20.09.2026

So langsam scheint sich ja der Sommer zu verabschieden. Immerhin schreiben wir schon Ende September und in 3 Monaten ist Heilig Abend! Es wird also bald Zeit, sich Gedanken um die Weihnachtsgeschenke für die Liebsten zu machen.
Für Oma und Opa ist es traditionell immer schwierig. Die haben alles, brauchen nichts. Wenn man so gar keine Idee hat, wird in allerletzter Not irgendwas besorgt, das irgendwie - und wenn auch nur entfernt - irgendwas mit ihrer Vergangenheit zu tun hat. Die Heimatbücher von Norbert Jurk, die jahrelang auf den Gabentischen der (Ex-)Senftenberger lagen sind aus bekannten Gründen seit 5 Jahren Geschichte. "Kippensand" - der Heimatkalender für den Altkreis Senftenberg - wäre eine Möglichkeit. Oder wie wär's mit einem Wandkalender?
Und siehe da, die "Kalender-Manufaktur" in Verden hat für das kommende Jahr einen solchen im Angebot...

Die Fotos für die 12 Monatsblätter, die teilweise auch auf der "Startseite" wiederholt werden, stellte das Senftenberger Stadtarchiv zur Verfügung. In selbigem wurde mir unlängst auch ein Probedruck (?) dieses Kalenders unter die Nase gehalten.
Ich muß gestehen, daß mich das Ganze jetzt nicht umhaut (Aufruf an die Verwandten: mir braucht ihr das Ding nicht zu schenken!)

Allein schon deshalb, weil ich die Aufnahmen zum überwiegenden Teil natürlich besitze. Und noch dazu in wesentlich besser Qualität. Es würde mir also nicht schwer fallen, mir so einen Kalender selbst zu basteln, wenn ich denn überhaupt Bedarf an einem derartigen Objekt hätte. Tatsächlich kenne ich eigentlich keinen, der sich noch solche Wandkalender in die Stube hängt. Früher, ja früher, da war das irgendwie Standard. Aber in 2027? Naja vielleicht ins Büro um die kahlen Wände zu füllen? In den Zeiten von Home-Office haben aber viele nicht mal mehr ein solches.
Kurzum, ich kann hinsichtlich solcher Produkte jetzt nicht die riesige Nachfrage erkennen. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum ich schon vor ein paar Jahren dieser Verdener Kalender-Manufaktur eine Absage erteilte, als die mich davon überzeugen wollte, Bildmaterial für das Zusammenschrauben eines solchen Kalenders zur Verfügung zu stellen.
Naja, nun hat sich also das Stadtarchiv bequatschen lassen und die entsprechenden Fotos beigesteuert. Ich habe mir zwar alle 12 Seiten angeschaut aber ehrlich schon wieder zum Teil vergessen, was im Detail da abgedruckt ist. Sicher ist, daß man sich hauptsächlich in den 1960ern und 1970ern bewegt. Möglicherweise sogar Ende der 1950er. Kann sein, kriege ich nicht mehr zusammen.
Auf jeden Fall ist diese zeitliche Beschränkung angebracht. Denn wenn sich jemand für diese Kalendermotive interessiert, dann doch wohl am ehesten diejenigen, die das alles noch bewusst mit eigenen Augen gesehen haben. Also vornehmlich Senftenberger der ersten noch lebenden Generation (65 aufwärts).
Und die geben möglicherweise auch die 22 Euro 90 plus Versandkosten aus. Was ggf. entfallen könnte, wenn die Stadt selbst ein Kontingent geordert hat, um die Kalender den Bewohnern diverser Seniorenheime der Stadt zu Nikolaus in die Kamelhaarpantoffeln zu schieben.
Wie geschrieben: ich kann mich aktuell nicht an jedes einzelne Motiv erinnern aber ich bin mir ziemlich sicher, daß keines aus der Kreuzstrasse bzw. diesem Teil der damaligen "Ernst-Thälmann-Straße" dabei ist. Wofür es Gründe gibt. Mir ist nämlich keine einzige Nachkriegsansichtskarte bekannt, die auch nur irgendwas aus diesem Bereich zeigt. Und da die Mehrzahl der im Kalender verwendeten Motive von konventionellen Ansichtskarten stammt muß man sich über die Abwesenheit entsprechender Fotos auch nicht wundern.

Aber warum wurden zu DDR-Zeiten keine Ansichtskarten mit Kreuzstrassen-Motiven verlegt wo es doch bis 1945 eine ganze Reihe kommerzieller Produktionen gab? Die Antwort könnte sein, daß zumindest der nördliche Teil der Kreuzstraße nach dem Krieg lange Zeit einem Trümmerfeld glich. Eigentlich kann es ja nicht anders sein, als daß dieser Bereich in den letzten Kriegstagen (ein Luftbild vom März 1945 zeigt eine intakte Struktur) massiv zerstört wurde oder aber daß nach Kriegsende - wie in anderen Teilen der Stadt - Brandschatzungen erfolgten.
Jedenfalls - so bezeugen es diverse Fotos, die ich sukzessive vorstellen werde - stellte sich der Bereich der ungeraden Hausnummern 7 bis 25 größtenteils in Form von Ruinen, Brachen oder Interimsbauten dar. Nichts, womit man auf Ansichtskarten hätte punkten können.

