Das ging ja fast schief! Um ein Haar wäre mir ...
entgangen! Denn die neue hochglänzende alles-ist-super-duper-Postille der Senftenberger Stadtverwaltung hatte schon die Papiertonne erreicht. Meine
Angewohnheit, den Finger-dicken Stapel an Reklameblättern, die in den Lausitzer Wochenkurier (wenn er denn überhaupt einmal zugestellt wird!) eingelegt sind,
im Ganzen zu entnehmen und subito der Wiederverwertung zuzuführen, hätte mich doch wirklich fast um die Lektüre des - SFBoote war gestern! - Seen.Rauschen betitelten,
30 Seiten starken Magazins gebracht. Glücklicherweise enthielt besagter Wochenkurier titelseitig einen Hinweis, so daß ich noch rechtzeitig dieses neue Promotion-Magazin wieder
aus der blauen Tonne fischen konnte.
Der Grundtenor von Seen.Rauschen stellt sich für mich wie eine Jubelarie auf Senftenberg dar. Alles wird in den schillerndsten Farben dargestellt, nahezu kein kritisches Lüftchen unter
dem ganzen Rauschen. Ein bisschen zu viel rosa-rot für meinen Geschmack, aber naja. Ein halbseitiger Beitrag triggerte mich ganz besonders, weil der - wie kann es anders sein? - sich
um die beauftragte Senftenberg-Chronik dreht. Auch diese wird voraussichtlich ganz toll werden und soll als Impulsgeber für Stadtentwicklung, Identität und gemeinsames Handeln wirken... Aha, so habe
ich das noch nie gesehen.

Für die, die das Heft physisch nicht erhalten haben - online gibt es das Ding hier, aber wer weiß, wie lange? - biete ich den Artikel nachfolgend zur Lektüre. Soll sich jeder selbst ein Urteil bilden.
Na gut, so ganz ohne "Senf dazugeben" kann ich dann doch nicht... Besonders stach mir der Absatz Im Fokus steht die Entwicklung von 1929 bis 2029,
ergänzt um die Einordnung der älteren Geschichte. Dr. Dreesbach erklärt "Dieser Zeitraum ist bislang nicht umfassend erfasst, obwohl er in der Entwicklung Senftenbergs eine zentrale
Rolle spielte." ins Auge.
Das klingt für mich nicht gerade nach umfassend und höchsten fachlichen Ansprüchen gerecht werdend von dem noch vor einigen Monaten die Rede war. Mir ist natürlich bewusst, daß große Zeitabschnitte
der lokalen Geschichte sowieso nicht lückenlos belegbar sind. So sehr viel passierte dann auch wieder nicht und das was sich ereignete wurde damals nicht niedergeschrieben, um es heute aus
der Schublade ziehen zu können. Manches, das tatsächlich schriftlich fixiert wurde, ist im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen oder wurde bei gesellschaftlichen Umbrüchen auch gerne einmal
vernichtet. Bestimmte Entwicklungen kann man möglicherweise nur in einem größeren Kontext der Niederlausitzer Geschichte für Senftenberg ableiten. Aber 1929? War das eine der Anregungen,
die aus der lokalen "Projektgruppe" kamen (siehe Neues 692)?
Der Verdacht liegt nahe, daß man ein Buch unter einem Namen a la "Senftenberg - the last 100 years" plant. Einen anderen ernsthaften Grund kann ich nicht erkennen, weshalb man auf 1929 abstellt. Die
Aussage, daß dieser Zeitraum bislang nicht umfassend erfasst ist, kann man nicht abstreiten. Genauso wenig wie meine Einschätzung, daß dies auch für die Zeit vor 1929 gilt. Oder ist
jemand der Meinung, daß wir doch die Paulitz-Chronik haben, die Mitte der 1920er erschien und damit alles bis dahin abdeckt? Irgendwie fühlt sich das gerade so ein wenig nach 1979 an, als man
in der offiziellen Festschrift zum 700. Stadtgeburtstag Senftenbergs Geschichte bis 1945 auf 4 Seiten abfackelte um sich danach ausgiebig in den sozialistischen Errungenschaften der folgenden
35 Jahre zu verlieren. Gleichzeitig beschleicht mich das dumpfe Gefühl, daß die 150.000 Euro, die man für das Werk raushaut, nicht sehr nachhaltig angelegt sein könnten.
