Neues 443 - 2020-10-25

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Matthias
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Neues 443 - 2020-10-25

Beitragvon Matthias » Sa 24. Okt 2020, 07:56

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Harald
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Re: Neues 443 - 2020-10-25

Beitragvon Harald » Sa 24. Okt 2020, 15:03

Skizze_resize.jpg

Bei der weiten Entfernung von der STADT SENFTENBERG ergab sich die Notwendigkeit der Errichtung eines eigenen Seelsorgebezirkes für die 3500 Seelen von SENFTENBERG II & HÖRLITZ.
Ab April 1926 hielt der Hilfsprediger Pastor T h i e m e s seine GOTTESDIENSTE in der VOLKSSCHULE II an der Ecke Wrede~ / Klettwitzerstraße ab.
Da sich die SCHULSTUBE als zu klein erwies, sah man sich genötigt, einen KIRCHENAUSBAU ins Auge zu fassen.
Am 5. Juni 1928 wurde die Errichtung einer HOLZKIRCHE von der Gemeindevertretung genehmigt. Zahlreiche Pläne wurden gemacht und wieder verworfen. Letztlich einigte man sich darauf, keine „NOTKIRCHE“, sondern ein festes

GOTTESHAUS AUS KLINKERSTEINEN

zu errichten. Am 28.10.1928 erfolgte die GRUNDSTEINLEGUNG, und bereits am 31. Mai 1929 vermeldete der >Senftenberger Anzeiger<
die BAUPOLIZEILICHE ABNAHME:

„Gestern nachmittag um 3 Uhr fand die ABNAHME unsres KIRCHLEINS, dessen Fertigstellung sich durch den langen Frost leider verzögert hat, statt…Die KIRCHE macht äußerlich schon einen ziemlich vollendeten Eindruck. Mit dem PUTZEN hofft man in den nächsten Tagen fertig zu werden. Auch an der INNENEINRICHTUNG wird eifrig gearbeitet. Die BÄNKE sind teilweise bereits eingetroffen, desgleichen das von einem Görlitzer Künstler geschnitzte KREUZ für den Altar. Man hofft, in etwa 6 Wochen die EINWEIHUNG DES GOTTESHAUSES vornehmen zu können.“

…und schon einen Monat später, am 20.11.1928, berichtete der >Senftenberger Anzeiger< vom RICHTFEST:

„In Anwesenheit von Kirchenvertretern von Senftenberg & Hörlitz und der Bauleitung, sowie dem Ausführenden, Baumeister F r e y s c h m i d t, und der Baubelegschaft fand am vergangenen Sonnabend das RICHTFEST der Notkirche statt. Nach einer BESICHTIGUNG des Baues fanden sich alle Anwesenden auf dem DACHSTUHL zusammen.
Der hier vorgesehene FESTAKT wurde mit dem gemeinsamen GESANG DES LIEDES: ‚Nun danket alle Gott‘ eröffnet.
Sodann nahm Zimmerpolier H u m m e l das Wort zu einer ANSPRACHE, in der er zum Ausdruck brachte, daß alle BAULEUTE rüstig zur Hand gegangen seien, um den BAU unter Ueberwindung mannigfaltiger Schwierigkeiten bis zum augenblicklichen Stadium zu bringen. Dr. B o e c k l e r gab anschließend eine kurze Schilderung der ENTSTEHUNGSGESCHICHTE. Während des im Gasthaus Lieske eingenommenen RICHTESCHMAUSES brachte der Erdenker des Entwurfs, Architekt V o g e l, zur Sprache, daß es gelungen sei, trotz nicht großer Mittel einen Bau zustande zu bringen von würdiger sakraler Wirkung. In verhältnismäßig kurzer Zeit, die dem Baumeister zur Ehre gereicht, sei ein Wert geschaffen worden, Gott zum Lobe und der Gemeinde zur Freude. Zum Schluß sprach noch Dr. Boeckler den Dank an alle Beteiligten aus, dem sich Baumeister Freyschmidt mit Worten des Dankes für das erwiesene Vertrauen anschloß.“


Da die EINWEIHUNGSFEIER schon unter „NEUES“ / Seite 63 ausführlich gewürdigt wurde, widmen wir uns heute der diesem Ereignis vorangegangenen GLOCKENWEIHE, wovon am 30. Juli 1929 im >Senftenberger Anzeiger< folgendes zu lesen war:

