Neues 450 - 2020-12-20

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Matthias
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Neues 450 - 2020-12-20

Beitragvon Matthias » Sa 19. Dez 2020, 09:57

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Harald
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Re: Neues 450 -2020-12-20

Beitragvon Harald » So 20. Dez 2020, 13:42

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„Zu jeder Zeit hat dieser erhabene Punkt, der ovale KOSCHENBERG, das menschliche Auge zur Aussicht eingeladen, sey es nun, um nahende Feinde zu erspähen, oder sich an Gottes schöner Natur zu weiden. Ich kann versichern, daß ich von den berühmtesten Bellevues in Helvetien, Italien und Steiermark nicht befriedigter herunter gestiegen bin, als oft von der Koppe des KOSCHENBERGS herabgewandert, hier giebt die Sicherheit eines Berges den Werth und die Aussicht, dort ist das eine gemeine Münze [nichts Besonderes].“

So bejubelte „Der Prediger R i c h t e r aus Laute in der Nlausitz“ im März 1830 (veröffentlicht im „Neues Lausitzischer Magazin“ von 1834) den…

KOSCHENBERG – OLYMP DES ELSTERTALES

Auch mein ehemaliger LEHRER an der Zentralschule Hörlitz, Herbert Z i e g l e r gebrauchte gern diesen Ausdruck,
um uns im DEUTSCH-Unterricht von dieser „sagenumwobenen Erhebung in der Senftenberger Gegend“ zu berichten,
und uns gleichsam im Fach ERDKUNDE (wir sagten noch nicht „Geographie“) anhand von SCHULWANDBILD & PROFILZEICHNUNG mit deren Entstehung, Bedeutung und landschaftlicher Schönheit vertraut zu machen:

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Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob wir damals mit Herrn Ziegler auch einen abschließenden, das Erlernte vertiefenden AUSFLUG zum KOSCHENBERG machten. Denkbar wäre es schon gewesen, denn an den traditionellen >SCHULWANDERTAGEN< setzte er gern auf längere FUSSMÄRSCHE und ging uns Schülern auch stets mit forschem Schritt voran. Eine SOLO-WANDERUNG ZUM & RUNDBLICK VOM KOSCHENBERG
schilderte 1928 ein gewisser Paul M a t t i s e c k in der Beilage zum >Senftenberger Anzeiger< „Aus der Heimat – für die Heimat“:

„Wie oft war der KOSCHENBERG mein Ausflugsziel. Im FRÜHLING, wenn Bäume und Sträucher, Wiesen und Felder sich im jungfräulichen Schmuck zeigen; im SOMMER, wenn ich auf seinem Gipfel stand, herausgehoben aus dem Dunst und Staub in frische reine Luft; im HERBST, wenn die Landschaft gleich einem bunten Teppich zu Füßen liegt, oder im WINTER mit den Schönheiten des Rauhreifs und des blendenden Weiß‘ der schneebeladenen Hänge und Wälder.

Das verkehrsreiche Stück WEG durch Buchwalde hindurch bis zur Elsterbrücke ist schnell überwunden. Und wenn man ein halbes Stündchen auf dem eigentlichen KOSCHENBERG-WEGE gelaufen ist und sich umschaut, erlebt man schon die erste kleine Freude des Herabschauens auf das, was hinter und unter einem liegt.
Je höher man steigt und sich dann an der KOSCHENBERG-VILLA von der Straße nach links abgewendet hat, desto weiter wird der GESICHTSKREIS:

Im Osten liegt wie eine Oase, umgeben von noch recht grauen Wiesen, das Dorf TÄTZSCHWITZ. Hinten, wo sich die Landschaft im blauen Dunst verliert, schließen die DREBKAUER BERGE, einige Kippen und Schlote der um PETERSHAIN und WELZOW liegenden Glashütten und Brikettfabriken die Sicht ab. Weiter südlich nimmt das Ilse-Werk „Erika“ und das massive LAUTAWERK mit seinem markanten Zügen, den drei gleichgroßen Schloten und dem Wasserturm, den Blick gefangen. Daneben, etwas stiefmütterlich beiseite gedrückt, liegt LAUTA mit dem Reiterchen auf dem Kirchdach. Zwischen LAUTA und HOSENA ist das Landschaftsbild typisch märkisch, obgleich es bereits in Schlesien liegt: Kiefernheide, dunkelgrün auf weiter Ebene. Wie große Spiegel im Walde versteckt, liegen in fast südwestlicher Richtung die HOHENBOCKAER & HOSENAER TEICHE. Hier und da, im Dunkelgrün der Kiefernheide wahllos hingestreut, verraten Rauchwölkchen einige Glassandgruben und Ziegeleien. Durch unregelmäßigen Baumbestand sanft hinübergeleitet, verändert sich das Landschaftsbild nach Westen und Norden zu völlig. Hier steht Schlot bei Schlot, dazwischen helle Streifen der Kippen der TAGEBAUE. Da, wo im Hochsommer die Sonne untergeht, breitet sich langgestreckt das SENFTENBERGER Häusermeer aus. Wie gen Himmel zeigende Finger ragen die Türme der evangelischen und katholischen SCHULE aus dem Gewirr der Giebel und Dächer hervor. Nach Nordwesten und Norden begrenzen wiederum Kippen und die noch zum Teil unberührten Südhänge der RAUNOER BERGE den Blick.
Im März ist das Landschaftsbild von hier oben aus noch etwas eintönig, aber im Mai, wenn der Lenz frisches Grün, Blumen und Blüten in verschwenderischer Fülle ausgestreut hat, lacht das Herz, genießt das Auge und befriedigt auch den anspruchsvollen NATURFREUND.
Auf dem GIPFEL DES KOSCHENBERGES steht ein TRIGONOMETRISCHER PUNKT. Vielleicht ließ er sich zu einem AUSSICHTSTURM ausbauen.
Hier gäbe es ein neues Tätigkeitsgebiet für den „Verein für Heimatpflege“.“

