Neues 335 - 2018-07-22

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Matthias
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Neues 335 - 2018-07-22

Beitragvon Matthias » Sa 21. Jul 2018, 07:40

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Harald
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Re: Neues 335 - 2018-07-22

Beitragvon Harald » Sa 21. Jul 2018, 15:40

bahndammbrand_resize.jpg

Die gegenwärtige >HITZEFRONT< ist ausschlaggebend für meinen heutigen Kommentar.
Immerhin sind schon seit einigen Wochen zahlreiche Meldungen über diverse FELD~, WALD~ & WIESENBRÄNDE an der Tagesordnung.
In meiner Kindheit wurden diese sehr oft mit den vielen DAMPFLOKS der Deutschen Reichsbahn in Verbindung gebracht, deren glühende Funken die Böschungen am Gleiskörper, oft auch noch weitere Flächen in Brand setzten.
Als im TAGEBAU noch DAMPFLOKS die geförderte Braunkohle zu den Brikettfabriken transportierten, kam es auch hier zu teils verheerenden
FLÄCHENBRÄNDEN, wie der >Senftenberger Anzeiger< am
19. April 1929 berichtete:

F.Ernst 2_resize.jpg

TAGEBAUBRAND BEI DER HALLISCHEN PFÄNNERSCHAFT

„Gestern gegen Mittag entstand in einem bereits ausgekohlten Teil der GRUBE FRIEDRICH ERNST ein TAGEBAUBRAND.
Dieser wurde in recht kurzer Zeit durch die gesamte Schlauchleitung der Grube selbst, sowie durch den Motorlöschzug des Niederlausitzer Bergbauvereins, der sofort zur Stelle war, bekämpft.
Dank dieser schnell einsetzenden Bekämpfung konnte die Kohlenförderung voll aufrecht erhalten werden.
Von unserm an die Brandstelle entsandten Mitarbeiter wird uns dazu geschrieben:
Wenn die trockene Jahreszeit beginnt und ein anhaltender Ost oder West über das Land bläst, bekommt der Bergmann ein bedenkliches Gesicht. Dann naht die Zeit der TAGEBAUBRÄNDE.
Ein Tagebaubrand bedeutet stets Aerger und Verdruß, mehr noch, wenn er trotz aller Vorsicht größere Ausdehnung gewinnt, muß unter Umständen die Förderung eingestellt werden, dies zieht gewöhnlich bald darauf STILLEGUNG des gesamten Betriebes nach sich.
Unermeßliche Werte werden schließlich durch den Brand selbst vernichtet. Um vor Schaden möglichst geschützt zu sein, ist auf allen Werken in der ‚tagebaubrandfreudigen‘ Zeit der FEUERWACHDIENST noch straffer als sonst organisiert.
Ferner hat sich der Niederlausitzer Bergbauverein einen MOTORLÖSCHZUG, vereinigt mit der Senftenberger Freiwilligen Feuerwehr und den Werksfeuerwehren, geschaffen, der mit allen SPEZIALGERÄTEN für schnelle und wirkungsvolle Tagebaubrandbekämpfung ausgestattet ist.
Trotz aller Vorsicht entstehen alljährlich im hiesigen Braunkohlenbergbau mehrere TAGEBAUBRÄNDE.
Ein aus dem Schornstein der GRUBENLOKOMOTIVE stammendes Fünklein (Rauchen ist im Tagebau im Sommer streng verboten),
ein Stück glühende Kohle aus dem Aschkasten, schon ist die Vorbedingung für einen Tagebaubrand gegeben.

Wenn dann am Horizont dichte weiß-bläuliche Rauchwolken aufsteigen, sagt man in Senftenberg:
‚Bei Reschkens, oder bei Henkels (um einige alte Namen aus den Anfängen des Bergbaues wieder hervor zu ziehen) brennts‘.

Als gestern gegen 11 Uhr die ersten Rauchwolken am Horizont zu beobachten waren, galt der Alarmruf: >TAGEBAUBRAND< der Grube Friedrich-Ernst der Halleschen Pfännerschaft. Der Brand nahm durch den starken Westwind schnell an Umfang zu, sodaß im Laufe des Nachmittags die Hilfe des Motorlöschzuges in Anspruch genommen werden mußte. Vorher war die Werksfeuerwehr eingesetzt worden, deren Leitung bald zu der Einsicht kam, daß sie trotz eifriger Bemühung ohne fremde Hilfe nicht auskommt. Die Bekämpfung begann nach alter Erfahrung mit dem Winde vom Westflügel, nachdem vorher geeignete Maßnahmen zum Schutze der im Brandfelde befindlichen Maschinen getroffen waren. Bereits gegen Abend war es gelungen, weitere Ausdehnung zu verhindern. Nachts wurde die Bekämpfung mit allem Nachdruck fortgesetzt. Die in der Nacht verrichtete Löscharbeit war von gutem Erfolg begleitet, sie kann jedoch noch nicht als beendet gelten, da die Eigenart des Betriebes der planmäßigen Bekämpfung Widerstand entgegensetzt.
Die Macht des Feuers ist zwar gebrochen, die Löscharbeiten werden noch den heutigen Tag , unter Umständen auch die kommende Nacht, in Anspruch nehmen.
Die starke Rauchentwicklung hatte gestern nachmittag eine größere Anzahl Schaulustiger an den Rand des Tagebaues gerufen.
Nach Eintritt der Dunkelheit gab es ebenfalls viele Bewunderer des schaurigschönen FLAMMEN~ & FUNKENMEERES.“

Tb Brand_resize.jpg

20. April:

„Gestern abend mußte eine weitere SPRITZE des Motorlöschzuges eingesetzt werden, um ein möglichst schnelles Ende in der Bekämpfung des Brandes herbeizuführen. Der anhaltende Wind und das trockene Wetter machen die Bekämpfung weiterhin schwierig.
Wie wir noch erfahren, erlitt ein Feuerwehrmann eine Quetschung an der Hand. Er mußte sich in ärztliche Behandlung begeben.“
Schuld an diesem TAGEBAUBRAND war demnach der FUNKENFLUG von der dampfbetriebenen GRUBENLOKOMOTIVE, welche die extremen Steigungen per Zahngetriebe und Zahnradstangen bewältigte."

