03.10.2021

Das hätte ich mir ja nun auch nicht träumen lassen, daß ich das alte Seerundschau-Design noch einmal aus der Versenkung holen muß...
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

In gewisser Weise hat das auch mit dem in der Vorwoche angedeuteten "Anfall" zu tun, da im Gefolge dessen in Kontakt mit ein paar Ansichtskarten gekommen bin, die bislang unter meinem Radar liefen. Diese zeigen jedoch bei genauerer Betrachtung Ansichten aus der Zeit vor der Wende. Deshalb fallen sie noch in mein Raster und ich kann/muß sie vorstellen.

Senftenberg
BILD UND HEIMAT - REICHENBACH (VOGTL.)
Verlag für Ansichtskarten und Kalender
III/26/13 - 12850/90 - 321285 - So 1733/06/11
Aufnahme <= 1988
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
BILD UND HEIMAT - REICHENBACH (VOGTL.)
III/26/13 - 01 06 0417/11
321285/90
Aufnahme <= 1988
Sammlung Matthias Gleisner
Vom ersten Eindruck her haben alle drei Produktionen etwas miteinander zu tun. Ob dies tatsächlich so ist kann ich nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Was allen gemein ist: irgendwo findet sich in den Zahlenkolonnen ein /90, welches mit Sicherheit auf das Produktionsjahr abstellt. Zwei Karten weisen zudem eine 0417/11 bzw. 0418/11 auf. Die beiden nachfolgenden Stücke, die ich bereits vor längerem vorstellte, passen in dieser Hinsicht sehr gut dazu...

Senftenberg Senftenberg

Das linke Stück besitzt die 0415/11 und das rechte die 0416/11. Zusätzlich finden wir auf beiden Teilen den Schriftzug Erholungszentrum Senftenberger See, welcher sich auch auf dem ersten Exemplar für heute befindet. Dabei widerspiegelt sich in einem (dem rechten) Fall sogar die Farbgestaltung des Schriftzuges.

Senftenberg
BILD UND HEIMAT - REICHENBACH (VOGTL.)
III/26/13 - 01 06 0418/11
321285/90
Aufnahme <= 1988
Sammlung Matthias Gleisner
Es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit. Das Motiv (oben, mittig) der rechten Mehrbildkarte finden wir auch auf dem neuen Stück. Dort jedoch mit größerem Bildausschnitt und alternativ. Wenn auch auf den ersten Blick schwer zu erkennen, handelt es sich doch um unterschiedliche Aufnahmen, die kurz hintereinander geschossen wurden.

Für mich steht also fest, daß die 5 Produktionen mindestens zeitlich zusammengehören. Aber ein paar offene Fragen bleiben bestehen! So weisen alle rot-weiß-umrandeten Stücke eine deutlich flexiblere Qualität (leichter, biegsamer) als herkömmliche Ansichtskarten auf. Zudem wurden alle drei Originale offenbar irgendwo abgeschnitten. Das legt den Verdacht nahe, daß es sich ursprünglich um einen Kalender, Leporello oder dergleichen handelte. Hier wäre ich dankbar über weiterführende Informationen aus denen sich vielleicht weitere Motive ergeben könnten. Das Stück aus dem Trio, welches die Aufschrift "Erholungszentrum Senftenberger See" trägt, scheint bei der ganzen Gemengelage eine herausragende Stellung gehabt zu haben. Die bildabgewandte Seite besitzt hier nicht die klassische Postkarten-Einteilung in Text- und Adressteil inklusive der vorgedruckten Linien. Stattdessen sind die Information um 90 Grad verdreht aufgebracht, so daß das Ganze wie die linke Hälfte einer Maxi-Ansichtskarte (Format A5) aussieht. Oder eben Bestandteil des Umschlags eines wie auch immer gearteten Sammelmäppchens war. Wie gesagt: hierzu sind erhellende Zuarbeiten dringend erwünscht.

Wer angesichts der zahlreichen Surfboards auf zwei der drei Ansichtskarten erstaunt ist: ja das gab es ab Anfang der 80er Jahre tatsächlich hier. Man nannte die Sportart zwar hierzulande "Brettsegeln" statt "Surfing" aber diese Form der Freizeitgestaltung brach sich auch unter sozialistischen Bedingungen Bahn. Und nicht ganz unerheblich dabei war der Senftenberger See. Generell war das Surfen nur auf Binnengewässern erlaubt. Die DDR-Staatsmacht hatte Angst, daß sich ein Surfer über die offene See in Richtung "NSW" davon machen könnte, weshalb dies an der Ostseeküste untersagt war.
1984

Vom 16. bis 23. August 1986 fanden sogar die 9. DDR-Meisterschaften im Brettsegeln auf dem Senftenberger See statt. Mehr als 10000 Zuschauer verfolgten damals die spannenden Wettkämpfe, die zum Teil bei Windstärke 5 ausgefahren wurden.