Ist aber auch egal, denn nach meiner Einschätzung interessiert sich sowieso kaum jemand für eine wie auch immer geartete Senftenberg-Chronik. In diesem Zusammenhang von "ABM" zu sprechen ist vielleicht
noch etwas verfrüht aber es schmeckt schon ein wenig danach. Ein "Geschmäckle" hat für mich übrigens auch die in dem obigen Magazin-Artikel erwähnte Personalie Laura Bachmann auf dem Sessel des Co-Piloten.
Frau Bachmann trat veröffentlichungstechnisch bislang hauptsächlich als Co-Autorin von Büchern in Erscheinung, die sich um lost & dark places drehen... da ist sie ja in Senftenberg genau richtig!

Na gut, Schluß mit Sarkasmus und wirren Mutmaßungen meinerseits. Stattdessen zurück zum Protokoll: 1929... da fallen die meisten Sachen, die ich heute vorstelle raus und das eine Foto, das
übrig bleibt, hat nun auch nicht gerade großes Potential für die Darstellung der Lebenswelt der Senftenbergerinnen und Senftenberger. Wird in der geplanten Chronik übrigens konsequent gegendert?
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Ja, ja, ist ja gut, ich höre schon auf zu lästern.
Die erste Sache, die demzufolge aus dem Fokus der Dreesbach-Chronik fliegen könnte,
wird durch die rechts abgebildete Ansichtskarte illustriert. Diese erschien nämlich aus
Anlaß der Jahnfeier 1928. So ist es zumindest auf die bildabgewandte Seite
gedruckt worden und daran besteht auch eigentlich kein Zweifel. Schon allein deshalb,
weil die verwendete Aufnahme damals Bestandteil der Berichterstattung im Senftenberger Anzeiger
war.
Persönlich hatte ich zwar nicht damit gerechnet, daß die mir seit Jahren bekannte
Zeitungs-Illustration ein Ansichtskarten-Pendant hat, aber ist doch schön, daß wir das
Motiv nun in vergleichsweise guter Qualität vorliegen haben.
Schön ist auch, daß mit Auftauchen dieser Ansichtskarte ein weiteres Fragezeichen hinter
den Illustrationen in den drei Forkert Büchern verschwindet. In diesem Fall: Senftenberger Rückblicke
Teil II - Seite 58. Dort ist dieses Motiv abgedruckt. Zwar ringsherum beschnitten aber (für mich) klar
erkennbar dieses Motiv.
Am 12. August 1928, anläßlich des 150. Geburtstages Friedrich Ludwig Jahns fand in unserer Stadt
besagte Feier statt. Verbunden war dies mit einem alljährlich stattfindenen Staffellauf der Turner
und Turnerinnen des Lausitzer Elstergaues von Großräschen nach Senftenberg. Der 7,5 km lange Lauf wurde
zu diesem Anlaß kurzerhand in "Jahnstaffellauf" umbenannt.
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Verlag: C:G: Grubann, Senftenberg R 28153 416863 Aufnahme <= 1928 Sammlung Matthias Gleisner
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Das Ganze gipfelte in einer Gedenkfeier, bei der das Jahndenkmal
im Schloßpark eine zentrale Rolle spielte. Der Senftenberger
Anzeiger berichtete in der Rückschau:
Die Läufer, Läuferinnen und Abordnungen der Vereine des Gaues
mit 18 Fahnen marschierten nun unter Vorantritt der Stadtkapelle
Koar zum Jahnstein im Schloßpark Senftenberg.
Im Halbkreis wurde am Gedenkstein Fr. L. Jahns Aufstellung genommen.
