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Alle Jahre wieder kommt das Christuskind. Und alle paar Wochen kommt die Rubrik 7845 auf www.gruss-aus-senftenberg.de .
Dabei verlustiere ich mich heute in einer Region, die mir ziemlich vertraut sein müsste und die doch im Zuge meiner Vorbereitungen erhebliche
Wissenslücken offenbarte. Dazu aber später mehr.
In der Tat habe ich selbst einige Jahre in der Fischreiherstraße gewohnt. Nach der Wende. Also mehr als 10 Jahre nachdem die ganzen Fotos hier gemacht wurden. Da sah das
Umfeld dann doch schon etwas aufgeräumter aus, als wir es beispielsweise auf dem linken Foto sehen. Die Szenerie darauf mutet schon ziemlich abenteuerlich an.
Das Schlimme ist, daß diese Aufnahmen nicht etwa kurz nach dem Bau der Wohnblöcke entstanden. Nein, das war tatsächlich mehr als vier Jahre später!
Aufnahme = 1978 Sammlung Uwe Jähnert
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Aufnahme = 1978 Sammlung Uwe Jähnert
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Aufnahme = 1978 Sammlung Uwe Jähnert
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Vermutlich hätte man sich die Installation der Wäschestangen sparen können, da keine vernünftige Hausfrau ihre Wäsche in diesem "Mittelgebirge" aufgehangen hat. Wobei
derartige Trockengelegenheiten an dieser Stelle tatsächlich notwendig gewesen wären. Der gesamte Wohnblock verfügt(e) nämlich über keine Balkons auf denen man ggf.
die Kleidungsstücke an der frischen Luft hätte trocknen können. Die paar kreuz und quer verteilten Dinger, die wir auf dem Foto sehen, wären demzufolge auch zahlenmäßig
viel zu knapp bemessen gewesen.
Während das linke Foto von ebener Erde aus gemacht wurde, kletterte unser Fotograf für die beiden anderen in eine der oberen Etagen des "Hochhauses". Von hier aus
war es ihm möglich, das Panorama vor die Linse zu nehmen, welches uns einen Blick über die Dächer sämtlicher Neubaublöcke hinweg bis nach Brieske-Ost ermöglicht. Zweifellos
entstanden alle drei Aufnahmen an ein und demselben Tag. Und dieser Tag muß - das hatte ich schon an anderer Stelle herausgearbeitet - im Jahre 1978 gewesen sein. Die
Losung an den Fenstern der Schul-Aula ist dabei nur ein Anhaltspunkt. Ein anderer ist, daß wir auf den "von-oben-Bildern" etwas nicht sehen. Senftenberger
wissen Bescheid: Die Poliklinik. Wobei das nicht ganz korrekt ist denn auf dem rechten Foto erkennt man ganz unten rechts bereits die Bodenplatte der zukünftigen Gesundheitseinrichtung.
Und an dieser Stelle offenbarten sich meine oben erwähnten Wissenslücken. Ich bekam nämlich nicht mehr zusammen, wann die Poliklinik in Betrieb genommen wurde. Das Internet
war mir da auf den ersten Hieb auch keine große Hilfe. Wo ist bloß die Senftenberg-Chronik, wenn man sie mal wirklich braucht?
Das sind übrigens die Fragen, die ich durch eine Chronik beantwortet haben möchte. Glücklicherweise wurde ich in der "Hübner-Chronik" (Danke Christian!) fündig.
Darin ein Foto mit dem Rohbau des Gebäudes nebst einem Quellenhinweis, mit dem sich etwas anfangen ließ und womit der Beginn der Bauarbeiten an der Poliklinik auf den Winter
1978/79 fixiert werden kann. Dazu passt die Bodenplatte auf dem Foto oben wie "Arsch auf Eimer".
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Der Fotograf der nächsten Aufnahme überlieferte uns für selbige ein 1978. Ich habe Zweifel! Bei sehr starker
Vergrößerung kann ich schon den Poliklinik-Bau (mit eingesetzten Fenstern!) erkennen. Ringsherum sind
diverse Bauwagen und -container zu sehen. Die Baustelle an sich ist noch eingezäunt. In jedem Fall wurde
das Foto um einiges später gemacht, als die drei ganz oben. Im Zusammenhang mit dem erwähnten Foto des Rohbaus,
das vor März 1979 ebenfalls aus dem Hochhaus heraus aufgenommen wurde, ist das 1978 aus meiner Sicht nicht
mehr haltbar. Ich takte die Aufnahme deshalb in Mitte 1979 ein. In das Jahr, das mir Wikipedia als Jahr
der Inbetriebnahme der Poliklinik nennt. Ob letzteres stimmt bzw. wann genau in 1979, wäre noch zu klären.
Klärungsbedarf gibt es auch hinsichtlich des nachfolgenden Fotos, das aus einer anderen Quelle stammt und nicht
nur deswegen schlecht datierbar ist.