„Die EINHOLUNG der beiden GLOCKEN für unser neuerbautes KIRCHLEIN gestaltete sich zu einem recht feierlichen und würdigen Akt. Dazu hatte im wesentlichen unsere >EVANGELISCHE FRAUENHILFE< beigetragen. Sie hatte den festlich geschmückten WAGEN zur Verfügung gestellt, auf dem die GLOCKEN von dem bisherigen Standort bis zur KIRCHE gefahren wurden.
Der Bedeutung des Vorganges entsprechende Worte sprach Pfarrer S c h e f f l e r. Er ließ seine ANSPRACHE nach einer Betrachtung der GLOCKEN und der auf ihnen angebrachten INSCHRIFTEN & BIBELSPRÜCHEN ausklingen in dem Wunsche, daß viele Andächtige dem ehernen Munde folgen mögen. Die beiden GLOCKEN sind auf ‚G‘ und ‚H‘ abgestimmt. Sie sind ein heimisches Erzeugnis aus der GLOCKENGIESSEREI der LAUCHHAMMERWERKE. Der GLOCKENSTUHL unserer Kirche ist so gebaut, daß auch die dritte, bisher noch fehlende GLOCKE aufgehängt werden kann.“

ES LÄUTEN DIE GLOCKEN
Unter dieser Überschrift berichtete die >Lausitzer Landes-Zeitung< von den Festlichkeiten am Erntedankfest-Sonntag, den 29. September 1929: „von den vielen frohen Menschen im feierlichen FESTZUGE, wie die Posaunenklänge des alten Bergmannsliedes und das Spalier der erwartungsvollen Kinder einen wirklich GROSSEN TAG für die Gemeinde Senftenberg II einleiteten…Schlicht und ohne kostbaren Schmuck steht das KIRCHLEIN da mit einem 4-kantigen trotzigen TURM, nur 12 m hoch, aber doch sichtbar genug, um zu verkünden: ‚Denke nicht, nun ist der Bau vollendet, nun hebt das Bauen an.'
Daß bei solcher WEIHE Behörden und Würdenträger in Kraft treten, ist natürlich und dankenswert. Aber in wessen Herzen werden die GLOCKEN stärker läuten als in denen der eigenen GEMEINDE, in dem ihres PFARRERS, dessen Werden und Wachsen, dessen Herzschlag ganz tief mit diesen GLOCKEN verbunden ist…“

Ganz sicher erinnerten sich viele KINDER dabei auch an ein kleines RÄTSEL aus ihrem LESEBUCH:
"Ich rede ohne Zunge, Ich schreie ohne Lunge, Ich hab' auch kein Herz und nehm' doch Teil an Freud und Schmerz."

Glockenstuhl_resize.jpg

Der Kantor & Glockensachverständige Arnold R i ß l e r verfasste im Jahre 1999 ein GUTACHTEN zum
GELÄUT DER HEILANDSKIRCHE IN HÖRLITZ, woraus ich nachfolgend einige FAKTEN zitiere:

„Im TURM der HEILANDSKIRCHE befindet sich ein aus miteinander verschraubten Winkelstahlteilen bestehender GLOCKENSTUHL.
Er hat 3 nebeneinanderstehende GEFACHE.
Die KLEINE, auf ‚D‘ abgestimmte BRONZEGLOCKE, stammt aus dem Jahre 1929 und somit aus dem >ERSTEN GELÄUT< der Heilandskirche.
Sie hat eine sogenannte Tellerkrone und auf der HAUBE die INSCHRIFT: „LAUCHHAMMER. R 52 – 5 1929“ sowie auf der Flanke den SPRUCH: „Ich will den Herrn loben allezeit: sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Psalm 34,2.
Im mittleren Gefach hing die GROSSE GLOCKE, die gemeinsam mit der MITTLEREN GLOCKE für Heereszwecke abgeliefert werden musste.
Im Jahre 1949 wurde in das Gefach der großen Glocke eine EISENHARTGUSSGLOCKE der Fa. Schilling & Lattermann aus Apolda eingehängt.
Die Registernummer ist auf der Haube der Glocke noch schwach zu erkennen: 6 / 47. Am Hals stehen die WORTE:
O LAND LAND LAND HÖRE DES HERRN WORT, und auf der Rückseite das Gießerzeichen „1949“.
Das Gefach der ehemaligen, auf ‚H‘ abgestimmten MITTLEREN GLOCKE ist noch immer leer.
Nicht nur der Materialwert, sondern vor allem der musikalische Wert der BRONZEGLOCKE ist viel höher anzusetzen als der der EISENHARTGUSSGLOCKE.
Sie ist eine der wenigen, noch erhalten gebliebenen Bronzeglocken, die in Lauchhammer zwischen beiden Weltkriegen gegossen wurden."