Das traurige daran ist, daß sich dieser Zustand über 25 bis 30 Jahre hinzog! Da konnte man rückschauend schon einmal den Überblick verlieren und verbreitete später (bewusst?) "fake news". Denn im März 1985 erschien in der "Lausitzer Rundschau" rechts abgebildete Grafik. Die darauf befindliche Szenerie ist alles, aber nicht Mai 1945!
Persönlich würde ich da noch gut und gerne 5 Jahre draufpacken. Denn ich bin mir ziemlich sicher, daß die Zeitungsillustration in allen Belangen zu dem nachfolgenden Foto passt...

Senftenberg
Aufnahme <= 1951
Archiv der Stadt Senftenberg
Lausitzer Rundschau (März 1985)
Dieses Foto lässt sich derzeit nicht genau datieren. Ich tippe auf 1950. Leider ist es mir nicht gelungen, das Plakat, das in vierfacher Ausführung an der Ruine der Hausnummer 7 klebt, zu identifizieren, um daraus Rückschlüsse auf ein Entstehungsjahr zu ziehen.
Gleichzeitig ist die Aufnahme ein Beweis für meine oben getätigte Aussage hinsichtlich eines "Trümmerfelds". Wir erkennen die Ruine der Hausnummer 7 (Thams & Garfs), den noch intakten "Fremdenhof zur Börse" (Nr.9) gefolgt von den Überresten der Hausnummer 11 (Sprenger). Die Hausnummer 13 (Stiebner) ist gänzlich verschwunden. Von der Hausnummer 15 (Kaiser) steht nur noch eine Wand. An der Nummer 17 (und das passt zur Zeitungsillustration) wird gerade gewerkelt um die Fleischerei Enderlein wieder in Betrieb zu nehmen. Gut möglich, daß an dieser Stelle ein Neuaufbau und keine Flickschusterei an der Ruine erfolgte. Von der Hausnummer 19 ist auch noch mindestens die Front erhalten. Diese wird später bis auf das Parterre geschliffen und zugemauert. Die Hausnummern 21 und 23 machen einen unversehrten Eindruck.
1963 - und ich habe eigentlich wenig Zweifel an dem zum rechts abgebildeten Foto mitgelieferten Jahr - sah die Sache partiell schon etwas anders aus. Leider fing die Kamera nur einen Teil des Straßenzuges ein. Aber genug, um zu erkennen, daß die Hausnummer 19 mittlerweile auf besagte Mauer reduziert worden war. Die Fleischerei Enderlein an der Nr.17 sieht zwar aktuell verrammelt aus, das Haus macht aber einen soliden Eindruck. Die Hausnummer 15 erscheint lediglich in Form einer Mauer doch bei Stiebners an der Nummer 13 hat sich etwas getan. Dort hatte man einen Flachbau hingezaubert und den Verkauf von Textilien wieder etabliert. Dabei handelte es sich aber um eine Interimslösung deren Laufzeit begrenzt war. Ganz rechts im Bild erkennt man noch, daß auch die Hausnummer 11 lediglich aus einer mannshohen Mauer besteht. Der Rest der Straße wurde leider nicht fotografisch festgehalten.

Sprung in den August 1967 und diesmal kann man der "Lausitzer Rundschau" vertrauen...

Lausitzer Rundschau (30. August 1967)
Senftenberg
Aufnahme = 1963
Sammlung Familie Wendt

Senftenberg

Aufnahme = 1967
Archiv der Stadt Senftenberg

Aufgrund der Zeitungsillustration ist es ein Kinderspiel, das obige Foto zu datieren. September 1967 würde ich sagen. Die Abrißarbeiten an der Hausnummer 25 sind mittlerweile etwas fortgeschritten. Das Emailleschild VARTA DIENST, das da noch an der Wand baumelt, wäre heute zweifellos einige Euro wert.

Rückblickend ist mir nicht klar, warum an der Straßenecke da unbedingt eine Grünanlage entstehen musste. Die Bildunterschrift suggeriert ja, daß das der Plan war. In meiner Erinnerung war das eigentlich immer eine Dreckecke und zudem völlig deplatziert. Nach der Wende wurde diese Entscheidung revidiert und deshalb steht dort wieder ein Geschäftshaus, wenn auch seit Jahren ohne so richtige Geschäftstätigkeit.

Und damit möchte ich es für heute bewenden lassen. In den folgenden Wochen werde ich das Thema "Umbau der Kreuzstraße" weiter vertiefen. Besitzern von Norbert Jurks Heimatbüchern wird dabei im Zweifel einiges bekannt vorkommen. Ich versuche jedoch hinsichtlich der Qualität eine Schippe oben drauf zu packen, was ja mindestens durch die in den Büchern gebotene Bildgröße auch nicht weiter schwer fallen dürfte. Doch auch bei den jeweiligen Datierungen wird es Verbesserungen geben. Da lag Norbert zum Teil ganz schön daneben.