Auch Studienrat Wilhelm N u ß gönnte sich solch einen RUNDBLICK, von dem er zu Weihnachten 1924 in seiner Broschüre >Der Koschenberg< wie folgt berichtete:

„Die Aussicht vom GIPFEL des flachen, schildförmigen BERGES verschafft uns einen sehr lehrreichen Ueberblick über verschiedene LANDSCHAFTSTYPEN unserer Heimat.
Zunächst kann der Blick nach NORDEN die Landschaftsform des Lausitzer URSTROMTALS mit seinem ausgesprochenen Nordrand, der von der Böschung der Raunoer HOCHFLÄCHE gebildet wird, in übersichtlicher Weise erfassen. Hier bleibt der Blick an den unschönen KIPPEN hängen, die den TALRAND als unbewachsene Aufschüttungen von Sand und Kies verunstalten und vielfach höher sind als der Rand von Natur ist. In 5 Kilometern Entfernung vor uns liegt die Stadt SENFTENBERG, deren Kirchturm besonders auffällt.
Nach SÜDEN überschauen wir das nordsächsische HÜGELLAND, jenes gewaltige Kies~ und Schotterfeld, das als flach geneigter SCHUTTKEGEL vor dem Granitgebirge der Oberlausitz lagert.
Der NORDRAND der Oberlausitz schließt im SÜDEN endgültig den Blick ab. Zur rechten fällt uns der 412 Meter hohe KEULENBERG bei Königsbrück besonders auf. In unmittelbarer Nähe des KOSCHENBERGES erblicken wir durch die Industrieanlagen des LAUTAWERKS hindurch den Schwarzkollmer STEINBERG. In dem Sektor zwischen Keulenberg und Steinberg ist das gesamte GRANITGEBIET enthalten.“


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Wie auf den FOTOS ersichtlich, pilgerten einstmals nicht nur „wandernde SCHÜLERSCHAREN“ sondern auch FAMILIEN & LIEBESPAARE, und falls es kräftig geschneit hatte, auch WINTERSPORTLER zum KOSCHENBERG, denn er hatte einige schöne RODELBAHNEN im Angebot, was wir in nachfolgendem Erlebnisbericht eines Kaufmannslehrlings im >Senftenberger Anzeiger< von 1922 nachlesen können:

„Wir machen heut eine SCHNEEFAHRT und zwar soll’s eine RODELFAHRT werden. Unser Ziel ist der KOSCHENBERG.
Kniehosen und leichtes Kittelzeug sieht man heute nicht, auch ist das edle Haupt bedeckt. Denn erkälten möchte man sich doch nicht. Ein Häuflein ist beisammen und tippelt fröhlich und guter Dinge durch den knirschenden Schnee nach dem KOSCHENBERGE.
Auf der RODELBAHN herrscht schon ein reges Leben. Zwischen Kiefern schlängelt sie sich am Bergeshang hinauf. Es muß also ungeheuren Spaß machen, hier herunterzurutschen. Wir freuen uns schon auf den ersten Rutsch. Hui ! Wie saust der Schlitten schnell in die Tiefe ! Entweder landet man ordnungsgemäß unten am Ende oder man schwenkt mitten in der Fahrt nach rechts oder links ab oder man kippt mitten auf der Bahn um und liegt in der Hypnose. Es kann auch vorkommen, daß man infolge der großen Liebe zum Walde bei seiner Fahrt in’s Blaue mit aller Titanenwucht gegen einen unschuldigen Baumstamm saust. Nachdem man sich aber wieder vom Schnee gesäubert und hinkend den Gipfel erklommen hat, versucht man schon wieder sein Heil, bis es endlich klappt.
Von Kälte ist nichts zu spüren. Wir dampfen alle. Runter geht’s ganz schön, wenn nur das Hinaufsteigen nicht wäre. Die Sehnsucht nach der BLAUEN BLUME und das Streben nach ein bißchen Romantik treibt ein paar von uns weg von der Rodelbahn weiter hinauf nach dem Gipfel des Berges, um an einer anderen, versteckt liegenden Stelle eine bessere Bahn ausfindig zu machen. Keuchend tapfen wir durch den hohen Schnee. Auf dem Gipfel angelangt, halten wir vom freien DREIECK Ausblick nach unserem lieben HEIMATSTÄDTCHEN, das auch vergraben im Schnee in der Ferne daliegt. Dann geht es den Abhang wieder nach der Westseite hinunter.
Nur ungern möchten wir uns von diesem Ort fröhlichen Treibens und den frohen Menschenkindern trennen. Rüstig, wenn auch naß, geht’s in flottem Marsche SENFTENBERG zu…“

SCHNEE ? RODELN ? – ACH JA --- FRÜHER HATTEN WIR IMMER SCHNEE IM WINTER… ! :D

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