Es hätte keines weiteren Beweises bedurft, denn es wurde doch hinlänglich nachgewiesen, daß das sogenannte "Pulvertürmchen" auf dem, das Senftenberger Schloß umgebenden Wall,
einst ein sehr beliebtes Ansichtskartenmotiv war.
Die Hochzeit unterschiedlicher, jedoch im Detail dann doch nicht so variabler, Ansichten des kleinen Gebäudes lag dabei zwischen 1900 und etwa 1930. Danach flachte die
Sache merklich ab und andere Ecken des Stadtbildes traten in den Vordergrund.
Mitte der 1950er Jahre wurde noch eine Ansichtskarte mit einer Abbildung des Pulvertürmchens aufgelegt aber kurze Zeit später verschwand das Thema, egal ob fototechnisch
oder zeichnerisch, so gut wie aus allen gedruckten Publikationen.
Heute möchte ich noch einmal mit vier Stücken an die diesbezüglichen Glanzzeiten erinnern. Wie so oft, sind einige Motive bereits bekannt. Jedoch in anderen Varianten. Die
Versionen, die ich dabei heute vorstelle, sind dabei nicht die schlechtesten ihrer Gattung...
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Den Anfang macht eine Ansicht, die ich gerne als "Klassiker" in Sachen Pulvertürmchen
bezeichne. Mittlerweile haben nun schon vier Varianten davon Eingang in das digitale Archiv gefunden
wobei die erste Inkarnation schon in der Frühzeit von www.gruss-aus-senftenberg.de aufgenommen
wurde.
Die heutige Version finde ich persönlich sehr schön coloriert. Die Karte selbst hat eine kleine Prägung und ist
deshalb gut einer ganzen Serie von Ansichtskarten, die dieselbe Aufmachung besitzen, zuordenbar.
Während bei diesem Stück die Aufnahme aus südlicher Richtung erfolgte, zeigen die anderen drei Ansichtskartenmotiv
das Pulvertürmchen aus nördlicher Richtung...
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Verlag: Erich Krause, Buchdruckerei u. Papierhdlg., Senftenberg (Lausitz) Aufnahme <= 1918 Sammlung Matthias Gleisner
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Mühlbach's Postkarte; Verlag: Reinhard Rothe, Meissen 1137 Aufnahme <= 1922 Sammlung Matthias Gleisner
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Verlag von Br. Pulczynski, Senftenberg, Lausitz. R 14532 126973 Aufnahme <= 19?? Sammlung Matthias Gleisner
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E1503 12 Aufnahme <= 1913 Sammlung Matthias Gleisner
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Die Historie des Pulvertürmchens selbst ist vergleichsweise schlecht erforscht. Die Fachleute gehen davon aus, daß das was wir auf den Ansichtskarten sehen, nicht die Urversion
des Baues war. Zwar erkennt man an der Nordseite eine Jahreszahl - 1672 - aber diese wird gemeinhin lediglich als Hinweis auf das erste Pulvertürmchen angesehen und nicht
als Jahr der Errichtung der hier abgebildeten Variante. Wann genau diese errichtet wurde, ist weiterhin unklar. Vermutlich im 19. Jahrhundert. Das teilweise kolportierte
Jahr 1907 hält einer Prüfung niemals stand. 1907 steht in diesem Zusammenhang für die Geburtsstunde des Senftenberger Heimatmuseums, die just in diesem kleinen achteckigen Gebäude schlug,
weshalb das Pulvertürmchen allgemein auch als "Keimzelle" unseres Museums bezeichnet wird.
Ehrlich gesagt, möchte ich mir gar nicht ausmalen, unter welch widrigen Umständen Otto Mingau anno 1907 die ersten Sammlungsstücke in diesem Häuschen lagerte. Aus meiner Sicht herrschten
darin alles andere als optimale Bedingungen für museales Gut. Große Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, Ungeziefer, Vandalismus und Diebstahl sind einige der Punkte, die mir dazu negativ
einfallen. Mingau hätte wohl besser daran getan, die Sammlung zunächst in seinem Hause zu horten, als sie in dieser beengten Räumlichkeit abzuladen, wo sie oben genannten Widrigkeiten
ausgesetzt war.
Die erste mir bekannte Darstellung des Pulvertürmchens stammt von Johann Gottfried Schultz und aus dem Jahr 1787...
Wenn wir die Zeichnung für bare Münze nehmen dann fallen zwei Dinge auf: 1. die Größe des Türmchens im Vergleich zum Schloss und 2. die Differenzen in der Gestalt (Dach, Fenster).
Da sich beides auf den historischen Ansichtskarten aus dem 20. Jahrhundert deutlich anders darstellt, könnte man schlußfolgern, daß tatsächlich wie vermutet, im 19. Jahrhundert ein
Neubau erfolgte. Vielleicht unter der Verwendung des Steines mit der 1672, vielleicht tauchte der Stein aber auch erst bei diesem Neubau auf.

Wie geschrieben: die Bauhistorie dieses Nebengebäudes ist relativ schlecht nachzuvollziehen und leider gibt das anderweitig sehr empfehlenswerte Buch von Dr. Ekkehard Kandler diesbezüglich
auch nicht viel her. Meine Anfrage an den Autor, warum bei der Gesamtrekonstruktion des Senftenberger Schlosses zwischen 2003 und 2006 das Pulvertürmchen quasi um 180 Grad gedreht wurde, indem man
die Türöffnung von der Süd- auf die Nordseite verlegte, blieb bislang leider unbeantwortet.
Eine Antwort auf die Frage, warum das Pulvertürmchen Mitte/Ende der 1950er Jahre von Ansichtskarten und aus Druckerzeugnissen verschwand und eigentlich nur noch auf privaten Fotos auftaucht, kann ich mir vielleicht selbst
geben... es war schlichtweg nicht mehr vorzeigbar! Wie übrigens das gesamte Areal des Schlosses.
Dank 40 Jahren Deutsch-sowjetischer Freundschaft stellte sich das Ganze Mitte der 1980er Jahre nämlich so dar wie auf dem folgenden Foto-Potpourri:
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