Bedeutende Werke menschl. Geistes_resize.jpg

Und nun raten Sie mal, wer dieses ZAHNRADBAHNSYSTEM erfunden hat ?
Richtig – ein SCHWEIZER, nämlich der Ingenieur und Lokomotivbauer Niklaus Riggenbach (1817 – 1899)
Die von ihm entwickelte ZAHNRADLOKOMOTIVE war eine 2-achsige TENDERMASCHINE, welche sich von gewöhnlichen LOKS dadurch unterschied, dass die DAMPFKRAFT nicht direkt von der SCHUBSTANGE auf die TRIEBACHSE übertragen wurde, sondern erst auf eine ZWISCHENWELLE, welche in ihrer Mitte ein 435 mm großes ZAHNRAD trug. Dieses griff wiederum in ein größeres ZAHNRAD von 764 mm Durchmesser ein und trieb damit eine zweite ZWISCHENWELLE, welche an ihren Enden 2 KURBELN trug, von welchen aus die Kraft mittels KUPPELSTANGEN auf die TRIEBRÄDER übertragen wurde.
Die LOK schaffte es immerhin auf 78% Steigung einen aus 8 Wagen bestehenden Zug von 400 Zentner Gewicht mit 15 km/h aufwärts zu schieben…

Weitere technische Feinheiten sind in der
>TECHNISCHEN ZEICHNUNG< von 1877 ersichtlich:

Zahnradbahn 1-2_resize.jpg

Klaus
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Re: Neues 335 - 2018-07-22

Beitragvon Klaus » So 22. Jul 2018, 20:54

Lieber Harald,

wenn Du Zahlen verwendest, die keine Datumsangaben oder Jahreszahlen sind, dann solltest Du achtsam sein, denn diese werden besonders aufmerksam beäugt. Offensichtlich benötigst Du Hilfe in der Prozentrechnung. Ich kenne da einen Diplommathematiker, an den Du Dich wenden kannst.
Gruß Klaus

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Harald
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Re: Neues 335 - 2018-07-22

Beitragvon Harald » Mo 23. Jul 2018, 10:47

Bild1_resize.jpg

Hallo lb. Klaus,
hier ist ein FAKSIMILE aus der ORIGINALSCHRIFT mit dem entsprechenden ZAHLENMATERIAL.
Mathematik war nicht mein Lieblingsfach, deshalb könnte es durchaus sein, dass ich diese
PROZENT-Angabe 0/00 falsch gedeutet habe...
Vielleicht könntest Du mir ja bei der Aufarbeitung des "Rechenfehlers" behilflich sein ? :idea:

Klaus
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Re: Neues 335 - 2018-07-22

Beitragvon Klaus » Mo 23. Jul 2018, 13:29

Lieber Harald,

Steigungsangaben bei der Bahn sind (wie Blutalkoholwerte bei der Polizei) grundsätzlich, immer und stets in Promille. In der Schule habe ich noch gelernt, dass die DDR in Oberweißbach die steilste Eisenbahnstrecke der Welt besitzt. Diese hat eine Steigung von etwa 25%, also 250 Promille. Sie ist allerdings eine Standseilstrecke, keine Zahnradbahn. Heute schaffen die steilsten Zahnradbahnen so um die 30%. Ausnahme und Weltrekordler sind die Treidellokomotiven am Panamakanal mit 50% (500 Promille), die aber nur ganz kurze Steigungen bewältigen. Vor rund 150 Jahren baute Niklaus Riggenbach eine Zahnradbahn, die damals sensationell eine Steigung von über sieben Prozent, also natürlich siebzig Promille schaffte. Wenn Du mir das nicht glaubst, dann fahre mit Deinem Fahrrad mal von Ortrand nach Linz. Dort beträgt die Steigung um die 9%. Wenn Du diese bewältigt hast, dann weißt Du, dass man 78% schon deshalb nicht mit einer Bahn bewältigen kann, weil hinten die Ladung aus den Waggons herauskullert und im Speisewagen Dir die Suppe komplett aus dem Teller auf die Hose läuft.
Gruß Klaus

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Harald
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Re: Neues 335 - 2018-07-22

Beitragvon Harald » Mo 23. Jul 2018, 17:45

Naja - wenn es hier um PROMILLE geht...lag ich mit meinen PROZENTEN ganz offensichtlich im falschen Gleisbett.
Ich bitte also um Nachsicht und gelobe Besserung ! :oops:
Als DANKESCHÖN kriegst Du von mir noch eine interessante RECHENAUFGABE geschenkt, ebenfalls aus historischer Quelle,
gewissermaßen als NACHKLANG zum Senftenberger SCHLACHTGETÜMMEL am vergangenen Wochenende:

Aufgabe Verpflegung 1_resize.jpg


Für DICH ein KLACKS ! :)
(Übrigens: die Treidelloks am Panamakanal bewältigen max. 45% Steigung, Weltrekordler ist die PILATUSBAHN in der Schweiz mit 48% !)

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Harald
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Re: Neues 335 - 2018-07-22

Beitragvon Harald » So 29. Jul 2018, 08:57

...und hier die AUFLÖSUNG:

Aufgabe Verpflegung 2_resize.jpg


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