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Aufnahme = 1979 Sammlung Uwe Jähnert
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Aufnahme <= 1979 Stadtarchiv Cottbus
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Das Foto, das mich kurz mal sentimal werden lässt da ich die beiden Fenster ausmachen kann, aus denen ich damals
einen guten Blick auf die gegenüberliegende Poliklinik hatte, takte ich aktuell auf höchstens 1979 ein. Ich richte mich dabei daran aus,
daß ich noch nichts von der Auffahrt zur Poliklinik erkennen kann. Zudem wurde der Standort der zweiten und dritten Straßenlaterne
final nochmals verändert. Das können wir spätestens an dem nachfolgenden und letzten Foto für heute erkennen.
An der westlichen Flanke der Fischreiherstraße wurden nämlich zusätzliche Parkplätze geschaffen. Dort stellten wir ab Mitte der 1990er
zuweilen auch unsere erste Familienkarosse - einen VW Golf 2 mit 90PS - ab.

Aber das sind ja schon Zeiten, die hier auf www.gruss-aus-senftenberg.de keine Rolle mehr spielen, selbst wenn sich der Anblick der
"See-Poliklinik" damals nur unwesentlich vom dem unterschied, den wir auf dem bereits angekündigten finalen Foto für heute geboten bekommen.
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Die zeitliche Deckelung dieser Aufnahme ist in der Tat ziemlich schwierig. Deshalb habe
ich freihändig ein <= 1985 vergeben und denke, daß das in jedem Fall plausibel erscheint.
Wie oben erwähnt: wir sehen die angerampte Zuwegung, die nachträglich geschaffenenen
Parkplätze und die dafür zurückgesetzten Straßenlaternen (zumindest eine davon) die
für die Datierung des vorletzten Fotos eine Rolle spielen.
Übrigens ist es kein Geheimnis, daß derartige "Zweckbauten" wie die Poliklinik oder auch
die Schule, die wir weiter oben schon im Bild hatten, keine Unikate waren. Wie auch die
sie umgebenden Wohnhäuser in Plattenbauweise wurde ein einmal entwickelter Entwurf
baugleich bzw. mit minimalen Anpassungen in der ganzen DDR vielfach wiederverwendet.
Was die Poliklinik angeht, so war diese ein Lausitzer Eigengewächs, konkret des
Wohnungsbaukombinates des Bezirks Cottbus. Unter der Bezeichnung "Ambulatorium für 12 oder
14 ärztliche Arbeitsplätze" entwickelte eine Gruppe von Architekten und Bauingenieuren
zwei Angebotsvarianten - entweder für 12 oder für 14 "ärztliche Arbeitsplätze".
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Aufnahme <= 1985 Sammlung Uwe Jähnert
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Dem Fachjournal "Architektur der DDR" (Heft 5/1980) ist unter dem Titel Wiederverwendungsprojekt Ambulatorium Cottbus zu entnehmen, daß das Angebotsprojekt der ambulanten und medizinischen
Grundversorgung der Bevölkerung in Komplexstandorten des Wohnungsbaus bis zu einer Größe von 3.000 Wohnungen, daß heißt für rund 10.000 Einwohner angepasst ist und die geforderten Funktionen
in einem kompakten, zweigeschossigen vollunterkellerten Baukörper - einer Atriumlösung - mit den Außenabmessungen von 30m x 40m realisiert werden. Und weiter: Das Objekt wird in der Leichten
Geschoßbauweise des VEB Wohnungsbaukombinat Cottbus errichtet. Die Möglichkeiten und Grenzen der architektonischen Gestaltung des Objektes sind mit der Bauweise weitgehend festgelegt. Damit
einhergehend waren die einzelnen Funktionen relativ starr auf die drei Etagen verteilt.
Das Kellergeschoß war demnach technischen Räumen, Aufenthalts- und Sozialräumen und Räumen des Zentral- und Apothekenlagers vorbehalten. Im Erdgeschoß sollten sich Zentralanmeldung, Warenannahme Apotheke,
Chrirurgische Abteilung oder Räume für flexible ärztliche Nutzung, Kinderabteilung mit Anmeldung, Gynäkologische Abteilung, Sterilisation, Laboratorium und Sanitärräume befinden. Das Obergeschoß war für die
Innere Abteilung, HNO-Abteilung, Zahnabteilung, Zahntechnik, Allgemeinmedizinische Abteilung, Physiotherapie, Verwaltung, einem Mehrzweckraum mit Teeküche und weitere Sanitärräume reserviert.
Ich gehe davon aus, daß man sich in Senftenberg und auch an den weiteren 6 Standorten allein im Bezirk Cottbus (Finsterwalde, Cottbus [mehrfach]) an denen ein solcher Bau errichtet wurde, weitestgehend an
diese funktionalen Vorgaben hielt. Zumindest anfangs.
Weil wir gerade bei "Gesundheitseinrichtungen" sind... wie vor zwei Wochen angekündigt bin ich inzwischen im Besitz des kompletten Films "Schnelle Medizinische Hilfe in der DDR". Darin kommt übrigens
versteckt auch das Wohngebiet "See" vor. Leider ist es mir nicht erlaubt, den Film weiterzugeben oder ihn öffentlich zur Ansicht zu bringen. Wer also nach der folgenden
Inhaltsbeschreibung das drängende Bedürfnis verspürt, den Streifen in Augenschein zu nehmen, der muss mich besuchen oder selbst 25 Euro abdrücken.
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