Das Turnerlied "Ich kenn einen Wahlspruch" leitete die Gedenkfeier
(150. Geburtstag Fr. L. Jahns) machtvoll ein. Superintendent Lehnerdt-
Senftenberg schilderte den Turnern und Turnerinnen in ergreifenden
Worten das Leben und Wirken Fr. L. Jahns. In einem Gelübde der treuen
Arbeit an dem Wohle des Vaterlandes, das die Turner mit einem dreifachen
"Gut Heil" bezeugten, gipfelten die Worte des Festredners. Im Auftrage
des Gaues legte der 1. Gauvertreter Lamprecht-Senftenberg einen Kranz
am Jahnstein nieder und die Turner und Turnerinnen gelobten mit dem
"Gut Heil" der Deutschen Turnerschaft neue Treue im Sinne Jahns. Das
Lied "Im Dorfe Lanz bei Lenzen" beschloß die Jahnfeier. Hunderte von
Zuschauern wohnten der Feier bei.
Nach der Jahnehrung im Schloßpark sammelten sich die Vereine bei Baranius.
Hier hatte der Turnverein Germania, Senftenberg, der auch die Schmückung
des Jahndenkmals allein übernommen hatte, für Musik und andere kleine
Abwechselungen gesorgt.
So wartete der gemischte Chor des Gesangsvereins "Liederkranz" mit 2
Liedern auf, worauf der 1. Vorsitzende der Germania, Bork, den Erschienenen
seinen Dank aussprach und der Hoffnung Ausdruck gab, daß dieser Jahntag
allen gefallen haben möge. Rektor Höft erwiderte mit einigen Dankesworten.
Von der Turnerin Gertrud Erdmann (Germania) wurde dann der Prolog "Jahnfeier"
gesprochen, worauf 2 Vereinsmitglieder das Diplom zum Ehrenmitglied im
Turnverein Germania überreicht wurde, und zwar an die Turnbrüder Hermann
Noack und Wilhelm Schneider. - Somit hatte der Jahntag in Senftenberg
einen würdigen Abschluß gefunden.
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Wir drehen die Uhr noch weiter zurück... etwa in das Jahr 1917. Im Beipackzettel
dieser Ansichtskarte müsste stehen: Kann Spuren von Farbe enthalten!

Ich weiss nicht, was in diesem konkreten Fall passiert war. Ob das so gewollt oder doch
eher ein Unfall war. Diese Version kann sich einfach nicht entscheiden, ob sie farbig oder doch
lieber schwarz-weiß wäre.
Auf jeden Fall gelangte diese Produktion in den Handel und mindestens ein Liebhaber fand sich,
der das Stück kaufte, beschriftete und postalisch verschickte. Daß dies erst 1927 passierte und
die Karte zudem ein merklich abweichendes Schrift-Design (von den "Breslauern" sind wir sonst anderes gewohnt)
hat, deutet darauf hin, daß es sich um eine spätere (Neu-)auflage handelt. Da war offenbar die Farbe
knapp.
Ach ja, das Jahndenkmal ist da auch drauf zu sehen. Wie auch auf dem folgenden Stück, das
uns noch etwas weiter in die Vergangenheit führt. Nämlich in das Jahr 1911, jenes Jahr, in
welchem das Jahndenkmal errichtet wurde.
G.R. Ziethe, Senftenberg 12 60620 Aufnahme = 1911 Sammlung Matthias Gleisner
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Das Motiv ist bekannt. Die heutige Variante besitzt im Vergleich zu den
bereits archivierten Ausgaben einen etwas verschobenen Bildausschnitt
und die großflächige Beschriftung am unteren Rand wurde gegen eine kaum
sichtbare in der oberen rechten Ecke eingetauscht.
Nichts worum in Köln einer ein Fenster aufmachen würde.
Das trifft auch für das vierte und letzte Stück zu: keine sonderlich beeindruckende
Aufnahme. Grundsätzlich zu kontrastreich. Da kann man digital auch nicht mehr viel
herausholen, es sei denn, man setzt auf die KI. Die würde einem die Aufnahme schön bunt
einfärben und sogar den alten Turnvater Jahn leibhaftig aus seiner Bronze-Plakette steigen lassen.
Kein Quatsch, sowas geht heutzutage.
1970 steht als Aufnahmejahr mehr oder weniger fest. Zeiten, in denen
irgendwelche Feierlichkeiten um den Gedenkstein herum eher nicht auf
der Tagesordnung standen.
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