSHALTSTIPPS mitgeliefert:

„Verhütet FROSTSCHÄDEN ! Die Erfahrung im LETZTEN WINTER hat ergeben, daß es bei Außentemperaturen von minus 5 Grad Celsius auch vom Standpunkt der KOHLENERSPARNIS vorteilhaft ist, wenn nachts durchgeheizt wird.
Es kann bei einem der häufigen WITTERUNGSUMSCHLÄGE trotz aller Vorsicht vorkommen, daß Nahrungsmittel FROST bekommen. Erfrorene AEPFEL & KARTOFFELN verderben bestimmt, wenn sie in einem warmen Raum zu schnell auftauen. Dagegen bleiben sie verwertbar, wenn man sie kurze Zeit in einem kalten Zimmer in eiskaltes Wasser legt, dem etwas Kochsalz beigefügt wurde. Dann tauen sie langsam auf. Der süße Geschmack ERFRORENER KARTOFFELN verschwindet meist ganz, wenn sie nach dem AUFTAUEN einen Tag in einem mäßig warmen Raum aufbewahrt und dann unter Zusatz von reichlich Salz gekocht oder gedämpft werden. ERFRORENE AEPFEL kann man, ohne sie erst aufzutauen, zu APFELMUS verkochen und sie in Gläsern wie üblich sterilisieren.“


Und NACH DEM FEST fiel das Resümee wieder mal eher bescheiden aus:

„Das ÄUSSERE BILD der Weihnacht war zum Leidwesen vieler recht UNWEIHNACHTLICH. Mit der WEIHNACHT verbindet sich uns nun einmal das Bild einer stillen SCHNEELANDSCHAFT, über die eine herrliche Sonne leuchtend scheint und Millionen Diamanten hervorzaubert. Ueber diese ENTTÄUSCHUNG half letzten Endes die geruhsame, wenn auch stillere Froheit des Herzens hinweg.“


Doch nun zurück zu meinem GEBURTSJAHR, welches als PRESSEMELDUNG folgendermaßen angekündigt wurde:
„So ist denn das JAHR 1944, übrigens ein Schaltjahr, nun gekommen. Was es auch bringen mag, wir fürchten uns nicht.
Ein >Glück auf !< zu neuer Fahrt ! Die erste Woche, die mit dem 1.1.1944 beginnt, umfaßt nur einen Tag, denn die zweite Woche beginnt bereits am 2.1.1944.“


ZWEI WICHTIGE DINGE SIND NOCH ZU KORRIGIEREN:

Geburt_resize.jpg

(1) Aus meiner GEBURTSURKUNDE, die ich im Stadtarchiv einsehen konnte, geht schon mal hervor, dass ich nicht kurz nach Mitternacht, sondern erst um 9.30 vormittags geboren wurde, und…

wetter_resize.jpg

(2) …die archivierte WETTERMELDUNG vom 1./2. Januar 1944 belegt zwar VIEL REGEN, aber weder das Vorhandensein einer GESCHLOSSENEN SCHNEEDECKE, noch EINES EINZIGEN SCHNEEFLÖCKCHENS !

(3) Abschließend noch diese amtliche FESTSTELLUNG:
Von 1933 bis 1945 gab es »WEISSE WEIHNACHTEN« nur in den drei Jahren 1935, 1938 und 1940 !
Der KÄLTESTE WINTER war 1939/40 mit durchschnittlich minus 6,2 Grad.


Leider war also VIEL SCHNEE, wie auf untenstehenden BILDERN erträumt, nur familiäres WUNSCHDENKEN gewesen…
Eine alte Weisheit sagt eben:
„Man kann im Leben nicht ALLES haben – und gleich gar nicht alles SOFORT & ALLEZEIT!

schneelandschaft_resize.jpg


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