Ein evangelischer KINDERGARTEN mit GLOCKE auf dem Dach wurde 1933 angebaut und mit der KIRCHE zu einem einheitlichen Ensemble verbunden. Bis 1968 gab es dort eine lebendige Kindergartenarbeit, bis 1984 noch eine Vorschularbeit. Die GLOCKE auf dem Kindergarten erinnert noch immer an die einstige Nutzung. Ab 1998 werden die Räume nunmehr zu Wohnzwecken genutzt.

KITA Glocke_resize.jpg

KIRCHENGLOCKEN

symbolisieren den mütterlichen RUF der KIRCHE an die GLÄUBIGEN, oder wie es bei der GLOCKENWEIHE angedeutet wird,
die VERKÜNDIGUNG DES GÖTTLICHEN WORTES durch die KIRCHE.
Mittels der GLOCKEN nämlich redet die KIRCHE zu ihren KINDERN, ruft sie zum GOTTESDIENST und zum GEBET.
Das mächtige GELÄUT verkündet weithin den Vorgang heiliger Handlungen und vermittelt zugleich Gefühle der FREUDE oder TRAUER.
Letzteres trat ein, als im Jahre 1942 das ganze "Reich" zum NICHTEISENMETALL - LAGERPLATZ mutierte.
Man fing KLEIN an:
Durch Haussammlungen wurden die Bürger um Goldschmuck, silbernen Hausrat & Essbestecke gebracht, die 1-Pfennig-KUPFERMÜNZE wurde als Zahlungsmittel entwertet, KUPFERKABEL von Nachrichtenleitungen ausgewechselt und in den Zügen der Reichsbahn alles, was aus ZINK oder KUPFER o.a. Nichteisenmetallen bestand, z.B. MESSING-Gegenstände wie Garderobenhaken & Waschtischgriffe abmontiert.
Allerorts wurden buntmetallene TÜRKLINKEN, in Haushalten & Sportvereinen POKALE & EHRENPREISE einkassiert.
GROSS ging es dann weiter:
Nachdem auch DENKMÄLER reichsweit abgerissen und eingeschmolzen wurden, stürzte sich die >Reichsstelle für Metalle< ab 1940 auf BRONZE – KIRCHENGLOCKEN. Hitler ging bei diesem Thema allerdings zunächst behutsam vor, denn er fürchtete Unmutsäußerungen in der Bevölkerung, die wiederum die Wehrkraft schmälern würden.
Und so kam es, dass man den Kirchen gegenüber versicherte, die KIRCHENGLOCKEN solange wie möglich vor den SCHMELZÖFEN zu bewahren.
In „weiser Voraussicht“ legte man aber schon MELDEBOGEN FÜR BRONZEGLOCKEN DER KIRCHEN an
– so geschehen auch für die HÖRLITZER HEILANDSKIRCHE:

Glocken von Hoerlitz_resize.jpg

Doch schon im Februar 1941 wurden die Überlegungen für eine reichsweite GLOCKENABNAHME wieder aufgenommen. Anlass waren die Vorbereitungen für den Angriff auf die Sowjetunion, für den die Menge der verfügbaren Rohstoffe noch einmal gesteigert werden musste. Die Behörden entschieden deshalb, die Glocken im Reich und den besetzten Gebieten abzunehmen, um so dringend benötigtes Metall zu gewinnen.
Zwischen Ende 1941 und April 1942 wurden insgesamt 102.000 KIRCHENGLOCKEN abmontiert – deutlich mehr als im 1. Weltkrieg,
wo die Behörden den gleichen Plan ebenfalls verfolgt hatten.
Jede Gemeinde durfte nur eine „LÄUTEGLOCKE“ behalten – es musste aber in jedem Fall die KLEINSTE sein.
SO LEIDER AUCH GESCHEHEN IM >HÖRLITZER KIRCHLEIN<
Deshalb rufen heute nur die kleine (originale) TAUFGLOCKE von 1929 und die große (ersetzte) VATERUNSERGLOCKE von 1949 zum Gottesdienst.


EIN GROSSES DANKESCHÖN an Herrn Pfarrer SCHWARZ sowie Frau Christel NÜTZSCHE vom HÖRLITZER HEIMATVEREIN,
die mich mit historischen Dokumenten, sowie aktuellen FOTOS von den HÖRLITZ / SENFTENBERG ZWEIER ;) GLOCKEN versorgten.


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